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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 660, erschienen am 20.11.2011

Magazin  Ausgabe 660

Spreizhaltung
Sitzstudien zum besseren Verständnis

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Hilfen
  2. Abschnitt  Gerte, Stimme
  3. Abschnitt  Angst, Falltraining
  4. Abschnitt  Ursachen, Falltechniken
  5. Abschnitt  Verweigern
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 655:
Hauptartikel  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 656:
Hauptartikel  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13
CENTAURON - Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 663:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiten als offenes System

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 664:
Hauptartikel  CENTAURON – Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22, Ausgabe Magazin 669:
Hauptartikel  CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
http://www.equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Sitzstudie des einseitig verlagerten und eingedrehten Sitzes
1: Der Schultergürtel wird gegenläufig zum Beckengürtel gedreht!
2: Beckenbereich wird deutlich nach vorne ihnen abwärtsgekippt, um das Gewicht zu verlagern!
1: Hier kommt die Schulterachse hinter die Querachse des Pferdes (zur Veranschaulichung mit einem Beispielswinkel)
2: Hier kommt die Beckenachse vor die Querachse des Pferdes (ebenfalls mit einem Beispielswinkel zur Verdeutlichung des Prinzips!)
CENTAURON – Hilfen

Verantwortlich reiten: Gewichtshilfe, Zügelhilfe, Schenkelhilfe

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


Gewichtshilfe:

Ist die „Primäre Hilfe“ !

Funktion der leichten Verlagerung: weisend, Pferd folgt dem Schwerpunkt des Reiters.
Funktion der starken Verlagerung: weichend. Pferd entzieht sich der starken Belastung.
(Daher ist „Schenkelweichen“ eigentlich immer ein „Gewichtsweichen“ !)

Funktion des Oberkörperhebels nach vorne/hinten.

· Nach vorne = Rücken entlastend, Vorhand belastend. Kommt nur für junge unausbalancierte, rückenschwache Pferde in Frage. Im Gelände und beim Springen aus Gleichgewichtsgründen für den Reiter und aus Beweglichkeitsgründen für das Pferd.

· Nach hinten = Rücken belastend, Vorhand entlastend. Vorwärts stimulierend, Aufrichtung forcierend, Hanken beugend, Pferd sich strecken machend
<=> Belastung kann nur kompensiert werden durch Aufwölben des Rückens ­ empfiehlt sich daher nicht für junge Pferde
<=> Wegdrücken des Rückens mit allen Konsequenzen: Kopf hoch, wegrennen, festbeißen.

Funktion des Oberkörperhebels seitlich (weisend/weichend; hochgezogene Rückenmuskulatur ermüdend, bis das Pferd sich fallen lässt und der Reiter tiefer zum Sitzen kommt und das Pferd daher auch die Rippe freigibt ­dazu später mehr).

Zügelhilfe:

Sekundäre Hilfe“ .

Ergänzt die Funktion der Gewichtshilfe.
Funktion ist die eines regulierenden Ventils, welches über Öffnen und Schliessen bestimmt, was mit der durch die Hinterhand bereitgestellten Energie passieren soll, wie sie gelenkt und damit das Pferd geformt wird!

Empfängt Stellung (durch Rippenbiegung durch Gewichtshilfe!).
Hält Stellung (Stellung nachfordern und wieder nachgeben im Wechsel, „atmender Zügel“ , „elektrischer Zügel“ ).
Formt über das Ausmaß der Einwirkung im äußeren Zügel Tempo, Takt, relative & absolute Aufrichtung, Aufmerksamkeit, Wendungseinleitung und -erhalt, Außendehnung, Kauenlassen, Beizäumungsgrad, Versammlungsgrad, Kadenz, Schwung, Anlehnung.
Insgesamt Rahmengebung und damit Haltungserhalt.

Merke: Funktion folgt der Form!

Soll heißen: Jede Forderung an das Bewegungsverhalten des Pferdes erfordert eine angemessene Haltung desselben, um dieser Forderung gerecht werden zu können!

