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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 655, erschienen am 16.10.2011

Magazin  Ausgabe 655

Nach rechts ausstellende Hand
(Drehen der Kleinfingerseite )

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Diagonale Hilfengebung
  2. Abschnitt  Aufwandsniveau
  3. Abschnitt  An- und Abspannung
  4. Abschnitt  Diagonale Hilfengebung
  5. Abschnitt  Ausführung
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8
CENTAURON - Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 656:
Hauptartikel  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 660:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 663:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiten als offenes System

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 664:
Hauptartikel  CENTAURON – Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22, Ausgabe Magazin 669:
Hauptartikel  CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
http://www.equivox.de/Hauptartikel

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Federndes Handgelenk
CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


Nun gilt es sich verschiedene Situationen mit den Variationen des vereinzelten und/oder kombinierten Gerteneinsatzes vorzustellen und im Zeitlupentempo die Bewegung auszuführen (blind!!! – damit keine geistigen Verarbeitungs-Kapazitäten durch optische „Beschlagnahme“ auf Kosten des Erfühlens verloren gehen!!!.)
Beim erfolgreichen Ausführen – an die Gertenspitze lässt sich ein kleiner metallischer Gegenstand anbringen, der mit deutlichem Klicklaut die erfolgreiche Aktion „kommentiert“ – spürt man kinesiologisch (also bewegungsbezogen) dieser Ausführung nach und verinnerlicht das damit verbundene Körpergefühl.
Dies wird solange wiederholt, bis man quasi „im Schlaf“ auf Zuruf maximale Schnelligkeit und Sicherheit in der Anwendung entwickelt hat.

Selbstverständlich lassen sich alle drei Grundübungen (Gewicht, Gerte, Zügel) kombinieren!

Erst der kombinierte Gerteneinsatz mit hoher Präzision und Schnelligkeit besitzt diese „zwingende“ Wirkung, die gleichwohl vom Pferd nicht als solche empfunden wird; zumal, wenn der Reiter nach jedem Gerteneinsatz sofort(!!!) beruhigend und/oder belobigend sein Handeln kommentiert, es dadurch sozusagen „entschärft“ .
Das Pferd muss die Gerte als Motivationshilfe verstehen lernen und auch als solche begreifen können!

Daher ist es tunlichst, so weit wie möglich und geboten, zu vermeiden, der Gerte schwerpunktmäßig einen bestrafenden Charakter zukommen zu lassen!
Das Pferd soll wohl Respekt vor der Gerte haben, aber keine Angst!

Generell gilt:

Gewicht vor Gerte! (siehe auch: Bügel vor Zügel = Gewichtseinwirkung vor Handeinwirkung!)

Soll heißen:
Die Gerte ist immer „nur“ Ergänzung zu den eigentlichen Hilfen Gewicht und Zügel.
Erst wenn deren Einwirkungskraft sich als nicht ausreichend erwiesen hat, kommt die Gerte als „Verstärker“ derselben ins Spiel.
Sie soll dem Pferd verdeutlichen
a) Dass es besser auf die Vorzeichen der Gerte, nämlich Gewichts- und Zügelimpulse achten sollte, da andernfalls sich diese durch die Gerte in Erinnerung rufen lassen und
b) Welche Reaktionsweise mit der eingebrachten reiterlichen Einwirkung gedacht, gewünscht ist.

Zu empfehlen ist unbedingt der erzieherische Dreischritt:
1.) „Stumme“ Gewichts- und/oder Zügelhilfe
2.) Stimmliche Unterstützung
3.) Gertenunterstützung

Zu empfehlen ist desgleichen die erzieherische Eskalation der Einwirkung:
1.) Minimaler Einsatz
2.) Gesteigerter Einsatz
3.) Effizienter Einsatz

Denn jede Korrekturaktion, die über Gebühr dauert bis sie Wirkung zeigt, wenn überhaupt, stumpft das Pferd ab, bzw. hebt die Reizschwelle an, anstatt in einer Senkung derselben die gewünschte Sensibilisierung des Pferdes zu erzeugen.

