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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 594, erschienen am 16.08.2010

Magazin  Ausgabe 594

Ingrid Klimke: Das 4-jährige Pferd
Grundausbildung für Reitpferde

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Ingrid Klimke zeigt alles
  2. Abschnitt  Ein Film
  3. Abschnitt  Lernmechanismen
  4. Abschnitt  Dressur
  5. Abschnitt  Technik
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise

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Hauptartikel oben 

Ausschnitt aus dem Cover
Man möchte ja gerne berichten.
Der Tausendsassa bei der Arbeit.
Drehbuchbesprechung im Hause Klimke: Pferdefilmer Thomas Vogel, Redakteurin Gudrun Braun, Olympiasiegerin Ingrid Klimke
Ingrid Klimke zeigt alles

Ein Blick in die Ausbildungsmethoden für Vierjährige

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Dressursport  Springsport  Vielseitigkeit



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


In dieser Woche habe ich als Rezension den ersten Teil einer dreiteiligen DVD-Serie vorgestellt, die Ende letzten Jahres erschienen ist: EquiVoX-Link Rezension: Klimke, Ingrid, DVD-Set Grundausbildung für Reitpferde 1-3, Teil 1: Das 4-jährige Pferd.

Eine Rezension in der Pferdezeitung ist an sich schon ungewöhnlich lang; Printmedien können sich so etwas nicht leisten. Um einen Film wirklich würdigen zu können, ist eine Rezension aber doch wieder viel zu kurz.

Deshalb möchte ich diese DVD und die beiden anderen ähnlich ausführlich untersuchen, wie ich das mit den DVDs von Hans-Jürgen Neuhauser und Johann Riegler bereits getan habe:  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?,  Sitzschulung als Lösung.

Der Film von und mit Ingrid Klimke ist eigentlich die filmische Umsetzung des Buches booklooker-Link» Grundausbildung des jungen Reitpferdes ihres Vaters, das sie inzwischen in überarbeiteter Form selber neu herausgegeben hat; ihr Vater hatte schon daran gedacht, einen Film daraus zu machen. Nun ist auch die Tochter zeitlich sehr eingebunden; welchen Aufwand muss sie für einen solchen Film treiben? Jeder der drei Teile hat 90 min, das sind insgesamt viereinhalb Stunden produziertes Material, wobei das gedrehte Material sicherlich ein Vielfaches davon ist.

Glücklicherweise hat » pferdia tv uns verraten, wie der Film zustande gekommen ist:

Der Buchklassiker schlechthin, ist Dr. Reiner Klimkes „Die Grundausbildung des jungen Reitpferdes“ . Es war damals schon seine Idee, aber auch schon immer ein Traum von pferdia tv, diese Lehre filmisch umzusetzen. Von Anfang an war klar, dass Tochter Ingrid, selbst Olympiasiegerin und Weltmeisterin, in die großen Fußstapfen ihres Vaters passen würde und man mit ihr ein so wertvolles Projekt umsetzen könnte, denn wenn man an ein korrekt ausgebildetes Pferd denkt, wenn man die „Richtlinien“ als Leitfaden dafür wirklich ernst nimmt, wenn man ein frisch vorwärts, bergauf gehendes, motiviertes Dressurpferd vor Augen hat, das reell „durchs Genick“ geht, fällt einem sofort ihr Name ein. Sie hat richtiges Reiten von der Pike auf gelernt, praktiziert es bis heute unbeirrt, leidenschaftlich und glücklicherweise mit größtem Erfolg in allen Sätteln.


Aber wie bringt man eine Top-Reiterin, deren Terminkalender eigentlich keine Zeit zum schnaufen lässt, dazu, dass sie sich zu einer Drehbuchbesprechung hinsetzt, dass sie zehn Pferde aller Altersstufen organisiert, dazu noch acht Akteure dirigiert und motiviert, dass sie fünf Tage lang konzentriert vor der Kamera reitet, unterrichtet, Vierecke, Parcours und Cavaletti-Reihen auf- und abbaut, dass sie den Transport der Pferde zu verschiedenen Drehorten managt, für leckere Spargelpizza, Erdbeeren und Kaffee sorgt und dabei immer noch gut gelaunt, natürlich und unendlich engagiert ist? Man weiß es nicht, es ist eben so bei Ingrid Klimke. Wenn sie etwas anpackt macht sie es ganz und richtig. Es hat zwar einige Jahre Beharrlichkeit und Überredung gekostet, aber jetzt entsteht etwas „Wichtiges“ , ein Standardwerk für jeden, der sein Pferd richtig ausbilden will.

» Ingrid Klimke: eine Lehrfilmreihe entsteht

Ein Film  oben 



Vorspann
Damon Hill NRW
Täglicher Weidegang
Paul Stecken
Der Nachspann macht klar: Der Film stammt von Ingrid Klimke selbst, sie ist für die Idee und die Realisierung verantwortlich. Das gilt es zu würdigen – wir bekommen mit dieser Serie also gewissermaßen ihr Testament, ihre gesammelte Pferdeweisheit, ihre Ausbildungserfahrungen, die natürlich auf den Lehren und Erfahrungen ihres Vaters beruhen. Sie ist nicht nur über weite Strecken Hauptdarstellerin, sondern spricht auch viele Erläuterungen. Vermutlich stammen die Texte, die nicht von ihr gesprochen werden, ebenfalls von ihr.

