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![]() Vibrationsfaust zum Abkauen-lassen des Pferdes |
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Im Falle des Reitens bezieht sich dies auf die vergleichende Erfahrung des Pferdes bezüglich der Reaktionen auf seine eigenen Aktionen. In jedem Falle muss das Feedback rasch erfolgen, denn wir haben als Reiter lediglich einen zeitlichen Spielraum von wenigen Zehntelsekunden bis zu maximal 3 Sekunden, innerhalb derer das Pferd einen Bezug herzustellen imstande ist zwischen seiner Aktion und er erfahrenen Reaktion! Es macht keinerlei Sinn, bei Fehlverhalten seines Pferdes nach einer Minute abzusteigen und das Tier „erzieherisch“ zu „vermöbeln“ !!! Das Pferd kann nach dieser Zeitspanne keinen Bezug zum eigentlichen Fehlverhalten mehr herstellen und wird statt dessen das Absteigen mit der nachfolgenden Malträtur verknüpfen! Der Reiter muss sich immer wieder vor Augen halten, dass der zeitliche Erlebnishorizont seines Pferdes ein ganz anderer ist als sein eigener. Analoge Übertragungen ( „Ich gebe dir jeden Tag bestes Futter und eine saubere Box! Da kann ich doch wohl erwarten, dass Du auch mal was für mich freiwillig tust!“ – Originalton, der sicher jedem schon mal zu Ohren gekommen ist!) sind hier fehl am Platze und führen mit absoluter Sicherheit zu eklatanten Enttäuschungen der reiterlichen Erwartungshaltung. Verpasse ich den entscheidenden Moment des Feedbacks, so muss ich mich, auch wenn es mir schwer fallen sollte, eines weiteren, verspäteten negativen Feedbacks enthalten! Ansonsten schade ich nur mir selbst und meinen Absichten. Reiten stellt daher höchste Anforderungen an die emotionale Selbstkontrolle des Reiters, so wie an die geistige Flexibilität. Ich muss unter Umständen in kürzesten Abständen die Aktionen positiv-negativ-positiv bestätigen können – dies schnell, präzise, überzeugend und gerade dadurch vertrauenerweckend, – fördernd! Denn das Pferd wird sehr schnell erkennen, dass hinter dieser Verhaltensweise Methode steckt und sich dann daran orientieren (können), also eine gewisse Sicherheit in Bezug auf die reiterlichen Reaktionen bekommen, was seiner grundsätzlichen Entspannungshaltung im Umgang mit dem Reiter nur förderlich sein kann. Pferde sind Gewohnheitstiere und lieben das Eindeutige, Erwartbare und Erinnerliche. Und wer Kinder hat, weiß, dass es sich hier wiederum ähnlich verhält: Welchen Rahmen Sie auch immer meinen abstecken zu müssen, Hauptsache ist zuallererst, dass es ein verlässlicher ist, so dass die Kinder genau wissen, solange ich mich innerhalb des gesetzten Rahmens bewege bin ich im „grünen Bereich“ , da dräuet kein Ungemach! Bei den Pferden ist dies vergleichbar. Nichts ist verwirrender, verunsichernder und letztlich vertrauenzerstörender als ein unkalkulierbarer Reiter. Selbst strengste Maßstäbe werden schnell „klaglos“ , willig hingenommen, sofern sie akkurat durch den Reiter eingehalten werden. Das bedeutet im Umkehrschluss die strenge Forderung an den Reiter, auch absolut kompromisslos in puncto konsequenter Anwendung seiner Maßstäbe zu sein. Heute streng und morgen laissez-faire – das geht nicht! „Streng, aber gerecht!“ , muss hier noch hinzugefügt werden. Denn Ihre Strenge muss ihre Begründung in einer korrekten Beurteilung der Situation finden können, also in einer gewissen logisch-stringenten Beziehung stehen. Sonst ist sie weder nachvollziehbar noch auf Dauer wirksam. Umgekehrt haben Sie als Reiter damit ein äußerst wirksames Instrument, wenn es darum geht die so dringend benötigte Eigenspannung des Pferdes herzustellen und/oder zu erhöhen! Gelegentliche(!) kleinere Unberechenbarkeiten (am besten solche, die durch das Pferd nicht direkt mit dem Reiter in Verbindung