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Presseinfos News: Susanne Hennig

Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 669, erschienen am 22.01.2012

Magazin  Ausgabe 669
Lehren und Lernen im Reitsport
Sportpäddagogische Grundlagen – Neue Sichtweisen von Reitunterricht – Anfängerreitkonzepte

von Meyners, Eckart

124 Seiten / DIN A5 / Lüneburg 2003

Lüneburg, Juli 2000

Wehdemeier & Pusch

ISBN 978-3926988256

EUR (D) 8, 00

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Rezension Rezension von

1
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 669
vom 22.01.2012
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Nichts.

Rückentext

Eckart Meyners ist als Dozent für Sportpädagogik an der Universität Lüneburg tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Bewegungslehre, Gesundheitserziehung, Badminton, Leichtathletik und Reitpädagogik. Reitpädagogik ist als Lehr- und Forschungsschwerpunkt im Institut für Freizeitforschung, Spiel und Bewegungserziehung verankert und wird finanziell vom Reiterverband Hannover-Bremen unterstützt. Seit über 20 Jahren setzt er sich in Büchern, Aufsätzen und Videos mit „Lehren und Lernen im Reiten“ auseinander.

Er ist Mitglied im „Arbeitskreis Reiten im Schulsport“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e. V. (F.N.), ständiger Mitarbeiter im Reitsportmagazin und der Reiter Revue. An der Deutschen Reitschule ist er Lehrbeauftragter und schult die FN Landestrainer, Ausbilder und Richter.

Lehren und Lernen im Reitsport
  • Theorie der Unterrichtsgestaltung
  • Funktionelle Sichtweise
  • Reiten als Handlung
  • Anfängerreiten
  • Umfangreiche Literaturhinweise



Verlag

» Wehdemeier & Pusch




Kolumnen Rezension

Dieses Buch wird bei Amazon derzeit nur im Marketplace angeboten, und zwar von nur einem Anbieter, der für ein gebrauchtes Exemplar 38, 86 € haben möchte: » kameliendame. Im gesamten Buchmarkt sieht es ähnlich aus (» JustBooks); die anderen Exemplare sind teurer; nur die Buchhandlung Lehmanns will es zu 8 € liefern können.

So steht es auch auf der Rückseite des Buches. Der Verlag kann anscheinend (oder nur scheinbar?) auch liefern, verlangt jedoch 8, 18 €. Da dieser aber nur 7 Bücher anbietet und mit einem Relaunch vom April 2003 wirbt, darf man diese Angabe bezweifeln. Der Preis sieht nämlich nach einer automatischen Umrechnung anlässlich der Währungsumstellung im Jahre 2002 aus.

Immerhin dürfte das Buch demnach noch einmal nachgedruckt worden sein, da ja der Preis im Jahr 2000 auf D-Mark gelautet haben muss und auf der Rückseite in Euro angegeben ist; tatsächlich stammt die erste Auflage vom März 2000, die zweite vom Dezember 2002. Es sieht für mich alles danach aus, als sei das Buch vergriffen, womit die Angabe von Lehmanns als Luftnummer einzuschätzen sein dürfte – es wäre nicht das erste Mal.

Eckart Meyners hat es nicht leicht; schon im ersten Absatz des Vorwortes wird erkennbar, dass die Reiter für seine Botschaft nicht gerade aufgeschlossen sind:

Diese Broschüre enthält vier Texte, die sich mit fundamentalen Fragen des Lehrens und Lernens im Reiten beschäftigen. Der erste Text versucht problemorientiert vorzugehen. Ausgehend von Problemen der noch mangelhaften Akzeptanz von sportpädagogischen Grundlagen beim Vermitteln im Reitsport wird versucht, die Bedeutung von sportpädagogischer Theorie für das Lehren und Lernen im Reitsport durchschaubar zu machen. Dabei wird die Vielschichtigkeit der Prozesse zwischen Ausbilder und Reitschüler offengelegt.

a.a.O., Seite 1

Die Reitlehre, die seit geraumer Zeit als Hauptartikelserie in der Pferdezeitung veröffentlicht wird, beklagt ebenfalls ständig die irrigen Vorstellungen der herkömmlichen Reitlehre – dabei ist sie verfasst von einem FN-Reitlehrer, der es genau wissen sollte, aus eigenem Antrieb die Schwächen und Fehler erkannt und die Konsequenzen daraus gezogen hat. Eckart Meyners hingegen kommt von der Sportpädagogik her, er ist für die FN gewissermaßen fremd, er ist kein Reiter.

