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» Ausgabe 356
vom 22.01.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Preis der Zukunft
Schluckt der Neokapitalismus bald auch den Pferdesport?
Der deutsche Springsport hat einen neuen Förderer: » JPMorgan Asset Management, der sich auch "Offizieller Partner" der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sowie des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) nennen darf. Was verrät uns das über die Gegenwart und Zukunft der FN und des deutschen Pferdesports?
In den Fachkreisen stieß das Engagement auf große Resonanz. Bundestrainer Kurt Gravemeier: "Ich bin bei der Entwicklung des Konzeptes dabei gewesen und unterstütze es mit aller Kraft. Wir haben Jugendturniere und Championate und mit dem umfangreichen Engagement von JPMorgan Asset Management nun auch ein Instrument, um die jungen Talente gut in den großen Sport zu bringen."
Ludger Beerbaum (Riesenbeck): "Ich begrüße das sehr. Ich habe selbst zwei, drei potentielle Kandidaten hier bei mir, für die das ein großer Ansporn sein wird. Für viele Reiter ist das die Chance, nach dem Jugendbereich den Anschluss an die Spitze nicht zu verpassen."
Marcus Ehning, einst selbst Sieger im Preis der Zukunft: "Dieses Konzept von JPMorgan Asset Management ist eine Super-Chance für die jungen Leute, große Turniere zu reiten und Erfahrungen zu sammeln. Wie wertvoll das ist, habe ich selbst erfahren. Nachwuchsförderung ist immer wichtig."
JPMorgan Asset Management ist mit verwalteten Kundengeldern in Höhe von rund 790 Milliarden US-Dollar eine der weltweit führenden Investmentgesellschaften. In Deutschland ist das Unternehmen seit 16 Jahren präsent und mit mehr als 20 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen eine der größten ausländischen Fondsgesellschaften.
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» Ausgabe 353
vom 01.01.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Sport, Pferde, Siege
Zweifelhafte Methoden und moderne Mittel
Der Sport ist in weiten Teilen ein riesiges, modernes Geschäft geworden. Viele Sportler sind Spitzenverdiener, der Kapitaleinsatz ist enorm, die Vereine sind Wirtschaftsunternehmen, die Veranstalter von sportlichen Ereignissen agieren genauso kommerziell wie andere Veranstalter auch. Im nächsten Jahr werden wir mit der Fußball-Weltmeisterschaft und den Weltreiterspielen in Aachen zwei der sportlichen Spitzenereignisse, die weltweit höchste Aufmerksamkeit beanspruchen, im eigenen Lande beherbergen. Die Umsätze werden allenthalben dem Rang der Ereignisse entsprechen.
Die Investitionen, die dafür nötig sind, sind nicht unerheblich, und letzten Endes müssen alle verdienen, sonst geht es nicht - das ist verständlich. Denn wer in der Spitzengruppe mitmischen möchte, muß den Sport zum Vollberuf machen. Im Unterschied zu rein kommerziellen Veranstaltungen können die Manager von Sportwettbewerben allerdings immer noch auf Freiwillige zählen, die allein um der Ehre willen Zeit und Arbeitskraft investieren. Denn je höher der Rang, desto kommerzieller der Rahmen, oder umgekehrt: Nach unten hin wird es immer amateurhafter, hobbymäßiger, reine Freizeitbeschäftigung, willkommener Ausgleichssport.
Was ist Sport? Warum treiben Menschen Sport? Sport scheint nämlich etwas spezifisch Menschliches zu sein. Sport beginnt beim Spiel, beim natürlichen Bedürfnis, seine eigenen Fähigkeiten zu erproben, zu verbessern und zu vergleichen. In diesem Sinne treiben auch Pferde Sport: Sie rennen gerne einmal miteinander um die Wette. Allerdings gibt…
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» Ausgabe 345
vom 06.11.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Moskau, Los Angeles und Seoul
Krisen und Sensationen auf höchster Ebene
In der letzten Woche haben wir uns mit den Strukturproblemen des deutschen Spitzensports beschäftigt und gesehen, daß die Schwierigkeiten zwar groß waren, man sich dieser aber annehmen und nach einer längeren Durststrecke wieder Erfolge einheimsen konnte. Das waren die achtziger Jahre.