gebracht werden!) steigern die Achtsamkeit des Pferdes und den Wunsch nach orientierenden Weisungen durch den Reiter, der sich ja (hoffentlich!) bereits als verlässlicher Entscheider präsentiert hat und so aus der Sicht des Pferdes erste Anlaufstelle für seine Aufmerksamkeit ist, sobald Ungewissheit auftritt. Diese Reaktion begründet sich im Herdenverhalten des Pferdes. Sie und Ihr Pferd sind bereits eine kleine „Herde“ , denn es gelten alle Verhaltensprinzipien wie bei einer echten, großen Herde. Auch hier orientiert sich durch die hierarchische Struktur des Herdenverbandes der größte Teil an einem oder wenigen führenden Leittieren. Beim gemeinschaftlichen Grasen etwa hält das Leittier hauptsächlich Ausschau und sichert die Umgebung visuell. Hält dieses Tier inne – mit dem Fressen, wie mit dem Atmen – dann pflanzt sich dies wie ein Alarmsignal durch die Herde fort und schon kurz darauf gucken alle in die Richtung des Leittieres, sowohl, um mitzubekommen was sich eventuell da abspielt, als auch, um den ersten Fluchtimpuls durch das Leittier als Signal an sich aufzunehmen, ebenfalls sicherheitshalber los zu spurten. Der Reiter sollte es sich angelegen sein, diesem Prinzip Rechnung zu tragen und innerhalb der Reiter-Pferd- „Herde“ die Rolle des Leittieres inne zu halten. Dies führt zu der Forderung, dass sich der Reiter nach pferdegerechten Maßstäben auch als geeignetes Leittier darstellt.! |
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Hier einige der wichtigsten Situationen, in denen es klar zu stellen gilt, dass der Reiter das „Alpha-Tier“ ist:
Dann wird Ihr Pferd Ihnen gerne folgen. Merke: Pferde verabscheuen Unberechenbarkeit, Pferde lieben Berechenbarkeit! Dies ist auch mit einer der wichtigsten Gründe, warum bei manchen Reitern die Pferde von Beginn an locker, entspannt sind: Sie wissen genau, was sie von ihrem Reiter zu erwarten haben! In dieser Gewissheit ist gut loslassen. Sorgen Sie für Ihre Berechenbarkeit (auch die Erfahrung des Pferdes, dass Sie unberechenbar werden können, sobald Unbotmässigkeiten überhand nehmen, gehört zum sicheren, also berechenbaren Erfahrungsschatz Ihres Pferdes!). Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Sollten Sie es mit einem selbstbewussten Leittier zu tun haben – Leithengst, Leitstute – dann empfiehlt es sich nicht, den „Stolz“ dieser Tiere zu brechen, sondern mit Ihrer Überzeugungsarbeit, gepaart mit partnerschaftlich betonter Vertrauensarbeit, eine Art Koalitionsmodus zu erstellen. Ein wirklich starkes Tier können Sie nicht absolut unterordnen. Hier greift das Vertrauen in Ihre soziale und technische Kompetenz, weil auch das stärkste Leittier (oder gerade diese) merken, wenn Sie Sicherheit zu geben vermögen, wo die Selbstsicherheit des Leittieres nicht ausreichend ist. Wenn Sie dann noch in der Lage sind, den Spass an der Leistung (starke Tiere haben einen Hang zur Selbstdarstellung!) zu vermitteln, dann stehen Ihnen Ressourcen, Potentiale und Optionen zur Verfügung , die weit überdurchschnittlich sein werden! Aber diese Art Arbeit verlangt nach professionellem Handling und ist nichts für Anfänger oder semi-professionelle Reiter, die nicht ausgereift genug sind! Womit wir beim Prinzip von „Lohn“ und „Strafe“ (besser: positives & negatives Feedback!) wären. Es ist unerlässlich, Aktionen, die in ihren Folgen für das Pferd nicht selbsterklärend sind, zu „kommentieren“ . In jedem Fall gehört ein positives Feedback in Form einer belobigenden, ermutigenden, beruhigenden Stimme ebenso dazu, wie Klopfen, Streicheln am Hals, Nachgeben am Zügel oder Beenden einer Leistungsanforderung bis hin zum Absteigen/Führen und Leckerli-Verabreichung. Im Gegenzug ist bereits die Wiederholung einer bereits nicht erfolgreich absolvierten Übung eine Art „Strafe“ oder die scharfe, ermahnende Stimme, die erhöhte Aufmerksamkeit auf den Reiter und seine Einwirkung fordert oder das Aufrechterhalten von Druck im Sinne einer Druckausgleich fordernden Situation. Für letzteres zeichnet sich in hohem Masse der Gerteneinsatz verantwortlich, sofern die Gewichtsverlagerung die nötige Begrenzung des Pferdes allein nicht gewährleisten kann. |
