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KulturDer kanadische Anthropologe
Für Davis bekommen die Höhlengemälde damit den Charakter nostalgischer Erinnerungen, schamanistische Übungen stellen sich dar als Versuche, die ursprüngliche Einheit mit dem Tierreich, die unwiederbringlich verloren ist, durch Ritual wiederherzustellen. Heute wissen wir, dass alle Menschen auf der Erde von höchstens 1000 Individuen abstammen, die vor 70.000 Jahren aus Afrika ausgezogen sind. Wir sind alle aus demselben Holz geschnitzt. Unsere unterschiedlichen Kulturen sind allesamt Antworten auf die fundamentalen Fragen des Daseins: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Der Westen Davis führte in einem Vortrag » Why Ancient Wisdom Matters für das australische Fernsehen aus, dass die Engländer die Australier nicht verstehen konnten und sie einfach abgeschlachtet haben. 1902 wurde im australischen Parlament diskutiert, ob die Ureinwohner überhaupt menschliche Wesen sind, und noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in einem australischen Kinderbuch ernsthaft vorgetragen, dass die Ureinwohner die interessantesten Beispiele der wilden Tierwelt Australiens darstellen. Aus seiner reichen Erfahrung der unterschiedlichsten Kulturen dieser Erde kontrastiert er solche Ansichten mit kulturellen Antworten auf die Grundfragen der menschlichen Existenz, wobei er etwa den Buddhismus anführt. Er zitiert Der französische buddhistische Mönch
Ist das nicht ein Hammer? Wird uns mit diesem Satz nicht ein höchst unvorteilhafter Spiegel vorgehalten? Prioritäten Die Tibeter, so zeigt Davis, haben Tafeln, die unseren Werbetafeln sehr ähneln. Unsere zeigen nackte Kinder in Unterwäsche, wie er sagt, die der Tibeter sind Handbücher, Gebete für das Wohlbefinden aller lebenden Wesen. Die Tibeter sagten ihm, sie könnten kaum glauben, dass wir den Menschen auf den Mond gebracht haben, aber es ist so. Und wir könnten kaum glauben, dass ein Mensch Erleuchtung erlangen können, aber sie wüssten, wie es geht, und würden es tun. Er bringt noch viele Beispiele von exotischen Kulturen, die völlig andere Prioritäten setzen und auf ihren Gebieten ebenso unglaubliche Errungenschaften vorweisen können wie wir auf unseren. So verweist er zum Beispiel auf Polynesier, die 250 Sterne am Himmel mit Namen benennen könnten, bis zu 32 verschiedene Gerüche in ihrem Boot unterscheiden würden und Inselgruppen, die Tausende von Kilometern entfernt wären, jenseits der Sichtbarkeit, anhand der unterschiedlichen Wellenrhythmen erkennen könnten, weil jede Inselgruppe ihren eigenen Rhythmus hat, genauso wie Wissenschaftler bei uns anhand der Fingerabdrücke die Menschen auseinanderhalten könnten. So muss man sich das also vorstellen, dass die Polynesier den ganzen Pazifik bevölkern konnten – dass sie es getan haben, wissen wir, wie sie es getan haben, konnten wir uns nicht vorstellen. Alle Kulturen auf dieser Welt sind vollgültige Antworten auf das Problem des Lebens, und es wäre ein Fehler, sie als misslungen zu betrachten. Er spricht von 6000 Kulturen, die Tausende von Jahren alt sind, während unsere Industriekultur lediglich 300 Jahre währt. Die anderen Kulturen sind keine fehlgeschlagenen Versuche, so zu sein wie wir sind. Von den 6000 Sprachen, die lebendig waren, als wir geboren wurden, so sagt er, wird die Hälfte nicht mehr an Kinder weitergegeben. Und mit der Sprache geht die ganze Kultur unter. Aber dies ist seiner Ansicht nach kein Anlass zur Sorge, denn wir wissen darum und wir können das Ruder herumreißen, wenn wir es wollen. Wir wissen nämlich, welche Kräfte diese Kulturen zum Untergang drängen, und damit können wir etwas unternehmen. Wir können die Zerstörer menschlicher Kulturen sein, wir können aber auch dafür sorgen, dass sie überleben können. Es kommt ganz auf unsere Prioritäten an. Spam Der Spam der Woche: Willst du dich kümmern?
Haiku
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