Außerdem ist ein unerwünschter Nebeneffekt, dass Ihr Pferd Ihre Ansprüche nicht mehr ernst zu nehmen beginnt und zusehends die Leistungsbereitschaft aufkündigt!

Aufwandsniveau  oben 



Im Zuge der Sensibilisierungsbestrebungen macht es auch Sinn, nach jeder erfolgreichen Einwirkung beim nächsten Mal mit geringerem Einsatz zu beginnen, damit insgesamt das Aufwandsniveau sinkt.

Ich bewege mich also einwirkungstechnisch vom Groben zum Feinen , so wie ich mich ausbildungstechnisch vom Einfachen zum Schwierigen entwickle.

zu ermöglichen, damit das Pferd über seine Befindlichkeit herausfinden kann, welches die beste Lösung ist.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch den Begriff der

UN-Hilfe

einführen, die nicht eine Nicht-Hilfe ist, sondern eine Hilfe, die als solche nicht erkannt wird, gleichwohl sie eine darstellt:

Die Un-Hilfe bedeutet, dass es Momente gibt, in denen der Reiter sich aus dem Geschehen bewusst heraushält, sich nicht korrigierend einmischt, sich seiner Einwirkungsmöglichkeiten enthält, damit das Pferd sowohl selbst die Lösung suchen und finden kann, als auch den verstärkten Bezug, die gesteigerte Anlehnung zum Reiter aufsucht!

So wie man auch Kindern einen Spielraum, der gleichwohl absolute Grenzen besitzt, bietet, damit sie eigeninitiativ Lösungen für sich entwickeln können, so ist dieses Prinzip auch für das Pferd von Bedeutung!

Andernfalls zieht man sich eine Reflexmaschine heran, die im Zweifelsfalle auf Weisung durch den Reiter wartet, weil sie selbst unfähig ist, eigenständig korrekt, also den Umständen entsprechend zu handeln.

Um den Schwerpunkt des Pferdes den Anforderungen gemäss auszutarieren, muss ich in zwei Raumachsen und einer Zeitachse agieren.

Raumachse vorne – hinten /sagittal (Wirkrichtung der Einwirkung)
Raumachse links – rechts /lateral (Wirkrichtung der Einwirkung)
Zeitachse /temporal (Zeitpunkt, Zeitdauer der Einwirkung)


Zu der Raumachse vorne – hinten zählen die sogenannten treibenden und die verhaltenden Hilfen.
Zu der Raumachse links – rechts zählen die sogenannten verwahrenden Hilfen.

Treibend meint: Hinterhand Richtung Schwerpunkt aktivierend. (Schubkraft, Frequenz, Tempo)
Verhaltend meint: Begrenzung und teilweise Rückführung der von der Hinterhand ausgehenden Energie zum Zwecke der Formung von Haltung und Bewegung (Tragkraft, Kadenz, Hankenbeugung)
Verwahrend meint: Seitliche Begrenzung zur Erstellung und Bewahrung der korrekten Ausrichtung der Hinterhandaktivitäten in Richtung Schwerpunkt des Pferdes (Balance, Stabilität, Geraderichten).

Das Grundprinzip der Hilfengebung lässt sich am einfachsten mit den Begriffen der Begrenzung und des Druckausgleichsverfahrens erklären.
Begrenzung dient der Erstellung derjenigen Form des Pferdes, die die grösstmögliche Bewegungsfreiheit des Pferdes (unter Berücksichtigung bestmöglicher Reduzierung der Verletzungsgefahr, des Verschleißes und des Energieaufwandes!) garantiert.

Treibende Hilfen begrenzen hinten, verhaltende Hilfen vorne und verwahrende Hilfen seitlich.
In jedem dieser Fälle dient ein Spannungsaufbau, ein Druckgefälle dazu, das Pferd zu einer Druck ausgleichenden, Spannung abbauenden Bewegung oder Haltung zu veranlassen.

