Magazin  

 

 

Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 656, erschienen am 23.10.2011

Magazin  Ausgabe 656

Eindrehende rechte Zügelhand für die Halbe Parade
(Kleinfingerseite wird Richtung Widerrist gedreht)

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Stellung, Zügel, Becken
  2. Abschnitt  Becken
  3. Abschnitt  Zentrum
  4. Abschnitt  Treibendes Becken
  5. Abschnitt  Verhaltendes Becken
  6. Abschnitt  Situative Konditionierung
  7. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 655:
Hauptartikel  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9
CENTAURON - Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 660:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 663:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiten als offenes System

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 664:
Hauptartikel  CENTAURON – Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22, Ausgabe Magazin 669:
Hauptartikel  CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
http://www.equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Eindrehende rechte Zügelhand für die Halbe Parade (Kleinfingerseite wird Richtung Widerrist gedreht)
Derselbe Vorgang von vorne...
...und von oben
CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Verantwortlich reiten: Der Konditionierungsprozess: Prinzip, Methode, Technik

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


Damit nun der äußere Zügel seine kontrollierende Funktion wahrnehmen kann, muss folgendes gegeben sein:

Das Pferd hat Stellung

· Das Pferd gibt im inneren Rippenbogen nach (spannt sich ab, senkt dort den Rücken. Hier die besondere Bedeutung der Gewichtsverlagerung nach innen, damit das Pferd durch Ausweichen in Form von Abspannen der Stützmuskulatur zur Biegungshaltung finden kann!)

· Das Pferd führt sein inneres Hinterbein ( „Schwungbein“ ) in seiner Wirkkraftlinie Richtung Schwerpunkt, durch diesen in Richtung äußeres Schulterblatt, wodurch eine Drift-Tendenz nach außen entsteht

· Das Pferd bekommt durch diesen Vorgang eine Biegungshaltung, welche die äußere Seite des Pferdes sich vermehrt dehnen lässt.

· Das Herandehnen auf der äußeren Seite, mit Folge auch an den äußeren Zügel, führt zu einer verstärkten Anlehnung an denselben.

· In dieser konkretisierten Anlehnung (mit einer angemessenen, elastischen Grundspannung des äußeren Zügels verbunden) ist es dem Reiter möglich, über den äußeren Bogen, der sich jetzt anatomisch darstellt, den Druckwiderstand des äußeren Zügels so zu regulieren, dass dieser ungebrochen als Signal an die Hinterhand fortgepflanzt wird.

Reagiert das Pferd mit unerwünschtem Ausweichverhalten – Hinterbein „hängen“ lassen – dann ist dies eine Folge zu gering eingesetzter treibender Hilfen vor(!) der Parade oder dem Arret!

Ein Ausweichen nach außen findet in der Regel nur statt, wenn das Pferd nicht reell gebogen ist, also in Wirklichkeit sogar mehr Anlehnung am inneren Zügel hat und bei dem benötigten Gegenhalten des inneren Zügels, damit ein Arret oder eine halbe Parade das Pferd nicht verstellen können,

(Merke: Eine Hand ruht, die andere tut!
Ein Zügel ist aktiv, der andere passiv. Wirkt ein Zügel ein, so hält der andere Ruhe. Gebe ich Arret/Halbe Parade, hält der innere Zügel nur soweit passiv dagegen, dass kein Verstellen eintritt.
Stellt der innere Zügel vermehrt durch – passiv durch Verkürzen des Zügelmaßes oder aktiv durch seitliches Führen – so hält der äußere Zügel dagegen, damit das Pferd nicht mit zu viel Halsstellung die Wirkungslinie des äußeren Zügels „bricht“ !
)

kommt der innere Zügel in seiner Wirkung vor der des äußeren und das Pferd weicht bereits dem inneren Zügel aus, bevor die Wirkung des äußeren greifen konnte!

Ist aber die treibende Hilfe im Vorfeld ausreichend gewesen, so kann das Pferd nur mit inwärtigem Spuren Richtung Schwerpunkt oder vermehrter Hankenbeugung antworten.

Wobei nicht oft genug betont werden kann, dass jeder verhaltenden Hilfe eine ausgleichend-treibende vorweg gehen muss!!!

Becken  oben 



Damit bekommt der äußere Zügel sowohl verhaltende, als auch verwahrende Funktion für die Stellung der Hinterhand.

