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![]() Beeindruckender Pferdekopf aus dem Quadrigagespann der Mondgöttin Selene |
![]() Primitive Bronzestatuette aus Olympia, wahrscheinlich ein Weihegeschenk |
![]() Kindliches Dreiergespann im geometrischen Stil, Terrakotta, circa 900 v. Chr. |
In diesem Sinne ist die Gesellschaft der Griechen für uns fremd, selbst wenn wir sie idealisieren sollten – man denke nur an deren chaotischen Götterglauben, der ja nicht belanglos war wie zur heutigen Zeit, sondern das Leben direkt und intensiv betraf. Die Griechen haben zwar alle fremden Völker pauschal als Barbaren gebrandmarkt und wir haben diesen Begriff übernommen, aber eigentlich sind sie für uns ebenfalls Barbaren. Viele ihrer Bräuche und Haltungen müssen uns rückständig erscheinen, insbesondere die Sklaverei. Um neue Sklaven zu beschaffen, musste man sich nicht nach Afrika bemühen. Es reichte, andere Leute zu überfallen, ihnen jeglichen Besitz zu rauben und sie selbst zu Sklaven zu machen. Ein prima System, nicht wahr? Zu Pferden, so führt der Autor aus, hatten die Griechen ein anderes Verhältnis als die bisher behandelten Völker, die Pferde vor allem als Kriegsgerät schätzten und einsetzten, denn merkwürdigerweise hatten die Griechen keine Verwendung für sie in dieser Rolle, obwohl sie zweifellos genügend Kontakt zu anderen Völkern hatten, um von denen zu lernen und Vergleiche zu ziehen.
Bei der Geburt des großen Alexander war Xenophon aber bereits gestorben – er lebte von etwa 430 bis 355 v. Chr. Die Beobachtung hinsichtlich des legendären Marathonlaufs ist wirklich erschütternd: Die Griechen können das Pferd nicht als praktisches und unschlagbares Reittier gesehen haben – oder aber die Topographie dieser Gegend ist so unzugänglich, dass ein Reiter einem Läufer unterlegen wäre. Leider kann ich darüber keine Aussage machen, aber ich halte diese Annahme für recht unwahrscheinlich. Obwohl das Pferd in der Kriegskunst also definitiv zunächst keine Rolle spielte, taucht es in der Kunst häufig auf. Einige der berühmtesten Pferdebilder ((fast alle sind verloren) und -skulpturen aller Zeiten wurden von den alten Griechen geschaffen. |
Damit hat der Autor die Kunst übersprungen und ist von der Sagenwelt zum Sport gekommen. Das ist der Bereich, wo auch in unserer Welt die Pferde ihren Platz gefunden haben und eine große Rolle spielen: Die Sagenwelt ist für den modernen Menschen unerheblich, in der Kunst sucht man das Pferd vergeblich, aber im Sport wird es gefeiert und ist unentbehrlich. Das hängt natürlich weniger mit unserer modernen Welt zusammen als mit charakteristischen Eigenschaften des Menschen, wie der Autor ganz richtig erkennt; und er arbeitet heraus, dass unser moderner Sport erst mit den Griechen beginnt, obwohl sportliche Wettkämpfe zu Pferde mit Sicherheit schon Tausende Jahre älter sind:
Außer in Olympia gab es auch in Delphi, Korinth und Pylos Hippodrome; sie waren langrechteckig oder langoval gebaut und mit Wendepfosten markiert. Das Hippodrom in Delphi war 740 Meter lang und oval; die Rennen wurden, egal ob mit Wagen oder im Sattel, über 12 Runden ausgetragen, also 8, 88 Kilometer – eine wesentlich längere Strecke als heute üblich. Erst 396 v. Chr. wurden Rennen für Junghengste im Vierergespann und unter dem Reiter über kurze Distanzen eingeführt, erfahren wir – der Autor erläutert allerdings nicht, was hier unter kurz zu verstehen ist. Der christliche Kaiser Theodosius I. verbot die Olympischen Spiele im Jahr 393 n. Chr. – sie hatten also über 1000 Jahre lang regelmäßig alle vier Jahre stattgefunden. |
Unvermeidlich muss der Autor auf Xenophon zu sprechen kommen, der sich seinerseits auf ein Buch des Atheners Simon berief, von dem nur Bruchstücke bekannt sind. Die älteren Zeugnisse schriftlicher Anweisungen zur Haltung, Pflege und Fütterung von Armeepferden, die auf assyrischen Tontafeln überliefert sind, werden zwar erwähnt, jedoch nicht für bedeutsam erachtet.
Diese Zeilen werden mit acht Ausschnitten aus dem berühmten Parthenonfries begleitet, die durch folgenden Text erläutert werden:
So spricht ein Pferdekenner, und viele werden ihm uneingeschränkt beipflichten. Die Reitkunst beginnt nicht nur im alten Griechenland, sie war damals schon zur Blüte gelangt. Ja, die alten Griechen! Nicht nur in Philosophie, in Mathematik, in Astronomie, nein, auch in der Reitkunst waren sie die Größten, und uns bleibt nur die unbedingte Bewunderung. Ein anderer Pferdekenner urteilt ganz anders, wobei ich nicht umhin kann, diesem wesentlich mehr Vertrauen entgegenzubringen. Aber urteilen Sie selbst – lesen Sie zunächst, was Gerhard Kapitzke zu sagen hat. |
So viel zur griechischen Reitkunst von einem, der sich auskennt und darüber urteilen darf. Schlimmer kann ein Verriss nicht sein. Mir scheint, Kapitzke sieht besser und genauer als Dossenbach und alle anderen, die die griechische Reitkunst und Xenophon in den Himmel heben. Man kann ja bekanntlich viel in alles hineininterpretieren, wenn es einem nur in den Kram passt. Und wer macht sich schon die Mühe und schaut genau hin und liest nach? Wenn Sie sich für die geschichtlichen Aspekte der Pferde interessieren, sollten Sie sich meine elfteilige Serie › Pferde und Menschen, Eine komplexe Beziehung wandelt sich aus dem Jahre 2006 anschauen, die das Thema ausführlich behandelt. In deren letzten drei Teilen wird insbesondere Xenophon ausführlich gewürdigt: › Xenophon, der Neunmalkluge, › Was sagt Xenophon? und › Reitkunst nach Xenophon. In dieser Serie finden Sie auch die ausführliche Schilderung der bei Dossenbach nur kurz erwähnten assyrischen Vorschriften, die ebenfalls in neuerer Zeit zum Vorbild hochstilisiert wurden: › Meister-Pferdetrainer Kikkuli und › Training nach Kikkuli. Schaun wir mal, was die Alten sonst noch so zu bieten hatten. Die Griechen sind ja nicht alles. |
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