(Vorwärts nicht durch Treiben, sondern durch Spannungsaufbau und darauf folgendem kontrolliertem Spannungsabbau – z.B. bei Verstärkungen, Piaffe, Passage, fliegender Wechsel etc.)

(wenn hier von Spannungsabbau die Rede ist, so bedeutet dies, dass natürlich einerseits eine kontinuierliche Grundspannung vorhanden sein muss, damit Bewegung und Leistung überhaupt möglich sind, aber innerhalb der Leistungsanforderung auftretende Belastungs- oder Spannungspitzen so schnell wie möglich wieder reduziert werden sollten, damit wieder Kapazitäten frei sind für erneute Belastungsspitzen!
Die Graphik angemessener Spannungsbögen im Leistungsverlauf ähnelt eher einer Berg-und Talfahrt, denn einem Tafelbergtableau.
So, wie ich für jeden neuen Schuss den Bogen neu spannen muss, so für jede neue Leistungsanforderung oder Veränderung den Geist und die Muskulatur meines Pferdes!)

An- und Abspannung  oben 



Allein die Aussicht auf eine „Erholungsphase“ , eine Entlastung von Spannungsspitzen, lässt das Pferd diese aktiv aufsuchen!
Deshalb muss ich als Reiter meinem Pferd diese zum Erhalt der Leistungsmotivation auch immer wieder während der Arbeit gewähren.
Paradoxerweise kommt also die Leistungsfähigkeit des Pferdes zustande, indem der Reiter den (geistigen & körperlichen) Bogen spannt und ihn durch den erlösenden „Schuss“ (= Aktion, Lektion) entspannt, wobei der Impuls zum „Schuss“ vom Pferd selbst kommt, weil dies die Entspannung er „hineintreiben“ zu müssen!

Jede gelungene Aktion besteht letztlich aus der Anhäufung kleiner Spannungsmomente (eine Art positiver Verstärkung bestehender Tendenzen, man denke an das „aufschaukeln“ !) zum Zwecke ausreichender Grundspannung für die gewünschte Aktion/Lektion mit ebensolcher Abspannung in Folge der erfolgreichen Aktion (auch hier gibt es das gleiche Prinzip bei Bedarf, nur dass ich hier sozusagen „negativ abschaukele“ , also in kleinen Quanten herunterdämpfe – je nach Grad der Sensibilität und dem Entgegenkommen des Pferdes!).

Je schneller, präziser und wohldosierter der Reiter hier zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Lob und Tadel, zwischen Begrenzen und Nachgeben in seiner Einwirkung zu wechseln vermag, um so weniger Widerstand wird er durch das Pferd zu gewärtigen haben, da einmal die Zeit für einen antagonistischen Spannungsaufbau (Gegenreflex, Widerstand) nicht reicht (der Grund für einen möglichen Widerstand hat sich ja im nächsten Moment schon wieder vermeintlich verflüchtigt!) aber genügend Dauer besitzt, um den natürlichen oder ankonditionierten Reflex auszulösen und das Pferd dabei im immer wieder regelmässig auftauchenden Entspannungsmoment seine persönliche Reizschwelle, Toleranzgrenze nicht überschreitet, von der an die Zusammenarbeit mit dem Reiter quasi „aufgekündigt“ würde.

Wenn ich jemanden im Gleichgewicht halten möchte, dann boxe oder trete ich ihn nicht ab und zu mal kräftig kurz bevor er endgültig zum Hinfallen käme, sondern unterstütze ihn mit Microimpulsen, die ihre Wirksamkeit entfalten, weil sie wesentlich früher einsetzen, dafür häufiger angewandt werden, dabei aber schonender, fast unmerklich und wesentlich effizienter die Person im Gleichgewicht zu erhalten helfen.

Dito beim Reiten.
Das Geheimnis erfolgreicher Einwirkung unterliegt dem Dictum:
Obsta initiis!
(Wehret den Anfängen!)

