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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 663, erschienen am 11.12.2011

Magazin  Ausgabe 663

Neutralposition
Gleichgewichtslage sicherstellen

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Reiten als offenes System
  2. Abschnitt  Geradeaus
  3. Abschnitt  Gymnastizieren
  4. Abschnitt  Trainingsambiente
  5. Abschnitt  Ausrüstung
  6. Abschnitt  Gymnastizierung
  7. Abschnitt  Differenzierungsfähigkeit
  8. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 655:
Hauptartikel  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 656:
Hauptartikel  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 660:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16
CENTAURON - Reiten als offenes System

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 664:
Hauptartikel  CENTAURON – Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22, Ausgabe Magazin 669:
Hauptartikel  CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
http://www.equivox.de/Hauptartikel

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Das reiterliche Becken in Neutralposition
CENTAURON – Reiten als offenes System

Verantwortlich reiten: Die Arbeitsstunde für das Pferd

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


Reiten ist also keineswegs nur ein Frage der Routinenentwicklung, wie es durch den bekannten Spruch „Reiten lernt man nur durch Reiten“ suggeriert wird. Reiten lernen bedeutet einen vollkommen neuen Weg des Verhaltens innerhalb dynamischer Prozesse, welche sich besonders durch einen hohen Grad an Unvorhersehbarkeit/Unbestimmtheit auszeichnen, zu erkennen und sich anzueignen.

Reiten bewältigt derjenige am besten, der sich selbst als möglichst „offenes System“ darstellt, welches improvisierend, unmittelbar und unvoreingenommen auf Veränderungen in Übereinstimmung mit diesen reagieren kann.

Vorbereitung:

Es versteht sich von selbst, dass unter diesen Punkt zweierlei Aspekte zu nennen sind:

· Vorbereitung im Sinne des Aufwärmens, Gymnastizierens und Sicherstellens des Hilfengehorsams
Hierunter fällt die Skala der Ausbildung insoweit, als die einzelnen Lektionen entsprechende Stufen verlangen.

· Vorbereitung im Sinne der punktuellen Präparation für vereinzelte Belastungen
Folgende Punkte sind standardmässig in den vorbereitenden Ablauf zu integrieren:

- Aufmerksam machen (Ansprechen, Schnalzen, Arret, halbe Parade, Aufrichten/ „schrubben“ , wenn etwa der Schwung verloren ging, denn dieser ist ad hoc nicht ohne weiteres wieder herzustellen.

Gleiches gilt beispielsweise auch für einen partiellen Gleichgewichtsverlust, sofern dieser nicht unmittelbar durch reiterliche Einwirkung kompensiert werden kann.

Jede Aktion, die sich über diese Prämisse hinwegsetzt, bedeutet die Gefahr eines Schadens am Pferd (Sehnen, Bänder, Gelenke, Muskulatur, Energie Motivation). Das wichtigste Gut, das der Reiter von seinem Pferd erwerben kann, ist das Vertrauen in seine Kompetenz.

Der Reiter muss immer, – soweit die Situation es zulässt (Man denke an Gefahr für Leib und Leben gegen andere) -, das Wohl seines Pferdes vor Augen haben. Zwinge ich das Pferd etwa durch eine Pirouette, die bereits verloren ging, dann kann dies nur unter erheblichem Aufwand von Seiten des Pferdes geschehen, welches aber infolge eines solchen Kraftaktes sicherlich (sofern dies sich wiederholt) zunehmend verhalten, verspannt, abwehrend gegenüber dieser Lektion reagieren lernen wird.

Dies kann nicht im Interesse des Reiters sein.
Dieser Anspruch ist auch unschwer nachvollziehbar, wenn man sich selbst an Stelle des Pferdes setzt und sich eine Situation ausmalt, die aus eigener Anschauung und Einschätzung wenigstens als grenzwertig für die eigenen Möglichkeiten eingestuft werden kann.

