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» Ausgabe 414
vom 04.03.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Reitkunst nach Xenophon
Eine kommentierende Übersetzung aus dem Englischen (Teil 2)
Teil VI: Das Pferd korrekt und sicher pflegen und zäumen
Der Pferdebursche sollte nach hinten schauen, wenn er das Pferd pflegt, und nahe der Schulter außerhalb der Reichweite des Hinterbeines stehen, damit er nicht getreten oder durch das Knie gestoßen werden kann. Er sollte sich weder dem Kopf noch dem Hinterteil direkt nähern, da das Pferd ihn leicht durch Steigen oder Ausschlagen überwältigen könnte. Deshalb ist die Seite der sicherste Platz.
Der Stallbursche sollte den Strahl säubern, indem er den Huf aufnimmt und Fessel hochbeugt.
Wenn er das Pferd führt, sollte der Stallbursche nicht vorangehen. Das würde ihn nämlich daran hindern, sich zu schützen, und würde dem Pferd erlauben, zu tun, was es wollte. Das Pferd sollte auch nicht vorangehen, da es leicht Schwierigkeiten machen oder sich herumdrehen und den Burschen angehen könnte. Deshalb ist es am besten, das Pferd von der Seite zu führen, da es dort am besten zu kontrollieren ist und am schnellsten aufgestiegen werden kann, sollte das notwendig werden.
Um das Gebiß in das Pferdemaul zu schieben, sollte der Pfleger seitlich am Pferd stehen, die Zügel über den Kopf schieben und das Halfter in der rechten Hand halten, während er das Gebiß mit der linken zum Pferdemaul führt. Sollte sich das Pferd weigern, das Gebiß anzunehmen, sollte der Bursche das Gebiß mit seinen Fingerngegend die Pferdezähne schieben und seinen linken Daumen in den Pferdekiefer drücken. Wenn das Pferd sich immer noch weigert, …
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» Ausgabe 413
vom 24.02.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Was sagt Xenophon?
Eine kommentierende Übersetzung aus dem Englischen (Teil 1)
Eine englische Übersetzung des griechischen Originals "Peri Hippikes" (Über die Reitkunst) des Schlachtenbummlers und Schriftstellers » Xenophon von H. G. Dakyns ist im » Project Gutenberg zu finden.
Der eigentliche Text hat mehr als 60.000 Zeichen, würde also in der deutschen Übersetzung noch umfangreicher sein und damit drei volle Ausgaben beanspruchen. So interessant dürfte der Text für uns vermutlich nicht sein, daß hier eine getreue Übersetzung angefertigt werden sollte; außerdem erscheint bald eine neue Übersetzung eines berufenen Fachmanns, die denjenigen empfohlen sei, die es genauer wissen wollen (» Reitkunst Xenophon).
Im folgenden mein Versuch einer Übersetzung der Zusammenfassung aus der englischsprachigen Wikipedia. Immer wieder habe ich allerdings auf die zugrundeliegende Übersetzung von Dakyns zurückgegriffen, weil mir die Zusammenfassung öfters nicht ganz verständlich war, aber letzten Endes habe ich mich doch für die kürzere Fassung entscheiden müssen. Gelegentlich habe ich zur besseren Verständlichkeit Anmerkungen in eckigen Klammern eingefügt. Die Kommentare des Wikipedia-Autors stehen in runden Klammern.
Teil I: Die Beurteilung eines jungen Pferdes
Xenophon führt auf, was zu untersuchen ist, wenn ein junges Pferd als Remonte gekauft werden soll. Er gibt sich besondere Mühe, die Wichtigkeit der Gesundheit zu betonen. Seine Empfehlungen umfassen:
- Hufe mit festem Horn und einem Strahl, der nicht den Boden berührt.
