» Ausgabe 275 vom 04.07.2004 (Bericht)
von Werner Popken
Brandzeichen als juristischer Hebel
Aufklärung des Zerwürfnisses zwischen Verein und Züchter
In den letzten Wochen habe ich mich mit dem Projekt "Wildbahn Senner Pferde" beschäftigt. Ich hatte herausgearbeitet, daß dieses Projekt auf tönernen Füßen steht. Die Rätsel, die mir vom Verleger Thomas Kiper (› Rückkehr der Senner Pferde), der Vorsitzenden des Vereins Biologische Station Senne, Christel Schroeder, und des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Senner Pferde in der Biologischen Station Senne, Aloys Sielhorst, präsentiert worden waren, konnte ich nach meinem Dafürhalten weitgehend und plausibel auflösen.
Im Artikel dieser Woche geht es mir darum, den Bruch zwischen Karl-Ludwig Lackner, der praktisch im Alleingang die Senner vor dem Untergang gerettet hat und nach wie vor die Hauptlast der Verantwortung für die Sennerzucht trägt (» Senner), und der Station aufzuklären und nachvollziehbar zu machen. Meine Gesprächspartner konnten mir keine plausiblen Hinweise geben.
Nun kann es nach den katastrophalen Erfahrungen zum Jahresende 2003 (› Verantwortlichkeit, › Hungerbauch) die Verantwortlichen der Station doch eigentlich nicht verwundern, daß Lackner ihnen in der Saison 2004 keine Pferde mehr anvertrauen wollte. Damit aber nicht genug: Der Züchter fuhr juristisches Geschütz auf, trat aus dem Verein aus und beendete damit zugleich seine Leitungsfunktion in der "Arbeitsgemeinschaft Senner Pferde in der Biologischen Station Senne". Der Eklat war nicht zu übersehen.
Wie kam es zu diesem offenen Zerwürfnis und was bedeutet es in Bezug auf die Zukunft der Senner? Schließlich handelt es sich um…
» Ausgabe 274 vom 27.06.2004 (Bericht)
von Werner Popken
Spenden für die Pferde
Die Finanzierung von Naturschutzarbeit
Die Stichworte der letzten Woche waren: "artgerecht", "naturnah", "kassieren". Nachdem ich den dritten Teil meiner Serie über das Wildbahnprojekt der Senner (› Die Sicht des Züchters) geschrieben und dabei bereits die ersten beiden Stichworte ansatzweise berücksichtigt hatte, ergaben sich neue Einsichten.
Ich erhielt zum Beispiel zwei Leserbriefe zum zweiten Teil (› Leserresonanz). Der erste stammt von einer Patin des Projekts, Elske Ober. Der zweite wurde vom ersten angeregt und von Karl-Ludwig Lackner geschrieben, der das Wildbahnprojekt angeregt und über den ich im dritten Teil berichtet hatte. Beide Leserbriefe geben Gelegenheit, auf das letzte Stichwort einzugehen.
Dieses war im Zusammenhang mit Veränderungen gefallen, die von der Europäischen Union erzwungen werden, weil Fördermittel für minderwertige Böden wegfallen. Die betroffenen Landwirte müssen entweder Bankrott anmelden oder sich umstellen und nach anderweitigen Einkommensquellen suchen.
Um diese Erkenntnis kann man sich nicht drücken: Profite müssen überall erzielt werden. Das Leben ist nun mal nicht kostenlos, und von irgendwoher müssen die notwendigen Mittel kommen. Was bedeutet das nun für das Wildbahnprojekt?
Wir erinnern uns: Der Verein Biologische Station Senne e.V. legt Wert auf die Feststellung, daß keinerlei öffentliche Gelder für das Wildbahnprojekt verwendet worden sind. In einem gesonderten Artikel des Buches › Rückkehr der Senner Pferde werden eine ganze Reihe von Förderern namentlich aufgeführt und insbesondere die Patenschaft vorgestellt; der Leser soll…
» Ausgabe 273 vom 20.06.2004 (Bericht)
von Werner Popken
Die Sicht des Züchters
Romantische Vorstellung und Realität
In den beiden Berichten zum Wildbahnprojekt Senner Pferde habe ich immer wieder die Bedeutung und Rolle des Züchters Karl-Ludwig Lackner herausgestellt, gerade auch vor dem Hintergrund der Differenzen, die inzwischen sichtbar geworden sind (› Pferde in der Wildbahn, › Biologen als Züchter).
So heißt es noch im Buch › Rückkehr der Senner Pferde, daß Aloys Sielhorst aus dem Vorstand der Biologischen Station Senne und Karl-Ludwig Lackner gemeinsam die Arbeitsgemeinschaft Senner Pferde in der Biologischen Station Senne leiten. Aus meinem letzten Bericht konnte man jedoch entnehmen, daß Aloys Sielhorst die Leitung inzwischen allein innehat.
