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![]() Das reiterliche Becken in Neutralposition |
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Zum Geradeaus gehören Lektionen wie: - Einreiten - Halten - Rückwärtsrichten - Schaukel - Piaffe - Passage - Levade - Fliegender Wechsel - Mittel-/Starker Trab Zur Stellung & Biegung gehören Lektionen wie: - Angaloppieren - Arbeitsgalopp/Mittel-/Starker Galopp - Kontergalopp - Schultervor - Schulterherein - Travers - Renvers - Traversale - Pirouette im Schritt/Galopp - Volte Außerdem gilt diese Unterscheidung auch nochmal für die Hufschlagfiguren: Im Geradeaus gibt es demnach - Ganze Bahn geritten - Durch die ganze/halbe Bahn wechseln - Durch die Länge der Bahn geritten/wechseln In Stellung/Biegung gilt dies für alle Wendebewegungen, als da wären: - Zirkel (durch den Zirkel wechseln, aus dem Zirkel wechseln, Zirkel verkleinern/vergrößern) - Volte - In die Ecke kehrt - Aus der Ecke kehrt - Kurzkehrt - Links/rechts um/kehrt - Schlangenlinien an der langen Seite - Schlangenlinien durch die Bahn - Schlangenlinien über die Länge der Bahn Merke: Das Zentrum kontrolliert die Peripherie! Nach meiner Auffassung sollte der Vorgang der Herstellung von Biegung (Stellung ist hier grundsätzlich implizit!) vom Becken des Reiters ausgehen. Das Zentrum eines Körpers kontrolliert/strukturiert seine Peripherie mit. Habe ich also als Reiter die Kontrolle über das Zentrum des Pferdes, so habe ich die Kontrolle über seine Peripherie = Extremitäten und Kopf/Hals. Das Zentrum des Pferdes ist immer sein physikalischer Schwerpunkt, der sich im Ruhezustand imaginär etwa auf Höhe und Tiefe des Reiterknies befindet. Auf diesen gilt es also einzuwirken, um das Pferd zu formen. Die direkteste und damit beste Einwirkungsmöglichkeit ist mit dem reiterlichen Schwerpunkt auf den des Pferdes einzuwirken. Dies geschieht durch Verlagerung des eigenen Schwerpunktes, die auf das in Bewegung befindliche Pferd (im Stand steht es ja sehr stabil) direkten Einfluss auf Art und Qualität der Bewegung nimmt. Je mehr sich der Reiter mit seinem Schwerpunkt dem des Pferdes nähert, umso besser die Einwirkung. Darum die Forderung nach einem „tiefen“ und geschmeidigen Sitz. Der Reiter kann gegebenenfalls die Schwerpunktreaktion des Pferdes noch zusätzlich durch seinen Oberkörperhebel verstärkt beeinflussen. |
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Das sogenannte „Kreuzanspannen“ bedeutet ja nichts anderes, als dass die Rückenmuskulatur und Bauchmuskulatur angespannt werden müssen, wenn der Oberkörper sich gestreckt nach vorne, hinten, zur Seite neigt, um das reiterliche Becken zu unterstützen. Das Becken wirkt seinerseits durch Kippbewegungen sowohl nach vorne, als nach hinten und zur Seite ein. Im sagittalen (= von vorne nach hinten gesehen) Sinne wirkt das nach vorne gekippte Becken verhaltend, das nach hinten gekippte Becken treibend. Im lateralen (= längsseitig bezogen) Sinne wirkt das leicht gekippte Becken seitwärts weisend, das stark gekippte Becken seitwärts weichend! Die so gebrauchte Gewichtshilfe ist mit Abstand die einfachste, variabelste, sicherste und – besonders wichtig! – vom Pferd am meisten und schnellsten akzeptierte Hilfe/Einwirkung durch den Reiter. Dies zeigt jedenfalls meine mehr als 25jährige Erfahrung im Ausbilden und Korrigieren von Pferden. Zügelhilfen sind lediglich als Ergänzung gedacht, die dem Pferd helfen, die für die gewünschte Beanspruchung/Leistung bestmögliche Haltung und Bewegungsform zu