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Die Ziele der Longenausbildung sind klar zu umreissen: · Wo finde ich Putzzeug, Trense, Sattel, Hilfsmaterialien - Wie bewege ich mich im Stall, bei Pferden - Sicherheit: – richtige Kleidung mindestens Kappe und enganliegende Hose ohne Naht/Nieten und Stiefeletten mit Absatz – links führen an der Schulter, Zügelende in linker Hand – Steigbügel geschlauft – keine Gegenstände am Boden – 2m Abstand beim Aufmarschieren – mindestens 1 Pferdelänge Abstand zum Vorpferd – kein Rennen im Stall – Rauchen überall verboten – kein Anbinden an Türen oder sonstigen beweglichen Teilen – nie hinters Pferd oder unter Bauch – Pferde immer ansprechen – Überprüfen von Sattelgurt/Trense/Zügel/Steigbügelriemen – Überprüfen des Pferdes auf Verletzungen oder Krankheit – „Tür frei, bitte!“ – Hufschlag frei, bitte! „Sprung frei!“ – Halteriemen – von Punkt zu Punkt/korrekte Figuren wegen Übersicht und Berechenbarkeit – Falltraining – Anweisung für Steigen & Durchgehen & Buckeln – Erste Hilfe/Notfallverhalten – Unterweisung für Erste-Hilfe-Schrank – Telephonbenutzung – keine Flaschen etc. auf Bande, – kein Liegen/Stehen lassen von Werkzeug – vor dem Pferd in die Box – richtiges Abspritzen – Strassenverhalten, Geländeverhalten, Weidegang – Ansprechen, Box betreten – Halftern, führen, anbinden – Ablegen, Aufhängen, Wegräumen – Box auf vorstehende Nägel, kaputte Bretter, verbogene Gitter überprüfen – MELDEN! – Gilt für den gesamten Stall- und Hallenbereich: Löcher im Boden, kaputte Bandenbretter, kaputte Lichter, kaputte Türen/Tore etc. MELDEN! · Putzen Striegeln, Kardätschen, Schweif verlesen, Mähne kämmen, Hufe auskratzen, Nüstern waschen, After waschen, Euter/Schlauch waschen · Sauberkeit Äpfel wegräumen, Striegelstriche wegkehren, Putzzeug wegräumen, Werkzeug aufräumen, Futterkrippe prüfen/säubern, Tränkenfunktion prüfen/säubern · Fertigmachen des Pferdes: Trensen, Satteln, Führen, Bewegen mit anderen Pferden in Stallgasse/Hof/Straße, Verhalten beim Betreten/Verlassen der Halle, Sicherheitsvorschriften, Kontrollieren, Nachgurten, Aufsitzen, Warten, Anreiten · Ziel des Reitens = Pferd in Gleichgewicht setzen <=> Rittigkeit <=> Sicherheit · Voraussetzung: – Reiter hat und behält selbst sein Gleichgewicht – Reiter versteht sein Pferd (Kommunikation, Physik, Physiologie, Anatomie) – Reiter motiviert sein Pferd zur Zusammenarbeit & Leistung (Vertrauen, Verstehen, Verkraften) <=> Longe: · Erläuterung des korrekten Balancesitzes (Wie und warum sitzt der Reiter, wie er sitzen soll) · Üben des Balancesitzes in den drei Grundgangarten Schritt, Trab, Galopp · Erläuterung der grundlegenden Bedeutung der Fußfolge für Art und Zeitpunkt der Einwirkung · Üben der Erkennung der Fußfolge in allen drei Grundgangarten (Eselsbrücke: Schritt = N, Trab = X, Links-Galopp = Z) · Erläuterung des Sinns und der Ausführung des Leichttrabens auf dem inneren Hinterbein · Üben des Leichttrabens, bis der Schüler sich mit geschlossenen Augen korrigieren kann · Bedeutung und Veranschaulichung der drei Grund-Stellungsarten (1. Grad = Ganasche, 2.Grad = Hals bis Widerrist, 3. Grad = Abstellung der Längsachse im Verhältnis zu Bewegungsrichtung) · Bedeutung und Veranschaulichung des Begriffes der Biegung (Warum Biegung überhaupt, wann und in