Je früher ich als Reiter wahrnehme, wie fast unmerkliche Schwankungen, Abweichungen, Ungenauigkeiten sich ankündigen – desto früher kann ich dem entgegen wirken und dies naturgemäss mit entsprechend geringem Einsatz.
Ist das sprichwörtliche Kind erst einmal in den Brunnen gefallen – hat das Pferd also seine Gleichgewichtssituation verschlechtert oder gar verloren, so ist es zu spät, um mit feinen Hilfen etwas zu retten, dann muss schweres Material aufgefahren werden.

Des weiteren kann man das erfolgreiche Einwirken mit der Tätigkeit eines Taschendiebes vergleichen:
Während er auf der einen Seite durch einen verstärkten Reiz die Aufmerksamkeit fesselt, ablenkt, holt er sich auf der anderen Seite solchermassen „getarnt“ das Objekt seiner Begierde ( „stealth-riding“ ).
Auf diese Weise entsteht keine Opposition, kein Widerstand, da die Natur des ablenkenden Reizes günstigerweise eine harmlose bis erfreuliche sein kann.
Beispiel: Wenn ich das Pferd lobe, am Hals streichle und dabei wie nebenbei, zufällig in kurzen Reprisen den inneren Zügel zusätzlich stellend einsetze, so wird durch die vordergründig verdeckende (zumindest so vom Pferd empfundene) „Hauptaktion“ des Lobens vom eigentlichen Zweck des Vorgangs, nämlich des verstärkten Durch- oder Abstellens abgelenkt.
Das Pferd kann eine solche Dichotomie (Zwiespältigkeit) des Vorgehens weder erkennen, noch infolge davon kommentieren, sprich: sich dagegen verhalten, wehren!

Es verhält sich mit den Hilfen außerdem wie mit der persönlichen Handschrift:
Auch dies ist eine ganz individuelle Signatur, die man mehr oder weniger leicht entziffern, dechiffrieren lernen muss, will man den Text, Inhalt verstehen.
So muss auch jedes Pferd immer wieder von neuem damit vertraut gemacht werden, was welches Signal zu bedeuten hat und wie es darauf reagieren soll.

Diese „Einlesephase“ erfolgt zu Beginn des Reitens mit dem Üben der Seitengänge im Schritt. Denn hier habe ich sämtliche Komponenten, die in allen anderen Belangen ebenfalls vertreten sind und kann diese im Schritt (wo Pferd wie Reiter ausreichend Zeit haben, sich zu sortieren!) in ihrer jeweils treibenden, verhaltenden und/oder verwahrenden Funktion in großer Vielfalt und Deutlichkeit begreiflich und umsetzbar gestalten.

Diagonale Hilfengebung  oben 



Im Zuge der Seitengänge

(Gewichtsweichen ist streng genommen natürlich kein „Seitengang“ per definitionem, da es aber unverzichtbarer Bestandteil und Grundlage aller weiteren Seitengangentwicklung ist, binde ich es hier mit ein! Als Seitengang werden nur diejenigen Bewegungsformen bezeichnet, welche in Stellung und Biegung – welche es in expliziter Form beim Gewichtsweichen nicht gibt – und einer Längsachsenabstellung von der Bewegungsrichtung vorgenommen werden!)

muss ein weiteres, wichtiges Grundprinzip der Hilfengebung erläutert werden, die

Diagonale Hilfengebung:

Diese zieht sich als elementare Grundforderung durch sämtliche Lektionen. (Selbst Piaffe & Passage benötigen diese, da im wechselweisen Untertreten der Hinterhand bereits ein innerer & äußerer Zügel vorgegeben ist, wobei jeweils der auf der untertretenden Seite befindliche Zügel als der „äußere“ begriffen werden muss, da er allein durch sein

Arret:

aus dem frz.: arreter – sperren (u.a.).
Bezieht sich auf das Sperren des ansonsten flexibel federnden Handgelenks (um die natürlichen Nickbewegungen des Pferdes mit Hals und Kopf während der Bewegung nicht unnötig zu behindern oder gar zu blockieren!) zum Zwecke der Druckverstärkung am äußeren Zügel, um damit auf das äußere Hinterbein (Stützbein) wie beschrieben einzuwirken.