Sie begannen mit Olympischen Spielen, die mehr oder weniger geplatzt sind. Das ist nicht ganz korrekt formuliert – die Olympischen Spiele fanden 1980 wie geplant in Moskau statt. Allerdings blieben 40% der Nationen fern. Manche haben sich dem Boykott-Aufruf der USA angeschlossen, andere blieben ohne Begründung zu Hause. Das folgende Zitat wertet die politische Dimension der Ereignisse:
Moskau 1980
Olympia-Boykott als politisches Sanktionsmittel – das sollte in den nächsten Jahren Schule machen: Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan zu Weihnachten 1979 forderte die amerikanische Regierung unter Präsident Jimmy Carter Sanktionen gegen die UdSSR. Von diesen Sanktionen blieb schließlich nur noch der symbolische Akt des Boykotts der Sommerspiele in Moskau übrig. Die amerikanische Regierung setzte nicht nur das eigene Nationale Olympische Komitee, sondern auch die anderen Regierungen der Welt unter Druck, um die Olympischen Spiele zu verlegen, zu verschieben oder zu boykottieren. Während das IOC genauso argumentierte wie 1936, der Sport habe nichts mit der Politik zu tun, hatte sich die amerikanische Regierung grundsätzlich gewandelt und benutzte die Olympischen Spiele als Werkzeug, um die Missbilligung der sowjetischen Position zumindest symbolisch zu demonstrieren. An den Ländern, die damals den Olympiaboykott mitgetragen haben, kann man ablesen, wie sehr die einzelnen Staaten sich von den USA als abhängig empfanden – und wie unabhängig das jeweilige Nationale Olympische Komitee von staatlichem Einfluss ist. Während auch die britischen und die französischen Parlamente und Regierungen ihren Olympischen Komitees die Teilnahme in Moskau verboten, fuhren beide Mannschaften trotzdem zu den Olympischen Spielen und verzichteten auf das Zeigen der Nationalfahne. Der wegen seiner Staatsnähe oft als abhängig gescholtene französische Sport verhielt sich unabhängiger als der deutsche. Während der französische protestierte und nach Moskau fuhr, stimmte das Nationale Olympische Komitee für Deutschland unter dem Druck der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages ab und blieb sehr zum Ärger der Sportler zu Hause. |
| [...]
Ist die olympische Bewegung dazu verpflichtet, auf politische Konflikte mit Sanktionen und Ausschlüssen zu reagieren? Oder ist es gerade in Zeiten internationaler Krisen wichtig, dass alle an den Spielen teilnehmen? Denn die Anerkennung gemeinsamer Wettkampfregeln ist immerhin ein kleiner gemeinsamer Nenner der Völkerverständigung. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten schwankten die Spiele seit jeher – in der Hochphase des Wettrüstens zwischen Ost und West hatte diese Diskussion besondere Brisanz.
Bei den Spielen von 1984 in Los Angeles folgte dann auch prompt die Retourkutsche: fast der gesamte Ostblock kam nicht zu den Spielen. Die Begründung für die Nicht-Teilnahme: fehlende Sicherheitsgarantien für die Sportler der UdSSR, denn im Vorfeld der Spiele hatte es in Los Angeles anti-sowjetische Kampagnen gegeben.
» Hintergrund: Boykott statt Völkerverständigung?…
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» Ausgabe 344
vom 30.10.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Die goldenen siebziger Jahre
Boom im Reitsport, sportliche Erfolge überall
In der letzten Ausgabe hatten wir gesehen, wie erfolgreich die deutschen Reiter waren, trotz aller Querelen, die die Olympische Spiele 1972 belastet hatten. Diese Erfolge konnten in den siebziger Jahren fortgesetzt werden. Unterschwellig aber entwickelte sich allenthalben eine handfeste Krise.