[Eigentlich unterscheidet er zwischen hohen und flachen Hufen; er empfiehlt die hohen Hufe, bei denen der Strahl den Boden nicht berührt, und beruft sich auf Simon, der die Hufe nach ihrem Klang beurteilt. Das widerspricht den Erkenntnissen moderner Hufpfleger, die durch Untersuchungen an Wildpferden darauf aufmerksam wurden, daß diese mit der gesamten Sohle und dem Strahl auftreten. Außerdem behauptet Xenophon, daß ein solches Pferd Gänge wie ein O-beiniger Mann habe, was nicht nachzuvollziehen ist. Gute Hufe sollen laut Simon auf dem Pflaster klingen wie ein Becken gegen feste Erde. Xenophon bringt schon den Klassiker: "Ohne Huf kein Pferd", indem er die Hufe mit dem Fundament eines Hauses vergleicht und schlußfolgert, daß das Haus nichts taugt, wenn das Fundament nicht in Ordnung ist. Das Fundament der Pferde sind die Hufe.]
Fesseln, die nicht zu gerade sind und aufrecht, weil sonst der Reiter erschüttert wird und sie eher wund werden, nicht zu lang und niedrig, weil sie sonst beim Galopp den Boden berühren und von Steinen verletzt werden.
Kräftige Röhrbeine. [Er betont, daß die Knochen dick sein sollen mit wenig Fleisch und Fett drumherum, denn sonst bestünde bei besonderer Beanspruchung wie dem Reiten auf hartem Untergrund die Gefahr von Entzündungen und Lahmheiten.]
Eine gute Biegung in den Kniegelenken, da das Pferd dann weniger leicht stolpert oder zusammenbricht. [Die Kniebewegung könne man schon bei Fohlen beurteilen, weil sich die Geschmeidigkeit im Laufe der Jahre verbessert.]
Dicke und muskulöse Vorderarme.
Eine breite Brust, und zwar sowohl wegen der Schönheit als auch weil sich die Beine dann weniger leicht berühren.
Der Hals sollte hoch angesetzt sein und aufrecht getragen werden. Xenophon glaubte, daß das Pferd dann besser sehen würde, was vor ihm ist, und weniger leicht den Reiter überwältigen würde, weil es weniger leicht den Kopf herunternehmen könnte. [Auf diese Weise würden die Pferde nämlich den Reiter überwältigen, nicht indem sie den Kopf hochnehmen.]
Einen trockenen Kopf mit kleinem Kiefer, ein weiches Maul und hervorstehende Augen für gute Sicht. [Er betont, daß beide Seiten des Kiefers gleich sein sollten, weil andernfalls das Pferd unweigerlich auf einer Seite hartmäulig werden würde.]
Große Nüstern für gute Atmung und einen wilderen Ausdruck. [Ein erster Hinweis auf Schaueffekte – er verweist auf das Verhalten der Hengste untereinander.]
Eine üppige Mähne und kleine Ohren.
Einen hohen Widerrist, an dem sich der Reiter festhalten kann, und um eine gute Verbindung zwischen Schulter und Körper zu gewährleisten.
Einen muskulösen Rücken, der weicher und komfortabler ist und auch besser aussieht. [Die Griechen hatten keine Sättel.]
Einen tiefen, gerundeten Leib, der es dem Reiter leichter macht, oben zu bleiben, und dem Pferd, seine Nahrung besser zu verdauen. [Wieder ein Hinweis darauf, daß die griechischen Reiter wohl häufiger unfreiwillig abgestiegen sind.]
Breite, kurze Lenden, die es dem Pferd erlauben, die Vorhand zu erheben und die Hinterhand zu beugen (Xenophon beschreibt die Fähigkeit zur Versammlung), und die stärker sind als lange Lenden. [Pferde mit einem langen Rücken gelten ihm als unproportioniert und unschön und als weniger kräftig und weniger geeignet, Gewicht zu tragen.]
Die Hinterhand sollte muskulös und fest sein, für Geschwindigkeit.
Die Hinterschenkel und das Gesäß sollten gut getrennt sein, so daß das Pferd hinten weit steht, wodurch es sich besser ausbalanciert und sich stolzer präsentiert. [Hier vergleicht er mit einem Menschen, der breitbeinig ebenfalls besser steht und mehr heben kann.]