finden und zu erhalten. Im Zusammenhang mit der Hilfengebung geht es auch um die Klärung der Begrifflichkeiten „Synchronisation“ und „Koordination“ . Koordination <=> lat.: „con-ordinare“ = „gemeinsam richten“ Bezieht sich auf das Ausrichten der Muskulatur im Hinblick auf das Bewegungsverhalten des Pferdes. Synchronisation <=> agr. „syn-chronos“ = „zeitlich zusammen“ Bezieht sich auf Aktionen des Reiters ausgerichtet auf einen zeitlichen Fixpunkt im Bewegungsverhalten (z.B. Zeitpunkt innerhalb der Fußfolge) Unterschied: Synchronisation geht vom Reiter aus - Koordination ist Aufgabe des Pferdes. Man kann es natürlich auch so sehen, dass über die synchronisierte Einwirkung des Reiters ein Pferd lernen kann sich zu koordinieren. Letztlich sollte aber das Pferd selber „wissen“ , was es wie zu tun hat und der Reiter sich aus seiner zeitlichen und umständebezogenen Übersicht nur noch als „Einsatzleiter“ betätigen, während das Pferd „seine Pflicht“ tut. Gymnastizieren des Pferdes: Das Wort „gymnastizieren“ hat in unserem Sprachgebrauch eine doppelte Bedeutung: Es bedeutet zum einen „üben“ und zum anderen „geschmeidig machen“ . Damit ist aber auch gleichzeitig ausgedrückt, welchen Stellenwert das „Geschmeidig-Machen“ innerhalb des „Übens von Fertigkeiten“ besitzt – nämlich eine Schlüsselstellung. Wasser bietet hierzu eine gute Analogie. Es kann zum Eiswürfel gefrieren, hart, fest, unbeweglich, unbeein „fluss“ bar oder eben flüssiges Wasser sein, sensibel, fließend, geschmeidig, sich jeder Form anpassend. Das Pferd ist wie Wasser. Es ist reine Bewegungsenergie, die für sich recht ungerichtet, eben „formlos“ ist. Und dies ist die Aufgabe des Reiters, durch sein Einwirken über die Hilfengebung ein „Pferd“ diejenige Form und Haltung gewinnt, die es am besten ermöglicht die gewünschte Leistung schonend, friktionsfrei und stressfrei zu absolvieren. Ist irgendwo ein „Leck“ in der Hilfengebung, dann fließt wie bei einem richtigen Gefäß auch das „Wasser“ (das Pferd in seiner energetischen Struktur) ungerichtet auseinander, das Pferd „zerfließt“ einem förmlich unter den Händen. Aber zuerst muss das Pferd eben „flüssig“ gemacht werden, damit es überhaupt formbar wird. Und das beginnt nicht erst beim Gymnastizieren in der Bahn! |
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Im Zusammenhang mit dem Pferd ist klar, dass es eine wesentliche Erleichterung für die Arbeit mit dem Pferd ist, wenn dieses ein ausreichendes Angebot hat an · Bewegung (große Box, Paddock, Weide, Führmaschine) · Sozialisierung (Pferdegruppenhaltung, Kontakt auch über die Boxen hinweg, Blick auf die Stallgasse, ausgiebiges Putzen & Pflegen) und · Energieversorgung (Saftfutter, Kraftfutter, Mineralien, Spurenelemente, saubere Luft, genügend Licht, frisches Wasser) Außerdem ist es für die Arbeit durchaus hilfreich ein entsprechendes Trainingsambiente zu haben. Also: · Longierhalle, rund · Halle, beliebig, aber mit ordentlicher Bande und griffigem, elastischem Belag · Aussenviereck mit möglichst naturbelassener Begrenzung (Hecke, Wall etc.) · Schwemme (zum Abkühlen nach der Arbeit, zum Nehmen der Angst vor dem Wasser, zum Aquatraining für optimierte Bewegungsabläufe) · Geländeformationen (lange Geraden zum Ausarbeiten ohne Zeitdruck, relativ steile längere Passagen zum Trainieren des Rückens und der Hinterhand zum Zwecke der erhöhten Versammlung, leichte Schrägen zur tendenziellen Verbesserung von Traversalen und für vereinfachte fliegende Wechsel, Sandböden für die Schrittarbeit, kleinere