Grundsätzlich gilt:
Jede Lektion ist eine Variation von zwei grundlegenden Bewegungsmöglichkeiten:

a) Im Geradeaus
b) In Stellung & Biegung

Geradeaus  oben 



Zum Geradeaus gehören Lektionen wie:
- Einreiten
- Halten
- Rückwärtsrichten
- Schaukel
- Piaffe
- Passage
- Levade
- Fliegender Wechsel
- Mittel-/Starker Trab

Zur Stellung & Biegung gehören Lektionen wie:
- Angaloppieren
- Arbeitsgalopp/Mittel-/Starker Galopp
- Kontergalopp
- Schultervor
- Schulterherein
- Travers
- Renvers
- Traversale
- Pirouette im Schritt/Galopp
- Volte

Außerdem gilt diese Unterscheidung auch nochmal für die Hufschlagfiguren:
Im Geradeaus gibt es demnach
- Ganze Bahn geritten
- Durch die ganze/halbe Bahn wechseln
- Durch die Länge der Bahn geritten/wechseln

In Stellung/Biegung gilt dies für alle Wendebewegungen, als da wären:
- Zirkel (durch den Zirkel wechseln, aus dem Zirkel wechseln, Zirkel verkleinern/vergrößern)
- Volte
- In die Ecke kehrt
- Aus der Ecke kehrt
- Kurzkehrt
- Links/rechts um/kehrt
- Schlangenlinien an der langen Seite
- Schlangenlinien durch die Bahn
- Schlangenlinien über die Länge der Bahn

Merke: Das Zentrum kontrolliert die Peripherie!

Nach meiner Auffassung sollte der Vorgang der Herstellung von Biegung (Stellung ist hier grundsätzlich implizit!) vom Becken des Reiters ausgehen.
Das Zentrum eines Körpers kontrolliert/strukturiert seine Peripherie mit.
Habe ich also als Reiter die Kontrolle über das Zentrum des Pferdes, so habe ich die Kontrolle über seine Peripherie = Extremitäten und Kopf/Hals.
Das Zentrum des Pferdes ist immer sein physikalischer Schwerpunkt, der sich im Ruhezustand imaginär etwa auf Höhe und Tiefe des Reiterknies befindet.
Auf diesen gilt es also einzuwirken, um das Pferd zu formen.
Die direkteste und damit beste Einwirkungsmöglichkeit ist mit dem reiterlichen Schwerpunkt auf den des Pferdes einzuwirken.

Dies geschieht durch Verlagerung des eigenen Schwerpunktes, die auf das in Bewegung befindliche Pferd (im Stand steht es ja sehr stabil) direkten Einfluss auf Art und Qualität der Bewegung nimmt.
Je mehr sich der Reiter mit seinem Schwerpunkt dem des Pferdes nähert, umso besser die Einwirkung.
Darum die Forderung nach einem „tiefen“ und geschmeidigen Sitz.
Der Reiter kann gegebenenfalls die Schwerpunktreaktion des Pferdes noch zusätzlich durch seinen Oberkörperhebel verstärkt beeinflussen.

Gymnastizieren  oben 



Das sogenannte „Kreuzanspannen“ bedeutet ja nichts anderes, als dass die Rückenmuskulatur und Bauchmuskulatur angespannt werden müssen, wenn der Oberkörper sich gestreckt nach vorne, hinten, zur Seite neigt, um das reiterliche Becken zu unterstützen.
Das Becken wirkt seinerseits durch Kippbewegungen sowohl nach vorne, als nach hinten und zur Seite ein.
Im sagittalen (= von vorne nach hinten gesehen) Sinne wirkt das nach vorne gekippte Becken verhaltend, das nach hinten gekippte Becken treibend.
Im lateralen (= längsseitig bezogen) Sinne wirkt das leicht gekippte Becken seitwärts weisend, das stark gekippte Becken seitwärts weichend!
Die so gebrauchte Gewichtshilfe ist mit Abstand die einfachste, variabelste, sicherste und – besonders wichtig! – vom Pferd am meisten und schnellsten akzeptierte Hilfe/Einwirkung durch den Reiter.
Dies zeigt jedenfalls meine mehr als 25jährige Erfahrung im Ausbilden und Korrigieren von Pferden.

Zügelhilfen sind lediglich als Ergänzung gedacht, die dem Pferd helfen, die für die gewünschte Beanspruchung/Leistung bestmögliche Haltung und Bewegungsform zu finden und zu erhalten.

Im Zusammenhang mit der Hilfengebung geht es auch um die Klärung der Begrifflichkeiten „Synchronisation“ und „Koordination“ .

Koordination <=> lat.: „con-ordinare“ = „gemeinsam richten
Bezieht sich auf das Ausrichten der Muskulatur im Hinblick auf das Bewegungsverhalten des Pferdes.

Synchronisation <=> agr. „syn-chronos“ = „zeitlich zusammen
Bezieht sich auf Aktionen des Reiters ausgerichtet auf einen zeitlichen Fixpunkt im Bewegungsverhalten (z.B. Zeitpunkt innerhalb der Fußfolge)

Unterschied:
Synchronisation geht vom Reiter aus -
Koordination ist Aufgabe des Pferdes.