Zunächst standen die Weltmeisterschaften 1974 an. Hartwig Steenken wurde mit Simona in Hickstead, Großbritannien, Weltmeister der Springreiter, Dr. Reiner Klimke 1974 auf Mehmed Weltmeister in der Dressur in Kopenhagen. Zusammen mit Lieselott Linsenhoff (Piaff) und Karin Schlüter (Liostro) wurde Klimke auch Mannschaftsweltmeister. Die Vielseitigkeitsreiter Martin Plewa (Virginia), Herbert Blöcker (Albrant), Horst Karsten (Sioux) und Kurt Mergler (Vaibel) errangen die Bronzemedaille in der Mannschaft bei den Vielseitigkeitsreitern.
1975 wurde Alwin Schockemöhle Doppel-Europameister der Springreiter in München (Warwick Rex), in der Mannschaft mit Hartwig Steenken (Erle), Sönke Sönksen (Kwept) und Hendrik Snoek (Rasputin). Die Dressurreiter waren weiterhin überlegen, Gold in der Mannschaft und Gold für Dr. Reiner Klimke 1973, 1975 erneut Gold in der Mannschaft und Silber in der Einzelwertung (Harry Boldt, Woyceck). Gold ging an die Schweizerin Christine Stückelberger mit Granat.
Die Vielseitigkeitsreiter legten zu: Auf der Europameisterschaft in Kiew 1973 gewannen sie Silber und Bronze (Herbert Blöcker und Horst Karsten) sowie Gold in der Mannschaft. Die Experten aus Großbritannien mußten sich mit Silber zufriedengeben.…
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» Ausgabe 343
vom 23.10.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Olympische Spiele München 1972
Streit im Reiterlager, Attentat und Lob der Tierschützer
Ende der sechziger Jahre formierte sich die FN neu, wurde die Zucht im ganzen Lande neu ausgerichtet. Die Wunschvorstellung des Leiters der FN-Abteilung Zucht, Dr. Hanfried Haring, heute Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstandes der FN, daß dem ausländischen Käufer nur noch das "Deutsche Reitpferd" statt der vielen überkommenen Rassen angeboten wird, hat sich bekanntlich bis heute nicht verwirklicht. Nach wie vor konkurrieren Hannoveraner, Westfalen, Holsteiner, Oldenburger usw. um die Gunst des Publikums. Nur ganz vereinzelt wird ein "Deutsches Reitpferd" angeboten; mit ziemlicher Sicherheit dürfte es einer der Rassen angehören, die im allgemeinen Wettbewerb hinten liegen.
Die deutsche Pferdezucht ist auf den großen Sport ausgerichtet. Die einzelnen Zuchtverbände notieren sehr sorgfältig, welche ihrer Zuchtprodukte wo was gewonnen haben. Als Krone der sportlichen Wettbewerbe gelten die Olympischen Spiele. 1972 sollten diese in München ausgetragen werden, zum zweiten Mal in Deutschland, und aus diesem Anlaß erinnerte man sich natürlich an die ersten Olympischen Spiele in Deutschland, die 1936 in Berlin ausgetragen wurden, bei denen die deutschen Reiter in jeder Hinsicht triumphierten: alle sechs Goldmedaillen wurden gewonnen (› Sechsmal Gold).
36 Jahre später mußte zweifelhaft sein, ob die deutschen Reiter in der Lage sein würden, ihre internationale Vormachtstellung wieder unter Beweis zu stellen.Immerhin hatten zumindest die Dressurreiter seit Mitte der sechziger Jahre…
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» Ausgabe 342
vom 16.10.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Neue Wege in der Zucht
Die modernen Strukturen entwickeln sich
Die Zuchtverbände hatten unter den veränderten Umständen am meisten zu leiden und betrieben deshalb den Zusammenschluß aller Kräfte, die sich dem Pferd verpflichtet fühlten, zur "Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)". Zwar konnte dieses Ziel nicht in vollem Umfang verwirklicht werden – einzelne Vereinigungen und Persönlichkeiten ließen es sich nicht nehmen, ihre eigenen Ziele zu verfolgen – aber im wesentlichen konnte man alle Kräfte bündeln und gemeinsam die Aufgaben der Zeit bewältigen.