Natürlich hat auch der Kameramann und Cutter, Thomas Vogel, einen erheblichen Einfluss auf den Film gehabt; schließlich können wir nur das sehen, was er gefilmt und zusammengeschnitten hat. Da Ingrid Klimke den Film aber anschließend kommentiert hat, können wir davon ausgehen, dass sie mit dem Film insgesamt voll und ganz zufrieden ist.

Es beginnt mit einer pompösen Musik und Bildern aus einem Rhododendron-Park bei Sonnenschein und herrlicher Blütenpracht; eine Gruppe von Damen reitet im verhaltenen Galopp an der Kamera vorbei. Es folgt gewissermaßen das Cover und dann schon Aufnahmen ihres 2000 geborenen Spitzenhengstes » Damon Hill NRW.

Zu wunderschönen Bildern aus verschiedenen Lebens- und Ausbildungsstadien dieses Pferdes – das wie aus nebenstehendem Screenshot ersichtlich, tiefschwarz ist, in den anderen Aufnahmen aber braun – erläutert sie ihre Ausbildungsgrundsätze: Die Gesunderhaltung des Pferdes und ein vielseitiges, abwechslungsreiches Training stehen im Vordergrund, und für die Ausbildung nimmt sie sich ausreichend viel Zeit. Durch eine kurze Sequenz mit Cavalettis, die 2003 aufgenommen wurden, führt sie schon hier die Wichtigkeit dieses Hilfsmittels für ihre Ausbildung ein.

Und schon kommt der nächste Grundsatz: „Ich lasse meinen Pferden Zeit, sich zu entwickeln.“ Damon Hill wird dazu als Fünfjähriger bei der Dressurarbeit gezeigt; dazu der Kommentar, sein ausdrucksstarker Trab zeige schon erste Ansätze zur Versammlung. Und gleich darauf der nächste wichtige Baustein ihrer Ausbildungsarbeit: „Mit neun Jahren ist Dami selbst Führpferd für ein junges Nachwuchspferd.“ Führpferd? Nanu!

Das geht alles unglaublich schnell, Schlag auf Schlag, beim ersten Ansehen bekommt man es kaum mit. Glücklicherweise ist es eine Freude, diese Aufnahmen zu sehen, so dass man sie sich immer wieder zu Gemüte führen kann. Es folgt eine Aufnahme aus dem Jahr 2009, wo seine Versammlung gewürdigt und ihr Mentor Paul Stecken eingeführt wird – Ton und Bild laufen synchron, ich habe Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren – was ist jetzt wichtig, worauf achte ich?

Das ist ein Problem des Mediums. Bei einem Buch bestimmt man selbst das Tempo. Es entsteht kein Stress. Man kann jeden Satz so schnell oder langsam lesen, wie man möchte, und ihn auch beliebig wiederholen, man kann vor- und zurückblättern, Pausen einlegen, sich schlafen legen, in Urlaub fahren, jederzeit die Lektüre wieder aufnehmen. Bei einem Film sieht die Sache etwas anders aus. Der Film läuft, er läuft wie das Leben, man kann ihn zwar anhalten, aber irgendwie ist das ein Eingriff.

Und weil der Film so schön läuft, lehnt man sich zurück und lässt sich berieseln. Man hat Untersuchungen angestellt, wie viel ein Zuschauer vom Text mitbekommt; ich kann und will jetzt auf die Schnelle keinen Beleg raussuchen, das wäre die Sache nicht wert, aber es war erschreckend: Anscheinend kann man sich nicht gut sowohl auf den Text als auch auf das Bild konzentrieren. Und da die Bilder im Vordergrund stehen, bleibt der Text auf der Strecke.

Nun hat Ingrid Klimke glücklicherweise auch Bücher geschrieben, aber das ist wieder etwas anderes. Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Film immer und immer wieder zu sehen. Das ist freilich auch ein großer Vorteil. Selbstredend kann man auch ein Buch immer und immer wieder lesen, bis man es auswendig kann, aber es geht beim Reiten ja um Bewegungsfolgen, und die kann ein Buch nur schlecht vermitteln. Zwar kann das Buch auch Abbildungen bringen, aber diese zeigen eben keine Bewegung, sondern einen Schnappschuss, einen Ausschnitt aus einer Bewegung, und das ist etwas ganz anderes.

Lernmechanismen  oben 



Natürlich fragt sich, wer einen solchen Film so intensiv anschaut. Vielleicht macht das ohnehin schon jeder und ich kann mir alles weitere sparen. Wer weiß? Deshalb möchte ich vorsorglich dafür plädieren, Filme über das Reiten, insbesondere diesen Film, sehr sorgfältig und immer wieder anzuschauen und zu studieren. Mit etwas Disziplin kann man sich dazu durchringen, zurückzuspulen, anzuhalten, man kann auch Pausen einlegen und später wieder die betreffende Stelle anspringen.

Filme haben aber natürlich auch ihre Vorteile. Man kann sich wirklich zurücklehnen und berieseln lassen. Vielleicht kann man hinterher noch nicht einmal erzählen, was man gesehen hat, aber das Gehirn hat vermutlich sehr gut aufgepasst. Wenn man den Film zum zweiten Mal sieht, erinnert man sich sehr genau und kann vermutlich die Aufmerksamkeit von den Bildern mehr auf den Ton verlagern. Beim Fernsehen ist das natürlich nicht möglich, es sei denn der Film wird wiederholt, bei einer DVD ist das aber kein Problem. Der Film hat 90 min, stellt drei Pferde vor, also kann man ihn gut in drei Teile zerlegen und immer wieder mal einen Teil anschauen. Der große Vorteil gegenüber einem Buch ist eben gerade das bewegte Bild.