welchen Formen gibt es sie, wie wird sie korrekt ausgeführt/erarbeitet) · Bedeutung und Veranschaulichung der Begriffe Arret und Parade. · Bedeutung und Veranschaulichung von Gewicht und Beckeneinsatz zum Zwecke der Einwirkung. (weisende & weichende Gewichtshilfe, Parade bis zum Halten, Biegungsförderung, geschmeidiges Aussitzen) · Wenden des Pferdes (Kopfdrehen, Oberkörperdrehen, weisende Gewichtshilfe, äußerer Zügel, Gerte an Schulter, seitlich weisender innerer Zügel) · Hufschlagfiguren (Ganze Bahn, Halbe Bahn, Zirkel, aus dem Zirkel wechseln, durch den Zirkel wechseln, durch die ganze Bahn wechseln, durch die halbe Bahn wechseln, durch die Länge der Bahn wechseln, einfache Schlangenlinie, doppelte Schlangenlinie, Schlangenlinien durch die Bahn, aus der Ecke kehrt, in die Ecke kehrt, Viereck verkleinern und vergrößern, Zirkel verkleinern und vergrößern) · Vorfahrtsregeln (Links vor rechts, Ganze Bahn vor Zirkel, Seitengang vor geradeaus, Volte vor geradeaus, Schritt zweiter Hufschlag, Halten zweiter Hufschlag, schnellerer Reiter überholt innen) · Falltraining (siehe Kapitel „Anhang“ ) · Pferdebeschreibung (grobe Anatomie) · Reiterglossar · Haltung und Einsatz der Gerte (Ohr, Brust, Schulter, Rippe, Flanke, Kruppe was ist „touchieren“ , Effizienz, Beschleunigen um Drehpunkt, 2/3 fest -1/3 elastisch, Griff als Daumenhebel, Schenkel als Angelpunkt für flexiblen Teil zur Beschleunigung der Gerte, Gerte aus dem „off“ , psychologische Wirkung, Material & Mindestlänge/1.30, Doppelgerte) · Hilfszügel Arten & Einsatzmöglichkeiten · Bedeutung & Anwendung von Gamaschen und Bandagen · Korrektes Anreiten in Schritt, Trab & Galopp über Gewicht Konditionierung der Hilfe · Zügelhaltung und führung · Leichter Sitz · Entlastungssitz · Treibende, Verwahrende und Verhaltende Hilfen-Prinzip · Sinn des Aufwärmens vom Reiter vor Longe / Reiten · Rangordnung zwischen Pferd und Reiter klären · Bedeutung des Begriffes „Disziplin“ für Pferd und Reiter · Bedeutung des Begriffes „Übung“ für Pferd und Reiter · Vertrauenstraining für das Pferd (Was ist/schafft Vertrauen?) · Der Atem als Hilfe · Die Bedeutung der Un-Hilfe (nicht immer einmischen, korrigieren wollen, fünfe mal gerade sein lassen, Pferd eigene Erfahrung ermöglichen zum Vergleich, Gefahr der negativen Verstärkung durch ständiges Einwirken, Pferd die Führung durch den Reiter suchen lassen) |
Selbst wenn der Reitschüler hochbegabt ist, bereits auf einem anderen Gebiet ein exzellenter Leistungssportler sein sollte, so nützt ihm dies in Bezug auf das Reiten leider nur wenig. Sicherlich hat er einen besseren Bezug zu seiner Körperlichkeit, geht bewusster mit Aktionen um, beobachtet und reflektiert schneller und sicherer, besitzt eine generell bessere Körperkoordination – aber: Die spezifischen Anforderungen des Reitens – unter den erschwerten Bedingungen, dass das dynamische System „Pferd“ sich ständig neu „erfindet“ – zu erlernen, bedarf auch hier einer nicht unbedeutenden Zeitspanne, die sich von einigen Wochen bis Monaten bei täglichem Training hinziehen kann! Er muss (immer vorausgesetzt, der zukünftige Reiter bringt keinerlei reitspezifische Vorkenntnisse mit): · sich zuerst mit dem Pferd als solchem vertraut machen, den Umgang mit ihm erlernen, die einzelnen Ausrüstungsgegenstände richtig handhaben