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Magazin  Ausgabe 671
Erste Hilfe
Das Notfallbuch für Pferde

von Cavallo Basic

Einband: broschiert, Seitenzahl: 166, Abbildungen: 340, Format: 215mm x 280mm

Stuttgart, Januar 2012

Müller Rüschlikon

ISBN 978-3-613-30696-7

EUR (D) 9, 80

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Rezension Rezension von

1
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 671
vom 05.02.2012
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Notfälle richtig erkennen und schnell handeln. Im neuen CAVALLO-Bookazine erfährt jeder Reiter, wann das Pferd Erste Hilfe braucht, wie man Schmerzen erkennt und Gefahren für die Gesundheit sofort einordnet und entschärft. Anhand der zehn häufigsten Notfälle erklären die Experten, wie man seinem Pferd im Ernstfall hilft. Zusätzlich rüsten ein Ratgeber für die Stallapotheke sowie diverse Gesundheits-Checklisten für den Fall der Fälle. Eine absolute Pflichtlektüre für alle Reiter und Pferdebesitzer.

Rückentext

Das rettet Leben

Pferde sind von Natur aus robust – aber sie haben einige Schwachpunkte, die sie leicht zu Notfallpatienten machen: Die Darm ist anfällig für Koliken. Neugier, kahle Koppeln und Langeweile locken Pferde zu Giftpflanzen. Jeder Engpass im Stall kam zur Falle werden; jeder Zoff in der Herde zum Verletzungsrisiko.

In solchen Fällen müssen Sie schnell handeln. Das CAVALLO-Notfallbuch „Erste Hilfe“ gibt Ihnen das nötige medizinische Rüstzeug. Rund um die Maßnahmen bei 10 typischen Notfällen erfahren Sie alle wichtigen Gesundheits-Basics: Lahmheits-Check, Verbände und Wundbehandlung, Einsatz von Hausmitteln, Hilfe bei Festliegen und Beruhigungstipps für die Boxenpause. Mit großem Adress-Service: Kliniken, die Koliker operieren. Unerlässlich für jeden Reiter!




Verlag

» Müller Rüschlikon




Kolumnen Rezension

Schon das Format verrät es: Dieses Buch ist kein normales Buch. Der Verlag bezeichnet die neue Reihe CAVALLO-Basic, mit deren Nummer zwei ich heute beginne, als „Bookazine“ , einem Kunstwort, dessen beide Bestandteile Book und Magazine deutlich zu erkennen sind. Die Bedeutung ist klar: Hier wird aus Magazinartikeln ein Buch gemacht. Daher das ungewöhnliche Format. Oder sollte es sich um Originalartikel handeln?

Ich bin kein Abonnent der Cavallo und kann deshalb nicht überprüfen, ob die Artikel neu sind oder nicht oder ohne Veränderung oder mit übernommen worden sind, aber anzunehmen ist dies, obwohl man doch zumindest vermuten würde, dass die unvermeidliche Magazinwerbung im Buch fehlt. Das ist nicht der Fall; ob sich im Buch mehr Werbung befindet, ob es sich um andere handelt als im Heft, ob das Layout komplett anders ist, wäre zu untersuchen.

Das Buch selbst wirbt natürlich schon durch den Inhalt für das Magazin, da es ja ausschließlich aus Magazinartikel besteht; über die eingestreuten Anzeigen wird aber auch noch direkt Werbung für das Magazin gemacht, indem etwa für ein Abo oder für Spezialhefte geworben wird, und zwar ziemlich penetrant. Mit Sicherheit haben die Inserenten für die Buchausgabe zahlen müssen – insofern fragt sich, warum das Buch nicht wesentlich billiger angeboten wird. Der Inhalt ist schon bezahlt, über die Werbung kommt zusätzliches Geld herein – man mag argumentieren, dass Spezialhefte noch teurer sind. Musste der Cavallo-Verlag für diese Werbung beim Buchverlag Müller Rüschlikon bezahlen? Zwar gehören beide inzwischen demselben Eigentümer, aber buchhaltungstechnisch wäre das sinnvoll und eigentlich notwendig.

Apropos – was unterscheidet dieses Bookazine von einem Spezialheft, das ja schließlich vom Magazin und dessen Verlag allein verantwortet wird? Vermutlich die Machart. Im Gegensatz zur üblichen Art, dicke Magazinhefte zu produzieren, nämlich mit einer Klebebindung (Broschur), ist dieses Buch per Fadenheftung gebunden. Der Umschlag wiederum scheint eher einem Magazin nachempfunden, er besteht, wenn ich es recht erkenne, aus etwas stärkerem Papier, das mit einem Kunststoffumschlag eingeschlagen und zusätzlich mit einem Vorsatzblatt verstärkt wurde. Damit dürfte das Buch stärkere Beanspruchungen über längere Zeit gut aushalten, während ein Spezialheft solchen Belastungen vielleicht nicht ganz gewachsen wäre.

Ist diese neue Idee, ist ein Bookazine eine Bereicherung für unsere Welt? Schwer zu sagen, die Menschen sind verschieden. Da wesentlich mehr Menschen Magazine lesen als Bücher (vermute ich mal so, ohne dies belegen zu können), dürfte die Machart eines Magazins den meisten zusagen. Auch das Fernsehen erfreut sich ja einer großen Beliebtheit. Beides irritiert mich sehr. Ich finde Fernsehen und Magazine einfach nur anstrengend. Da wird immer versucht, etwas hochzukochen, was auch ganz nüchtern betrachtet werden könnte. Die Sensation ist die gängige Münze. Das liegt einfach daran, dass Magazine von Journalisten gemacht werden, und für Journalisten ist nur der Extremwert interessant. Je schlimmer, desto besser.