Durch das Anschauen ergeben sich nämlich sehr merkwürdige Effekte, die bisher noch nicht aufgeklärt worden sind. Man lernt durch das bloße Zuschauen. Das Zuschauen ist eben doch nicht ganz so passiv wie es zunächst zu sein scheint. Wie beim Reiten kann man bei vielen anderen Aktivitäten ebenso nicht gut mit Worten erklären, worum es geht. Darüber habe ich schon sehr häufig geschrieben und als Beispiel meiner eigenen Erlebnisse beim Erlernen des Flamenco angeführt. Wegen dieser Schwierigkeit hat sich vermutlich das Sprichwort gebildet: „Reiten lernt man nur durch Reiten“ . Stimmt genau, aber wenn man nicht vorher in sich aufgenommen hätte, wie Reiten aussieht, würde man es zumindest nicht so schnell lernen können.

Das Sehen, das Abschauen ist wesentlich wichtiger, als man annimmt. Wir sind es gewohnt, Lernen mit Worten gleichzusetzen, mit Erklärungen, mit Lesen und Zuhören. Damit wird die linke Gehirnhälfte angesprochen, die analytisch arbeitet, logisch, synthetisch, wo Schritt für Schritt Dinge zusammengesetzt werden; auf diese Weise kann man das Reiten nie lernen.

Das Reiten findet mit Sicherheit rechts statt, und das Sehen spricht eindeutig die rechte Gehirnhälfte an. Sie sollten sich also mit ruhigem Gewissen entspannen und einfach vom Film, von den Bildern, den bewegten, berieseln lassen – einfacher und schneller können Sie wahrscheinlich nicht lernen. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen, es geht darum, etwas zu tun.

Das betrifft auch die Verhaltensweisen dem Pferd gegenüber. Wir verhalten uns ständig, und Pferde reagieren darauf sehr empfindlich. Auch dieses Verhalten wird vollkommen automatisch produziert, wir verhalten uns gewissermaßen durch unser Handeln, wir zeigen, wer wir sind, wie wir es meinen, und das können wir nicht bewusst steuern. In diesem Sinne formt ein solcher Film Sie auch, und das ist genau das, was der Lehrer beabsichtigt. Er möchte das, was er selbst geworden ist, an Sie weitergeben. Und das was er ist, ist viel mehr als das, was er sagen kann.

Mittlerweile weiß man, dass diese Art des Lernens auch im Tierreich vorkommt. Jungtiere sehen, wie Alttiere etwas machen und lernen daraus. In gewisser Weise ist das ein Lernen wie im Schlaf. Ich schaue mir den Film an und lasse mich berieseln, und gleichzeitig lerne ich, ohne mich anstrengen zu müssen. Manche Ausbilder schwören auf „mentales Training“ , aber das ist anstrengend. In gewisser Weise produziere ich mir meinen eigenen Film. Viel angenehmer ist es, einen real existierenden Film anzuschauen. Und vermutlich auch fehlerfreier, denn ich weiß ja, er ist von einem Könner produziert.

Kehren wir also zum Film zurück und lassen uns darauf ein. Saugen wir jedes Wort in uns auf und lassen die Bilder in uns versinken. Nach der Einleitung, die auch das Bekenntnis zum täglichen Weidegang einschließt (mit Gamaschen und Springglocken) – denn das Pferd soll ja Pferd sein dürfen, soll sich wälzen dürfen und frisches Gras fressen – springt Ingrid Klimke gleich mitten ins Thema, oder besser gesagt in den ersten Hauptabschnitt, das erste Kapitel des Films, dem vierjährigen Hengst » Danaro gewidmet.

Zunächst wird er vorgestellt, als langbeinig und großrahmig. Wie wahr! Unsere Pferde werden immer größer und mächtiger, und Ingrid Klimke wirkt vor diesem Pferd zart und schmächtig. Sollte es solch einem Riesen von Pferd schwer fallen, einen so leichten Menschen zu tragen? Man kann es sich nicht vorstellen. Ingrid Klimke versucht seine Anlagen und Möglichkeiten zu beschreiben; dies wird schon durch Aufnahmen auf dem Dressurplatz und dem Parcours illustriert.

Dressur  oben 



Teleskoppeitsche
Nicht ausgebunden, guckig
Er steigt
Wie bei allen drei vorgestellten Pferden beginnt es mit der Dressur; das Pferd wird auf den Platz geführt. Die Hauptdarstellerin beteuert dazu, dass sie allen Pferden eine möglichst breite Grundausbildung mitgeben möchte. Danaro ist schon gesattelt und trägt den Longiergurt über dem Sattel; die Longenführerin » Carmen Thiemann trägt eine Teleskoppeitsche.

Danaro ist das jüngste aller Ausbildungspferde und wird vor dem Reiten an der Longe aufgewärmt und gelöst. Ingrid Klimke lässt die jungen Pferde in den ersten Minuten an der Longe ohne Ausbinder gehen. Man erkennt, dass Danaros mentale und körperliche Balance noch stabiler werden muss, er orientiert sich mit dem Kopf nach außen, buckelt, trabt und galoppiert zu eilig. Erst nachdem ein wenig Ruhe eingekehrt ist, werden die Dreieckszügel eingeschnallt – der Richtung und Biegung angepasst mit jeweils einem längeren Zügel an der äußeren Seite. Es ist praktisch, den Longiergurt über den Sattel zu befestigen, wenn direkt anschließend geritten wird. Um das junge Pferd zu lösen, sind an der Longe viele Übergänge vom Trab zum Galopp und umgekehrt sinnvoll, dies schult die Balance. Der Zirkel sollte möglichst groß gehalten werden.
» Wir stellen vor: Danaro, 4-jähriger Hengst

Diese Aufnahmen sind meines Erachtens wichtig; das Pferd kann noch nichts, aber es lernt. Das Pferd ist verspannt, aber man sieht, mit wie viel Geduld hier gearbeitet wird, um ohne Stress eine Entspannung herbeizuführen. Es wird auch verraten, mit welchen Mitteln man diese Entspannung schneller herbeiführen kann. Man wird darauf hingewiesen, wo dieses Pferd noch Schwierigkeiten hat, woran gearbeitet werden muss.