Es sollte keine großen Hoden haben. [Es werden ausschließlich Hengste geritten. Xenophon merkt an, daß man das bei einem Fohlen natürlich noch nicht beurteilen kann, gibt aber sonst keine…
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» Ausgabe 412
vom 18.02.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Xenophon, der Neunmalkluge
Ein Schlachtenbummler in persischen Diensten
Der meisterliche Pferdetrainer » Kikkuli aus Mitanni, so hatten wir gesehen, der vor rund 3500 Jahren die Armee der Hethiter erfolgreich aufgerüstet hat, kann uns Heutigen noch etwas beibringen. Dieser Meinung ist jedenfalls Ann Nyland, die als Züchterin und Distanzsportlerin seine schriftlichem Aufzeichnungen neu übersetzt und in die Praxis umgesetzt hat (» The Kikkuli Method of Horse Training). Damit handelt es sich um die älteste bislang bekannte Überlieferung zum Umgang mit Pferden. Sie wurde 1906 bei Ausgrabungen auf Keilschrifttäfelchen gefunden und Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts entziffert.
Demgegenüber sind die Schriften des Griechen » Xenophon zum Thema Pferde nie wirklich untergegangen. Wieweit sie tatsächlich in der Praxis eingesetzt wurden und damit Einfluß ausübten, scheint aber nicht weiter bekannt zu sein – jedenfalls habe ich nirgendwo entsprechende Hinweise gefunden. Heutzutage allerdings berufen sich viele auf Xenophon, vor allen Dingen die Kämpfer für die wahre klassische Dressurmethode (z. B. » XENOPHON e.V.).
Ob der Bezug auf historischen Quellen aber wirklich berechtigt ist, ist schwer auszumachen. Können Xenophon und Kikkuli uns heute noch weiterbringen? Waren die damals klüger als wir? Ann Nyland muß uns verständlicherweise versichern, daß Kikkuli hochaktuell ist, denn sie hat sich damit ihren Doktortitel verdient und möchte ihr Buch verkaufen. Inwieweit ihre Erfolge sich aber wirklich auf Kikkuli stützen und ob ihre Methoden bzw. die Methoden Kikkulis so wirksam sind wie behauptet, …
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» Ausgabe 411
vom 11.02.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Training nach Kikkuli
Ein 214-Tage-Programm mit Intervall-Technik
Das Dunkel der Vorgeschichte läßt sich nicht leicht erleuchten. Wie weit man auch blickt, man stößt nirgendwo auf primitive Menschen mit unsinnigen Vorstellungen – jedenfalls nicht häufiger als in geschichtlicher Zeit, eher weniger, denn Dummheiten sind vermutlich in grauer Vorzeit weniger akribisch aufgezeichnet worden.
Wenn man sich vor Augen hält, mit welcher Grausamkeit Pferde noch in unserer Zeit oder vor ein paar Jahrhunderten ausgebildet worden sind, wird einem erst richtig klar, wie fortschrittlich der in hethitischen Diensten stehende Kikkuli aus Mitanni war, dessen Ausbildungsmethoden vor 3500 Jahren in Keilschrift festgehalten und vor 100 Jahren ausgegraben wurden. Und Sie können diese Methoden seit 15 Jahren wieder selbst anwenden. Bis es aber soweit war, mußten viele Wissenschaftler schwer schwitzen.
Der erste archäologische Hinweis auf die Hethiter tauchte in den assyrischen Handelskolonien in Kanesch (dem heutigen Kültepe) auf, wo Aufzeichnungen einen Handel zwischen den Assyrern und einem gewissen „Land Hatti“ belegten. Einige Namen in den Aufzeichnungen waren weder hattisch (altanatolisch) noch assyrisch, sondern eindeutig indoeuropäisch.
Die Inschrift auf einem 1884 von William Wright bei Bogazköy gefundenem Denkmal schien zu eigenartigen hieroglyphischen Inschriften in Aleppo und Hamath (Nordsyrien) zu passen. 1887 wurden die Archive von Tell-el-Amarna gefunden, die die diplomatischen Korrespondenzen von Amenophis III. und seinem Sohn Echnaton enthielten. Zwei der Briefe aus einem „Königreich Cheta“ – in derselben Gegend wie das Hatti-Land in den mesopotamischen Texten gelegen – waren in gängiger akkadischer Keilschrift, aber in einer unbekannten Sprache geschrieben. Sie konnten von den Wissenschaftlern gelesen, aber nicht verstanden werden. Kurz danach schlug Archibald Sayce eine Identifizierung des Hatti-Landes und des Königreiches Cheta mit dem aus der Bibel bekannten Volksstamm der Hethiter vor. Dies konnte sich im frühen 20. Jahrhundert durchsetzen, sodass (zu Recht oder nicht) der biblische Name Hethiter auf die in Bogazköy gefundene Zivilisation überging.