Diese Welt der künstlichen Aufgeregtheit soll nun also mit der abgeklärten Welt der Bücher vermischt werden. Das ist für mich keine gute Aussicht. Schon die seit Jahren zu beobachtende Veränderung der Layout-Moden, die Bücher immer mehr wie ein Magazin aussehen ließen, haben mich irritiert und verärgert. Die Bombardierung meiner Sinne mit Werbung empfinde ich als unerträgliche Zumutung, die Ablenkung vom Eigentlichen, beispielsweise durch Hintergrundbilder, ist einfach nur anstrengend und völlig überflüssig. Könnte ich die Werbung im Internet nicht unterdrücken, wäre mir auch das Internet längst leid geworden. Nein, mir gefällt das alles nicht. Aber auf mich kommt es ja glücklicherweise gar nicht an, sondern lediglich auf die Menge, und die Verkaufszahlen werden es zeigen. Ein Verlag muss wohl einen solchen Schritt wagen, um hinterher schlauer zu sein.

Nicht alles, was vielversprechend aussieht, hat wirklich Bestand. Die besondere Art des Umschlags, die hier verwendet wird, gibt es schon seit einigen Jahren – ich besitze das eine oder andere Buch mit einem solchen flexiblen Kunststoffumschlag. Man kann das wohl machen, aber schön ist das nicht, und möglicherweise wird diese Art des Umschlags tatsächlich so gut wie gar nicht eingesetzt. In diesem Fall würde der Umschlag ja sogar Sinn machen, denn im Stall ist es vermutlich unvermeidlich, dass das Buch Gefahr läuft, zumindest äußerlich verschmutzt zu werden. Das wäre kein Problem, man kann den Umschlag einfach abwaschen. Für die Bücher mit einem solchen Umschlag in meinem Besitz gibt es keinen solchen Grund, was erklären würde, warum sich ein solcher Umschlag nicht weiter Verbreitung erfreut. Stattdessen versucht man, etwa bei Romanen mit Massenauflage, den Umschlag aus massivem Papier mit Prägung und hochwertigem Druck möglichst edel und kostbar aussehen zu lassen. Das macht Sinn, das könnte zum Kauf verleiten. Und im übrigen sind auch solche Umschläge wasserfest, sind allerdings nicht an den Kanten geschützt und stehen nicht über, schützen also auch den Schnitt nicht so wie hier.

Statt eines Vorworts eine Art Editorial des Cavallo-Teams, statt eines Inhaltsverzeichnisses eine Übersicht wie in einem Magazin. Nein, wenn ich es recht betrachte, kann das Layout nicht direkt dem Magazin übernommen worden sein, es versucht doch ein bisschen, dem üblichen Standard eines Buchs gerecht zu werden. Trotzdem: Ist das nun ein Buch?

Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Vielleicht sollte man das Buch eher als Ratgeber bezeichnen, als Notfallhilfe, die man erst dann zu Rate zieht, wenn es wirklich schon brennt. Aber dann ist es vermutlich zu spät. In diesem Falle käme ja auch die Werbung gar nicht zum Zuge. Also soll man wohl doch animiert werden, sich dieses Buch durchzulesen. Oder sollte man vielleicht sagen: Einzelne Artikel durchzulesen, über Themen, die einem in Bezug auf das eigene Pferd vielleicht sinnvoll erscheinen?

Die Themen, die mich interessiert haben, weil ich damit Erfahrungen gesammelt habe, haben mich nicht weiter gebracht – was aber nicht unbedingt gegen das Buch spricht, sondern einfach nur die Grenzen eines solchen Ratgebers aufzeigt. Er ersetzt nicht den Fachmann. Trotzdem schadet es ja nicht, wenn man dazulernt.

Wer die Cavallo regelmäßig liest, wird die Artikel vermutlich alle schon kennen, sofern sie recycelt worden sind; für den ergibt sich ein Mehrwert aus der Zusammenfassung. Es wäre vermutlich unmöglich, im Ernstfall auf einen bestimmten Artikel zurückzugreifen, selbst wenn man die Hefte sorgfältig gesammelt hätte. Es schadet sicher auch nicht, sich diese Artikel noch einmal vor Augen zu führen; vielleicht kann man im Ernstfall davon profitieren.

Ansonsten ist das Thema natürlich eigentlich eher unschön, man möchte sich nicht gerne damit beschäftigen. Auch das könnte natürlich zum Kauf reizen: Mit dem Erwerb des Buches kann man sich beruhigen, man hat ja etwas für den Ernstfall getan und muss sich im Moment damit nicht beschäftigen.

Was wiederum schlecht für die Werbetreibenden wäre. Aber die haben ja schon bezahlt. Und in ein paar Jahren, wenn man das Buch aus gegebenem Anlass noch einmal zur Hand nimmt, gibt es das eine oder andere Produkt, die eine oder andere Dienstleistung, die eine oder andere Firma vielleicht gar nicht mehr. Macht nichts, das ist der Lauf der Welt. In der Hektik des Ernstfalls hat man sowieso keinen Nerv für Werbung.

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