Man kann es natürlich auch so sehen, dass über die synchronisierte Einwirkung des Reiters ein Pferd lernen kann sich zu koordinieren.
Letztlich sollte aber das Pferd selber „wissen“ , was es wie zu tun hat und der Reiter sich aus seiner zeitlichen und umständebezogenen Übersicht nur noch als „Einsatzleiter“ betätigen, während das Pferd „seine Pflicht“ tut.

Gymnastizieren des Pferdes:

Das Wort „gymnastizieren“ hat in unserem Sprachgebrauch eine doppelte Bedeutung:
Es bedeutet zum einen „üben“ und zum anderen „geschmeidig machen“ .
Damit ist aber auch gleichzeitig ausgedrückt, welchen Stellenwert das „Geschmeidig-Machen“ innerhalb des „Übens von Fertigkeiten“ besitzt – nämlich eine Schlüsselstellung.

Wasser bietet hierzu eine gute Analogie.
Es kann zum Eiswürfel gefrieren, hart, fest, unbeweglich, unbeein „fluss“ bar oder eben flüssiges Wasser sein, sensibel, fließend, geschmeidig, sich jeder Form anpassend.

Das Pferd ist wie Wasser.
Es ist reine Bewegungsenergie, die für sich recht ungerichtet, eben „formlos“ ist.
Und dies ist die Aufgabe des Reiters, durch sein Einwirken über die Hilfengebung ein „Pferd“ diejenige Form und Haltung gewinnt, die es am besten ermöglicht die gewünschte Leistung schonend, friktionsfrei und stressfrei zu absolvieren.
Ist irgendwo ein „Leck“ in der Hilfengebung, dann fließt wie bei einem richtigen Gefäß auch das „Wasser“ (das Pferd in seiner energetischen Struktur) ungerichtet auseinander, das Pferd „zerfließt“ einem förmlich unter den Händen.
Aber zuerst muss das Pferd eben „flüssig“ gemacht werden, damit es überhaupt formbar wird.

Und das beginnt nicht erst beim Gymnastizieren in der Bahn!

Trainingsambiente  oben 



Im Zusammenhang mit dem Pferd ist klar, dass es eine wesentliche Erleichterung für die Arbeit mit dem Pferd ist, wenn dieses ein ausreichendes Angebot hat an

· Bewegung (große Box, Paddock, Weide, Führmaschine)

· Sozialisierung (Pferdegruppenhaltung, Kontakt auch über die Boxen hinweg, Blick auf die Stallgasse, ausgiebiges Putzen & Pflegen) und

· Energieversorgung (Saftfutter, Kraftfutter, Mineralien, Spurenelemente, saubere Luft, genügend Licht, frisches Wasser)

Außerdem ist es für die Arbeit durchaus hilfreich ein entsprechendes Trainingsambiente zu haben.
Also:

· Longierhalle, rund

· Halle, beliebig, aber mit ordentlicher Bande und griffigem, elastischem Belag

· Aussenviereck mit möglichst naturbelassener Begrenzung (Hecke, Wall etc.)

· Schwemme (zum Abkühlen nach der Arbeit, zum Nehmen der Angst vor dem Wasser, zum Aquatraining für optimierte Bewegungsabläufe)

· Geländeformationen (lange Geraden zum Ausarbeiten ohne Zeitdruck, relativ steile längere Passagen zum Trainieren des Rückens und der Hinterhand zum Zwecke der erhöhten Versammlung, leichte Schrägen zur tendenziellen Verbesserung von Traversalen und für vereinfachte fliegende Wechsel, Sandböden für die Schrittarbeit, kleinere Geländehindernisse, Wurzelgebiete zur Erziehung der Aufmerksamkeit, möglichst gewundene Pfade durch Waldbestand für die natürliche Biegungsentwicklung)

· Cavalettis (ein unbedingtes Muss!!!)

· Geschicklichkeits-Parcours (Weidetor zum Öffnen, Wippe, Planen, Knister-Klapper-Kreisch-Kram etc.)

· Ein Hänger auf jeder Weide, in dem gefüttert wird (zumindest bei den schwer verladbaren Kandidaten)

· Solarium (im Winter vor der Arbeit zum Aufwärmen und Abspannen und, – falls schweißnass geritten -, auch nach der Arbeit zum Trocknen und Relaxieren)

· Waschplatz (Abspritzen zum Säubern, Kühlen, Wassergewöhnen)

· Separater Putzbereich (damit der Dreck nicht in den Boxen rumfliegt und die Stallgasse frei verfügbar bleibt!) ...