Als Andreas Busacker, Ingrid Klimkes Ehemann, aufsteigt, wird Danaro unruhig und steigt sogar. Diese Szene hätte man leicht herausschneiden können, aber sie wird nicht nur gezeigt, sondern sogar kommentiert, und zwar um an dieser Stelle deutlich zu machen, wie man mit solchen Situationen umgeht. Aus dem Off hört man Ingrid Klimkes Anweisungen: Die Longenführerin soll Pferd und Reiter angesichts dieser Umstände erst einmal führen, so lange, bis das Pferd sich beruhigt hat. Dann soll der Reiter sofort antraben. Der Sprecher wiederum kommentiert dann den Trab und den Allgemeinzustand des Pferdes.

Das Pferd wird an keiner Stelle kritisiert. Es wird einfach nur festgestellt, worauf man sich einzulassen hat. Das Pferd ist so, wie es ist, und genau das muss erfasst werden, weil man nur von hier aus weitergehen kann, und zwar in kleinen Schritten. Immer wieder wird betont, dass alle möglichen tadelnswerten Eigenschaften und Verhaltensweisen altersbedingt und vollkommen in Ordnung sind. So ist das eben mit den jungen Pferden. Wer weiß, dass seine Methode zum gewünschten Ergebnis führen wird, kann diese entspannte Haltung einnehmen. Und genau diese entspannte Haltung wiederum führt zu dem gewünschten Erfolg.

Genau das meine ich, wenn ich behaupte, dass die Haltung des Lehrers sich auf den Schüler überträgt, wenn dieser einfach nur zuschaut. Und durch diesen Film können wir Ingrid Klimke bei ihrer Arbeit zuschauen. Die wesentlichen Momente ihrer Methode und Haltung werden ins Bild übersetzt und können durch das Auge den Zuschauer formen und verändern. Was auch immer ich darüber schreiben werde, es ist nichts – die bewegten Bilder sind es, die etwas bewirken.

Bisher habe ich 6 Minuten dieses Films besprochen; wenn ich so weitermache, schreibe ich im nächsten Jahr immer noch darüber. Trotzdem bin ich mit meinem Artikel durchaus zufrieden. Ich finde, diese DVD hat es verdient, so ausführlich beleuchtet zu werden.

Technik  oben 



Zum Schluss des ersten Teils erlaube ich mir eine Bemerkung in eigener Sache. Die journalistische Aufbereitung von DVDs ist wesentlich aufwändiger, als man sich das vorstellen kann. Das hängt mit technischen Fragen zusammen, und um die damit zusammenhängenden Probleme zu erläutern, muss ich leider ein bisschen ausholen. Bekanntlich haben die Produzenten von digital verfügbaren Kulturprodukten enorme Angst. Angst nicht nur vor dem Verlust von höchst einträglichen Pfründen, wie bei der Musikindustrie, sondern, zumindest in diesem Falle, auch Angst vor dem Ruin.

Inge Vogel, Ehefrau des Produzenten, Regisseurs, Kameramanns und Cutters (Sie lesen richtig, alles in einer Person) Thomas Vogel, sagte mir einmal zu Zeiten der Videokassetten, dass genau ein Stück einer Videokassette in ein westliches Nachbarland verkauft werden kann. Von diesem Exemplar werden dann dort beliebig viele Kopien hergestellt. Es liegt auf der Hand, dass es unter diesen Umständen nicht möglich wäre, aufwändige Filme herzustellen, wenn sich die Situation in allen Märkten so darstellen würde.

Andererseits gäbe es für die Verbraucher gar keinen Anlass, sich die Mühe zu machen, Kopien herzustellen, wenn die Originale kaum mehr kosten würden, sich der Aufwand also überhaupt nicht lohnen würde. Genau diese Situation haben wir inzwischen im Markt der kommerziellen Filme. Filme sind so billig geworden, dass es lästig und unangenehm wäre, Kopien herzustellen oder illegale Kopien aus dem Internet herunterzuladen. Es stellt sich jetzt nur noch die Frage nach der Verfügbarkeit. Wenn man den Film kaufen kann, kauft man ihn; ist er vergriffen, muss man ihn sich leider herunterladen, wenn man ihn denn überhaupt findet.

Es ist ja nicht so, dass die Menschen alle Verbrecher sind. Im Gegenteil, fast alle sind hochanständig und niemand neidet den vielen Spezialisten, die für eine solche Produktion notwendig sind und die möglicherweise sogar in einer Person vereinigt sein müssen (zweifellos aus Kostengründen), ihre Existenz. Allerdings müssen viele abwägen. Natürlich ist eine Reitstunde bei Ingrid Klimke, wenn man sie denn überhaupt buchen kann, mit Sicherheit wesentlich teurer als diese DVD. Aber in einem normalem Haushalt muss vieles finanziert werden, und da stellt sich schon die Frage, ob das Geld für eine DVD übrig ist.