Schenkelhilfe:

Tertiäre Hilfe“ .

Funktion des Taktgebers, „Metronoms“ für die Kadenz.
Knieschluss als „Bremse“ bis zur ganzen Parade
Knieschluss blockiert Beweglichkeit der Hüfte, damit das Miteinschwingen in die Rückentätigkeit des Pferdes und erzeugt so erhöhten Widerstand gegen das Aufwölben des Rückens, so dass das Pferd mit Ausweichen der Hinterhand nach hinten und/oder Verkürzen des Ganges quittiert.

Gerte, Stimme  oben 



Aussitzen im Trab
Vor- und Zurückrollen auf dem Oberschenkel
Um ein reines „Hängenlassen“ des Rückens zu vermeiden, muss der Reiter demnach verstärkt nach hinten einsitzen (Rückenwölbung und Heranziehen der Hankenbeugung) bei gleichzeitig möglicherweise bis zum vollen Verständnis des Pferdes einsetzender unterstützend-treibender Einwirkung mit der Gerte auf die Kruppe.

Gerteneinsatz:

Optisch: Vorhaltebewegung durch seitliches Ausstellen der Gerte oder vor den Bug, seitlich an der Schulter vorbei führen.
Akustisch: „Zwitschern“ lassen hinter und über den Ohren und seitlich am Ohr vorbei.
Haptisch: Touchieren (= „berühren“ !)
  an Maul (Zungenfehler, Haltungsfehler wie Verrollen, Drauflegen, Festbeißen),
  an Brust (Drängeln, Rückwärtsrichten),
  an Schulter (bei belastetem Bein zur Wendung, bei unbelastetem Bein zur Aktion, ggf. Rückwärtsrichten, Aufmerken, Vorwärtsreiten bei Pferden die keilen, wenn Gerte hinten eingesetzt wird),
  an Rippe (bei Drängeln gegen den Schenkel, zum Rundmachen für Stellung/Biegung, zum Begrenzen beim Driften),
  an Flanke (zur Begrenzung der Hinterhand beim Ausfallen),
  an Kruppe (zur vermehrten Beugung der Hanken, zum verstärkten Antreten, zum Aufmerksam-Machen),
  an Bein direkt (Sprunggelenk, um das Bein kreuzen zu lassen. Knie für vermehrte Aktion, um Untertreten zu forcieren; insgesamt um Reaktionsschnelligkeit zu erhöhen)

Stimme:

Erste Aufgabe ist, eine emotionale Brücke zum Pferd zu bauen, über die Informationen verständlich werden.
Daher Longenkonditionierung vorrangig über Stimme mit zunehmend gewichtigerem Anteil der „stummen“ Einwirkungen, deren Bedeutung aber immer erst durch Stimmeinsatz „verdolmetscht“ wird:

· Loben
· Ermahnen
· Aufmerken
· Strafen
· Beruhigen
· Signalisieren

Die Longenkonditionierung dient auch dazu, die nachfolgende Reitkonditionierung vorzubereiten:

Das, was das Pferd bereits an der Hand gelernt hat, kann ich im wahrsten Sinne des Wortes von oben „abrufen“ und so nach und nach auf die stummen Einwirkungen übertragen, bis lediglich leiseste Anzeichen interpretierbar werden und so das „wegdrückend“ einsetzen
· Die Gerte an der äußeren Schulter unterstützend gebrauchen
· Den äußeren Zügel „feststellen“ und mit dem inneren Zügel im 90°-Winkel seitlich in Bewegungsrichtung führen

Oberkörper des Reiters führt Schulter des Pferdes.
Hüfte des Reiters führt Hüfte des Pferdes.
Vorausschauendes Reiten in der Wendung (mindestens 1/4 Volte/Zirkel, besser eine halbe Volte/ halber Zirkel) .
Die Bedeutung des äußeren Zügels ist die eines „führenden“ (Pferd lernt, von der Begrenzung je nach Intensität und Dauer halten oder weichen zu lassen) und des inneren die eines „stellenden“ , „In-die-Tiefe-führenden“ , der das Pferd in seiner Beizäumung zu „binden“ vermag.