Bei 1905 begonnenen sporadischen Ausgrabungen in Bogazköy fand der Archäologe Hugo Winckler ein königliches Archiv mit 10.000 Tafeln, die in Keilschrift und derselben unbekannten Sprache abgefasst waren wie die ägyptischen Briefe aus Cheta, sodass die Identität dieses Namens mit den Hethitern bestätigt werden konnte. Er bewies, dass die Ruinen bei Bogazköy die Überreste der Hauptstadt eines mächtigen Reiches sind, das zeitweilig auch das nördliche Syrien kontrollierte.
Schließlich wurde die Sprache dieser Tafeln vom tschechischen Linguisten Bedrich Hrozný (1879–1952) entziffert, der seine Resultate bei einem Vortrag am 24. November 1915 vorstellte. Sein Buch Die Sprache der Hethiter; Ihre Struktur und ihre Zugehörigkeit zur Indogermanischen Sprachfamilie erschien 1917 in Leipzig. In diesem Buch konnte er zeigen, dass die bislang geheimnisvolle Sprache der Hethiter zu den indogermanischen Sprachen zählt und somit deren älteste schriftlich festgehaltene Vertreterin ist.
Das Deutsche Archäologische Institut gräbt Hattua seit 1932 (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) systematisch aus.
» Hethiter |
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» Ausgabe 410
vom 04.02.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Meister-Pferdetrainer Kikkuli
Die Entdeckung des ersten Pferdetrainingsprogramms
» Kikkuli – haben Sie diesen Namen schon einmal gehört? Nein? Kennen Sie den Namen » Xenophon? Dieser ist kürzlich als Aufhänger benutzt worden, um auf Mißstände im Pferdesport hinzuweisen, weil er vielen Pferdefreunden bekannt ist. » XENOPHON ist der Name der "Gesellschaft für Erhalt und Förderung der klassischen Reitkultur e.V.", die "kämpferisch gegen die Irrwege des Reitsports vorgehen" will. Deren Ziele richten sich allerdings eher auf die Tradition der Barockreiterei (klassischen Reitkunst) und haben mit dem griechischen Autor und Reitergeneral Xenophon weniger zu tun.
Dessen Buch » Über die Reitkunst gilt immer noch in weiten Kreisen als erstes der Nachwelt überliefertes schriftliches Werk über Pferde und deren Ausbildung und genießt deshalb in Pferdekreisen eine gewisse Popularität. Der Inhalt dieses Buches ist zweifellos bemerkenswert, auch für uns Heutige, aber das älteste überlieferte Buch ist es nicht. Der Pferdemeister Kikkuli aus » Mitanni hat sich schon etwa 1000 Jahre früher schriftlich zu dieser Thematik geäußert.
Der Text wurde 1906 in Hattua gefunden. Er beschreibt ausführlich die Zucht, Haltung, Fütterung und das Training von Pferden, die vor dem Streitwagen eingesetzt werden sollen. Das Trainingsprogramm erstreckte sich über mehrere Monate.
» Kikkuli |
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Damit könnte man das Thema abhaken. Wir wissen Bescheid, wir haben es zur Kenntnis genommen, es wird schon nicht so wichtig sein. Was konnte dieser Kikkuli…
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» Ausgabe 409
vom 28.01.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Reiten und Fahren
Über den Fortschritt in geschichtlichen Dimensionen
Wann genau der Mensch das Pferd zähmte und zum Haustier machte, wissen wir nicht und werden wir vermutlich auch nie wissen können. Fest steht jedenfalls, daß der Mensch als Reiter und Fahrer uns bei seiner ersten geschichtlichen Überlieferung genauso perfekt und auf der Höhe der Kunst entgegentritt wie bei seinen ersten künstlerischen Äußerungen in der Höhlenmalereien der Steinzeit.
Je mehr Vorzeitkunst bekannt wird und je mehr man sich damit beschäftigt, desto größer die Verblüffung über die technischen und ästhetischen Leistungen, die im Grunde bis heute unübertroffen sind. Es kann insbesondere keine Rede davon sein, daß die steinzeitlichen Künstler in irgendeiner Weise primitiv gewesen wären. Und genauso müssen wir den ägyptischen Pharao und den assyrischen König als begnadete Reiter und Fahrer anerkennen, deren technische Vollendung überrascht.