Jedenfalls konnte ich aus einigen Forenbeiträgen entnehmen, dass der Wunsch, diese DVDs zu besitzen und sie nach Belieben anschauen zu können, bei allen Teilnehmern vorhanden war. Sie waren sich auch alle einig, dass diese DVDs das Beste sind, was derzeit auf dem Markt ist. Aber einige mussten doch bekennen, dass sie sich die DVD nicht leisten können, und bettelten darum, sie sich ausleihen zu dürfen.

Womit wir wieder beim Thema Kopie wären. Diese DVDs kann man nicht kopieren. Damit kann der Verlag vermutlich mehr als eine DVD in jenes westliche Nachbarland verkaufen. Ist damit das Problem gelöst? Für den Verlag vielleicht (dazu später mehr), für den Verbraucher nicht. Denn der Kopierschutz hat eine Menge Nachteile. Das von Microsoft für die Windows-Plattformen mitgelieferte Abspielprogramm Media Player kann diese DVD gar nicht spielen, jedenfalls nicht auf meinem Rechner. Und dieser Rechner ist in diesem Jahr neu gekauft worden.

Glücklicherweise besitze ich mehrere Abspielprogramme, und zwei davon können die DVD anzeigen. Eines davon allerdings nur als Patchwork – dank Kopierschutz. Das andere ist in der Lage, den Film fehlerfrei abzuspielen, jedenfalls nach einigen Versuchen. Wie üblich, klicke ich auf den Eingangsbildschirmen der Filme wild herum und habe irgendwann dann mal Glück, dass etwas passiert. Ich hoffe, dass Leute, die einem normalem DVD-Player an ihr Fernsehgerät angeschlossen haben, weniger Schwierigkeiten damit haben. (Ich besitze kein Fernsehgerät und kann deshalb nicht mitreden.)

Nun möchte ich möglichst komfortabel arbeiten; da die DVD-Laufwerke ziemlich langsam und träge sind, liegt es nahe, die DVD auf die Festplatte zu kopieren und von dort abzuspielen. Das aber verhindert der Kopierschutz. Also versuche ich, diesen zu umgehen. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. In diesem Fall gelang es mir schließlich, aber es nützte nichts. Der Kopierschutz von pferdia tv ist so wirksam, dass ein Abspielen von der Festplatte mit keinem Programm funktioniert. Es steht zu vermuten, dass man auch keine Sicherungskopie anfertigen kann, aber das habe ich nicht probiert (genau das soll der Kopierschutz ja verhindern). Ich habe auch nicht bei Computerbild nachgeschaut, wie man diesen Kopierschutz nun umgeht. Vermutlich kann man dort eine Lösung finden. Die Redaktion und Allgemeinheit sieht darin offenbar keine strafbare Handlung, im Gegensatz zur Filmindustrie, die sich erdreistet, den rechtmäßigen Käufer mit drastischen Hinweisen zu belästigen, die ihn als Kriminellen verdächtigen.

Das nächste Problem sind die Standfotos. Ich möchte natürlich die optimalen Fotos als Illustrationen präsentieren. Eins meiner Abpielprogramme bietet den Komfort, automatisch Standfotos zu extrahieren. Das ist sehr angenehm, wenn auch zehntausende von Bildern produziert werden und das seine Zeit kostet, aber da es vollautomatisch erledigt wird und in dieser Zeit etwas anderes gemacht werden kann, ist das kein Problem, und angesichts der heutigen Größen von Festplatten sind auch die Datenmengen zu verkraften. Zwar braucht auch das Betrachtungsprogramm wiederum seine Zeit, um die Kleinbilder zu produzieren, aber dann kann man wirklich sehr komfortabel genau die richtigen Fotos herausfischen.

Leider kann dieses Abpielprogramm die DVD weder von der Festplatte noch vom Laufwerk aus fehlerfrei abspielen; entsprechend zerpixelt sehen die Standfotos aus. Super! Da kommt Freude auf! Wie gut, dass ich wenigstens ein Programm habe, das in der Lage ist, die DVD überhaupt abzuspielen. Mit diesem Programm muss ich nun die entsprechenden Standfotos von Hand anfertigen. Immerhin, das funktioniert, nachdem ich diesen Mechanismus verstanden und passend eingerichtet habe. Es hat Stunden gedauert, bis ich diese Lösung gefunden hatte. Ich war schon so weit, auf Standfotos ganz zu verzichten, was ja nun wirklich sehr bedauerlich wäre.

Damit mich niemand falsch versteht: Ich verlange von pferdia tv weder, dass auf Kopierschutz verzichtet wird, noch dass die Preise drastisch gesenkt werden. Ein so kleines Unternehmen kann die Welt nicht revolutionieren. Ich glaube nur nicht, dass die bisherigen Ansätze der Unterhaltungsindustrie auf die Dauer Bestand haben werden. Statt dessen vermute ich, dass diese sich so selbst vernichtet. Die Musikindustrie hat ja schon gezeigt, wie man sich erfolgreich demontiert. Die Verlage sind auf einem guten Weg, dasselbe zu bewerkstelligen. Nur bei der Filmindustrie kann ich teilweise Ansätze erkennen, die zukunftsträchtig sind.