Oder die

Halbe Parade:

Ist eine Verstärkung des Arrets in Form des aktiv zum Pferdehals hin – oder im äußersten Fall rückwärtig – eingedrehten Handgelenks zum Zwecke der Druckverstärkung am äußeren Zügel, um damit auf das äußere Hinterbein (Stützbein) zum Zeitpunkt des Zehenkontakts mit dem Boden einzuwirken. Hierdurch kann das Pferd dem verstärkten Druck am Zügel nur nach hinten ausweichen, indem es die Hanken beugt.

die nötige Hankenbeugung mit der entsprechenden Kadenz zu steuern vermag!)

Ziel dieser Vorgehensweise ist, dem äußeren Zügel eine maximierte Kontrollfunktion über das Bewegungsverhalten des äußeren Hinterbeines, des „Stützbeines“ , zuzuweisen.

Jeder Zügel wirkt direkt nur auf das gleichseitige Hinterbein:
Linker Zügel auf linkes Hinterbein – rechter Zügel auf rechtes Hinterbein.
Und „Wirken“ bedeutet hier:
Jede Form, jeder Grad des Widerstandes eines Zügels, der sich im Maul des Pferdes bemerkbar macht, führt zu einem Druckausgleichsverhalten des Pferdes, sprich:

Das Pferd reagiert, um dem Druck in seinem Maul zu entgehen oder ihn zumindest zu verringern, indem es:
  • Das gleichseitige Hinterbein „hängen“ lässt (es fußt nicht weiter gegen die empfundene Widerstandsrichtung und tritt kürzer)
  • Das gleichseitige Hinterbein seitlich nach innen ausweichen lässt
  • Das gleichseitige Hinterbein vermehrt nach vorne-aufwärts winkelt (verstärkte Hankenbeugung)


(Die Wirkungen einer „Halben Parade“ – abhängig vom zeitlichen und wechselwirkenden Zusammenspiel mit anderen Komponenten – erstrecken sich dabei von
verhaltender Wirkung in puncto
  • Tempobegrenzung
  • Ausrichten der absoluten und relativen Aufrichtung
  • Kadenzbestimmung
  • Hankenbeugung
  • Selbsthaltung
  • Spannungsaufbau

bis zur verwahrenden Wirkung in puncto
  • Nach aussen begrenzen in Schulter und/oder Hinterhand
  • Nach innen führend über die Schulter und/oder Hinterhand

Ausführung  oben 



Die Ausführung einer Halben Parade erfolgt wahlweise über Gewichtsverlagerung (verwahrende Funktion), Gegensitzen (verhaltende-verwahrende Funktion) oder eben den Zügel (verhaltende-verwahrende Funktion)

In jedem Fall gilt: Erst Treiben, dann Verhalten, dann Nachgeben!!!

Erst, wenn das Pferd aktiv an die Hand herantritt, kann der Reiter durch passiv aushaltende Hand (Arret) – aktiv eindrehende Hand (Fermet) die Energie des Vorwärts auffangen, umleiten, umformen!
Unbedingt muss nach jeder verhaltenden, spannungsfördernden Aktion eine nachgebende, entspannungsfördernde Aktion folgen, damit das Aufwandniveau nicht letztlich exponentiell ausufert und das Pferd nicht über Gebühr gegängelt wird.

(Nie am Zügel ziehen, sondern den Zügel lieber nachfassen und das Pferd sich vom Zügel abstoßen lassen!
Denn:
Beim Ziehen gerät der ganze Hals in Bewegung und die große Halsmuskelgruppe spannt sich reflektorisch dagegen, wodurch die eigentliche Absicht – z.B. Stellung zu fordern – verunmöglicht würde!

Daher:         Bügel vor Zügel!