Ausrüstung  oben 



Weiter geht es mit der angemessenen und passenden Ausrüstung:

- Sattel (dem Verwendungszweck entsprechend, grosse Kammer, breiter Baum für die Wirbelbeweglichkeit und Luftzirkulation, richtigem Schwerpunkt, akkurater möglichst großflächiger Polsterung wegen Druckverteilung)

- Trense (ausschließlich Wassergebiss, an beiden Enden etwa 1cm über Maulspalte hinausragend, korrekt verschnallt über Ohren, Ganaschen und Jochbein – möglichst nur englisches Halfter)

- Gamaschen/Bandagen im Bedarfsfall, wenn Verletzungsgefahr aufgrund von Stellungsfehlern und/oder mangelnder Koordination besteht.

- Korrekter(!) Beschlag.

- Als Sattelunterlage empfiehlt sich nach wie vor der gute alte Woilach (mehrfaches Falten garantiert eine höhere Verschieblichkeit in sich und somit eine Verringerung der Scheuergefahr)

- Als Hilfsmittel sind obligatorisch nur flexible und nicht-zwingende Halsverlängerer, Chambon, Gogue und/oder Dreieckszügel. (Martingale nur fürs Gelände/Springen bei Bedarf = unkontrollierbares Kopfverhalten, denn ansonsten bricht es den Zügel und schränkt die freie Einwirkung der Hand ganz beträchtlich ein, ja wirkt sogar ausschliesslich „rückwärtig ziehend“ ! Ausbinder sind für die Longenkorrektur manchmal angemessen, aber nicht unter dem Reiter – Sturz-und/oder Steiggefahr!)

- Die Kandare ist veraltet, muss zwar wegen Turniervorschriften in Gebrauch bleiben, hat ihren Zweck aber schon lange überlebt (früher Pferde mit starkem Genick, schwer und unbeweglich im Habitus, anderes Kaliber als heute. Jedes Pferd kann alle Grand-Prix-Lektionen auch auf Trense gehen, ja unter Umständen sogar auf „blankem“ Halfter wenn es korrekt ausgebildet wurde.)

Schon beim Aufrüsten des Pferdes fallen oftmals die Würfel über die Qualität der folgenden Arbeit.
In der Art und Weise, wie das Pferd fertiggemacht wird, erschließt sich dem Pferd instinktiv bereits die Grundstimmung und oft genug greift es diese auf.
Wichtig ist immer eine gelassene und freundliche Art, die erst gar keinen Stress aufkommen lässt.
Auch beim Angurten Zeit lassen, nicht festknallen oder das Gebiss durch die Zähne schrubben bis zum Anschlag oder Ohren, Haare einklemmen etc.

Man sieht, bereits im Vorfeld der Umstände ist vieles mitentschieden, was die Arbeit angeht.
Diese bildet sozusagen nur das „Sahnehäubchen“ oben drauf und kann für sich alleine drastische Mängel im Umfeld nicht ausgleichen!

Die Arbeitsstunde für das Pferd teilt sich bekanntermaßen in fünf Phasen:

· Aufwärmphase

· Gymnastizierungsphase

· Wiederholungsphase

· Lernphase

· Erholungsphase

Die Aufwärmphase

dient lediglich dem Beseitigen elementarer Steifigkeit durch zu wenig Bewegung im Vorfeld der Arbeit (Andehnen der Sehnen und Bänder, „Anschmieren“ der Gelenke, Herstellen der Kommunikation = geistiges Aufwärmen!), der verstärkten Durchblutung der Muskulatur (Sauerstoffzufuhr erhöhen für nachfolgende Belastung, Stoffwechsel anregen für Energiekreislauf, Andehnen der Muskelfasern).
Zum Aufwärmen gibt es:
- ausreichend Schritt mit/am hingegebenen Zügel
- taktsicheres und leichtbelastendes Traben in großzügiger Linienführung
- kontrolliertes Galoppieren in Beizäumung mit mittlerer Atemfrequenz
- wiederholtes Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen auch in Biegungsmanier