Die Wendung einleiten beim Abfußen des inneren Vorderbeins.
Wir treten auch mit unserem „inneren“ Schwung-Bein in die neue Richtung.
Dabei benutzen wir als Schub-Bein das „äußere“ Stützbein.

Angst, Falltraining  oben 



a) richtig b) vorlagig
c) vorlagig stehend ziehend d) Entenhintern
e) überstreckt f) „Wäscheklammer
Angst

Angst kommt von „bang, bangen <=> beengen“ .
Bedeutet Kummer, Sorgen.
Kümmern (lat.: „cumbrus“ = „Verhau, Hindernis, Gewirr!) = „für jemanden Angst machen, jemanden betreuen!
Dazu „kümmerlich“ = „unterentwickelt“ !)

Kummer:
1.) Grund für Angst
2.) Rezept gegen Angst!

Der Kummer ist das Hindernis: Wenn ich mich bekümmere, dann hindere ich mich!
Ein unbekümmerter Mensch kennt keine Angst, weil er kein Hindernis sieht.
Grund, sich zu bekümmern hat man, wenn man aufgrund von Unterentwicklung in Fähigkeiten (die zur Bewältigung eines „Hindernisses“ , „Problems“ nötig sind) oder weil man sich im Gewirr von Informationen & Möglichkeiten desorientiert sieht oder weil man sich eingeengt, be- oder gefangen sieht in seinen Möglichkeiten und infolge davon zur Bewältigung der Situation nicht in der Lage sieht!

Kurz: Empfundene Unfähigkeit ist tatsächlich hinreichender Grund für „Angst“ !
Aber: Erworbene Fähigkeiten sind hinreichender Grund für ein Überwinden der „Angst“ !

Die Angst beim Reiten verschwindet im umgekehrt proportionalen Masse mit dem Zunehmen der eigenen Kompetenzen.

Fazit:
Man kann nicht genug können und wissen um letztliche Sicherheit zu erlangen!

Das erfordert eben jene Ausbildung in dieser Form und diesem Umfang, damit dies gewährleistet werden kann.
Alles andere ist Hasardeurtum.

Falltraining

Falltraining beginnt nicht erst mit dem Fall selbst.
Falltraining zeigt Ursachen für Stürze auf und angemessene Verhaltensweisen des Reiters, um in allererster Linie den Eigensturz zu vermeiden und erst wenn dieser unvermeidlich ist auf erlernte Sturztechniken zurück zu greifen.

Falltraining macht aus folgenden Überlegungen heraus grundsätzlich Sinn und sollte fester Bestandteil jeglicher reiterlichen Ausbildung sein:

1.) Es senkt in jedem Fall das Verletzungsrisiko im Falle des Falles.
2.) Es senkt Hemmschwellen, die durch Fallangst entstehen und den Schüler daran hindern erfolgreich Übungen zu Pferde zu absolvieren.
3.) Es macht den Reiter im Bewusstsein erhöhter Sicherheit aufgrund erworbener Fallkompetenz psychisch und dadurch physisch entspannter und führt so leichter zum losgelassenen Gleichgewichtssitz.
4.) Es macht dem Reiter bewusst, dass er einerseits zwar einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist, andererseits aber durch sachgerechte Ausbildung und angepasste Maßnahmen dem gewachsen sein kann.
5.) Es macht dem Reiter das Prinzip der improvisierten Integration zugänglich.

Die ernstzunehmenden Gefahren eines Sturzes sind grob in drei Hauptsschadensfälle einzuteilen:
· Sehnen-, Bänder-, Muskelüberdehnungen bzw. ­risse.

· Knochenfissur (-riss) bis Knochenfraktur (-bruch) durch stauchende und/oder scherende Belastung (mit möglicher Komplikation durch Beschädigung arterieller Gefässe oder Perforation innerer Organe!)