Und ein Großteil der Hilfenerziehung bezieht sich auf Gehorsams-, Durchlässigkeitserstellung bezüglich des äußeren Zügels.

Denn der:

Innere Zügel:
stellt lediglich
(wobei diese Funktion bei entsprechend weit ausgebildetem Pferd von der verlagernden Gewichtshilfe zum größten Teil übernommen werden kann und der innere Zügel nur noch diesbezügliche Ergänzungs-, Erhaltungsfunktion hat!), und der

Äußere Zügel:
lenkt.
(wobei auch diese Funktion bei dem weiter entwickelten Pferd weitestgehend abgelöst wird durch die Beckenkontrolle des Reiters.

Merke: Innerer Zügeln rührt, äußerer Zügel führt! ( „rühren“ im Sinne von „beweglich halten“ der Ganasche)

In jedem Fall gilt:
Nach jeder verhaltenden Aktion muss ein Dehnungsangebot muss so oft wie möglich aus der Hand erfolgen.
Am besten 2-Takt: Nachtreiben/Gegenhalten = 1. Takt,
dann locker sitzen, Handdehnungsangebot = 2.Takt usw.
In einem Takt kann mir das Pferd weder die Haltung verlieren, noch das Tempo, die Versammlung oder was auch immer aufkündigen.
Die Masse- und Reaktionsträgheit steht dem entgegen.!

Weiter gilt unbedingt:

Schultern Pferd parallel Schultern Reiter und
Hüfte Pferd parallel Hüfte Reiter!

Dies besagt nichts anderes, als dass die Steuerung des Pferdes von diesen beiden Komponenten getragen werden soll.
Das Pferd lernt durch Konditionierung, dass es sich über die Schulterdrehung und die Beckendrehung des Reiters diesem mit seiner Schulter und seinem Becken anpassen soll, damit daraus der Biegungs- und somit der Gleichgewichtserhalt möglich ist!!!)

Daraus erklärt sich also die herausragende Bedeutung der Diagonalen Hilfengebung.

In diesem Zusammenhang muss noch erwähnt werden, dass ein rhythmisches Austreten des inneren Bügels (respektive ein wippender Oberkörperhebel nach innen-hinten) zum Zeitpunkt des Abfußens des inneren Hinterbeines den Druck auf die innere Seite verstärkt und das Pferd so gehalten ist, über ein geschlosseneres Fußen (bündig mit dem äußeren) den Schwerpunkt zu unterstützen, also mehr seitlich unter den Pferdebauch Richtung Schwerpunkt zu fußen und so den Biegungsgrad natürlich einzuleiten, erhalten zu helfen!
Dies gilt solange, bis das Pferd allein durch die Beckenstellung des Reiters biegungstechnisch zu formen ist.

Damit kommen wir zu einem der absolut zentralen Punkte innerhalb der Hilfengebung, dem Einsatz des

Beckens:

Das Becken des Reiters hat absolute, zentrale Bedeutung.
Von ihm geht primär jede Beeinflussung des Bewegungsverhaltens des Pferdes aus.
Ich betrachte das Becken als Zentrum des Reiters und und alles was daran im wahrsten Sinne des Wortes „angegliedert“ ist, als Peripherie.

Die Peripherie folgt immer dem Zentrum.


Dies gilt für alle physikalischen Körper.

Es besagt, dass das Geschehen im Zentrum eines Körpers, seinem Schwerpunkt also, unmittelbare Auswirkungen auf seine Umgebung, die Peripherie hat.
Will ich also die Peripherie steuern, so muss ich lediglich das Zentrum demgemäss beeinflussen und die Peripherie wird selbstorganisierend folgen!

Zentrum  oben 



Einfacher:
Möchte ich die Beine meines Pferdes steuern, so muss ich herausfinden, welches Schwerpunktverhalten die gewünschte Aktion herbeiführt und dann den Schwerpunkt dem entsprechend beeinflussen (meist über mein Gewicht, also meinen Schwerpunkt).

Umgekehrt kann ich über die Peripherie und ihre Hebelwirkung auf den Schwerpunkt diesen wiederum beeinflussen.
Es gilt also auch:

Das Zentrum folgt der Peripherie.