Das mußte vor dem Hintergrund der Wunschvorstellung Lackners, die Senner wieder in ihrer angestammten Heimat zu sehen, verwundern. Christel Schroeder, die Vorsitzende des Vereins Biologischen Station Senne e.V., berichtete von merkwürdigen Aktionen Lackners, die seitens der Biologischen Station nicht eingeordnet werden konnten, und empfahl mir, das Gespräch mit Lackner zu suchen, um dessen Sichtweise kennenzulernen.
Alle Gesprächspartner aus der Biologischen Station betonten ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit Lackner und wünschten sich eine Wiederherstellung des alten vertrauensvollen Verhältnisses. Ich war gern bereit, mein Möglichstes zu tun, um zwischen den Parteien zu vermitteln, und war gespannt, ob dies möglich sein würde.
Aus den Informationen, die ich von der Biologischen Station erhalten hatte, konnte ich mir kein rechtes Bild machen. In einer schon fast detektivischen Kombinationsarbeit…
» Ausgabe 272 vom 13.06.2004 (Bericht)
von Werner Popken
Biologen als Züchter
Die Eigendynamik von Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit
In dieser Woche setze ich meinen Bericht aus der Vorwoche fort (› Pferde in der Wildbahn). Beim Wiederlesen des ersten Teils hatte ich ein eigenartiges Gefühl; der Text fließt nicht so, wie ich das gewohnt bin. Da fiel mir der Totalausfall meiner Festplatte am Samstagmorgen wieder ein – die Anspannung war offenbar nicht ohne Folgen geblieben.
Glücklicherweise hatte die Festplatte die Arbeit nach achtzehn Stunden Ausfall unversehens wieder klaglos aufgenommen und läuft nach einer weiteren Woche immer noch einwandfrei, so daß die Nervosität inzwischen weitgehend abgeklungen ist. Mal sehen, ob ich heute wieder meinen gewohnten Tonfall finden kann.
Aus einem weiteren Grunde gestaltete sich der Text der letzten Woche etwas schwierig. Alle Gesprächspartner beklagten sich darüber, daß das gute Einvernehmen mit dem Züchter Karl-Ludwig Lackner, der das Projekt angeregt hatte, inzwischen gelitten hat.
Der Verleger und Herausgeber des Buches › Rückkehr der Senner Pferde Thomas Kiper, die Vorstandsvorsitzende des Vereins Biologische Station Senne e.V. Christel Schroeder, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Biologischen Station Senne, Aloys Sielhorst, der die Leitung der Arbeitsgemeinschaft Senner Pferde in der Biologischen Station Senne innehat und mich durch die Wildbahn führte, alle beteuerten, daß ihnen an der guten Zusammenarbeit mit Lackner sehr viel liegt.
Aus all diesen Gesprächen gewann ich den Eindruck, daß die Bestürzung genauso groß ist wie die Ratlosigkeit hinsichtlich der Gründe der Mißstimmung. In der…
» Ausgabe 271 vom 06.06.2004 (Bericht)
von Werner Popken
Pferde in der Wildbahn
Die Senner und ihre Zukunft
Ende April 2000 hatte die Pferdezeitung aus einem besonderen Anlaß die Senner in einem Rasseporträt und einer Personality Story vorstellt (› Senner-Pferde, › Große Hilfe – ganz bescheiden). Der Artikel trägt den Untertitel "Die älteste Pferderasse Deutschlands" und beginnt einigermaßen sensationell:
Können Sie sich Vollblüter als Wildpferde vorstellen? Nein? Na, dann haben Sie vermutlich noch keinen Senner kennengelernt. Diese Großpferde, die in ihrem Stammbaum so viel Vollblut-X aufweisen, daß sie jedem Rennpferd Konkurrenz machen könnten, waren von jeher Wildpferde ... und werden es auch zukünftig wieder sein.
Mit Fug und Recht können die Senner als die älteste Pferderasse Deutschlands bezeichnet werden. Schon 1160 wurden die ungezähmten Stuten in einer Schenkungsurkunde des Bischofs von Paderborn erwähnt.
Im Jahr 1493 wurden die "wilden perde" der Gemahlin des Grafen Bernhard VII. erfaßt und katalogisiert; der Bestand betrug 64 Stück, darunter 23 Mutterstuten und 18 Fohlen, woraus man auf eine vorzügliche Fruchtbarkeit schließen kann.
Aus dem Jahre 1500 existiert ein Testamentsentwurf des Grafen. Darin wurden die Pferde in der "Senne" unter seinen Söhnen aufgeteilt. Der Besitz war also entweder inzwischen vom Kloster Herwidehusen (Hardehausen bei Warburg) auf die Grafen zur Lippe aus Detmold übergegangen oder die Herden der Senner befanden sich in Streubesitz .
Wilde Pferde in sogenannten Wildbahnen waren über Hunderte von Jahren an verschiedenen Stellen in Deutschland anzutreffen; im 19. Jahrhundert sind alle…