Zunächst ging es darum, die Zuchten neu auszurichten. Wenn die einzige Bedarfsgruppe im Pferdesport zu finden war, so galt es, das optimale Pferd für diesen Personenkreis zu züchten. Optimal konnte nur bedeuten, daß die sportlichen Fähigkeiten der einzige Maßstab bei der Beurteilung sein konnten. Deshalb ergab sich fast automatisch der Regelkreis, der auch heute noch gültig ist:
- Selektionsstufe 1:
In dieser Stufe erfolgt die Beurteilung des Fohlens bei Fuß der Mutter. Als Beurteilungskriterien werden die Abstammung, das Exterieur sowie die Grundgangarten herangezogen.
- Selektionsstufe 2:
Nach denselben Kriterien erfolgt die Bewertung der zur Körung vorgestellten Hengste im Alter von 2, 5 Jahren.
- Selektionsstufe 3:
Für die Beurteilung des Pferdes dient die Eigenleistungsprüfung (Hengst- und Stutenleistungsprüfung).
- Selektionsstufe 4:
Hier finden die turniersportlichen Erfolge der Nachkommen ihren Niederschlag.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 187 |
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» Ausgabe 341
vom 09.10.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Dressur ganz stark – WM-Triumph
Verbände im Umbruch: Die FN formiert sich
Am Ende der letzten Ausgabe haben wir von den Ausscheidungen für die gesamtdeutsche Mannschaft für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio gehört. Ab den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko traten zwei deutsche Mannschaften an.
Im Vorfeld der Spiele in Japan gab es erhebliche Proteste. Wegen der Entfernungen mußten alle Pferde per Flugzeug transportiert werden. Die Japaner lehnten eine Kostenübernahme ab. Außerdem traute man den Japanern eine ordnungsgemäße Durchführung nicht zu.
Die Reiter wollten gerne eine Sonderregelung wie 1956; damals war Melbourne in Australien Austragungsort der Olympische Spiele – wegen der strengen Quarantänebestimmungen hatte man die Reiterspiele nach Stockholm verlagert. Das Olympische Komitee wollte aber eine Teilung der Spiele nicht noch einmal genehmigen.
Desto größer die Überraschung – alles lief bestens in Tokio:
 Fritz Ligges, Domkosack Bronze Tokio (Bild Luhmühlen) |
Parcourschef Shunzo Kido, im Vorfeld der Spiele einige Male Hospitant auf großen europäischen Turnierplätzen, gestaltet einen Parcours im beeindruckenden Olympiastadion auf höchstem internationalen Niveau – mit klassischer Linienführung, olympisch anspruchsvoll und zugleich fair.
Als problematisch erweist sich allerdings, daß er die schwierigsten der 14 Hindernisse, wie die Kombinationen und den breiten Wassergraben, ans Ende des Kurses setzt. Bis dahin hatte der durch tagelange Regengüsse stark aufgeweichte Boden den Pferden schon allzu viel abverlangt, so daß die meisten zum Schluß keine Kraft und Ausdauer mehr haben, um die mächtigen Klippen fehlerfrei zu überwinden.
Erschwerend kommt hinzu, daß die Zeit extrem knapp bemessen ist. So können die deutschen Springreiter Hermann Schridde mit Dozent, Kurt Jarasinski mit Torro und Hans Günter Winkler mit Fidelitas mit knapp 40 Fehlerpunkten im ersten Umlauf noch zufrieden sein. Es bedeutet die Führung vor Italien (44) und Frankreich (45). Im zweiten Umlauf kommen etliche Abwürfe hinzu.
Dennoch: Mit 68, 5 Fehlerpunkten rangiert die deutsche Mannschaft an erster Stelle und gewinnt die dritte Mannschafts-Goldmedaille nach dem Krieg. Silber erzielen die Franzosen (77), Bronze die Italiener (88, 5).