Diese Art der Steuerung des Bewegungsverhaltens beinhaltet aber mehrere Gefahren:

· Ich muss alle peripheren Komponenten sorgfältig ausgewogen einsetzen, sonst zerstöre ich das Gleichgewicht über den Schwerpunkt, anstatt es zu stabilisieren.

· Alle dazu wesentlichen Komponenten zu arrangieren benötigt eine außerordentlich Menge an Ressourcen und ist sehr aufwendig.

· Diese Art der Beeinflussung hat aggressiven Charakter und wird vom Pferd daher sehr viel eher mit widersetzlichem Verhalten quittiert.

Es ist also sehr viel ökonomischer/ergonomischer, einfacher in der Umsetzung, sicherer in der Effizienz und vom Pferd viel eher toleriert, wenn die Peripherie gehalten ist dem Zentrum zu folgen, anstatt umgekehrt.

Demzufolge ergibt sich zwangsläufig die Bedeutung des differenzierten Einsatzes meines Beckens, da durch dieses mein Schwerpunktverhalten und damit das des Pferdes nachhaltig beeinflusst wird!

Das Becken kann sämtliche wesentlichen Funktionen der Hilfengebung

· treibend

· verwahrend

· verhaltend
übernehmen.

(Die Reihenfolge ist nicht zufällig, da ich, wie gesagt, erst einmal

· Energie aus der Hinterhand benötige, also treibende Hilfen benötige,

· dabei die entstehende Energie kanalisieren, also durch die verwahrenden Hilfen bewahren muss, damit ich dann (und nur dann erst!) über

· die verhaltenden Hilfen die Energie ventilieren kann, damit dadurch die gewünschte Haltung und der Bewegungsablauf geformt werden können!)

Damit das Becken all dies in angemessener Frist und Dosierung und Reihenfolge verabfolgen kann, muss der Reiter einmal selbst enormes Körperbewusstsein mit ebensolcher Kontrolle erworben haben und zum anderen das Pferd entsprechend hochgradig sensibilisert worden sein, dami die feinen und vielschichtigen Signale des Reiterbeckens, wahrgenommen, interpretiert und umgesetzt (in der Bedeutung des Wortes!) werden können.

(Darum eine so differenzierte und langfristig angelegte Sitzschulung an der Longe, damit diese Schlüsselfertigkeit möglichst von Beginn an zur Verfügung steht und Reiter und Pferd sich nicht erst mit grobmotorischem Unfug herumquälen müssen.)

Betrachten wir uns die einzelnen Funktionen in ihrer Umsetzung durch das Becken genauer:

Treibendes Becken  oben 



Treibend:

Das Becken wirkt schon insofern „treibend“ , als es die Rückentätigkeit des Pferdes nicht stört durch träges Sacken oder steife Haltungsspannung.
Das Pferd muss andernfalls das Gewicht des Reiters mit jedem Schritt, Tritt oder Sprung wegbugsieren, da seine Wirbelsäule für die ausgearbeitete Bewegungsmechanik seiner Gliedmasse einen freien Bewegungsspielraum benötigt.

Die Wirbelsäule bewegt sich in zwei Achsen: vertikal und lateral.
Aus der Verbindung beider Bewegungsformen ergibt sich eine Wirbelsäulen-Rotation.

Wird diese nun abgedämpft durch ein zu unbewegliches Becken, muss das Pferd zusätzlichen Energieaufwand betreiben, um trotzdem die benötigte Rotationsfreiheit zu bekommen.
Das aber ist anstrengend und weil der entropische Imperativ auch hier gilt, wird das Pferd nach kurzer Zeit nicht mehr dagegen arbeiten wollen und folgerichtig seine Rückentätigkeit reduzieren; mit dem Effekt, dass die Hinterhand entsprechend weniger aktiv wird.

Also tut im Umkehrschluss der Reiter gut daran, diesem „Schubs“ -Impuls der Wirbelsäule im Zuge der Eigenrotation zuvor zu kommen und sein Becken weg bewegt zu haben, bevor das Pferd einen spürbaren Trägheitswiderstand empfindet.

Dies setzt voraus, dass der Reiter dicht an der Schwingung des Pferderückens dran bleibt (übertreibt er es hier mit der vorauseilenden Beckenbewegung, stört er durch „Unwucht“ ebenfalls die Rückentätigkeit!) und dabei im Idealfall selbst eine Rotationsbewegung ausführt.

