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Vorwort Longe
Reiten
Lektionen
Training
Nachwort Anhang
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Non equitando, sed vitae discimus!
„Reiten“ – Was bedeutet das? Dieses Wort ist abgeleitet von germanisch: ridan = sich fortbewegen und verwandt mit dem indogermanischen: *rheid- = in Bewegung sein, reisen, fahren. Das Wort „bereit“ ist ebenfalls verwandt damit. Was sagt uns das? Wenn Du reiten möchtest, dann musst Du allzeit bereit sein, Dich zu bewegen – kurz: Frei beweglich sein. Ein japanischer Schwertfechtmeister aus dem 16.Jakrhundert formulierte die Quintessenz seiner Kunst einmal so: „Fehlerlosigkeit liegt allein in der freien Beweglichkeit!“ Was ist damit gemeint? Nur der, der sich frei und ohne Einschränkungen den Erfordernissen des Augenblicks entsprechend zu verhalten weiß, der wird Erfolg haben. Dies gilt sowohl hinsichtlich körperlicher Fitness als auch im besonderen Masse der geistigen! Der Vorgang des Reitenlernens beinhaltet somit einen logischen Dreischritt:
Punkt 3. ist unmöglich ohne die beiden vorhergehenden Punkte. Sicherlich kann ich auf die ersten beiden Punkte auch verzichten: Sicherlich kann ich lernen auf einem Pferd zu sitzen ohne runter zu fallen. Sicherlich kann ich lernen ein Pferd in Bewegung zu setzen, es nach links und rechts zu steuern und auch wieder anzuhalten. Aber ebenso sicher ist, dass es dabei bleiben wird. Ich nenne dies nicht „Reiten“ , sondern lediglich „Bewegen“ eines Pferdes. „Reiten“ bedeutet unmissverständlich: sichere Kontrolle über das Geschehen zu Pferde. Etwas oder jemanden kontrollieren besagt, dass hier ständig überwacht, überprüft, nachgeprüft und bewandert (sic!) gehandhabt werden muss – kurz: meisterliche Qualitäten gefragt sind. Und Meister kann sich nur nennen, wer soviel gelernt hat, dass er zum Lehrer berufen werden kann. ( „lernen“ zu gotisch: „lais“ = ich habe nachgespürt – zum Stamm von „leisten“ gehörend = „einer Spur nachgehen“ !) Da der Reiter sein Pferd meistern möchte, also diesem in allen Belangen eine qualitative Förderung seiner Eigenschaften zukommen lassen möchte, muss er ein umfassendes Verständnis der Zusammenhänge, Wirkkräfte und –prinzipien im Bereich von Anatomie, Physiologie und Psychologie erworben haben. Dieses Wissen ist nicht en passant zu erwerben – es bedarf erheblicher zeitlicher, energetischer und geistiger Aufwendungen dafür. Der Weg zur „Meisterschaft“ lässt sich dabei in drei große Abschnitte gliedern:
Auch hier gilt wieder: Der 3. Punkt ist nicht wirklich verfügbar, bevor nicht die beiden anderen Punkte erfolgreich absolviert worden sind. Eigenschaften, die es zu kultivieren gilt:
Mit jedem Abstrich an einem oder mehreren Punkten verringert sich der Umfang an reiterlichen Möglichkeiten. Die Zahl reitbarer Pferde verringert sich ebenso, wie die verfügbarer Lektionen oder sportlicher Leistungsziele. Kurz: Je weniger dem entsprochen wird, desto weniger Sicherheit gibt es, desto gefährlicher wird das Reiten selbst. Nicht umsonst weisen die Begriffe „Fährnis“ und „(Ge)fahren“ auf den Zusammenhang zwischen „reiten“ und (sich zu Pferde bewegend) „reisen“ hin. Warum ein so ausdrücklicher Hinweis hierzu? Nun, dazu muss sich jeder vor Augen führen, welche Situation das Reiten eigentlich darstellt: Das Pferd ist niemals von der Evolution zum Reiten bestimmt gewesen. |