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Außerdem ist es sinnvoll Prioritäten setzen und nicht alles auf einmal regulieren wollen. Das geht sowieso nicht. Bei den Prioritäten nach dem Basis-Prinzip vorgehen: Wenn etwas nicht klappt oder schlecht dargeboten wird – fragen, was ist die Grundlage für eine verbesserte Performance. Dann an diesem Punkt arbeiten. Reicht das nicht, so geht man auf die Basis dieses Punktes zurück, solange, bis wieder stabile Verhältnisse einkehren und man von dort sich wieder nach oben vorarbeiten kann. Merke: Jeder Veränderung muss eine Stabilisierung vorausgehen. Andernfalls potenziert sich dadurch die Destabilisierung des Pferdes. Gerte: Die Gerte ist Ihr wichtigstes Handwerkszeug! Die Gerte erlaubt Ihnen als Reiter an Regionen taktile Reize auszugeben, die für Schenkel oder gar Sporen unerreichbar sind, gleichwohl sie für die reiterliche Einwirkung unerlässlich sind. Ich kann Brust, Schulter, Rippenbogen, Flanke, Kruppe oder sogar ein einzelnes Bein touchieren. Und: Ich kann den „Sound“ einer guten Gerte hervorragend als Unterstützung meiner Einwirkung einsetzen! Die Wirkung einer aus dem „Off“ zwitschernden oder sausenden Gerte ist nicht zu unterschätzen. (Weiterer Vorteil: Der „Sound“ ist unspezifisch, es lässt sich für das Pferd keine muskuläre Gegenreaktion – ausschlagen, Kruppe hoch werfen etc. – entwerfen, im Gegensatz zu dem taktilen Reiz des Touchierens, wo die betroffene Muskelregion durchaus auch unerwünschte Kontraktionen zeitigen kann.) So, wie viele Reiter ja auch mit zwei Sporen reiten, um beide Seiten einwirkungstechnisch abzudecken und sie nicht einen Sporen bei Bedarf auf die andere Seite umschnallen, so reite ich mit zwei Gerten (Doppelgerte), um das Wechseln zu vermeiden, wodurch ich einen eklatanten Zeitverlust erleide (siehe Reaktionszeiten und ihre Bedeutung!) und zudem der Überraschungsmoment für das Pferd verloren geht, denn eine Gerte, die sich lange vor ihrem Gebrauch bereits dazu ankündigt, geht ihrer Wirkung in weiten Teilen verlustig, da das Pferd in optischer Vorwarnung sich bereits darauf einzustellen vermag und psychologisch und muskulär präpariert sein dürfte! Zum Material: Eine Gerte muss mindestens 1.30 lang sein!!! Diese Forderung erklärt sich aus der korrekten Haltung der Gerte: Um eine Gerte schnell, eventuell scharf einsetzen zu können, muss ihre Masseträgheit rasch zu überwinden sein. Dies gelingt am besten, wenn man den Masseschwerpunkt der Gerte als Dreh- und Angelpunkt für den Einsatz benutzt. Dieser Masseschwerpunkt liegt aber niemals(!) im Griff der Gerte, sonder dahinter! Also greife ich hinter den Griff, der somit als Kontergewicht dient und die Gerte so beschleunigen hilft. Dadurch verkürzt sich aber die Gerte, woraus sich die Forderung nach einer mindestens 1.30 langen Gerte erklärt haben dürfte, damit ich aus der korrekten Grundhaltung der Zügelhand ohne loslassen oder gar zurückgreifen zu müssen die Kruppe und den Oberschenkel des Pferdes erreichen kann. Die Gerte muss für eine präzise Schwungführung zu etwa 2/3 ihrer Länge steif sein. Zumindest bis zu dem Punkt, wo sie bei korrekter Handhaltung auf dem Oberschenkel des Reiters zu liegen kommt. Danach soll sie geschmeidig werden, aber nicht „labberig“ , da sie ansonsten unkontrollierbar „fuchtelt“ und ihre Präzision selbst in geübter