Im Regelfall kann der Reiter bei weniger Übung diese Rotationsbewegung seines Beckens ersetzen durch wahlweises

· laterales (links-rechts/wechselseitiges Tiefer-Sitzen) Kippen oder

· sagittales (links-rechts/wechselseitiges Auf-ab-Rollen aus dem Lendenwirbelbereich) Kippen

Das Kippen bezieht seine Wirksamkeit aus der Tatsache, dass der Pferderücken in der Bewegung wechselseitig unterschiedliche Höhen einnimmt.
Das kommt daher, dass das Pferd beim wechselseitigen Unterfußen bzw. Abschieben der Hinterbeine in sich massemäßig ja unverändert bleibt, aber beim Unterfußen sich die Strecke Hinterhand-Vorhand verkürzt, beim Abschieben verlängert..
Da die Masse ja unverändert bleibt, wird sie im ersten Fall gestaucht, im zweiten gestreckt.
Beim Stauchen „beult“ sich das Pferd deswegen leicht seitlich und in die Höhe aus (Muskelkontraktion tut ihres auch dazu) und beim Strecken flacht die Seite ab und der Rücken senkt sich ab.

Das laterale Kippen weicht der wechselseitigen Anhebung/Senkung des Rückens durch seitliches Kippen aus und
Das sagittale Kippen weicht der wechselseitigen Anhebung/Senkung des Rückens durch Vor-und-Zurückrollen auf den Sitzbeinbügeln aus.

Verwahrend:
Das Becken kann natürlich auch horizontal gedreht werden, so dass der eine Beckenkamm gegenüber dem anderen nach vorne/hinten verstellt ist.

Hat das Pferd über Gewichtsweichen bereits gelernt, wahlweise bei leichter Gewichtsverlagerung ( „weisend“ ) der Verlagerung zu folgen oder bei stärkerer Gewichtsverlagerung sich von der Verlagerungsseite zu entfernen ( „weichend“ ), dann wird es auch schnell die verwahrende Funktion des sogenannten einseitig gegensitzenden Beckens verstehen lernen.

Dies bedeutet nichts anderes, als dass durch die Beckenverschiebung (die anfangs zum besseren Verständnis für das Pferd mit einer weichenden Gewichtsverlagerung nach außen untermauert wird ­ also Kippen nach außen + Rotation nach hinten -, um baldmöglichst von der reinen Beckenverschiebung ohne Gewichtsverlagerung nach aussen abgelöst zu werden) des Reiters im ausweichenden Gehorsam des Pferdes begründet eine ebensolche Beckenverschiebung des Pferdes eintritt.

(Dies wahlweise, um die Hinterhand wieder in die Spur zurück zu bringen ­ meist von außen nach innen oder um ein angedeutetes Entfernen der Hinterhand aus der Schwerpunktspur a priori zu verhindern.)

Verhaltendes Becken  oben 



Verhaltend:

Verhaltend wirkt das Becken bei beidseitig-gleichzeitig gegensitzendem Becken. Das bedeutet nichts anderes als eine wohldosierte Abdämpfung der Rückentätigkeit durch gewolltes Nicht-Eingehen in die Bewegung des Pferderückens.
Der Reiter „sperrt“ sein Becken ( „Becken-Arret“ ) und erzielt somit eine Wirkung wie durch ein Zügelarret oder eine halbe Zügelparade.

(Auch hier gilt bereits Gesagtes:
Das Pferd akzeptiert diese Art der Begrenzung sehr schnell und bereitwilliger als die vergleichbaren Begrenzungen durch Zügeleinwirkung!
)

Unterstützt werden kann dies wiederum durch diesmal sinnvollen Knieschluss, weil dieser dabei automatisch die Beckenbewegung sperrt.


Ich sage „diesmal sinnvollen Knieschluss“ , weil uns dieser schon unerwünschterweise in Form des Schenkeleinsatzes begegnet ist, wo er aber hinderlich – und nicht wie hier im wohldosierten Umfang und Einsatzzeitpunkt förderlich ­ ist.

Werden diese Aktionen im Lernprozess durch einen geschickten Doppelgerteneinsatz unterstützt, so kann ich mir sogar das anfängliche(!) Nach-außen-Verlagern des Gewichts sparen und sehr schnell brauchbare Ergebnisse erzielen.