lernen. Das sind schon mal mindestens 2 – 3 Stunden. · endlich an der Longe lernen, sich zu gymnastizieren, also: diejenigen Muskelpartien gezielt zu lösen, welche später besonders reaktionsstark sein müssen: Bauchdecke und LWS-Muskulatur (beide bilden das sogenannte „Kreuz“ !) · diejenigen Gelenke lockern, die permanent zur Bewegungs-Kompensation herangezogen werden: · der „Schulter-Ellbogen-Hand“ -Komplex, der „Hüfte-Knie-Fuss“ -Komplex. Das sind schon mal mindestens 5 -10 Stunden, bis der Schüler die entsprechenden Übungen selbstständig und eigenverantwortlich korrekt und zielgerecht einzusetzen vermag. Erlernen des korrekten Leichttrabens kostet nochmal wenigstens 1 – 2 Stunden. Zweifellos gehört zu einer verantwortlichen Ausbildung auch ein angemessenes Falltraining! Hierfür sind etwa 3 Stunden insgesamt zu veranschlagen. Mit der Sicherheit des „Fallen-lassen-Könnens“ ist es für den Schüler leichter angstfreier und damit losgelassener am Pferd zu arbeiten. Ferner kommt als nächster Schritt der Gleichgewichtserhalt in allen drei Grundgangarten des Pferdes. Das sind dann mindestens 5 – 10 Stunden, bis der Schüler losgelassen (!) zum entspannten Gleichgewichtssitz gefunden hat. Dann kommt ein sehr schwieriger Punkt: Die Übergänge. Nochmal 5 – 10 Stunden, bis der Schüler auch häufige und unangekündigte Veränderungen im Bewegungsverhalten des Pferdes souverän abfedert. Bis hierher ist der Reiter mehr oder weniger nur „passiv anwesend“ gewesen. Die Hauptkontrolle über das Bewegungsverhalten lag bis hierher beim Longenführer. Nun geht es darum, dass der Reiter sich auch selbst „aktiv formend“ einbringt. Es geht also für ihn darum, treibende, verwahrende und verhaltende Hilfen in ihrer Verwendbarkeit zu verstehen, in ihrer Anwendung prinzipiell umzusetzen und ansonsten mehr und mehr die aktuelle Lage mit ihren Erfordernissen selbst zutreffend zu beurteilen und demgemäss mit Verstand und Übersicht zu agieren! Eine schon sehr hohe Anforderung. Der Punkt „Verwendbarkeit“ benötigt ca. 1 Stunde. Der Punkt „grundsätzliche Anwendung“ verschlingt kostbare 10 Stunden im Schnitt. Bis hierher haben wir schon ca. bis zu 50 (!) Übungsstunden. |
Je mehr „immersive Empathie“ (also die Fähigkeit, sich gefühlsmäßig in die Befindlichkeit eines anderen Wesens oder eines Prozesse zu „versenken“ ) vorliegt, desto schneller „fällt der Groschen“ ! Nun folgt wiederum eine schwerwiegende Zäsur in der Ausbildung – der Schüler wird „freie Reiten“ hält Einzug. Hier findet auch die Erwähnung von „Nebensächlichkeiten“ wie Hufschlagfiguren, Kommandos, Vorfahrtsregeln, Stundenphasen etc. seinen Platz. Das freie Reiten erfordert auch wieder eine gehörige Portion an Kompetenzsteigerung. Denn neben dem, nun selbstständig zu führenden und zu formenden, Pferd kommt noch die Beobachtung und Einschätzung der umgebenden Bedingungen hinzu – andere Reiter, störende Einflüsse usw. Und ich werde nicht müde es unablässig zu betonen: Wer seinen Reitschüler vor der erworbenen grundsätzlichen Kontrolle über die wesentlichen Abläufe in die Gruppe entlässt, der handelt vorsätzlich grob fahrlässig!!! Warum? Ganz einfach, weil er seinen Schüler mit Anforderungen konfrontiert, die dieser unmöglich angemessen beantworten kann und somit Gefahr läuft, für sich und/oder andere ein