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Magazin » Ausgabe 404
vom 24.12.2006 (Bericht)

von Autorenhinweise Heinrich Seidel (1842-1906)

Besuch beim Weihnachtsmann

Ein Rückblick in die gute alte Zeit


Im letzten Hause des Dorfes, gerade dort, wo schon der große Wald anfängt, wohnte eine arme Witwe mit ihren zwei Kindern Werner und Anna. Das wenige, das in ihrem Garten und auf dem kleinen Ackerstück wuchs, die Milch, die ihre einzige Ziege gab, und das geringe Geld, das sie durch ihre Arbeit erwarb, reichte gerade hin, um die kleine Familie zu ernähren, und auch die Kinder durften nicht feiern, sondern mußten solche Arbeit leisten, wie sie in ihren Kräften stand.

Sie taten das auch willig und gern und betrachteten diese Tätigkeit als ein Vergnügen, zumal da sie dabei den herrlichen Wald nach allen Richtungen durchstreifen konnten. Im Frühling sammelten sie die goldenen Schlüsselblumen und die blauen Anemonen zum Verkauf in der Stadt und später die Maiglöckchen, die mit süßem Duft aus den mit welkem Laub bedeckten Hügelabhängen des Buchenwaldes emporwuchsen. Dann war auch der Waldmeister da mit seinen niedlichen Bäumchen, die gepflückt werden mußten, ehe sich die zierlichen, weißen Blümchen hervortaten, damit seine Kraft und Würze fein in ihm verbleibe. Sie wanden zierliche Kränze daraus, denen noch, wenn sie schon vertrocknet waren, ein süßer Waldesduft entströmte oder banden ihn in kleine Büschel, die die vornehmen Stadtleute in den Wein taten, auf daß ihm die taufrische Würze des jungen Frühlings zuteil werde.

Später schimmerten dann die Erdbeeren rot unter dem niedrigen Kraut hervor, und während nun die Kinder der reicheren Eltern in den Wald liefen und fröhlich an der reichbesetzten Sommertafel…

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Magazin » Ausgabe 196
vom 29.12.2002 (Bericht)

von Autorenhinweise Werner Popken

Der Esel und der Heiland

Das prominenteste Huftier der westlichen Kultur



In der » Buchbesprechung der letzten Ausgabe habe ich die Rolle des Pferdes in der Geschichte "Weihnachten im Stall" von Astrid Lindgren zu würdigen versucht. Dabei war aufgefallen, daß der traditionelle Esel durch ein Pferd ersetzt worden ist.

Auch in den Arbeiten von Rembrandt zum Thema "Der barmherzige Samariter" hatten wir gesehen, daß Rembrandt den Begriff "Reittier" meistens mit einem Pferd illustriert hatte; nur einmal hatte er einen Esel gezeichnet (» Samariter, » Herberge, » Barmherzigkeit, » Der Esel).

Zu einer Krippe gehören traditionell eine Kuh und ein Esel; anstelle der Kuh könnte es auch ein Ochse sein. Die Krippe, die ich für das Titelblatt fotografiert habe, hat den Ochsen durch ein Schaf ersetzt; der Esel bleibt aber im Regelfall ein Esel und kann nicht ersetzt werden durch ein Pferd (das Kamel gehört zu den Weisen aus dem Morgenland).

Nun gilt der Esel in unserer Kultur traditionell als störrisch, bockig, schwierig, wenig liebenswert; zwar findet man den Esel in Streichelzoos, darüber hinaus aber gilt er nicht als besonders anziehend, er löst im Gegensatz zum Pferd kaum Begeisterung aus und spielt deshalb heutzutage eine sehr kleine Rolle in der Szene der Einhufer-Freunde.

Zur Weihnachtsausgabe 2001 habe ich im » Galeriebeitrag bereits ein wenig über den Esel und die Krippe sinniert. Heute ist mir ein Büchlein aus dem Jahr 1973 in die Hände gefallen, dessen Held ein kleiner Esel ist (Gunhild Sehlin: Marias kleiner Esel).

Das Buch ist 1962 in…

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