Soll heißen: Gewichtseinsatz auf der inneren Seite zum Abspannen derselben, bevor die Zügelhand – die daraus natürlicherweise sich ergebende Tendenz zur Innenstellung – durch den entgegennehmenden Zügel verstärkt und so zur gewünschten Stellung gelangt!)


Die Auswirkungen erstrecken sich innerhalb der
  • Übergänge (kurzfristiges Überwiegen der verhaltenden Hilfen gegenüber den treibenden)
  • Tempiunterschiede
    Verstärkung : Spannungsaufbau -> Abbau der gesammelten Spannung.
    Versammlung: Spannungsaufbau -> Erhalten der gesammelten Spannung
  • Wendungen (laterale Asymmetrie: Pferd wendet sich von Überdruckseite zur Unterdruckseite)


Anmerkung:

Natürlich kann es auch:

Sich im Genick nach außen verwerfen
  • Hinter dem Zügel gehen ( „falscher Knick“ , mit zusätzlicher Folge, dass das lange Nackenband, welches sich vom Genick über den Widerrist bis in den vorderen Rückenbereich erstreckt, in seiner die Dornfortsätze zur Brückenkonstruktion aufrichtenden Funktion „abbricht“ und der sich selbst stützende Rücken verloren geht und die Stützmuskulatur – seitliche Zwischenrippenmuskulatur und schräge Bauchmuskulatur – zu weiteren Versteifungen führt!)
  • Sich „festbeißen“ (eigentlich rutscht das Gebiss in den Molaren-/Backenzahnbereich und verklemmt sich dort! Das passiert, wenn das Pferd durch Aufreißen, „Sperren“ des Mauls dem Druck zu entkommen versucht.)
  • Über dem Zügel gehen (Gebiss rutscht wie beim Festbeißen zu tief in den Kieferwinkel. Zusätzlich bricht dadurch die Hebelfunktion der Maulwinkel-Genick-Linie und Beizäumung ist nicht möglich, da auch seitliches Abstellen – Halshebel – nicht mehr greift, weil das Pferd durch das verklemmte Gebiss nicht mehr führbar ist!)
  • Auf den Zügel vorwärts-abwärts stoßen (ebenfalls mit der Folge des in den Kieferwinkel durchrutschenden Gebisses – denn entgegen weit verbreiterter Meinung, ist das Pferd weniger auf dem Zahn empfindlich, als auf dem lediglich mit einem dünnen, gut durchbluteten und daher schmerzempfindlicheren Kieferrand, wo das Gebiss regulär zwischen den Zähnen zu liegen kommt und Druckminderung auf den Kieferast durch Gegendruck der Zunge vorgenommen wird!)
  • Zunge-Rausstrecken auf der belasteten, sich versteifenden Seite (Das Pferd, das sonst über Zungengegendruck sich vom Gebiss zu entlasten sucht, nimmt seine ebenfalls druckempfindliche Zunge – machen Sie den Selbstversuch! – bei Überlastung zum Schutz nach außen und nimmt „lieber“ den Druckschmerz auf den Kiefernast in Kauf!) oder
  • Die Zunge aus denselben Gründen über das Gebiss drücken

In solchen Reaktionsfällen ist aber jegliche Lektionenambition sowieso verfehlt, mithin die diagonale Hilfengebung obsolet, da hier erst einmal grundlegende Führungsfehler des Reiters und berechtigte Vertrauensdefizite des Pferdes beseitigt werden müssen

Grundsätzlich kann man hier zusätzlich feststellen, dass der Reiter im Verhältnis der treibenden zu den verhaltenden Hilfen mit Sicherheit ein Ungleichgewicht zugunsten der verhaltenden Hilfen gelten lässt und außerdem der Einsatz der Gewichtshilfe zum Zwecke der Rippenbiegung mit nachfolgendem (sich fast von selbst ergebendem) Stellungserhalt zu stark vernachlässigt wurde, wenn er denn überhaupt bekannt und getätigt worden ist!


wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 648 · Teil Teil 1
  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
    EquiVoX-Link Ausgabe 652 · Teil Teil 5
  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 654 · Teil Teil 7


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


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