Auch auf diesem Gebiet stellt sich wieder die Frage, ob in all den Hunderten von Jahren, die seither vergangen sind, irgendwelche Fortschritte erzielt wurden. Denn man muß berücksichtigen, daß man damals weder Sattel noch Steigbügel kannte, die bekanntlich das Reiten wesentlich vereinfacht haben, und trotzdem konnten die Herrscher und ihre Gefolgschaft auf die Jagd gehen und mit Pfeil und Bogen und Lanze ihre Künste üben, die für die kriegerischen Auseinandersetzungen dringend gebraucht wurden.
Vermutlich gibt es seit der Blütezeit der indianischen Reitervölker keinen Reiter mehr, der so gut reiten kann wie Assurbanipal ( » Assurbanipal), nicht…
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» Ausgabe 408
vom 21.01.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Alter und Datierung
Spekulationen über die Ursprünge der Domestizierung
In der letzten Woche haben wir uns davon überzeugt, daß die Anfänge der menschlichen Kultur wesentlich früher anzusetzen sind als bis vor kurzem noch angenommen. Denn die Entdeckung der Chauvet-Höhle zu Weihnachten 1994 erbrachte den Nachweis, daß die Menschen schon vor mehr als 30.000 Jahren künstlerische Arbeiten produziert haben, die man ihnen erst 15.000 Jahre später zugetraut hatte, und auch das hielt man lange Zeit für völlig unmöglich.
Halten Sie es für ausgeschlossen, daß man in den nächsten fünfzig Jahren eine Höhle mit Malereien entdecken wird, die 60.000 Jahre alt sind? In Ausgabe 394 habe ich die Vermutung des Archäologen Richard Klein zitiert, der vor etwa 50.000 Jahren eine neue Qualität in der Entwicklungsgeschichte der Menschen erkennt, die er nur durch einen genetischen Sprung erklären kann ( › Die Gene). Demnach müssen wir uns seither als Kulturwesen auffassen. Folgt man ihm, dürfte es den davor lebenden Menschen nicht möglich gewesen sein, solche Kunstwerke zu schaffen.
Nun ist der Mensch nicht nur ein Kulturwesen, sondern auch Techniker. Werkzeuge werden schon seit Hunderttausenden von Jahren benutzt, Speere zum Beispiel. Und wenn sich die Entwicklungslinien von Hunden und Wölfen bereits vor 125.000 Jahren getrennt haben, was moderne genetische Untersuchungen zweifelsfrei ergeben haben, müssen wir daraus den Schluß ziehen, daß die Domestizierung von Hunden eben genau dort anzusiedeln ist, also viel früher als bisher angenommen ( » Haushund, » Multiple and Ancient Origins of the Domestic Dog). Könnten auch…
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» Ausgabe 407
vom 14.01.2007 (Bericht)
von Werner Popken | Höhlenmalerei und Wissenschaft
Über die Anfänge der Kultur und Wissen in der Vorzeit
Wo wären wir heute, wenn wir keine Wissenschaft hätten, frage ich am Ende der Ausgabe 395, in der ich mich mit damit beschäftige, wie glaubhaft eine Quelle sein kann. Jemand hatte nämlich behauptet, daß die Pferde schon vor 15.000 Jahren domestiziert worden sind. Mehr noch: die Menschen seien damals schon geritten. Behaupten kann man viel, aber wie kann man etwas wissen? Diese Frage stellt sich besonders im Zusammenhang mit der grauen Vorzeit.
Dr. Michael Rappenglück, der die Zeichnungen aus der Höhle La Marche für authentisch hält (» Faces from the Ice Age), wurde von mir fälschlich als Archäologe der Universität München bezeichnet. Richtig ist, daß er seit Anfang der achtziger Jahre Leiter einer Volkshochschule in der Nähe von München und dort insbesondere für die Sternwarte verantwortlich ist. Dieser Mann kennt sich also im Sternenhimmel aus. Wer sonst wenn nicht so jemand sollte darauf kommen, daß unsere Vorfahren ihr Wissen über den Sternenhimmel an die Wände der Höhlen gemalt haben?