· Kommotion (Erschütterung), Kontusion (Prellung) bis Kompression (Quetschung) der inneren Organe mit, in dieser Steigerung entsprechend zunehmenden, Verletzungen bis hin zu inneren Blutungen oder zeitweiligem bis dauerndem Organversagen.

Ursachen, Falltechniken  oben 



Spreizhaltung
Es gilt, zwei verschiedene grundlegende Sturzursachen und Falltechniken zu unterscheiden:

· Sturz durch Stolpern, Sturz des Pferdes.
· Sturz durch Gleichgewichtsverlust des Reiters infolge Verweigerns des Pferdes.

1.) Fallen mit Abrunden
2.) Fallen mit Flächenverteilung

Das Stürzen infolge schlechten Sitzes oder fehlerhaften Reiterverhaltens wird hier nicht kommentiert.
Die Antwort darauf findet sich im Kapitel „Longe“ .

Der Sturz durch Sturz des Pferdes ist grundsätzlich insofern die schlimmere Variante, als die Masse des Pferdes einen mitzieht und eine zusätzliche Gefahr für den Reiter besteht, durch diese zu Schaden zu kommen, neben der reinen Sturzfolgeverletzung.

Der klassische Fall ist ein Ausrutschen, Stolpern des Pferdes, welches dadurch zu Ausgleichsbewegungen veranlasst wird, die wiederum den Reiter aus dem Gleichgewicht bringen können.
Das Pferd ist weder eigenkontrolliert noch fremdkontrollierbar.

Das bedeutet in jedem Fall, dass das Pferd sich in sich selbst verwindet, nach vorne oder hinten wegbricht, den Hals schleudernd als Massehebel gegen seinen Schwerpunkt einsetzt, wahlweise durch Abtauchen des Halses oder Hochreißen, alternativ dazu Kruppenaktivität nach unten, oben, zur Seite.

Die dabei unkontrollierbar ausbrechende Masse des Pferdes wirkt direkt auf das Masseverhalten des Reiters ­ dieser wird beträchtlichen Hebelkräften ausgesetzt, die ihn sowohl beschleunigen, als auch von der Schwerpunktdeckungslinie Reiter-Pferd wegreißen.

Dies gilt für beide Sturzursachen gleichermaßen.

Für den Reiter gibt es zur Kompensation (der Vermeidung der letztlichen Loslösung vom Pferd) der beträchtlichen Wuchtmomente nur zwei mögliche Verhaltensweisen:

1.) Er geht in der Bewegung mit oder
2.) Er pendelt entgegengesetzt aus

In jedem Fall gilt es, seinen Schwerpunkt möglichst dicht am Pferd zu halten, damit die Hebelkräfte gegen diesen minimiert werden.
Man kann beide Techniken beobachten, wenn man beispielsweise in der Military Tiefensprünge in die Wassergräben betrachtet.

Letztlich entscheidet sich die „Richtigkeit“ der einzelnen Varianten durch die Unterstützung des Schwerpunktes des Pferdes, damit dieses entweder sein Gleichgewicht behält oder schnellst- und leichtestmöglich zurückgewinnt.
Hier lässt sich unmöglich eine Empfehlung aussprechen und daher sollten beide Varianten bekannt und trainiert sein und in der akuten Situation bleibt es dem reflexhaften Einschätzen und Reagieren des Reiters inclusive der möglichen Prädeterminierung durch die Umstände überlassen, welche Variante zum Zug kommt.

Man kann dabei folgendes resümieren:
Fällt das Pferd mehr nach vorne, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach günstiger sein entgegengesetzt auszupendeln.

Fällt das Pferd mehr seitlich, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach günstiger sein, in der Fallrichtung mitzugehen.
Fällt das Pferd hintüber, so wird es nur ein möglichst seitliches Ausweichen mit schnellst- und weitestmöglichem Entfernen vom Pferd als sinnvolle Option geben.