Es liegt natürlich auch in diesem Fall ein Massenmarkt vor. Der Gewinn berechnet sich aus Absatzmenge mal Einzelmarge. Würde beispielsweise die Bild-Zeitung 50 € pro Stück kosten, dürfte die Auflage ins Bodenlose sinken. Der Gesamtumsatz würde in keinem Verhältnis mehr zum jetzigen stehen. Eine solche Preispolitik wäre Selbstmord des Verlags. Aber genau das wird in vielen Fällen gemacht. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als die ersten Daten-CDs auf den Markt kamen. Damals hatte ich mit Rechtsanwälten zu tun. Jeder Rechtsanwalt wollte eine CD mit wichtigen Urteilen haben, aber der Verlag verlangte mehr als 1000 DM dafür, und das für eine CD, die naturgemäß veralten würde. Das konnten sich nur ganz große Kanzleien leisten, vielleicht 200 in der gesamten Republik, dabei hätte man den Markt zu 100% abdecken und 70.000 Kanzleien beliefern können – wenn der Preis entsprechend niedrig gewesen wäre. Bei einem Preis von drei Mark pro Stück hätte man schon mehr Umsatz gemacht, und zweifellos hätte jede Kanzlei liebend gern sogar wesentlich mehr dafür bezahlt; diese Preispolitik war also auch wirtschaftlich offensichtlich eine Dummheit. Keine Ahnung, wie sich das heute verhält. Auf jeden Fall sind solche Entscheidungen Merkmale monopolistischer Strukturen, und Monopole behindern den Fortschritt genauso wie Patente und andere Mechanismen, die eigene Vorteile zum Nachteil der anderen Marktteilnehmer ausnutzen wollen.

Ein gutes Gegenbeispiel bietet der PC und das Internet. Der PC konnte seinen Siegeszug deshalb antreten, weil IBM von Anfang an sämtliche Einzelheiten offengelegt und damit andere Marktteilnehmer angeregt hat, ihrerseits Produkte und Innovationen für dieses Gerät zu entwickeln. Das hat eine Explosion bewirkt. PCs sind immer leistungsfähiger und billiger geworden, ein Ende ist nicht abzusehen, und heute sind PCs in jedem Haushalt zu finden, meist sogar mehrfach; sie haben unser Leben nachhaltig verändert. Das Internet ist bekanntlich frei und jeder kann es nach Kräften nutzen. Wer hätte sich so etwas überhaupt ausdenken können, als es das noch nicht gab? Und wer kann sich ausdenken, was aus dem Internet noch einmal werden wird? Wer hätte sich so etwas wie die Wikipedia ausdenken können? Wer hätte etwas darauf verwettet, dass aus der Idee der Wikipedia überhaupt etwas werden kann?

In diesem Sinne wäre zu wünschen, dass jeder Reiter diese DVD besitzen und intensiv benutzen würde. Es würde das Leben der Reiter und der Pferde nachhaltig verändern.

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Notizen  Leserbrief  2084 vom 07.12.2011
zu Ausgabe Magazin  594
Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion
Sehr geehrter Herr Popken

Ich habe soeben mit grossem Staunen Ihren Blog über destruktive Kreativität gelesen (» equivox.de).

Mit grossem Staunen, weil ich mein damaliges Inserat dort gesehen habe.

Mich würde doch interessieren, wie Sie auf die Idee kommen, dass es sich um ein Spassinserat handelt? Diese Antwort bleiben Sie dem Leser ja schuldig!

Ich finde Ihr Verhalten, anmassend, arrogant und befremdlich. Mit welchem Recht nehmen Sie sich heraus, über andere und Ihre Motivation zu urteilen, ja diese geradezu abzurteilen? Können Sie in die Herzen und Köpfe ihrer Mitmenschen schauen?

Ich kann Ihnen versichern, dass es sich keinesfalls um ein Spassinserat gehandelt hat. Ich kann Ihnen sogar Videoaufnahmen von diesem Pferd zeigen, wo sie von einer jungen Frau geritten wird. Vielmehr habe ich dieses Inserat damals gestartet, um der Stute ein schönes Zuhause zu ermöglichen, weg von ihrem Besitzer der sie misshandelt, in Rollkurmanier reitet und für die sie nur ein Sportobjekt ist.

Ich habe dieses Pferd 5 Jahre kostenlos betreut und korrigiert, sodass sie zu einem zuverlässigen, wenn auch sensiblen Partner wurde und das Pferd ist genau so, wie es in der Anzeige dargestellt wurde. Ich selber habe bereits ein Pferd, bin voll Berufstätig und mir fehlte schlichtweg das Geld, dieses Pferd zu kaufen, sonst hätte ich dies längst getan. Das Pferd war so günstig, weil Sie eben kein Anfängerpferd ist und war, dazu ist sie zu sensibel. Der Besitzer wollte sie verkaufen, eigentlich wollte er keine Kosten mehr haben und das Pferd notfalls zum Schlachtpreis abgegeben oder sie gleich dort selbst abliefern, weil ihm 200 Euro im Monat zuviel Geld waren.

Da Sie weder mich noch das Pferd kennen, schlage ich vor, dass Sie sich mit solchen Kommentaren (wie die im Text) zurückhalten sollten und nicht allen Menschen eine schlechte Motivation unterstellen sollten. Mir war und ist dieses Pferd sehr wichtig und ich habe diese Arbeit nicht zum Spass, aber unentgeltlich getan.

Schlussendlich hat sich kein Käufer gefunden (vielleicht auch ein bisschen wegen ihrer schlechten Kritik?), sodass er das Pferd zurückgenommen hat (er ist mittlerweile wieder in D) und sie nun ein 24h Boxendasein fristet. Wenn sie Glück hat täglich 1-2 Stunden die Box verlassen darf, um in Rollkurmanier geritten zu werden, geschlagen zu werden, wenn sie nicht funktioniert. Sie wird schlichtweg gequält.


