» Ausgabe 432 vom 08.07.2007 (Rasseportrait)
von Werner Popken
Freizeit- oder Sportpferd?
Das getupfte Pferd der Indianer in der Gegenwart
Mit der Indianer-Romantik ist es so eine Sache. Je nach Vorliebe des Züchters oder Appaloosa-Enthusiasten wird die Ursprungsgeschichte der Appaloosas mehr oder weniger mit den » Nez Percé-Indianern verknüpft, natürlich mit dem Vorsatz, positive Gefühle zu erzeugen. Ist dieser Ansatz tragfähig, kann man die Appaloosas darauf reduzieren?
Wenn man sich wirklich mit der Geschichte beschäftigt, wird einem eher übel zumute. So ging es mir jedenfalls, und was mich besonders gewundert hat: Bei der Geschichte der Nez Percé oder amerikanisch Nez Perce (wie sie sich heute selbst nennen) kommen die kostbaren Pferde, die angeblich von ihnen in so besonderer Weise gezüchtet worden waren, gar nicht vor. So formuliert denn auch die deutsche Wikipedia etwas vorsichtig:
Ihre Entwicklung soll von den Nez Percé in Nordamerika ausgehen.
» Appaloosa
Die amerikanische Wikipedia behauptet hingegen fest und bestimmt:
Der Stamm der Nez Perce aus dem amerikanisch-pazifischen Nordwesten entwickelte die Zucht.
» Appaloosa, Übersetzung durch den Autor
Die deutsche Wikipedia verzichtet auf genauere Aussagen im Zusammenhang mit dem Nez Percé-Krieg und den Verbleib der Pferde, während die amerikanische Wikipedia auch dort sehr detaillierte Behauptungen aufstellt:
Als die 7. US-Kavallerie Chief Joseph und den Rest der Nez Perce am 5. Oktober 1877 gefangen nahmen, nahmen sie sofort die mehr als 1000 Pferde des Stammes
» Ausgabe 431 vom 01.07.2007 (Rasseportrait)
von Werner Popken
Durchbohrte Nasen
Indianer-Romantik und Pferdezucht
Die Indianer sind legendär als Pferdediebe und Teufelsreiter – aber als Züchter? Hat Karl May jemals darüber geschrieben? Nicht daß ich wüßte. Bei ihm waren die Pferde immer da, als ausgebildete Reitpferde. Für Pferdezucht hat der sich auch nicht interessiert, wenn ich das aufgrund meiner geringen Kenntnis seines ungeheuren Gesamtwerks behaupten darf.
Immerhin hat Karl May unser Bild von den Indianern stark geprägt. Die Indianer-Romantik zehrt bis heute von seinen Vorstellungen von der edlen Rothaut. In den letzten fünfzig Jahren ist eine neue Sichtweise hinzugefügt worden: Die Indianer als die ursprünglichen und unübertroffenen Ökologen. Stichwort: » Weissagung der Cree. Aber ist diese Sichtweise wirklich berechtigt? Kann man der Indianer-Romantik trauen?
In der letzten Woche habe ich schon Einzelheiten berichtet, die auf ganz andere Charakterzüge schließen lassen. Wenn Indianerstämme andere Indianerstämme überfallen und berauben und deren Töchter in die Sklaverei führen, kann man das als aufgeklärter Mensch nicht gutheißen – vom Pferdediebstahl einmal ganz abgesehen. Wer waren diese Indianer eigentlich, und wer waren die » Nez Percé, auf die die Zucht der » Appaloosa zurückgeht? Und was ist Legende, was Fälschung, was Wahrheit?
Die populäre Weissagung der Cree zum Beispiel ist eine ausgemachte Fälschung. So etwas hat es nie gegeben. Es gab eine Rede eines indianischen Häuptlings (» Seattle) aus dem Jahre 1854, die dieser vor dem Gouverneur der Washington Territories hielt. Man hatte damals natürlich keine…
» Ausgabe 430 vom 24.06.2007 (Rasseportrait)
von Werner Popken
Gut oder bunt?
Die legendären Appaloosas
Anläßlich der Buchbesprechung in der letzten Woche bin ich auf ein Phänomen gestoßen, das mich überrascht hat. Anscheinend werden die berühmten Appaloosas von manchen Amerikanern mit gehässiger Geringschätzung behandelt:
Irgendwo in Nebraska, als sie auf der Interstate fuhren, scherte ein großer achtzehnrädriger LKW hinter ihnen ein. Er blieb für einige Meilen hinter dem Anhänger, bevor er auf die Überholspur wechselte und an Dans Anhänger vorbeizog. Als der LKW vorbeirauschte, kam plötzlich Leben in Dans CB-Funkgerät.
"Hey, Ponyboy", bellte eine Stimme mit neckendem Unterton. "Ich glaube, dir hat jemand dein gutes Pferd gestohlen und durch einen gefleckten Esel ersetzt." "Das ist mein gutes Pferd", antwortete Dan. "Und ich bin froh, daß Sie es gesehen haben, denn es ist mit Sicherheit das beste Pferd, das Sie je zu Gesicht bekommen werden." "Ist schon recht, Ponyboy", sagte der LKW-Fahrer und gluckste. "Wenn ein dummes Appaloosa dein bestes Pferd ist, würde ich es sicher furchtbar finden, dein schlechtestes zu sehen."
Trotz all dem, was Dan und Cherokee gemeinsam durchgemacht haben, all der Probleme, die sie überwunden haben, werden sie wahrscheinlich immer wieder mit Vorteilen konfrontiert werden, weil Cherokee ein Appaloosa ist. Leider sind Appaloosas eine Pferderasse, die genau wie die Araber häufig mißverstanden und folglich gleichermaßen diskriminiert wird. Wie der Araber wird das Appaloosa-Pferd oft als schreckhaft, unkontrollierbar und schwer zu trainieren angesehen. Und wie beim Araber werden diese Anschuldigungen oft von den Leuten ausgesprochen, die die Rasse entweder nicht verstanden haben oder die ein Pferd dieser Rasse erworben haben, nachdem es bereits eine ganze Anzahl von Problemen entwickelt hatte. Was sie anscheinend nicht verstehen, ist, wie wichtig es ist, daß man, wenn man mit Pferden arbeitet, und insbesondere, wenn man mit verschiedenen Rassen umgeht, jedes Pferd als Individuum behandeln muß.
› Mark Rashid: Ein gutes Pferd hat niemals die falsche Farbe, Seite 76