Geländehindernisse, Wurzelgebiete zur Erziehung der Aufmerksamkeit, möglichst gewundene Pfade durch Waldbestand für die natürliche Biegungsentwicklung) · Cavalettis (ein unbedingtes Muss!!!) · Geschicklichkeits-Parcours (Weidetor zum Öffnen, Wippe, Planen, Knister-Klapper-Kreisch-Kram etc.) · Ein Hänger auf jeder Weide, in dem gefüttert wird (zumindest bei den schwer verladbaren Kandidaten) · Solarium (im Winter vor der Arbeit zum Aufwärmen und Abspannen und, – falls schweißnass geritten -, auch nach der Arbeit zum Trocknen und Relaxieren) · Waschplatz (Abspritzen zum Säubern, Kühlen, Wassergewöhnen) · Separater Putzbereich (damit der Dreck nicht in den Boxen rumfliegt und die Stallgasse frei verfügbar bleibt!) ... |
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Weiter geht es mit der angemessenen und passenden Ausrüstung: - Sattel (dem Verwendungszweck entsprechend, grosse Kammer, breiter Baum für die Wirbelbeweglichkeit und Luftzirkulation, richtigem Schwerpunkt, akkurater möglichst großflächiger Polsterung wegen Druckverteilung) - Trense (ausschließlich Wassergebiss, an beiden Enden etwa 1cm über Maulspalte hinausragend, korrekt verschnallt über Ohren, Ganaschen und Jochbein – möglichst nur englisches Halfter) - Gamaschen/Bandagen im Bedarfsfall, wenn Verletzungsgefahr aufgrund von Stellungsfehlern und/oder mangelnder Koordination besteht. - Korrekter(!) Beschlag. - Als Sattelunterlage empfiehlt sich nach wie vor der gute alte Woilach (mehrfaches Falten garantiert eine höhere Verschieblichkeit in sich und somit eine Verringerung der Scheuergefahr) - Als Hilfsmittel sind obligatorisch nur flexible und nicht-zwingende Halsverlängerer, Chambon, Gogue und/oder Dreieckszügel. (Martingale nur fürs Gelände/Springen bei Bedarf = unkontrollierbares Kopfverhalten, denn ansonsten bricht es den Zügel und schränkt die freie Einwirkung der Hand ganz beträchtlich ein, ja wirkt sogar ausschliesslich „rückwärtig ziehend“ ! Ausbinder sind für die Longenkorrektur manchmal angemessen, aber nicht unter dem Reiter – Sturz-und/oder Steiggefahr!) - Die Kandare ist veraltet, muss zwar wegen Turniervorschriften in Gebrauch bleiben, hat ihren Zweck aber schon lange überlebt (früher Pferde mit starkem Genick, schwer und unbeweglich im Habitus, anderes Kaliber als heute. Jedes Pferd kann alle Grand-Prix-Lektionen auch auf Trense gehen, ja unter Umständen sogar auf „blankem“ Halfter wenn es korrekt ausgebildet wurde.) Schon beim Aufrüsten des Pferdes fallen oftmals die Würfel über die Qualität der folgenden Arbeit. In der Art und Weise, wie das Pferd fertiggemacht wird, erschließt sich dem Pferd instinktiv bereits die Grundstimmung und oft genug greift es diese auf. Wichtig ist immer eine gelassene und freundliche Art, die erst gar keinen Stress aufkommen lässt. Auch beim Angurten Zeit lassen, nicht festknallen oder das Gebiss durch die Zähne schrubben bis zum Anschlag oder Ohren, Haare einklemmen etc. Man sieht, bereits im Vorfeld der Umstände ist vieles mitentschieden, was die Arbeit angeht. Diese bildet sozusagen nur das „Sahnehäubchen“ oben drauf und kann für sich alleine drastische Mängel im Umfeld nicht ausgleichen! Die Arbeitsstunde für das Pferd teilt sich bekanntermaßen in fünf Phasen: · Aufwärmphase · Gymnastizierungsphase · Wiederholungsphase · Lernphase · Erholungsphase Die Aufwärmphase dient lediglich dem Beseitigen elementarer Steifigkeit durch zu wenig Bewegung im Vorfeld der Arbeit (Andehnen der Sehnen und Bänder, „Anschmieren“ der