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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 614, erschienen am 03.01.2011

Magazin  Ausgabe 614
Heidi Keppel
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Tipps für eine erfolgreiche Pferdebeobachtung und -beurteilung
Teil 1
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel


Wie ich es in meinen Weihnachts- und Neujahrstipps bereits angesprochen habe, ist es für eine harmonische Mensch-Pferd-Beziehung eine wichtige Voraussetzung, dass Pferdebesitzer bzw. Reiter ihre Tiere wirklich gut kennen mitsamt all ihren artspezifischen Wesensmerkmalen, aber auch ihren individuellen charakterlichen Eigenheiten, um diese im alltäglichen Umgang und bei der reiterlichen Ausbildung bzw. Nutzung bestmöglich berücksichtigen zu können.

Wie ich allerdings schon des Öfteren feststellen musste, fällt dieses Kennenlernen vielen Menschen gar nicht so leicht, weil ihnen offenbar jegliche Vorstellung fehlt, wie sie beim Beobachten am effektivsten vorgehen sollen und wie sie das Gesehene richtig beurteilen können. Ohne fachkundige Anleitung entstehen dadurch dann trotz guten Willens diverse Missverständnisse, sodass der eigentliche Sinn der Übung wiederum nicht erfüllt wird. Aus diesem Grund möchte ich all jene, die meine empfohlenen Neujahrsvorsätze in die Tat umsetzen wollen, mit detaillierten Ratschlägen ein wenig bei ihrem Vorhaben unterstützen.

Einer der häufigsten Fehler ist wohl jener, dass das Pferd immer unter den gleichen Bedingungen bzw. täglich zur gleichen Zeit beobachtet wird und aus diesen äußerst begrenzten Informationen Rückschlüsse gezogen werden. Alle Tiere, auch Pferde, entwickeln – sofern dies nicht durch äußere Umstände verhindert wird – eine Art Zeitplan, nach dem sie ihr Leben gestalten. Nicht nur wir haben unsere Essens-, Arbeits- und Ruhezeiten, auch die innere Uhr der Pferde sagt ihnen, wann jeweils die Futteraufnahme, die spielerische Bewegung oder das erholsame Ruhen angesagt sind.

Verwendet man für seine Beobachtungen immer dieselben Zeiten, ist es also durchaus möglich, dass der Eine sein Pferd gehäuft im dösenden Zustand vorfindet und es deshalb fälschlicherweise als besonders faul einstuft, während ein Anderer sein Tier sehr oft in der lebhaften Auseinandersetzung mit seinen Artgenossen erlebt und daraus die Schlussfolgerung zieht, dass es besonders aktiv und kontaktfreudig ist, obwohl es vielleicht die restliche Zeit des Tages nur mit Fressen und gelangweiltem Herumstehen verbringt.

Um ein Pferd richtig kennen zu lernen, ist es deshalb empfehlenswert, sich dafür jeweils zumindest einige Stunden am Stück, besser noch den ganzen Tag bzw. mehrere Tage Zeit zu nehmen. Gerade am Anfang der Beziehung, also gleich nach dem Kauf des Pferdes (oder wenn möglich auch schon davor), bzw. wenn später irgendwelche Verständigungsschwierigkeiten auftreten, ist es sinnvoll, sich einige Tage Urlaub zu nehmen oder andere Dinge in den Hintergrund zu stellen, um sich voll und ganz der Beobachtung des Pferdes widmen zu können.

Auf diese Weise bekommt man einen guten Einblick in das tatsächliche Wesen des Tieres und in seinen Lebensrhythmus, wobei auch Letzteres für Reiter von großer Bedeutung sein kann, wie ich in meinem nächsten Tipp dann genauer erklären werde.


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