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![]() Bexter Hof mit weitläufigem Turniergeschehen und (nicht dazugehörigem) Ballonspektakel |
![]() Interview mit Ulrich Meyer zu Bexten (WDR) |
Die ausländischen Teilnehmer sind fast alle ohne Pferd angereist. In der Regel haben ihre Teampartner das Pferd gestellt. Gemeinsam wurde trainiert, gemeinsam gekämpft. Da es sich um eine Springprüfung handelt, mußte natürlich jeder einzeln über den Parcours, aber die Konsequenzen waren gemeinsam zu tragen. Das konnte gelegentlich bitter sein. Ich wurde Zeuge, wie der erste Teilnehmer des Teams disqualifiziert wurde, weil das Pferd beim letzten Hindernis zweimal verweigerte. Damit hatte auch der Teampartner keine Chance mehr. Aber ich greife vor. Das Turnier dauerte in diesem Jahr von Dienstag bis Sonntag. Am Dienstag war Anreise, am Mittwoch Training. Der Donnerstag diente dem geselligen Beisammensein; unter anderem war ein Besuch im neuen Herforder Museum » MARTa Museum für zeitgenössische Kunst und Design mit Empfang durch die Stadt Herford eingeplant. Freitag, Samstag und Sonntag reihte sich ein Wettbewerb an den anderen. 400 Teilnehmer, 15.000 Zuschauer, 500 Pferde und über 1000 Starts lassen erahnen, welche organisatorische Glanzleistung hinter diesem Ereignis steht. Alles lief perfekt, Presse, Funk und Fernsehen berichteten ausführlich, prominente Reiter unterstützten das Turnier – allein das Wetter ließ zu wünschen übrig. Zeitweilig goß es wie aus Kübeln, aber dann gab es manchmal doch Sonnenschein mit perfektem Turnierwetter. Der Mittwoch war dem Training vorbehalten. Immerhin mußte sich eine Hälfte des Teams mit einem unbekannten Pferd anfreunden. Ich kam am Nachmittag an, das Wetter war schlecht. Es regnete ziemlich stark, und deshalb war man vom Rasenplatz auf den Sandplatz ausgewichen. Der eigentliche Festplatz lag verlassen da. Auf dem Sandplatz arbeitete gerade Trainer » Heinrich-Wilhelm Johannsmann mit Unterstützung des Sprechers » Stefan Krawczyk, der ins Englische übersetzte. Heinrich-Wilhelm Johannsmann war nicht der einzige prominente Trainer, der sich für den guten Zweck zur Verfügung stellte. Von morgens bis abends waren bekannte Kollegen, auch aus dem Ausland, im Einsatz, die jeweils zwei bis drei Paare unter ihre Fittiche nahmen. Bei dieser Gelegenheit entstanden meine ersten Aufnahmen vom Springen, mit denen ich eigentlich recht zufrieden bin (siehe Bildschirmschoner › Ankunft und Training Johannsmann und Ich habe knapp 1500 Fotos geschossen, von denen natürlich ein großer Teil gar nicht gelungen ist. Es bleiben aber genug übrig, um mir mehr Arbeit als genug und Ihnen reichlich Zeitvertreib und Information zu bieten. Denn vieles sieht man erst auf dem Foto. Im Geschehen selbst geht alles so rasend schnell, daß das Auge schlichtweg überfordert ist. Für diese Ausgabe habe ich den Mittwoch ausgewertet, wo ich die meisten Bilder geknipst habe. Alle Bildschirmschoner zusammen zeigen 291 Bilder; fast die Hälfte davon entfällt freilich auf die "Tropon Champions Trophy" mit den Spitzensportlern Marcus Ehning, Otto Becker, Ludger Beerbaum und Marco Kutscher. Diese waren natürlich ständig umlagert von jungen Fans, die auf ein Autogramm hofften. Krystoff Carvonis aus Haiti bat mich, diesen hoheitlichen Akt im Foto festzuhalten, was ich natürlich gerne getan habe (Marcus Ehning und Ludger Beerbaum). Jetzt muß er nur noch meine E-Mail-Adresse rausfinden und mir seine Adresse mitteilen... |