Gymnastizierung  oben 



Die Gymnastizierungsphase

dient weiterführend dem gezielten, maximalen Geschmeidigmachen von Sehnen, Bändern, Gelenken und der Muskulatur durch Dehnen und Beugen.
Insbesondere in der Linie Kopf-Hals-Rücken, des Rippenbereichs, der Hanken.
Zum Gymnastizieren gibt es:
- Schenkelweichen in allen Variationen
- Übergänge in den Gangarten
- Übergänge in den Tempi
- Häufiger Handwechsel mit korrektem über Gewichtsverlagerung, dann Umstellen, (dann Umsitzen – im Leichttraben) eingeleiteteten Übergang z.B. Schlangenlinien in allen Variationen, Ecken, 10m-Volten im Wechsel,
- Mobilisieren auf der Stelle (nicht zu Verwechseln mit Piaffieren!)
- Schaukel

Die Wiederholungsphase

dient dem erneuten Aufgreifen und der Ist-Zustands-Überprüfung bereits gelernter Inhalte.
Sowohl zur Festigung, Vertiefung, als auch um über den geschickten Lektionen-Mix sich bereits vorbereitend an die neuen Lerninhalte heranzutasten.
Dabei kann der Reiter leicht einsehen, wie es um sein Pferd stundenaktualisiert bestellt ist und was demnach innerhalb des laufenden Trainingspensums an Belastungen möglich und sinnvoll ist.

Die Lernphase

ist die eigentliche „heiße“ Phase und der Schrittmacher in der Entwicklung des Pferdes.
In der Lernphase können/müssen nicht unbedingt und jedesmal vollkommen neue Lerninhalte zentraler Bearbeitungsgegenstand sein.

Zur Lernphase zählen auch Verfeinerungsschritte innerhalb bereits prinzipiell angelegter Übungsfertigkeiten.
Oder auch das Abrufen und Ausführen bereits gelernter Lektionen unter veränderten oder erschwerten Umständen.
Hier ist, ausser bei reinem Dauerbelastungstraining für die Kondition, das Intervalltraining zu bevorzugen.
Pausen zwischen den einzelnen Anforderungen sind mindestens genauso fördernd, wie die Lernaktion an sich.
Und was gelernt wurde sollte nicht erneut aufgegriffen werden, denn:
Wiederholung ist Strafe!

Selbst wenn nur ein Hauch von Tendenz in die richtige Richtung angeboten wurde (und die Betonung liegt hier auf „angeboten wurde“ und nicht auf „abgetrotzt wurde“ !), dann ist mit einem nachfolgenden Beenden mehr gewonnen, als mit einer eventuellen, vermeintlich weiterführenden Expansion der Bemühungen, denn das positive Feedback für das Pferd nach erbrachtem Entgegenkommen ist viel wichtiger als die reine Übungsfrequenz selbst!

Ich kann mir sicher sein, dass ein solches Eingehen auf Angebote durch das Pferd nachwirken wird und erstaunlich oft beim nächsten Mal mit einem besserem Anfangsniveau quittiert wird als dem letzten Ergebnisniveau!
Wichtig ist für den Lernerfolg vor allem das Unterstützen des Suchalgorithmus´ des Pferdes.
Das Pferd sucht eine energetisch und feedback-orientierte positive Lösung im Bewegungsverhalten bei entsprechender „Problemstellung“ .

Diese muss sich das Pferd selbst erschließen, denn eine oktroyierte „Lösung“ ohne das eigentliche Verständnis von Seiten des Pferdes führt dazu, dass ich als Reiter ständig die Last der Verantwortung für das Bewegungsverhalten mit übernehmen muss, was doch eigentlich Sache des Pferdes wäre.
Das bindet und frisst meine eng begrenzten Ressourcen als Reiter und verhindert, dass ich mich den mehr „strategischen“ Aufgaben widmen kann, weil ich vor Ort ständig taktisch manövrieren muss.

Für die „Lernstrategie“ bedeutet dies, dass ich sinnvollerweise Situationen gestalte, die ein gewünschtes Verhalten vorstrukturieren, es implizieren oder triggern (Stichwort: „Situative Konditionierung“ ).
Wenn ich dann im Falle des Ausdrucks des gewünschten Verhaltens positiv verstärke und dies gleichzeitig in Verbindung setze mit der von mir favorisierten Hilfengebung, dann stehen die Chancen gut, dass durch ein entsprechendes Ankonditionieren letztlich die Hilfe als Trigger für das gewünschte Verhalten ausreicht und die Situationsbeschaffenheit in den Hintergrund rückt.