Gelenke, Herstellen der Kommunikation = geistiges Aufwärmen!), der verstärkten Durchblutung der Muskulatur (Sauerstoffzufuhr erhöhen für nachfolgende Belastung, Stoffwechsel anregen für Energiekreislauf, Andehnen der Muskelfasern). Zum Aufwärmen gibt es: - ausreichend Schritt mit/am hingegebenen Zügel - taktsicheres und leichtbelastendes Traben in großzügiger Linienführung - kontrolliertes Galoppieren in Beizäumung mit mittlerer Atemfrequenz - wiederholtes Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen auch in Biegungsmanier |
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Die Gymnastizierungsphase dient weiterführend dem gezielten, maximalen Geschmeidigmachen von Sehnen, Bändern, Gelenken und der Muskulatur durch Dehnen und Beugen. Insbesondere in der Linie Kopf-Hals-Rücken, des Rippenbereichs, der Hanken. Zum Gymnastizieren gibt es: - Schenkelweichen in allen Variationen - Übergänge in den Gangarten - Übergänge in den Tempi - Häufiger Handwechsel mit korrektem über Gewichtsverlagerung, dann Umstellen, (dann Umsitzen – im Leichttraben) eingeleiteteten Übergang z.B. Schlangenlinien in allen Variationen, Ecken, 10m-Volten im Wechsel, - Mobilisieren auf der Stelle (nicht zu Verwechseln mit Piaffieren!) - Schaukel Die Wiederholungsphase dient dem erneuten Aufgreifen und der Ist-Zustands-Überprüfung bereits gelernter Inhalte. Sowohl zur Festigung, Vertiefung, als auch um über den geschickten Lektionen-Mix sich bereits vorbereitend an die neuen Lerninhalte heranzutasten. Dabei kann der Reiter leicht einsehen, wie es um sein Pferd stundenaktualisiert bestellt ist und was demnach innerhalb des laufenden Trainingspensums an Belastungen möglich und sinnvoll ist. Die Lernphase ist die eigentliche „heiße“ Phase und der Schrittmacher in der Entwicklung des Pferdes. In der Lernphase können/müssen nicht unbedingt und jedesmal vollkommen neue Lerninhalte zentraler Bearbeitungsgegenstand sein. Zur Lernphase zählen auch Verfeinerungsschritte innerhalb bereits prinzipiell angelegter Übungsfertigkeiten. Oder auch das Abrufen und Ausführen bereits gelernter Lektionen unter veränderten oder erschwerten Umständen. Hier ist, ausser bei reinem Dauerbelastungstraining für die Kondition, das Intervalltraining zu bevorzugen. Pausen zwischen den einzelnen Anforderungen sind mindestens genauso fördernd, wie die Lernaktion an sich. Und was gelernt wurde sollte nicht erneut aufgegriffen werden, denn: Wiederholung ist Strafe! Selbst wenn nur ein Hauch von Tendenz in die richtige Richtung angeboten wurde (und die Betonung liegt hier auf „angeboten wurde“ und nicht auf „abgetrotzt wurde“ !), dann ist mit einem nachfolgenden Beenden mehr gewonnen, als mit einer eventuellen, vermeintlich weiterführenden Expansion der Bemühungen, denn das positive Feedback für das Pferd nach erbrachtem Entgegenkommen ist viel wichtiger als die reine Übungsfrequenz selbst! Ich kann mir sicher sein, dass ein solches Eingehen auf Angebote durch das Pferd nachwirken wird und erstaunlich oft beim nächsten Mal mit einem besserem Anfangsniveau quittiert wird als dem letzten Ergebnisniveau! Wichtig ist für den Lernerfolg vor allem das Unterstützen des Suchalgorithmus´ des Pferdes. Das Pferd sucht eine energetisch und feedback-orientierte positive Lösung im Bewegungsverhalten bei entsprechender „Problemstellung“ . Diese muss sich das Pferd selbst erschließen, denn eine oktroyierte „Lösung“ ohne das eigentliche Verständnis von Seiten des Pferdes führt dazu, dass ich als Reiter ständig die Last der