Die Teilnehmer kamen aus Ägypten, Australien, Brasilien, Cayman Islands, Columbien, Dominikanische Republik, El Salvador, Ecuador, Haiti, Irland, Italien, Jamaica, Kolumbien, Libanon, Luxemburg, Mexiko, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Peru, Puerto Rico, Russland, Saudi Arabien, Schweden, Singapur, Südafrika, Syrien, Thailand, Türkei und den USA. Eine Galerie der Paare finden Sie unter » Teilnehmerempfang. Die Teams wurden nach berühmten Pferden benannt, etwa "Meteor" oder "Shutterfly". Otto Becker ist natürlich wie alle anderen Spitzensportler auch ein absoluter Profi und hat viele Turniere gemeinsam mit Ulrich Meyer zu Bexten bestritten. In der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit konnte er keine Wunder vollbringen, aber es war schon interessant, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Die jungen Leute waren mit allem Ernst bei der Sache. Becker trainierte das Team "De Sjiem" (Georgine Scheidt, D / Paige Dotson, USA) und "Halla" (Lisa Reinacher, D / Prince Fahad al-Shalaan, Saudi Arabien). Zwischendurch gab er kleines Interview für das Fernsehen, zum Abschluß stellte er sich mit zwei Damen des Ehrenkomitees zum Erinnerungsfoto mit Unterschriften der Prominenten. Als nächster Trainer kam Marcus Ehning an die Reihe: "Anka" (Annkathrin Heydenreich, D / Mia Crocetti, Italien) und "Goldika" (Bettina Braun, D / Oliver Lazarus, Südafrika). Das Pferd von Oliver Lazarus verlor kurz nach dem ersten Sprung sein Eisen; Ehning fand das Eisen, untersuchte kurz den Huf und schickte Reiter und Pferd zum Hufschmied. Der hatte die Sache bald im Griff, so daß Reiter und Pferd bei der nächsten Runde mitmachen konnten. Das Eisen wurde sofort für die große Skulptur aus Hufeisen "beschlagnahmt", den "Bexter Globe", der zum Abschluß des Turniers für wohltätige Zwecke (UNICEF) versteigert wurde (und 21.000 EUR brachte). Ludger Beerbaum war der letzte der Teilnehmer am Prominenten-Wettbewerb, der als Trainer für die Jugend in Erscheinung trat. Marco Kutscher war dafür nicht eingeplant; er hatte an diesem Tag noch ein Turnier zu bestreiten. Beerbaum ging auf jeden Teilnehmer gesondert ein und führte mit Körpersprache vor, wo er noch Verbesserungsmöglichkeiten sah. Er hatte es mit den Teams "Rush On" (Kea Tuitje, D / Erin Dwyer, USA) und "Lucie" (Philipp Hassenbürger, D / Ashlee Hausberger, Südafrika) zu tun. Wer sich für das Training im einzelnen interessiert, sollte sich vielleicht die Bildschirmschoner anschauen, die ich nach Trainern geordnet habe. Die Hindernisse im Training waren nicht so hoch, so daß selten ein Abwurf zu verzeichnen war. Später im Turnier gestaltete sich die Sache etwas schwieriger, zu Abwürfen kam es deshalb nicht so selten. Selbstverständlich sind die Teilnehmer selber Spitzensportler in ihrer Altersgruppe und gut trainiert, aber ein Turnier dieser Größenordnung stellt schon eine besondere nervliche Belastung dar. Ulrich Meyer zu Bexten ist stolz darauf, daß sein Turnier die Teilnehmer weiter fördert und diese möglicherweise sogar international Karriere machen, obwohl das Turnier selbst eigentlich eher sozialen Zwecken dient als dem sportlichen Wettbewerb. So haben die ehemaligen German Friendships-Teilnehmer Gerardo Wertheim aus Argentinien und Ibrahim Bisharat aus Jordanien ihre Länder bei den Olympischen Spielen in Athen vertreten. Die Auslandserfahrung auf dem Bexter Hof war dieser Karriere sicher förderlich. Ulrich Meyer zu Bexten fühlt sich durch diese und andere Erfolgsgeschichten in seinem Ansatz bestätigt. |
In der ersten Runde ritt jeder mit seinem eigenen Pferd. Marcus Ehning startete mit Cassandra, dann kam Marco Kutscher mit Pablo 354, schließlich Otto Becker mit Caro K und am Schluß Ludger Beerbaum mit Nickelsen. Gleich in der ersten Runde gab es eine Sensation: Beerbaum leistete sich zwei Abwürfe. Das warf ihn ziemlich zurück. Obwohl er auf den Pferden der Kollegen fehlerfrei blieb, bedeutete das den dritten Platz. Bei der Champions Trophy der German Friendships hat Beerbaum offenbar Pech – die hat er noch nie gewonnen. Sprecher Stefan Krawczyk plauderte in den Pausen ein wenig mit den Stars, für die der Ritt mit fremden Pferden auch nicht zum täglichem Programm gehört und Unwägbarkeiten mit sich bringt, die es im normalen Turniergeschäft nicht gibt. Aber auch das gehört zur Professionalität – angesichts ungewöhnlicher Umstände die Ruhe zu bewahren und auch dann souverän zu bleiben, wenn nichts so läuft, wie man es sich vorstellt. In der ersten