Das ist jedenfalls das Thema seiner Dissertation, die 1999 an der Universität München angenommen wurde (» Eine Himmelskarte aus der Eiszeit?). Einem Redakteur des BBC zeigte Rappenglück vor Ort, was er entdeckt hatte (» Oldest lunar calendar identified). Nicht nur die Mondphasen und die » Plejaden, sondern auch andere Sternkonstellationen konnten von ihm nachgewiesen werden. Dabei bediente er sich eines Computer-Programms, das die Sternbilder zur jeweiligen Zeit ausrechnen und darstellen kann.
Mit dieser Methode konnte er auch plausibel machen, …
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» Ausgabe 395
vom 21.10.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Auf dem Rücken der Pferde
Wie wurde aus Jägern Reiter und Krieger?
Wann wurde das Pferd domestiziert? Und wo? Und wie? Und wofür? Und welche Auswirkungen hatte das für das Pferd? Noch können wir diese Fragen nicht präzise beantworten, aber eines scheint klar: Die Geschichte von Pferd und Mensch ist länger als gedacht. Und das Wissen darüber ist erstaunlich jung und ändert sich immer schneller.
Diesen Satz habe ich in einem Beitrag über eiszeitliche Kunst gefunden und bin stutzig geworden. Was soll das heißen: sich besser auf Pferde verstehen als andere Rassen?
Geht es um die Jagd auf Pferde oder um den Umgang mit Pferden? Wenn es um die Jagd gehen sollte, würde man dann eine solche Ausdrucksweise wählen? Vermutlich nicht. Also muß man diesen Satz wohl so verstehen, daß die » Cro-Magnon-Menschen die Pferde bereits domestiziert hätten. Davon kann aber gar keine Rede sein – oder sind neuerdings bahnbrechende Entdeckungen gemacht worden, die mir verborgen geblieben sind?
Außerdem: Welche Rassen? Es können in diesem Zusammenhang ja nur Menschen-Rassen gemeint sein. Sollen damit Rassen gemeint sein, die gleichzeitig gelebt haben? Gibt es denn unterschiedliche Rassen in dieser Zeit? Gibt es dafür Belege? Oder sind Rassen gemeint, die früher lebten, insbesondere » Neandertaler? Von welchen Wissenschaftlern ist hier die Rede?
Auf alle diese Fragen gibt der…
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» Ausgabe 394
vom 15.10.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Out of Africa
Kleiner Ausflug in die Vorgeschichte
Am Ende des Pleistozän starben durch klimatische Änderungen und menschliche Jagd alle Pferde in Nordamerika aus.
» Evolution der Pferde |
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Tja, so sind sie, die bösen Menschen! Wann immer irgendwo Tiere aussterben, sind die Menschen schuld – ist ja klar! Die rotten alles aus. Ohne uns Menschen würde alles immer so weitergehen und sich nichts ändern. Oder etwa nicht?
Wie gern wir uns überschätzen und für den Nabel der Welt halten! Zwar haben die Amerikaner im 19. Jahrhundert die » Bisons fast ausgerottet, die zu Millionen über die Prairie zogen, aber die hatten ja auch schon Eisenbahnen und Schießgewehre. Wie sollten die paar Steinzeitmenschen, die vor 10.000 Jahren an der Westküste von Amerika vegetierten, etwas Ähnliches vollbracht haben können?
Im übrigen hatte das Abschlachten, das ja auch leicht in Arbeit ausarten kann, einen Zweck, nämlich die Lebensgrundlage der Indianer zu zerstören und diese damit indirekt zu schwächen und zu besiegen, notfalls sogar auszurotten ( » Amerikanischer Bison). Denn deren Land wollten sich die Weißen einverleiben. Warum hätten die Frühmenschen der Steinzeit so etwas tun wollen? Land gab es schließlich genug, es gehörte niemandem, und mit der Ausrottung der Pferde wäre nichts gewonnen gewesen.
Nebenbei mußten die vermutlich auch etwas für ihren Lebensunterhalt tun, wozu sicher auch das Töten von einzelnen Tieren gehörte, vor allem aber das Sammeln von Früchten, Nüssen und Beeren:
| Aufgrund des Klimawechsels vom Kontinental- zum |
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