Nun ist das kein Einwand: Der Trainer eines Fußballvereins muss selber nicht das Zeug haben, im Verein mitspielen zu können. Der Lehrer eines Instrumentalvirtuosen muss selber nicht unbedingt ein Virtuose sein, ist es aber in der Regel zumindest gewesen, wie auch Fußballtrainer in der Regel früher Fußballspieler waren, wenn auch nicht unbedingt besonders gute.

Hier passt wieder einmal die Anekdote, die ich vermutlich schon ein paar Mal zum besten gegeben habe: Die Equitana hatte einen Fotografen beauftragt, die Hop Top Show zu dokumentieren. Dieser Fotograf hatte noch nie Pferde fotografiert und wurde von Pferdefotografen angegriffen, die vermutlich selber gerne diesen Auftrag bekommen hätten. Das focht den aber nicht an: Cool entgegnete er, dass er zwar von Pferden nichts verstehe, aber wisse, was ein gutes Foto sei. Da ist was dran.

Meyners mag kein begnadeter Reiter sein, aber vom Lehren und Lernen versteht er etwas, insbesondere wenn es um die Vermittlung von Bewegungen geht, um Sport.

Die Texte 2 und 3 stellen unterschiedliche Sichtweisen von Bewegung dar, die auf den Reitsport bezogen werden. Die Legitimation für diese Texte hat sich für mich daraus ergeben, als ich nachweisen wollte, dass sich der Reitunterricht – wo immer möglich – vom anweisungsorientierten abkehren muß. Dieses Muß sollte nicht nur von einer Position verdeutlicht werden, sondern die Einbeziehung zweier hochaktueller Denkweisen (einschließlich der Wahrnehmungstheorie – Text 4) der Bewegungsforschung hat zum Zweck, daß bei beiden die Notwendigkeit der Abkehr von der Außensteuerung deutlich wird. Beide Ansätze betonen die Eigenständigkeit des lernenden Reiters.
Der Weg muss vom Bewegt-werden zum Sich-bewegen führen. Diese Erkenntnis ist in allen "menschorientierten" (und nicht sportorientierten) Ansätzen der Bewegungslehre gleichermaßen vorhanden, auch wenn sie unterschiedlichen theoretischen Richtungen entstammen.

a.a.O., Seite 1

In diesem Text scheint etwas zu fehlen – der zweite Satz macht grammatikalisch keinen Sinn. Aber auch sonst muss man sich sehr anstrengen, um zu ahnen, was der Autor wirklich sagen will. Man erkennt wohl, dass er seine wissenschaftliche Kompetenz zur Schau stellen möchte, aber was geht das den Leser an?

Auch der Rest der Einleitung kann den Leser nicht mehr versöhnen:

Die funktionale Sichtweise von Bewegung oder die Handlungstheorie zeigt die Nähe zur Wahrnehmungstheorie, die im Text über Anfängerreiten einbezogen ist. In allen hier vorgetragenen Positionen werden drei zentrale Aspekte menschlicher Bewegungshandlungen integriert:

- Sie ordnen verschiedene Funktionen menschlicher Verhaltensweisen in eine Gesamtorganisation des Bewegungshandelns ein.

- Verhalten und Erleben beim Bewegen wird in einem wechselseitigen Bezug gesehen.

- Bewegen wird als Vorgang der Situations-und Aufgabenbewältigung und nicht "Anweisungsbefolgung" gesehen.

a.a.O., Seite 1

Alles klar? Glücklicherweise ist der Text nicht immer so schwer zu genießen.

Nun ist ja allgemein bekannt, dass der Sport in der Schule zunehmend verwissenschaftlicht worden ist, denn man kann ja schon seit langem Sport als Abiturfach wählen. Es kann also nicht länger darum gehen, sich einfach nur körperlich zu betätigen. Aber auch die Ausbildung der Sportlehrer, die früher durchaus im Argen gelegen hat, hat sich gewandelt, und das ist gut. Wer eine Sportart unterrichtet, sollte viel wissen, über das Lehren an sich, über das Fach sowieso, aber auch über das Lernen – der Lehrer muss wissen, wie die Schüler lernen können. Und da es beim Sport um die Bewegung geht, muss man auch darüber etwas wissen. Wie bewegen wir uns? Und wenn wir wissen, wie wir uns richtig zu bewegen haben, wie können wir das jemand vermitteln, der es noch nicht weiß?