Differenzierungsfähigkeit  oben 



Ein Fehler, der z.B. sehr oft bei der Cavalettiarbeit gemacht wird, ist folgender:
Es werden Cavalettis im Trababstand ausgelegt, um das Pferd zur vermehrten Aktion anzuregen.
Über den Cavalettis aber wird ganz genauso weiter eingewirkt, völlig ununterschieden vom Reiter und infolge davon ununterscheidbar für das Pferd.
Natürlich muss ich im Falle der erhöhten Aktion eine unterschiedliche Einwirkung mitverabfolgen, damit das Pferd diese mit seiner aktuellen Aktion verknüpfen kann und auch ohne Cavaletti später diese Aktion abrufbar wird!
Denn sonst heisst es:
Bei Cavalettis: „Action!“ – ohne sie: „tote Hose“ .

Womit wir wieder beim Anspruch höchster Differenzierungsfähigkeit sind, damit für jede Bewegungsmodalität eine entsprechende und unmissverständliche Einwirkung parat steht.
Über Cavalettis wird ja Jahr und Tag geschrubbt und man wundert sich, warum keine Veränderung der Gangqualität eintritt.
Ist doch klar, wenn die treibende Hilfe dieselbe ist, wie beim „normalen“ Schluffen, dann wählt bei dieser Alternative das dem „entropischen Imperativ“ verpflichtete Pferd die bequemere Interpretation!

Des weiteren gilt das Prinzip der „9/10-Angleichung“ .
Dies bedeutet, dass ich als Reiter, wenn ich eine Veränderung herbeiführen möchte, dies am geschicktesten so mache, dass ich von dem vom Pferd bereitwillig angebotenen Verhalten mich zu 9/10 darauf einlasse, also im Großen & Ganzen „mit dem Strom schwimme“ , aber zu 1/10 eine Abweichung einbaue und abfordere, welche im Regelfall vom Pferd unkommentiert bleibt, also angenommen wird, weil sie so unspektakulär, nicht aggressiv oder gar frontal wirkend ist.

Und 10 x 1/10 ergeben auch ein Ganzes.
Auch diese Abweichung erfolgt eher wie „zufällig“ und wenn man möchte kann man sich beim Pferd sogar noch entschuldigen.
Der größte Feind und zugleich der beste Freund des Reiters ist die Eigenschaft des Pferdes ein absolutes Gewohnheitstier zu sein.
Gelingt es mir also eine „schlechte“ Gewohnheit langsam aber sicher umzuwandeln über die Technik der kleinen Schritte, dann wird sich über kurz oder lang die neue Gewohnheit etablieren und das Pferd überraschenderweise, obwohl es vielleicht wesentlich mehr leisten muss im Vergleich zur vorherigen Alternative, mit derselben Gleichmütigkeit die neue Gewohnheit adaptieren und pflegen.
Das kann im Extremfall bedeuten, dass sich ein Pferd hervorragend über direktes anfängliches Piaffieren lösen lässt, besser noch als über rundenlanges Leichttraben, abgaloppieren und dergleichen!

wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 648 · Teil Teil 1
  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
    EquiVoX-Link Ausgabe 652 · Teil Teil 5
  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 654 · Teil Teil 7
  9. Magazin  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung, Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade
    EquiVoX-Link Ausgabe 655 · Teil Teil 8
  10. Magazin  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken, Verantwortlich reiten: Der Konditionierungsprozess: Prinzip, Methode, Technik
    EquiVoX-Link Ausgabe 656 · Teil Teil 9
  11. Magazin  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf, Verantwortlich reiten: Skala der Ausbildung – Takt
    EquiVoX-Link Ausgabe 657 · Teil Teil 10
  12. Magazin  CENTAURON – Kauen, Longe, Verantwortlich reiten: Ausbildung und Unterricht
    EquiVoX-Link Ausgabe 658 · Teil Teil 11
  13. Magazin  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz, Verantwortlich reiten: Leichttraben
    EquiVoX-Link Ausgabe 659 · Teil Teil 12
  14. Magazin  CENTAURON – Hilfen, Verantwortlich reiten: Gewichtshilfe, Zügelhilfe, Schenkelhilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 660 · Teil Teil 13
  15. Magazin  CENTAURON – Sturz, Verantwortlich reiten: Hufschlagfiguren, Gymnastizierung des Reiters
    EquiVoX-Link Ausgabe 661 · Teil Teil 14
  16. Magazin  CENTAURON – Übungen zu Pferde, Verantwortlich reiten: Gleichgewichtswahrnehmung, blind reiten, Sinn der Lektionen
    EquiVoX-Link Ausgabe 662 · Teil Teil 15


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


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