nicht unbedeutendes Risiko darzustellen. Vom Pferd mal ganz zu schweigen, welches sich dann gezwungen sieht, die Unfähigkeit seines Reiters zu kompensieren und dabei naturgemäss schnell seine Grenzen erreichen muss und logisch konsequent demzufolge die Zusammenarbeit aufkündigen wird. Meist in Form von: „Abschalten“ (Ignorieren), Sturheiten (Eigenentscheid aus „Entlassung“ gleichbedeutend ist mit einer vielfach höheren Stundenzahl, die aus den angeführten Gründen fruchtlos und damit frustrierend ablaufen wird, ohne dass ein nennenswerter Erfolg, im Sinne einer geregelten reiterlichen Entwicklung, eintreten könnte und wird. Dies bedeutet, dass diese Stunden, die ja auch bezahlt sein wollen, umsonst investiert werden. Daraus erklärt sich auch der viel zu oft zu beobachtende Umstand, dass Reiter schon „seit Jahren“ regelmäßig Unterricht genießen, aber keinen Deut besser reiten als zum Zeitpunkt ihrer „Entlassung“ aus der Longe. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst bei guter Longenausbildung meist folgende Unterrichtsmaßnahmen ganz fehlen: der Schüler soll außerhalb des Longenunterrichts auch die Zeit nutzen und auch „im Trockenen reiten lernen“ . Das bedeutet, dass er sich nicht nur zu Zeiten des Unterrichts mit dem Sujet „Reiten“ auseinandersetzt, sondern zusätzliche Zeit und Massnahmen investiert, um seine reiterliche Entwicklung zu bestärken und zu beschleunigen. Was kann er da sinnvollerweise tun? In Anlehnung der oben bereits einmal begonnenen Aufzählung: · Jonglieren (Bälle, Tücher) · Balancieren (Schwebebalken, RolaRola etc.) · Zeitlupenwiederholung von Bewegungsabläufen / TaiChi-Prinzip (Bewusstmachung von „Haken & Ösen“ in Bewegungsabläufen, verbesserter Zugriff auf koordinierte Abläufe, Friktionsminderung, optimierter Energiehaushalt, progressive Relaxation) · Koordinieren (Multi-Tasking sowohl für den Geist, als auch für den Körper) · Generelle Kondition, Gymnastizierung · Lesen! (Anatomie, Physiologie, Psychologie, Medizin, Zucht & Haltung, Reitlehren) · Stundenbuch führen (Reflexion des Erlebten mit Essentialisierung und eigenständiger Visualisierung) · Skelett des Pferdes nachbauen (Erkennen von Hebelmechanik und Bewegungsabläufen) · Realistische Marionette basteln (voll bewegungsfähig in allen drei Grundgangarten) · Pferde malen, plastifizieren, beschreiben · Pferde auf der Weide beobachten (Studium des natürlichen sozialen und Bewegungs-Verhaltens) · Pferd unter anderen Reitern beobachten (Beurteilen lernen, Fehler analysieren, Korrekturen erdenken) · Filme angucken (Zeitlupe, Standbilder um Fußfolgen, Phasen und Bewegungsverhalten zu erfassen) · Sich selbst filmen lassen und immer wieder ansehen (Vergleich Eigenempfindung und objektive Realität) · Mentales Training (Eigene Bewegungsabläufe und vom Pferd in Zeitlupe innerlich wiederholt visualisieren, gleichzeitig dazu vorhandene Erinnerungen und Empfindungen aufrufen und möglichst detailgetreu einbinden, um so optimal gewünschte Verhaltensmuster zu verinnerlichen, zu „routinieren“ , damit Kapazitäten für andere Aufgaben frei werden!) · Etc. Reiten lernt man eben nicht nur durch Reiten, wie so gerne kolportiert wird, sondern eigentlich vielmehr durch die vorbe-reitenden Maßnahmen! wird fortgesetzt |
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