Das Problem ist an sich nicht neu und auch nicht auf den Sport beschränkt. Wer Tänzer werden will, muss tanzen lernen – das ist immerhin noch dem Sport sehr verwandt. Wer Musiker werden will, wird in der Regel mindestens ein Instrument erlernen müssen – das wird man in der Regel nicht mit Sport verwechseln. In allen Fällen geht es darum, dass der Körper etwas ausführen muss, was Sprache nicht adäquat beschreiben kann. Mehr noch: Es gelingt noch nicht einmal, die genauen Vorgänge zu analysieren und zu beschreiben. Zwar versucht das jeder nach Kräften, aber dennoch bleiben die Beschreibungen blass und schwer verständlich. Bis zur korrekten Umsetzung ist es normalerweise ein langer Weg, der üblicherweise nicht allein mit Büchern zurückgelegt werden kann, sondern die aktive Beteiligung von Lehrern erfordert.

Und genau um die Ausbildung der Lehrer kümmert sich Eckart Meyners. Möglicherweise wird dieses Buch auch im Studium verlangt – wenn es vergriffen ist, würde das die hohen Preise im Antiquariat erklären.

Besonders interessant fand ich den letzten Aufsatz: Anfängerreiten. Dieser beruht auf Untersuchungen des Autors zum Reitunterricht in unterschiedlichen Institutionen. Als Lehrer von Lehrern fordert er den Leser auf, sich in die Situation eines 30 jährigen Reitschülers, eines typischen Freizeitreiters, oder eines Kindes beziehungsweise Jugendlichen zu versetzen, um sich dann die folgenden, vermutlich authentischen Instruktionen anzuhören:

"Auf dem Zirkel geritten. Nun nehmen Sie doch mal Platz, setzen Sie sich hin. Nicht immer so vor der Bewegung herumhängen. Mal richtig das Pferd mit dem Kreuz anschieben wollen. Oberkörper zurück, aber Hände vorlassen. Wo soll das Pferd denn hin, wenn Sie ihm immer im Maul herumhängen und den Kopf nach außen ziehen. Streichen Sie doch mal über, aber doch nicht dabei nach vorne fallen. Sitzen, sitzen, Oberkörper zurück. Nun strecken Sie die Schenkel nach vorne. Die Schenkel bleiben dort, wo sie hingehören. Abseits tief, Fußspitzen nach oben. Ist denn das zu schwer, Oberkörper zurück. So, Schluß, Bügel überschlagen. So, nun haben sie (sic!) keinen Bügel mehr, in den Sie sich hineinstellen können. Nochmals, Oberkörper zurück, das muß doch wohl hinzu kriegen sein. Legen Sie ihn auf die Kruppe, wenn's nicht anders geht..."

Diese Anweisungen waren noch mit einem barschen Ton unterlegt. Sie können sich vorstellen, dass es nicht lange dauerte und in dem Kopf des Reiters drehte es sich. Sechs Gedanken beschäftigten ihn, was er tun, und fünf, was er nicht tun sollte. Eine Verbesserung seiner Reitweise schien zweifelhaft, jedoch waren die Außenstehenden beeindruckt von der präzisen Analyse des Reitlehrers, der sofort die Fehler sah und korrigierte, ohne daß sich jedoch beim Reiter etwas zum Positiven verändert. In den Augen der Zuschauenden war der Reiter der Schwache in dieser Situation, weil er nicht imstande war, die korrekten Feststellungen und Anweisungen des Ausbilders umzusetzen.

a.a.O., Seite 59

Wie man sieht, bleibt für die Pädagogen hier noch viel zu tun. Der Autor tut sein Bestes, um hier Grund reinzukriegen. Er lässt es aber nicht bei der theoretischen Erläuterung, sondern bringt vier verschiedene Ansätze für die konkrete Umsetzung. Immer wieder betont er freilich, dass er nicht grundsätzlich die Reitausbildung in Frage stellen möchte und viele ausgezeichnete Ausbilder kennt. Er möchte es sich offensichtlich mit denen nicht verscherzen.

Meyners hat zwei weitere Bücher veröffentlicht, die noch lieferbar sind:
Wer an diesem Thema interessiert ist, wird die Quintessenz seiner Lehren sicherlich auch dort geschildert finden.

Schließlich gibt es noch ein Buch mit demselben Titel, an dem Eckart Meyers aber nicht beteiligt ist: » FN-Handbuch Lehren und Lernen im Pferdesport.

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