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Editorial   Magazin Magazin, Ausgabe 504, erschienen am 24.11.2008

Magazin  Ausgabe 504
Werner Popken
Editorials  Editorial

Schuhe



Ach wie schwach ist doch der Mensch – im Denken! Ich meine natürlich mich! Da habe ich des Langen und Breiten über Hufeisen geschrieben, über die Notwendigkeit derselben oder das durch diese verübte Verbrechen an den Pferden, und habe nur ganz hinten und unten in meinem Oberstübchen daran gedacht, daß wir Menschen ja doch nicht viel anders sind.

Wer von denen, die unbedingt gegen Hufeisen sind, verzichtet denn auf Schuhe? Im englischen heißt Hufeisen einfach Hufschuh, was ja bei uns etwas anderes ist, aber letzten Endes auch ein Zugeständnis an die scheinbar unumgängliche Tatsache, daß Pferdehufe nicht für das gemacht sind, für das sie gebraucht werden.

Genauso wie die menschlichen Füße, die ohne Schuhwerk geradezu undenkbar sind. Deshalb verwundert es nicht, daß auch viele Huftechniker und Hufpfleger, die durchaus gegen Eisen sind, mit Hufschuhen experimentieren und sich gut vorstellen können, daß es demnächst genauso viele spezialisierte Fußbekleidung für Pferde gibt wie für Menschen. Nach dem Motto: Der Unterschied zwischen Pferd und Mensch ist so groß nicht, also darf das Pferd auch haben, was der Mensch nicht missen mag.


Du gehst falsch!

 
» You Walk Wrong: Unter dieser Überschrift brachte das New York Magazin am 21. April 2008 einen Artikel, der mit denselben Argumenten deutlich machte, daß wir mit den Schuhen etwas grundsätzlich falsch machen, wie die Kritiker der Hufeisen und Hufschuhe: Die Natur hat dem Menschen in einem evolutionären Prozeß, der Jahrmillionen gedauert hat, perfekte Füße entwickelt, die wir durch Schuhwerk verkrüppeln und verderben.

Diese Gedankengänge waren aber gar nicht neu, sondern sind bereits am 28. Juni 2007 in höchst interessanten Blog des Softwareingenieurs und Anthropologen » Jason Godesky unter dem Titel » Learning to Walk veröffentlicht worden.

Darin wird entwickelt, daß wir durch das Schuhwerk einen Gang entwickeln, der "cow walk" genannt wird und sich dadurch auszeichnet, daß wir zu erst mit der Ferse auftreten, die bekanntlich gar nicht stoßgedämpft ist, wodurch sich die Erschütterung über das gesamte Skelett bis zum Gehirn fortsetzt, mit Konsequenzen, die man sich leicht ausmalen kann.

Demgegenüber tritt man beim "fox walk" mit dem Ballen zuerst auf und kann dadurch nicht nur das Gewicht abfedern, sondern auch das Gelände erkunden. Man tritt gewissermaßen nicht auf die Erde, sondern in die Erde.

Die Konsequenzen sind nicht nur für den menschlichen Körper gewaltig, sondern auch für die Umwelt. Wer wie eine Kuh durch die Landschaft trampelt, muß sich nicht wundern, wenn er keine Tiere sieht, denn die hören und spüren ihn schon von weitem und suchen das Weite. Wer sich allerdings wie ein Fuchs bewegt, wird die Natur allenthalben belebt finden. Wer falsch geht, ruiniert nicht nur seinen Körper, sondern sein Leben. Schuhe, so lernen wir, sind die Grundlage und Ursache allen Übels.


Universalgesetze

Am 12. Februar 2008 gibt Jason Godesky aber zu, daß er Kompromisse machen muß. Er hat die Arbeitsstelle gewechselt und ist gezwungen, Businesskleidung zu tragen, also auch Schuhe. Glücklicherweise bekommt er zum Geburtstag Schuhwerk geschenkt, das ihm erlaubt, den "fox walk" mit Schuhen auszuüben, nachzulesen in » Cycles Vicious & Virtuous. Im Hauptartikel dieser Woche habe ich mehrfach auf den Blog dieses Querdenkers zurückgegriffen, der den Menschen so gerne auswildern möchte.

Er ist aber nicht alleine mit seinen Sehnsüchten und Visionen und kann auf viele andere Autoren und Aktivisten zurückgreifen und seine Ideen und Vorstellungen mit deren Gedanken abgleichen und schärfen. So ist der "fox walk" gar nicht seine und keine neue Erfindung, wie man aus einer Illustration ersehen kann, die das Titelblatt des Magazins "The Tracker" von Ausgabe 1 des Jahrgangs 4 aus dem Jahr 1985 zeigt, wo diese Art der Bewegung überdeutlich vorgeführt wird.

Dort habe ich auch einen Hinweis auf den Querdenker » Ran Prieur gefunden, der seinerseits wiederum einen Aufsatz von » Ianto Evans mit dem Titel » Wildlife in the Home, also etwa "Die Natur im Haus" gebracht hat. Evans baut Häuser aus Wikipedia-Link» Cob, was ich mit "Lehmschlag" übersetzen würde. Dieser Begriff wird in der deutschen Wikipedia nicht erklärt, kommt aber immerhin im Artikel Wikipedia-Link» Jurahaus vor.

In diesem Aufsatz findet sich folgende Behauptung, die ich sehr interessant fand:

We now know three truths about the direction of Universe, three basal laws that govern everything. First, that the Universe constantly diversifies; second, that each thing is unique and cannot be replicated; and third, that communication develops wherever possible.

Wir kennen jetzt drei Wahrheiten über die Richtung des Universums, drei Grundgesetze, die alles regeln. Erstens, daß das Universum sich ständig verändert; zweitens, daß alles einzigartig ist und nicht reproduziert werden kann; und drittens, daß sich überall dort Kommunikation entwickelt, wo es möglich ist.

» Wildlife in the Home

Über diese Behauptung kann man einmal eine Weile nachdenken, finde ich.


Haiku

Jagen im Rudel.
Familie ist alles.
Heulen wie ein Wolf.



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