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 172 |
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» Ausgabe 340
vom 02.10.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Beschwörung: Das Pferd muß bleiben
Der Turniersport wächst im kalten Krieg
Am Ende der letzten Ausgabe hatten wir gesehen, wie dramatisch der Pferdebestand von 1949 bis 1970 zurückgegangen war. Ab 1968 hatte sich die Tendenz abgeschwächt und der Bestand schien sich auf niedrigem Niveau zu stabilisieren.
Das konnte man Anfang der sechziger Jahren aber noch nicht absehen – damals ging es noch linear bergab. Das Pferd schien in der modernen Welt keinen Platz mehr zu haben.
Deshalb die pathetische Veranstaltung "Das Pferd muß bleiben", die vom Hauptverband der Zucht und Prüfung deutscher Pferde gemeinsam mit dem Provinzialverband westfälischer Reit- und Fahrvereine im Zusammenhang mit dem Dortmunder Hallenturnier 1963 veranstaltet wurde. Der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke schickte ein Telegramm:
" Einzig und allein der Mensch entscheidet, ob das Pferd bleiben wird oder nicht. Sollte eines Tages das Pferd verschwinden, so nur durch die Schuld des Menschen."
Die Initiatoren des hippologischen Großereignisses hatten alle Zweige der Landespferdezuchten, des Reit- und Rennsports, der Landwirtschaft und des Gewerbes für die Teilnahme begeistern können. Höhepunkt ist der große Aufmarsch der Pferde aller Zuchtrichtungen. Fachkundig von Fernsehjournalist Hans-Heinrich Isenbart kommentiert, nehmen unter anderem Shetlandponies, Fjordpferde, Haflinger, Dülmener Wildpferde, Warmblüter, Galopp- und Trabrennpferde sowie die "Dicken" Aufstellung in der Arena. Das Schaubild der Trakehner rührt manchen Zuschauer zu Tränen. Vier edle Stuten vor einem knapp 20 Jahre alten Treckwagen wecken die Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Verlust der Heimat. Prächtige Karossen, Quadrillen in historischen Kostümen, Dressur- und Springvorführungen, Stuten mit ihren erst wenige Tage alten Fohlen, Fahrsportdemonstrationen und vieles mehr folgen Schlag auf Schlag. Überraschend gut klappt die von Horst Niemack entworfene Dressurquadrille auf höchstem Niveau. Nur einmal hatten die acht Reiter üben können. Nach der Schlußaufstellung werden Lieselott Linsenhoff, Anneliese Schauerte-Küppers, Rosmarie Springer, Hannelore Weygand, Josef Neckermann, Heinz Pollay, Harry Boldt und Reiner Klimke mit nichtendenwollendem Beifall bedacht. Herzlicher Applaus wird auch Fritz Thiedemann und dem inzwischen zwanzigjährigen Meteor, der seit zwei Jahren sein Gnadenbrot in der Reit- und Fahrschule Elmshorn erhält, zuteil. Es ist eines der letzten öffentlichen Auftritte dieses unvergessenen Paares, denn Fritz Thiedemann hatte sich zu Beginn der sechziger Jahre entschieden, aus dem aktiven Turniersport auszuscheiden.
Als die 16 noch lebenden Medaillengewinner der Olympischen Spiele von 1936, 1952, 1956 und 1960 aufmarschieren, ergreift Willi Daume, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, das Wort und prophezeit dem Publikum, daß die deutsche Reiterei keinesfalls in ihrer Existenz gefährdet sei, sondern im Gegenteil sehr stark in die Breite wachsen werde. Die 12.000 Menschen in der Westfalenhalle schließen sich nur zu gerne Daumes Einschätzung an. Bei allen hat dieser Tag den Eindruck bestärkt, daß das Pferd nicht nur bleiben muß, sondern auch bleiben wird.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 164 |
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» Ausgabe 339
vom 25.09.2005 (Bericht)
von Werner Popken | HGW und Linsenhoff
Die 50er Jahre: größte Triumphe gefolgt von der größten Krise
Anfang Dezember 1954 starb Gustav Rau ( › Das Ende der Ära Rau). Hans Günter Winkler war im selben Jahr in Madrid Weltmeister der Springreiter geworden. Im Januar desselben Jahres hatte ein achtzehnjähriger Schüler in seiner Heimatstadt Münster für eine Sensation gesorgt: » Reiner Klimke.