Runde blieben die anderen Teilnehmer fehlerfrei. In der zweiten Runde startete Becker mit Cassandra, dann ritt Ludger Beerbaum auf Pablo 354, schließlich Marcus Ehning auf Caro K und am Schluß Marco Kutscher auf Nickelsen. Zwischendurch gaben Beerbaum und Kutscher dem Fernsehen Interviews. Die Reiter mußten die Pferde so nehmen, wie sie waren, durften allerdings die Sättel tauschen, wovon in dem einen oder anderen Fall auch Gebrauch gemacht wurde. Da wunderte ich mich. Bisher war ich davon ausgegangen, daß die Sättel in erster Linie den Pferden passen müssen und nicht stattdessen den Reitern. Stefan Krawczyk und das Publikum hätten es gern gesehen, wenn es zu einem Stechen gekommen wäre, und die Chancen dazu standen nicht schlecht. Der amtierende Doppeleuropameister Marco Kutscher hatte sich zwar drei Abwürfe erlaubt, aber Otto Becker und Marcus Ehning ritten fehlerfrei. Der letzte Ritt von Ehning brachte deshalb eine besondere Spannung. Mit jedem Hindernis, das Ehning mit Nickelsen souverän nahm, wuchs die Zuversicht, daß ein Stechen zustande käme. Da passierte es: Am letzten Hindernis riß Nickelsen die letzte Stange! Also kein Stechen! Was wahrscheinlich auch ganz in Ordnung war, denn wenn man sich die Reiter bei der Landung anschaut, kann man ermessen, welchen Belastungen die Reiter ausgesetzt sind und folglich auch die Pferde. Bei einem Stechen hätte man die Hindernisse nochmals erhöht und damit auch die Belastung. Natürlich nehmen diese Profis solche Herausforderungen ohne weiteres an. Aber für das Publikum war es auch so aufregend genug. Becker trug also mit null Fehlerpunkten den Sieg davon, Marcus Ehning wurde mit vier Punkten Zweiter, Ludger Beerbaum mit acht Punkten Dritter und Marco Kutscher mit zwölf Punkten Vierter. Wenn man sich ein bißchen umschaut, stellt man fest, daß die Welt des Spitzensports ziemlich klein ist. Es sind immer dieselben Namen, die in den Starterlisten und vor allen Dingen auch in den Gewinnerlisten auftauchen. Ulrich Meyer zu Bexten gehört zu diesem illustren Kreis dazu, ist also gewissermaßen Kollege der vier Stars, die dieses Turnier der besonderen Art auf der German Friendships 2005 bestritten haben. 1967, mit 17 Jahren, wurde er Deutscher Meister der Junioren, zweimal gewann er den Preis von Europa in Aachen, 27 Nationenpreise bestritt er für Deutschland, acht Mal war er Westfälischer Meister im Springreiten. Sein Sohn Lars gewann mit 14 Jahren sein erstes S-Springen, mit 18 war er Mannschafts-Europameister der Junioren, und ihm wurde das Goldene Reiterabzeichen verliehen. Mit 25 Jahren gewann er erstmals einen Nationenpreis der Senioren. Seit Januar 2005 ist Lars Meyer zu Bexten Assistent des Bundestrainers Springen. Er möchte den Bexter Hof zu einem Trainingszentrum machen. Seit Jahren ist er in Kanada, Mexiko, den USA, Guatemala, Portugal und weiteren Ländern als Trainer unterwegs. Selbstverständlich ist er auch in die Organisation der German Friendships eingebunden. |
Die freundschaftlichen Verbindungen, die aus den German Friendships resultierten, überdauern die Jahre und führten dazu, daß für ehemalige Teilnehmer ein eigener Wettbewerb eingerichtet wurde, obwohl diese für die eigentliche Veranstaltung schon zu alt sind. Sport, so kann man hier hautnah erleben, verbindet und überbrückt Grenzen und Gegensätze. Deshalb ist Sport eigentlich sehr politisch. Manchmal gewinnt man den Eindruck, als ob Kriege zwischen den Nationen auf sportlichem Wege ausgefochten werden, aber der Wettbewerb führt ja auch dazu, daß man einander näher kennenlernt, daß Vorurteile und Mißverständnisse ausgeräumt, Gemeinsamkeiten erkannt werden. Die Liebe zum Pferd verbindet Menschen über alle Länder und Kontinent hinweg. Und wegen der politischen Bedeutung hat der Bundespräsident gern die Schirmherrschaft übernommen, war aber verhindert, persönlich zu erscheinen. Statt seiner erschien stellvertretend Dr. Hermann Otto Graf Solms, Vizepräsident des deutschen Bundestages, und würdigte die