Man kann also leicht erkennen, dass das Gerittensein für das Pferd keineswegs eine allein seligmachende Angelegenheit ist! Um so dringlicher erhebt sich in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem kompetenten Reiter. Dieser Reiter versteht die Situation, in der sich das Pferd befindet. Er versteht, wie das Pferd seine Umwelt erfährt, wie seine Sinne arbeiten, wie es Informationen verarbeitet. Er versteht, wie der Körper und der Geist seines Pferdes funktionieren und – er ist bereit, sich darauf einzustellen! Er versteht, dass er, der Reiter, das Problem ist, das es zu neutralisieren gilt und nicht das Pferd! Er versteht, dass er zur äußersten Sorgfaltspflicht gehalten ist! (Umfassende Information über die Zusammenhänge zu erwerben, um ein maximales Verständnis und daraus resultierend eine optimale Vorgehensweise garantieren zu können!) Das sind keine selbstverständlichen Forderungen, denn der reiterliche Alltag bezeugt durchweg andere Standards. Wie kann man ernsthaft erwarten, dass ein Organismus, der mindestens 14-15 Stunden am Tag leicht dosierte Bewegung ausführt, jetzt sich problemlos umstellt auf 1-2 Stunden maximierter Belastung, bei sonstiger Bewegungsstarre? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass ein Organismus, gepolt auf permanente Nahrungsaufnahme über den Tag hinweg, bei einer zwei-dreimaligen Fütterungskonzentration am Tag keinerlei Verdauungsproblematik, bzw. energetische Versorgungsproblematik bekommt? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass gebissbetonte und sporenbewehrte Koordinationskrüppeleien Vertrauen in die Weisung (Hilfengebung) des Reiters erzeugen? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass unausbalancierte Reiter, die die natürliche Balance des Pferdes stören, diesem helfen könnten, es (das natürliche Gleichgewicht) wieder zu finden? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass einem Reiter, der nur zum Reiten das Pferd berührt, von diesem freundliche, erwartungsfrohe Zuwendung und Aufmerksamkeit zuteil wird? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass unkoordiniertes Gehampel (vulgo: „Hilfen“ ) zu Pferde von diesem eindeutig interpretierbar ist, Sensibilität erhält und unverzüglichen Gehorsam bewirkt? Wie kann man ernsthaft erwarten, dass ohne genaueste Kenntnis über das Pferd und ebensolche Umsetzung in angemessenes Handeln sich ein wie auch immer gearteter Erfolg einstellt??? Der Fragenkatalog ist beliebig erweiterbar – die Antwort darauf ist immer die gleiche: Das darf man nicht erwarten! Man darf erwarten, besser: erhoffen, dass im Falle bestmöglicher Kompetenzerweiterung des Reiters sich zunehmend weniger Probleme und mehr Erfolge auftun. Wer bis hier gelesen hat und sich damit nicht einverstanden erklären mag, der kann aufhören weiter zu lesen. Denn alles weitere hier zu Lesende bedeutet jede Menge Arbeit an sich selbst. Es bedeutet die Forderung nach Wahrhaftigkeit in der Einschätzung der tatsächlich gegebenen Ressourcen, Potentiale und Optionen der eigenen Person und die Forderung nach dem unbedingten Willen, die erkannten Defizite auszugleichen, indem umfassend trainiert wird! Von diesem Training ist nämlich hier die Rede und nicht von pseudo-instant-Methoden zur Verknechtung des Pferdes. Das Pferd kann allein nämlich prinzipiell schon alles (ich kann nur herausholen, was drin steckt!) – es muss nur noch lernen, reiterliche Signale korrekt zu interpretieren und körperlich-geistig dem Anspruch gewachsen zu sein. Worum es geht beim Reiten ist, die Ansprüche des Reiters in Übereinstimmung mit seinen eigenen Möglichkeiten und Dispositionen und der des Pferdes und der aktuellen Situation, in der beide sich befinden, zu bringen. Wenn dem Rechnung getragen wird, wird der Erfolg sich zwangsläufig einstellen. Alles andere ist Tierquälerei aus Unverstand, falschem Ehrgeiz und selbstdarstellerischer Eitelkeit! In dubio pro equo!
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» Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
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