Der junge Mann, der ländlichen Reiterei entstammend, verweist in drei Dressurprüfungen die Großen des Vierecks wie Willi Schultheis und Heinrich Boldt auf die Plätze. Auf dem Olympia-Pferd Hubertus (in Helsinki mit Dr. Wilhelm Büsing in der Vielseitigkeit erfolgreich) gewinnt Klimke zunächst eine mittelschwere Dressur, um dann sein ganzes Können und Talent in der schwierigsten Prüfung zu offenbaren: Von der Fachpresse als "sensationell" bejubelt, führt er den Vollblüter Scipio, im Besitz des DOKR, zum Sieg. Im Turnierbericht heißt es: "Elastisch wie eine Gazelle, sicher und leicht in der Hand, mit geschlossenem, tätigen Maul, immer in schöner Haltung, ganz bei der Sache, sah man Scipio, von seinem geschmeidigen Reiter mit feinsten Hilfen dirigiert, so gut wie nie zuvor."
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, Seite 145 |
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Hier also schon ein jugendlicher Überflieger in der Dressur – allerdings betätigte sich Klimke zunächst als Vielseitigkeitsreiter. 1960 nahm er in dieser Eigenschaft erstmals an den Olympischen Spielen teil. Immerhin, mit Hans Günter Winkler gehörte Klimke einer neuen Generation an, die erst nach dem Krieg zur Reiterei gefunden hatte.
Die Olympischen Spiele 1952 in…
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» Ausgabe 338
vom 18.09.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Das Ende der Ära Rau
Mühsamer Neuanfang und erste Triumphe
In der letzten Woche habe ich auf einen skandalösen Versuch hingewiesen, die Person des Mannes, der die ersten fünfzig Jahre der FN entscheidend gefördert und geprägt hat, zu verunglimpfen ( › Ehrenrettung für Gustav Rau).
Besonders empörend fand ich, daß dieser gemeine Anwurf von Seiten der FN nicht auf die gebührende Art und Weise zurückgewiesen wurde. Statt dessen konnte man den Eindruck gewinnen, als habe die FN den Beschuldigungen nichts entgegenzusetzen. Dabei kann es kaum gelingen, seine Verdienste gebührend zu würdigen, weil sie so zahlreich und umfassend sind.
1907 war Gustav Rau zum ersten Mal öffentlich in Sachen Pferdezucht aufgetreten:
Gustav Rau:
Die Not der deutschen Pferdezucht
Ein junger Mann wird gleichsam über Nacht berühmt. Gustav Rau, einigen Insidern bereits als Autor der "Hippologischen Wanderungen" in der Zeitschrift "Sport-Welt" bekannt, veröffentlicht 1907 sein erstes Buch: "Die Not der deutschen Pferdezucht". Der gerade mal 27-Jährige überrascht die Fachwelt mit einer umfangreichen Darstellung der deutschen Zuchten, schildert die Differenzen zwischen Warm- und Kaltblut und hält seine Meinung über Sinn und Unsinn in manchen Zuchtgebieten nicht zurück. Das Buch endet mit dem Kapitel "Pferd und Automobil", in dem Rau das Pferd verherrlicht und offenbar nicht wahrhaben will, daß das Automobil das Pferd als Transportmittel von den Straßen verdrängen wird. Das Werk findet so viel Zustimmung, daß Gustav Rau in die preußische Pferdezucht-Kommission berufen wird.
Susanne Hennig: 100 Jahre FN, S. 31…
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