Für die reine eigene Sitzbewahrung bewährt sich erfahrungsgemäß das entgegengesetzte Auspendeln, da es Reserven in der Wahl der möglicherweise weiteren, notwendigen Ausgleichsbewegungen schafft.
Aber dies ist abhängig von der Schwere des Sturzes, da ein Verbleiben auf dem Pferd unter Umständen eben zu gefährlich sein kann und ein kontrollierter Abgang mehr Sinn macht und das eigene Verletzungsrisiko veringern hilft!

In keinem der Fälle empfiehlt es sich, dass der Reiter sich am Zügel festhält, weil das Pferd

· an der freien Ausgleichsbewegung seines Halses gehindert wird (Entlasten der Vorhand, Richtungswechsel einleiten für die Vorhand) und

· der Reiter über den Zügel zusätzlicher und meist entweder verstärkender oder konterkarierender Hebelkraft ausgesetzt wird, die er nicht mehr kompensieren kann!

Beim Verstärken der Bewegungstendenz des Reiters wird dieser mit Sicherheit (z.B. im Vorwärts-abwärts) beschleunigt und weggehebelt und beim Konterkarieren (also dem Entgegensetzen der Reitertendenz durch den Pferdehals) definitv aus einem vielleicht bis dato gewahrten kontrollierten Sitzverhalten vom Sattel wegexpediert.

Für die 2. genannte grundsätzliche Sturzsituation, – das Pferd verhält sich zwar eigenkontrolliert, aber nicht mehr fremdkontrollierbar -, kommt erschwerend hinzu, dass bei einem „normalen“ Sturz dieser sich in der Regel nur einmal ereignet ­ hier aber eine Wiederholung des den Reiter destabilisierenden Pferdeverhaltens je nach Charakter durchaus beliebig wiederholbar ist und mit jeder Wiederholung die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es den Reiter „erwischt“ .

Verweigern  oben 



Das Verlagern des Gewichtes führt zum reflektorischen Ausgleichsverhalten
(Das Kind steuert so seinen Vater, obwohl es 10mal leichter ist!)
Verweigern:
In der Regel entweder
· seitliches Wegdrücken, -springen ( „Scheuen“ )
· vorwärts-aufwärts Wegdrücken ( „Steigen“ ), -springen
· vorwärts-abwärts Wegdrücken ( „Verweigern“ , „Ausbremsen“ )
· vorwärts Wegdrücken ( „Durchgehen“ )
· beliebige Kombinationen aus a-d ( „Buckeln“ )

a) Im Scheuen kann der Reiter nur mitgehen in der Bewegung.

b) Im Steigen gibt es zwei Varianten:
1.) die mässige Variante = noch gebeugte Hanken, daher bessere Gleichgewichtskontrolle des Pferdes), daher Gegenpendeln (also sich aufrichten und gegen den Hals legen) des Reiters sinnvoll oder
1b.) sich aus 1.) manchmal entwickelnd = Pferd, das sich beim Rückwärtsgehen in den Hanken „festfährt“ und nur noch nach unten, also sitzend ausweichen kann und dabei eine seitlich überrollende Tendenz aufweist

2.) die starke Variante = durchgedrückte Hanken, daher keine Gleichgewichtsreserven mehr und akute Gefahr des Sich-Überschlagens

b) Im Ausbremsen kann der Reiter wahlweise mit rückwärtigem Gegenpendeln oder mit nach vorne Abducken antworten.
Das hängt davon ab, wo seine Schenkel sich befinden.
Sind sie vorne, so kann er sich abducken nach vorne-abwärts mit dem Pferd.
Sind sie nach hinten gerutscht, so muss ausgleichend rückwärts Gegenpendeln, sonst wuppt er sich selber vom Pferd, da dann die nach hinten-oben rutschenden Schenkel gleichsam eine Hebelverstärkung gegen den Oberkörper des Reiters darstellen.