Ausschlaggebend ist, wie immer, die Konditionierung, also das Einschwören auf ein vereinbartes Zeichen mit daran fest gekoppelter Reaktionsweise.
Von Beginn an versuche ich so oft wie möglich Situationen zu schaffen oder lauere auf das Eintreten einer entsprechenden Situation, in der es dem Pferd aufgrund der Tendenzen, die dem situativen Prozess inne wohnen, leicht fällt zwischen einer bereits nahe liegenden Reaktionsweise und einer gleichzeitig durch den Reiter daran gekoppelten Einwirkungsform einen Bezug herzustellen, der durch selbstidentische Wiederholung im Vergleich gefestigt wird und so unverrückbarer Bestandteil des Verhaltensrepertoires des Pferdes wird.

Der Konditionierungsprozess:

ist dreifach unterteilt, nämlich in:

1.) Prinzip
2.) Methode
3.) Technik

(Prinzip <=> lat.: princeps, der Erste, Prinz, Prinzip = Anfang, Ursprung, Grundlage)
(Methode <=> agr.:meta, nach, hinter + hodos, Weg ­ eigentlich: der Weg zu etwas hin)
(Technik <=> agr.: technikae, (handwerkliche) Kunst, Fertigkeit)


Beispiel:
Das Prinzip des Treibens ist das Auslösen der Vorwärtsbewegung.

Die Methode des Treibens ist
· Ansprechen des Fluchtimpulses
· geistige und muskuläre Spannungssteigerung
· Spass an der Bewegung bereiten
· Gefallenwollen erhalten
· Imponiergehabe ausnutzen etc.

Die Technik des Treibens bezieht sich auf
· Mittelwahl (Gewichtsverlagerung nach hinten durch Oberkörperhebel, Zungenschlag, Gerteneinsatz)
· Einsatzzeitpunkt (Fußfolgenabstimmung, Hilfenkoordination)
· Einsatzdauer (einmalig punktuell, mehrfach punktuell, ununterbrochen)
· Einsatzdosis (minimal, gesteigert, maximal)
· Einsatzcharakter (belobigend, strafend, ermahnend, korrigierend, beruhigend)

Situative Konditionierung  oben 



Daher gibt es auch beispielsweise zwei Methoden, um eine situative Konditionierung vorzunehmen:

· Intrinsisch (aus dem Inneren kommend)
· Extrinsisch (aus dem Äußeren kommend)

Es besagt nichts anderes, als dass das Pferd
· einmal durch eigenständige Vergleichserfahrung innerhalb einer gleich bleibenden Aufgabenstellung, die lediglich leichte Modifizierung durch Variation erfährt (etwa Trab-Cavaletti in unterschiedlichen Abständen und Höhen), sich selbst organisieren lernt und
· zum anderen durch starke Modifizierung mit Variationsbrüchen, die zu einem jeweils neuen und eindeutigen Bewegungsverhalten zwingen (etwa Cavalettiparcours mit unterschiedlichen Anforderungen wie einmal Trabreihe, dann Galoppreihe, dann Kombinationen daraus mit Dressurlektioneneinlagen zwischen den Cavaletti).

Solchermaßen zu bestimmten Reaktionen „verleitet“ begleitet der Reiter diese anfänglich (quasi im Nachhinein) mit einer gewünschten Hilfengebung.
Durch Wiederholung wird im Laufe der Zeit beides gewohnheitsmäßig aneinander gekoppelt.
Bis der Reiter am Ende den „Spieß umdrehen“ kann und aufgrund der Hilfengebung das erwünschte Reaktionsverhalten daraufhin gezeigt wird.

Dabei kann die Wahl der Signalgebungsform frei gewählt werden.
Es empfiehlt sich natürlich eine möglichst affinite, also naheliegende Form der Einwirkung zu wählen, da das Pferd um so schneller Bezüge herstellen und diese speichern kann.

Wichtig ist dabei immer (und man kann dies nicht oft genug wiederholen, da es laufend anders geschieht!), dass die Signale

· eindeutig
· präzise
· identisch

erteilt werden!