Wenn es das war was sie mit Ihrer Aussage bezwecken wollten? Na dann Herzlichen Glückwunsch!!

Sie können sich nicht vorstellen, wie es mir bei diesem Gedanken geht. Aber ich gehe nicht zu sehr ins Detail (das scheint sie ja in ihrem Blog auch nicht interessiert zu haben) sonst unterstellen Sie mir noch dass ich „auf die Tränendrüse“ drücken möchte…

Ich wünsche Ihnen ein schönes Leben (und das meine ich nicht destruktiv oder ironisch) und auch ein bisschen Mut, um nicht immer das „Schlimmste“ von den Mitmenschen anzunehmen.

Falls Sie mir antworten möchten, so freue ich mich.

Mit freundlichen Grüßen
Sandra Kunze




Liebe Frau Kunze,

Ich musste mir das Editorial natürlich erst einmal anschauen, um zu wissen, worum es geht, und es ging mir wie Ihnen: Ich konnte nicht erkennen, warum ich dieses Inserat an den Pranger gestellt hatte.

Glücklicherweise haben wir nun schon seit längerer Zeit keinerlei Belästigungen mehr durch übelwollende Zeitgenossen; vielleicht haben auch meine gesammelten Maßnahmen inzwischen gegriffen. Es gab aber mal Zeiten, in denen ein Großteil meiner Zeit durch solche Leute beansprucht wurde, und daher war ich auf die gar nicht gut zu sprechen.

In den Editorials habe ich immer wieder dieses Thema aufgegriffen, weil es mich so beschäftigt hat, und gleichzeitig habe ich mich über die Dummheit dieser Leute verbreitet, die es so ungeschickt anstellten, dass jedermann aus 5 Kilometer Entfernung schon erkennen konnte, dass es sich um Unfug handeln musste, wenn man es beschönigend umschreiben will.

Leider handelt es sich oft auch um ausgesprochene Betrugsversuche, und die kommen auch heute noch vor, anscheinend allerdings weniger als Inserat, sondern als Antwort auf Inserate, wovon ich nur Kenntnis bekommen, wenn jemand einen Massenangriff startet. Da diese plumpen Angriffe anscheinend Erfolg haben, scheint es mir nach wie vor der Mühe wert, meine Mitmenschen auf Hinweise aufmerksam zu machen, die misstrauisch machen sollten.

Damals habe ich wohl damit begonnen, ausgesuchte Beispiele von Spam in meinem Editorial zu veröffentlichen, zur Belustigung und zur Belehrung. Es sieht so aus, als könnte ich diese Reihe niemals beenden – nicht nur, dass die Spam-Angriffe nicht aufhören, es gibt auch immer wieder neue Varianten, mit denen man versucht, Zeitgenossen hereinzulegen.

Die Spammer lernen ja auch dazu. Wenn ich beispielsweise darauf hinweise, dass man an der maschinellen Übersetzung schon erkennen kann, dass sich hier jemand zumindest einen Spaß erlaubt, kann derjenige, sofern er der deutschen Sprache so weit mächtig ist, dass er mein Editorial versteht, daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Ich stelle mir beispielsweise vor, dass intelligente junge Mädchen in den USA, die Deutsch als Fremdsprache gewählt haben, zum Zeitvertreib fiktive Pferde in unsere Datenbank einstellen und dabei jede Menge Spaß haben. Wenn die nicht ganz auf den Kopf gefallen sind, vermeiden sie beim nächsten Mal diesen Fehler, indem sie echte Texte und echte Daten verwenden. Es ist ja kein Problem, solche Daten irgendwo zu finden. Vermutlich habe ich bereits darauf gewartet, dass jemand diesen Hinweis aufgreift und seine Intelligenz unter Beweis stellt.

Ich habe in meinem Editorial ausdrücklich erwähnt, dass der Text vollkommen unauffällig ist. Es müssen also die Bilder gewesen sein, die mich misstrauisch gemacht haben. Glücklicherweise werden bei uns die Bilder nicht gelöscht, sondern lediglich verschoben. Sie sind also noch da, und ich konnte mich davon überzeugen, dass die Bilder durchaus Anlass zur Verwunderung gaben.

Genauer gesagt haben Sie dieses Pferd sogar zweimal inseriert und dabei den Preis gesenkt. Das wäre gar nicht nötig gewesen, Sie hätten einfach nur den Preis ändern müssen. Die Fotos zum ersten Inserat waren vollkommen in Ordnung. Die zum zweiten waren erstens überwiegend sehr klein und damit für eine Verkaufsanzeige unbrauchbar und zweitens waren diese kleinen Fotos alle mit einem deutlichen Copyright-Vermerk versehen. Diese Fotos waren also geklaut.

Auch das war nämlich ein Hinweis für unseriöse Inserate: Nicht nur war der Text in vielen Fällen verräterisch, sondern auch die Bilder, weil sie beispielsweise unterschiedliche Pferde zeigten, was ja gar keinen Sinn ergibt, oder Pferde einer anderen Rasse, also ganz willkürlich gewählt und ohne Zusammenhang zum Text. Der Bilderklau beschäftigt viele Fotografen; viele junge Mädchen scheinen nach wie vor im Internet virtuelle Reiterhöfe aufzumachen und brauchen dafür Bildmaterial; die Texte können sie sich selber erfinden, die Bilder nicht. Es hat viele Jahre gedauert, bis zumindest ein rudimentäres Bewusstsein hinsichtlich des Urheberrechts entwickelt werden konnte. Manche Fotografen, wie etwa die Agentur, deren Bilder hier verwendet worden waren, haben versucht, sich durch ein nicht zu übersehendes und nicht zu retouchierendes Wasserzeichen zu schützen. Das schützt zwar nicht vor Klau, wie Ihr Inserat beweist, macht aber den Klau offensichtlich.