Reiterhand einbüßt! Außerdem muss sie bei Beschleunigung aus dem Handgelenk (nicht Unterarm!) bereits einen feinen, scharfen Sound haben. Am besten prüft man dies, indem man sie auf der vermutlichen „Anschlaghöhe“ mit dem Oberschenkel auf die flache Hand schlägt und sowohl das Auswippen beobachtet, als auch den Sound „abhört“ . Es darf nicht zu viel Kraft oder Ausholbewegung brauchen, um den gewünschten Effekt einer „schnappenden“ Gerte zu erzielen und das Ende der Gerte darf nicht in rotierendes Schwingen verfallen, sondern muss schwingungsebenentreu bleiben! Außerdem empfiehlt sich ein Eigenversuch an der eigenen (wahlweise Verkäufer-) Wade, um die „Schärfe“ einer Gerte zu erfühlen. Wenn man mit zwei Gerten reitet, sollten beide Gerten identisch sein, um Einwirkungsdifferenzen zu vermeiden. |
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Zum Einsatz: Die Wirkungsweise der Gerte unterscheidet sich wie folgt:
Besondere Wirkung bekommt der Gerteneinsatz dann, wenn die beiden Gerten koordiniert eingesetzt werden! Wenn beide Gerten gleichzeitig verschiedene Regionen touchieren oder wechselnd gleiche Regionen oder zeitlich versetzt verschiedene Regionen, dann sind dies widersprüchliche Reizempfindungen für das Pferd (Trigger-Paradoxien), die wahlweise zu einer Paralysierung ( „Lähmung“ zum Zwecke des Widerstandsabbaus, quasi wegen „Verblüffung“ ) oder deutlichen Steigerung der Eigenspannung (zusätzliche Mobilisierung wegen „Elektrisierung“ ) führen können. Außerdem lässt sich beispielsweise die treibende Wirkung beim Galoppieren differenzierter und effizienter erzielen: Ich kann so direkt in der Reihenfolge der aktiven Hinterbeine einmal das Stützbein und dann das Schwungbein touchieren und so im reflektorischen Ansprechen der Beugung des jeweiligen Hinterbeines die Hinterhand insgesamt zu maximalem Einsatz bringen, bei gleichzeitiger seitlicher Begrenzbarkeit, so dass auf dem Wege zum Schwerpunkt nichts durch noch so minimale Ausweichbewegungen verloren geht. Dieses Prinzip lässt sich auf eine Vielzahl weiterer Aktionen übertragen. Übung: Daher ist ein „Trockentraining“ zum präzisen, koordinierten Einsatz beider Gerten zu unterschiedlichen Zwecken unvermeidlich. Ich muss im Gebrauch von zwei Gerten in Verbindung mit Trensen- und eventuell Kandarenzügeln zumindest so routiniert sein, dass der Einsatz selbst keinerlei geistige Ressourcen verbraucht und genügend Kapazität frei bleibt für taktische Einsatzabwägungen! Zum Zwecke des „Trockentrainings“ hat sich folgende Übungsanordnung bewährt: Der Reiter sitzt auf einem Barhocker o.ä., hat über eine Tischkante über eine Rollenkonstruktion wenigstens zwei Zügel laufen, die am Ende mit Gewichten beschwert sind, bzw mit einer Federwaage „abgeregelt“ werden können. Wenn man es hervorragend machen will, dann baut man noch akustische Begrenzer ein, die bei unmäßigem oder unsachgemäßem Einsatz der Zügelhand während des Gertengebrauchs sozusagen „Alarm“ geben und den Reiter zwingen, aus einer stabil positionierten Zügelfaust mit der Gerte zu agieren, ohne deren positive Wirkung durch negative (ruckende, rückwärtig wirkende, ziehende, reißende) Zügeleinwirkung zunichte zu machen! Dazu kann es übrigens nötig sein, dass eventuell das Zügelmass während des Gerteneinsatzes sich gleitend verändert! Auch dies will geübt sein, will man ausreichend Bewegungsfreiheit gewinnen ohne im Maul zu stören! Seitlich und hinter sich hat er Konservendosen stehen, die sich auf Höhe der entsprechenden Zielpunkte befinden – also links und rechts Dosen für: Schulter, Rippe hinter dem Reiterbein, Flanke, Kruppe. Weitere Differenzierungen liegen im Ermessen und Bedarf des Übenden. wird fortgesetzt |
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