Verdienste der Familie Meyer zu Bexten, deren Arbeit gerade in den Zeiten des Terrorismus besonders wertvoll sei. Ein Fernsehteam des WDR wurde für seinen Bericht über die German Friendships 2003 unter dem Gesichtspunkt der Nachwuchsförderung vor zwei Jahren ausgezeichnet (» Studio Bielefeld gewinnt Fernsehpreis). Vor vier Jahren erschien im Mindener Tageblatt ein Artikel über den Beruf des Pferdewirtes am Beispiel des Bexter Hofs unter der Überschrift: » Reiten als Beruf: Die Liebe zum Pferd reicht nicht aus. Ulrich Meyer zu Bexten macht darin klar, daß er höchste Ansprüche stellt und stellen kann, denn er beschäftigt zwei Lehrlinge und bekommt jährlich 40 Bewerbungen – er kann sich also aussuchen, mit wem er arbeiten will. Kein Wunder, denn solch einen Ausbildungsplatz findet man kaum noch einmal. Und wie die Dinge stehen, wird das auf absehbare Zeit auch so bleiben, denn Ulrich Meyer zu Bexten ist in den besten Jahren, und sein Sohn wird den Betrieb nicht nur fortführen, sondern sogar ausbauen. Wir werden also noch viel von dieser Familie hören, nicht zuletzt wegen der künftigen German Friendships, die inzwischen als absolut etabliert gelten dürfen. Davon zeugt auch die Liste der Sponsoren, die nicht nur lang, sondern vor allen Dingen auch exclusiv ist. Auf dem Bexter Hof habe ich zum erstenmal ein Exemplar der neuen S-Klasse von Mercedes gesehen und fotografiert, einen Tag bevor der » Spiegel darüber berichtete – aber dieses Auto war nur eines einer langen Schlange exklusiver Fahrzeuge, die hier auf dem Bexter Hof einem exklusiven Publikum präsentiert werden sollten. Denn der Reitsport hat seine Wurzeln zwar unter anderem im bäuerlichen Milieu, ist gleichzeitig aber auch hochexclusiv. Der Bexter Hof ist ein Bauernhof, der seinen Weg in die Welt gefunden hat. Dieser Weg war eigentlich erstaunlich kurz und wird von der » Chronik Reiterverein Herford in knappen und dürren Worten nachgezeichnet. Die German Friendships und im jährlichen Wechsel die » Bexter Hof Open, die im letzten Jahr erstmals durchgeführt wurden, positionieren das Unternehmen Meyer zu Bexten in einer Welt, die von Leuten mitbestimmt wird, die über sehr viel Geld verfügen. Wer im Reitsport Erfolg haben will, muß natürlich als Sportler hart arbeiten und viel von Pferden verstehen. Er braucht aber auch ein geeignetes Pferd, und Pferde, mit denen man gewinnen kann, sind naturgemäß teuer. Wenn man sich solche Pferde nicht selbst leisten kann, braucht man Sponsoren. Denn mit den Pferden allein ist es ja nicht getan. Der Aufwand für den Turnierbetrieb ist ganz erheblich. Um das zu erkennen, muß man nicht viel von der Sache verstehen. Man braucht sich nur den Fahrzeugpark, die Zeltanlagen oder den Personalaufwand anzuschauen, der für die German Friendships aufgewendet wurde. Daß Ulrich Meyer zu Bexten es mit seiner Familie geschafft hat, nicht nur sportlich in den ersten Rängen mitzumischen und sich als Turnierveranstalter zu positionieren, hat sicherlich auch mit den Ansprüchen zu tun, die der Chef seinen Lehrlingen gegenüber formuliert hat. Es hat aber ebenso mit den Freundschaften zu tun, die Ulrich Meyer zu Bexten durch seinen Sport und durch die internationalen Einsätze hat schließen können. Denn ein solches Unternehmen kann nur wachsen und gedeihen, wenn es in jeglicher Hinsicht und Richtung auf Unterstützung und Rückhalt zählen kann. Durch die German Friendships zeigen Ulrich Meyer zu Bexten und Frank Rothenberger, wie diese Freundschaften systematisch gestiftet und ausgebaut werden. Wer in die Ferne geht, erweitert seinen Horizont, er weitet sein Herz und sein Verständnis. Und wenn man die sportliche Verbissenheit durch entspanntes Miteinander auflockern kann, legt man den Grundstock für eine Beziehung, die ein Leben lang halten kann. Die Idee, international gemischte Teams gegeneinander antreten zu lassen, ist einfach grandios! Das sollte man auf andere Sportarten übertragen! |
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