Nun habe ich mir die Bilder noch einmal angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich in diesem Fall tatsächlich immer um dasselbe Pferd handelt, auf das die Beschreibung passen würde, und dieses Pferd an Turnieren teilgenommen hat und dort von professionellen Fotografen aufgenommen worden ist, was ebenfalls zur Beschreibung passt und die Wertigkeit des Pferdes unterstreicht. Leider haben Sie diesen Umstand in Text nicht näher erläutert. Das wäre vielleicht angebracht gewesen und hätte als Argument stark wirken können. Bei diesen Fotografen haben Sie sich bedient, sicherlich im guten Glauben, und um klarzustellen, dass Sie die Fotografen nicht beklauen wollen, haben Sie vermutlich das Format so winzig gewählt, dass diese Absicht nicht zu übersehen ist (oder die Fotografen haben nur dieses winzige Format bereitgestellt). Dadurch wird natürlich der Wert des Fotos für die Verkaufsanzeige erheblich beeinträchtigt, was Sie notgedrungen in Kauf nehmen mussten.

Bei mir hatte es allerdings einen ganz anderen Effekt. Ich habe mir damals die Bilder sicherlich nicht so genau angeschaut und hatte vermutlich den Eindruck, dass hier wahllos halbwegs passende Fotos von verschiedenen Pferden zusammengesucht wurden, um das Inserat passabel auszustatten.

Zugleich habe ich befürchtet, dass ein Hinweis, dass nicht nur der Text, sondern auch die Bilder plausibel sein müssen, potentielle Spammer, spaßige oder auch nicht, unfreiwillig belehren würden, so dass die Kunst, ein fiktives Inserat aufzugeben, so weit verfeinert würde, dass nicht nur ich, sondern niemand, auch nicht gutwillige Käufer, den Schwindel bemerken könnten. Das wollte ich vermeiden, und deshalb habe ich mich etwas verklausuliert ausgedrückt.

Grundsätzlich ist es nicht meine Aufgabe, potentielle Käufer vor möglichem Schaden zu schützen. Lug und Betrug ist in der Welt, und jeder muss selber Sorge tragen, nicht hereinzufallen. Grundsätzlich scheint niemand gefeit zu sein; gestern habe ich gerade von einem renommierten Kunsthandel in New York gelesen, der nach 165 Jahren schmählich schließen musste, weil man es in den letzten Jahren an der notwendigen Sorgfalt hatte fehlen lassen und im großen Stil Fälschungen verkauft hatte, was schließlich herausgekommen war.

Die Tragödie, die Sie belastet, findet sich leider überall im Lande und vermutlich auf der ganzen Welt. Wir Menschen laden große Schuld auf uns und merken es nicht einmal; und wer es merkt, kann es oft nicht aushalten. Im Moment veröffentliche ich gerade eine Reitlehre eines FN-Reitlehrers, der nach mehreren Dutzend Jahren seiner Frustration nachgegeben und seine Wut zu Papier gebracht hat. Zum Wohle der Pferde, wohlgemerkt. Wer liest das? Wer nimmt sich das zu Herzen? Wer zieht daraus Schlüsse? Wer lernt daraus und ändert sich?

Ich glaube nicht, dass mein Editorial in irgendeiner Weise die Verkaufschancen Ihres Inserats beeinträchtigt hat. Leute, die Inserate lesen, wissen im allgemeinen gar nicht, dass es ein Magazin gibt. Und Leute die das Editorial lesen, lesen vermutlich keine Inserate. Schließlich kauft man nicht alle Nase lang ein neues Pferd. Außerdem ist es sehr schwierig, ein Pferd zu verkaufen. Meine eigene Tochter hat eine Zeit lang versucht, ihr Pferd mit hervorragendem Stammbaum zu verkaufen, und es dann aufgegeben. Sie haben es versucht und es hat nicht geklappt; Sie müssen sich keine Vorwürfe machen.

Man kann natürlich versuchen, seine Chancen durch einen guten Text und gute Bilder zu verbessern. Was den Text betrifft, so haben Sie sich viel Mühe gegeben. Man spürt, dass Ihnen etwas an diesem Pferd lag. Pferde sind ja sehr unterschiedlich, und manche Pferde sind einfach ganz wunderbar. Eines unserer Pferde war eine so beeindruckende Persönlichkeit, dass ich in meinen Artikeln immer wieder darauf zurückgekommen bin. Ich habe mir vorgestellt, dass ein Verkäufer sein Pferd, insbesondere, wenn es sehr gut kennt und es ihm ans Herz gewachsen ist, entsprechend gut beschreiben kann. Leider können die meisten Menschen das nicht, und entsprechend dürftig fallen die Inseratstexte oft aus. Im Vergleich ist Ihr Text eher die Ausnahme. Es waren eben die Bilder, die so gar nicht zum Text passen wollten.

Es tut mir leid, dass ich in diesem Fall überreagiert habe, und es freut mich, dass Sie sich nach so vielen Jahren gemeldet haben. Vielleicht findet sich doch noch jemand, der diesem Pferd ein würdiges Leben ermöglichen kann. Vielleicht liest jemand Ihren Leserbrief und meine Antwort und wird neugierig. Ich wünsche es Ihnen und dem Pferd!

Mit freundlichen Grüßen

Werner Popken

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