Im Durchgehen gibt es zwei Varianten:
1.) Das konkave Wegdrücken des Rückens mit über dem Zügel gehen im ungestümen Vorwärts
2.) Das konvexe Hochdrücken des Rückens mit auf den Zügel bohren im bockenden Vorwärts

Im ersten Fall wird die Gefahr eines Stolpersturzes des Pferdes rapide steigen, da das Pferd „kopflos“ und eher panisch reagiert und nicht auf sich oder den Weg achtet.
Hier muss der Reiter in der Bewegung erst einmal mitgehen, um die eh schon labile Gleichgewichtssituation seines Pferdes nicht noch unüberlegt zu verschärfen!
Dann gilt es eher beruhigend und ablenkend das Pferd in ruhigere Bahnen und zurück ins reiterliche Vertrauen zu lenken.
Hier sind hohe reiterliche Eigenkontrolle und Lageübersicht gefordert, da hier erfahrungsgemäß für den Reiter die geringsten „Kontroll“ – und Eigenschutzmöglichkeiten bestehen!
Im Extremfall kann es sich, – ähnlich wie beim Steigen -, empfehlen, dem voraussehbaren Sturz oder einer sich abzeichnenden Kollision durch einen eigenkontrollierten „Sturz“ , Abgang zuvorzukommen!

Im zweiten Fall wird die Gefahr des reiterlichen Gleichgewichtsverlustes rapide steigen, da das Pferd „vorsätzlich“ gegen den Reiter agiert und sich selbst dabei eher mitberücksichtigt.
Hier empfiehlt es sich, das Pferd in eine höhere Kopfposition zu zwingen, da mit erhobenem Kopf ein Buckeln so gut wie ausgeschlossen ist!
Hier muss im Interesse des Eigenschutzes gesagt werden, dass die Wahl der Mittel zum Erreichen dieses Zieles durchaus freigestellt ist!


Im sogenannten „Buckeln“ , einer Kombination verschiedener Bewegungsrichtung und unterschiedlicher Verweigerungsformen (z.B.: Drehen ­ Steigen ­ Bocken ­ Durchgehen) ist der Reiter wohl am meisten und massiv gefordert.
Hier gilt als goldene Faustregel:
Bring den Kopf nach oben, das Pferd nach vorne, dann zum Halten und dann zur Ruhe.

Den Kopf nach oben, um das Bocken abzustellen.
Das Pferd nach vorne verstärkt reitend, um Energie, die sonst zur Seite oder nach oben sich ausarbeiten könnte, in eine flache und festgelegte Richtung zu lenken.
Das Pferd zum Halten bringen, um wahlweise sofort abzusteigen (im Falle eigener Überforderung bezüglich weiterer anzubringender Korrekturmaßnahmen) oder eine Möglichkeit zur „gütlichen Einigung“ durch sofortiges, ruhiges, souveränes Loben (bei erfolgtem Halten ­ womit das Pferd nicht für seine Buckelei davor gelobt wird, sondern für seinen Gehorsam bezüglich der Halteaktion!).
Das Pferd zur Ruhe bringen durch danach umgehend erfolgtes Weiterreiten in leichter Gangart, damit sich noch vorhandene Spannungen kontrolliert abarbeiten lassen.

wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 648 · Teil Teil 1
  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
    EquiVoX-Link Ausgabe 652 · Teil Teil 5
  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 654 · Teil Teil 7
  9. Magazin  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung, Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade
    EquiVoX-Link Ausgabe 655 · Teil Teil 8
  10. Magazin  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken, Verantwortlich reiten: Der Konditionierungsprozess: Prinzip, Methode, Technik
    EquiVoX-Link Ausgabe 656 · Teil Teil 9
  11. Magazin  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf, Verantwortlich reiten: Skala der Ausbildung – Takt
    EquiVoX-Link Ausgabe 657 · Teil Teil 10
  12. Magazin  CENTAURON – Kauen, Longe, Verantwortlich reiten: Ausbildung und Unterricht
    EquiVoX-Link Ausgabe 658 · Teil Teil 11
  13. Magazin  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz, Verantwortlich reiten: Leichttraben
    EquiVoX-Link Ausgabe 659 · Teil Teil 12


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


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