Verantwortung für das Bewegungsverhalten mit übernehmen muss, was doch eigentlich Sache des Pferdes wäre. Das bindet und frisst meine eng begrenzten Ressourcen als Reiter und verhindert, dass ich mich den mehr „strategischen“ Aufgaben widmen kann, weil ich vor Ort ständig taktisch manövrieren muss. Für die „Lernstrategie“ bedeutet dies, dass ich sinnvollerweise Situationen gestalte, die ein gewünschtes Verhalten vorstrukturieren, es implizieren oder triggern (Stichwort: „Situative Konditionierung“ ). Wenn ich dann im Falle des Ausdrucks des gewünschten Verhaltens positiv verstärke und dies gleichzeitig in Verbindung setze mit der von mir favorisierten Hilfengebung, dann stehen die Chancen gut, dass durch ein entsprechendes Ankonditionieren letztlich die Hilfe als Trigger für das gewünschte Verhalten ausreicht und die Situationsbeschaffenheit in den Hintergrund rückt. |
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Ein Fehler, der z.B. sehr oft bei der Cavalettiarbeit gemacht wird, ist folgender: Es werden Cavalettis im Trababstand ausgelegt, um das Pferd zur vermehrten Aktion anzuregen. Über den Cavalettis aber wird ganz genauso weiter eingewirkt, völlig ununterschieden vom Reiter und infolge davon ununterscheidbar für das Pferd. Natürlich muss ich im Falle der erhöhten Aktion eine unterschiedliche Einwirkung mitverabfolgen, damit das Pferd diese mit seiner aktuellen Aktion verknüpfen kann und auch ohne Cavaletti später diese Aktion abrufbar wird! Denn sonst heisst es: Bei Cavalettis: „Action!“ – ohne sie: „tote Hose“ . Womit wir wieder beim Anspruch höchster Differenzierungsfähigkeit sind, damit für jede Bewegungsmodalität eine entsprechende und unmissverständliche Einwirkung parat steht. Über Cavalettis wird ja Jahr und Tag geschrubbt und man wundert sich, warum keine Veränderung der Gangqualität eintritt. Ist doch klar, wenn die treibende Hilfe dieselbe ist, wie beim „normalen“ Schluffen, dann wählt bei dieser Alternative das dem „entropischen Imperativ“ verpflichtete Pferd die bequemere Interpretation! Des weiteren gilt das Prinzip der „9/10-Angleichung“ . Dies bedeutet, dass ich als Reiter, wenn ich eine Veränderung herbeiführen möchte, dies am geschicktesten so mache, dass ich von dem vom Pferd bereitwillig angebotenen Verhalten mich zu 9/10 darauf einlasse, also im Großen & Ganzen „mit dem Strom schwimme“ , aber zu 1/10 eine Abweichung einbaue und abfordere, welche im Regelfall vom Pferd unkommentiert bleibt, also angenommen wird, weil sie so unspektakulär, nicht aggressiv oder gar frontal wirkend ist. Und 10 x 1/10 ergeben auch ein Ganzes. Auch diese Abweichung erfolgt eher wie „zufällig“ und wenn man möchte kann man sich beim Pferd sogar noch entschuldigen. Der größte Feind und zugleich der beste Freund des Reiters ist die Eigenschaft des Pferdes ein absolutes Gewohnheitstier zu sein. Gelingt es mir also eine „schlechte“ Gewohnheit langsam aber sicher umzuwandeln über die Technik der kleinen Schritte, dann wird sich über kurz oder lang die neue Gewohnheit etablieren und das Pferd überraschenderweise, obwohl es vielleicht wesentlich mehr leisten muss im Vergleich zur vorherigen Alternative, mit derselben Gleichmütigkeit die neue Gewohnheit adaptieren und pflegen. Das kann im Extremfall bedeuten, dass sich ein Pferd hervorragend über direktes anfängliches Piaffieren lösen lässt, besser noch als über rundenlanges Leichttraben, abgaloppieren und dergleichen! wird fortgesetzt |
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