Nur so kann das Pferd „verstehen“ was gemeint, gewünscht ist.
Da die meisten Reiter aber ein äußerst schlechtes Körperbewusstsein mit ebenso schlechter Körperbeherrschung aufweisen, kann es nicht verwundern, dass die Forderung nach den genannten drei Punkten Makulatur ist und die fehlende sensitive Koordination durch gesteigerten Körpereinsatz bis hin zur „Unterstützung“ durch Sporen und Hilfszäumungen „ausgeglichen“ wird (Quantität statt Qualität).

Die Fähigkeit pferde- und situationsgerecht zu reiten durch eine extrem sensitive Wahrnehmung gepaart mit einem ausgewogen koordinierten Signalsystem ist in erster Linie eben von dieser äußerst gesteigerten Wahrnehmung abhängig!
Je früher ich eine Abweichung, Schwankung, Verzögerung (bis hin zur Widersetzlichkeit, die nur eine extrapolierte Form dieser Phänomene ist!) etc. bemerke, desto früher kann ich dem entgegen wirken und dies dann immer mit unsichtbarem und absolut minimiertem Aufwand!!

Präventiv, präsumtiv und präsent sein ­ das ist die Forderung an den Reiter.
Zuvorkommen durch entsprechende Präkonditionierung.
Vorwegnehmen durch alternatives Denken, welche alle Optionen bedacht hat und Antworten selbst für Fragen vorformuliert hat, die gleichwohl vielleicht nie gestellt werden mögen.
Gegenwärtig sein, also im Augenblick verweilend und nicht davor (Vergangenheit) oder dahinter (Zukunft).

Das sichert Kontrolle.
Nichts anderes.
Das ist bei jeder Prophylaxe so.
Im Gesundheitswesen, im wirtschaftlichen Betrieb, bei der Verbrechensbekämpfung, im militärischen Strategiebereich.
Nur beim Reiten nicht?

Diese „Reitprophylaxe“ dient auch der Minimierung von
· Verletzungsgefahren
· Verschleißerscheinungen
· Erschöpfungswahrscheinlichkeit.

Achtsamkeit ist auch hier eine Grundlage jeglichen Erfolgs.

wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 648 · Teil Teil 1
  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
    EquiVoX-Link Ausgabe 652 · Teil Teil 5
  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 654 · Teil Teil 7
  9. Magazin  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung, Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade
    EquiVoX-Link Ausgabe 655 · Teil Teil 8


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


_vorher  voriger Hauptartikel

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 656 vom 20.05.2012
Hauptartikel  CENTAURON - Stellung, Zügel, BeckenPferdemesse  Messe: AnsorenaEditorial  Editorial: Sein und ScheinRezension  Rezension: IslandpferdeTip  Tip: Pferdebeobachtung XLII
Poster  Poster: Wettstein, SimonePferdemesse  Messe: NiederhofLeserbriefe  LeserbriefeAngebot_der_Woche  Angebot der WochePferdemesse  Messe: Olewo
Gesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: EggersmannTermine  Termine
Presseinfos  MitteilungenGesamttext   Gesamttext   

_vorher  vorige Ausgabe

Impressum   home   Home   RSS   RSS   Nutzungsbedingungen  Nutzungsbedingungen   Kontaktformular  Kontaktformular   m_green   E-Mail an die Redaktion   Autorenhinweise  Autorenhinweise   Hilfe  HilfeTop   Top

Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken
tel 0049(0)5744-5115-74  fax -75  funk 0049(0)151-2327 3955
brief ISIS Messe & Pferdeverlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst
USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068
Die Adresse dieser Seite:
URL equivox.de/Magazin/656/Hauptartikel
Diese Seite wurde generiert am 24.05.2012 01:25:17
pferdezeitung_favico  dasselbe auf Pferdezeitung.com

Copyright © Werner Popken, Hüllhorst 1999 - 2012

Home  EquiVoX - bekannt als  pferdezeitung_favico  Pferdezeitung

Messe Online-Messe für den Pferdemarkt.
Magazin Online-Magazin für Pferdefreunde.

Der Herausgeber ist weder verantwortlich für Leserbeiträge noch für Inhalte verlinkter externer Internetseiten.
EquiVoX übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Angemessenheit und Ungefährlichkeit der in den Artikeln beschriebenen Methoden.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (E-Mails) zu veröffentlichen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

@MEMBER OF PROJECT HONEY POT
Spam Harvester Protection Network
provided by Unspam