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Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 332, erschienen am 07.08.2005

Magazin  Ausgabe 332
Pferde Europas
40 Pferderassen im Porträt

Vorwort: Martin Plewa, Leiter West. Reit- und Fahrschule
von Vaude, Mary-Gérard

Seiten: 192, Format: 24 x 27 cm, Ausstattung: gebunden, Schutzumschlag, Fotos: 275, vierfarbig

Kehl, 15.03.2005

RvR Agentur & Verlagsgesellschaft mbH

ISBN 9783938265017

EUR (D) 8, 49

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Rezension Rezension von

1
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 332
vom 07.08.2005
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Pferde Europas

40 Pferderassen im Porträt

Autor: Mary-Gérard Vaude

Vorwort: Martin Plewa, Leiter West. Reit- und Fahrschule

Ein wunderbar fotografierter Bildband, mit Texten von Mary-Gérard Vaude. Im ersten Teil werden 40 verschiedene Pferde- und Ponyrassen vorgestellt (Trakehner, Lippizaner, Englisches Vollblut, Friese, Shetland etc.), der zweite Teil ist Bildband, wie er schöner kaum sein kann. Fotografien, die die ungebrochene Faszination, die von Pferden ausgeht, bestechend einfängt.

192 Seiten, in sehr hochwertiger Ausstattung bieten ein hervorragendes Preis/Leistungsverhältnis.


Rückentext

Ein Pferd im Galopp – fließende, geschmeidige, elegante Bewegung.

Wer könnte sich dieser Faszination entziehen?

Die außergewöhnlichen Fotos dieses Bildbandes fangen diese Faszination ein.

Darüber hinaus stellen wir 40 der wichtigsten Pferderassen vor,

sodass hier sowohl Bildband als auch praktisches Bestimmungsbuch vorliegt.


» www.rvr-verlag.de




Kolumnen Rezension

Dieses Buch ist ein wunderbares Geschenk. In der letzten Woche habe ich mich gefragt, wer das vorgestellte Buch EquiVoX-Link Reiter-Knigge lesen will. Im nachhinein habe ich mir überlegt, daß es sich vermutlich im Buchhandel ganz gut verkauft. Wer nach einem Geschenk für einen Reiterfreund sucht, wird vielleicht nicht lange zögern und zugreifen. Das Titelbild verspricht Lesevergnügen.

Bei diesem Buch ist der Geschenkwert ungleich höher, obgleich ein Reiter vielleicht nicht unbedingt nach diesem Buch greifen wird, wenn er nach einem Geschenk sucht. Es ist preiswert, nicht teuer, und bietet sehr viele vorzügliche Fotos von einer Reihe Fotografen vornehmlich französischen Ursprungs, überwiegend vertreten von der Agentur » Optipress.

Der Autor ist, so darf man annehmen, ebenfalls Franzose, das Buch ursprünglich in Frankreich erschienen. Erstaunlich! Sonst werden solche Bücher in England produziert und ins Deutsche übersetzt. Nun also einmal ein Buch aus Frankreich. Die Originalausgabe ist vom Regionalrat der Champagne-Ardenne unterstützt worden. Also müssen auch die Ardenner gebührend gewürdigt werden.

Die Ardenner sind denn auch in der Liste der "40 wichtigsten Pferderassen" enthalten:

  1. Isländer
  2. Fjordpferd
  3. Shetland-Pony
  4. Clydesdale
  5. Highland-Pony
  6. Connemara-Pony
  7. Dartmoor-Pony
  8. New-Forest-Pony
  9. Englisches Vollblut
  10. Shire Horse
  11. Welsh-Pony
  12. Oldenburger
  13. Friese
  14. Trakehner
  15. Furioso
  16. Shagya-Araber
  17. Haflinger
  18. Noriker
  19. Lipizzaner
  20. Freiberger
  21. Anglo-Araber
  22. Ardenner
  23. Boulogner-Pferd
  24. Bretoner-Pferd
  25. Camargue-Pferd
  26. Cob Normand
  27. Comtois
  28. Mérens-Pferd
  29. Percheron
  30. Selle Français
  31. Trait du Nord
  32. Poitevin
  33. Französischer Traber
  34. Maremmano
  35. Pottock
  36. Andalusier
  37. Altér-Real
  38. Lusitano
  39. Achal-Tekkiner
  40. Appaloosa
  41. Araber
  42. Berber
  43. Quarter Horse
Wie man sofort erkennt, ist diese Liste keineswegs repräsentativ. Sie ist extrem frankreichlastig. Von den 43 Rassen stammen 13 aus Frankreich (30%), 9 aus England (hauptsächlich Ponies, 21%), 4 kann man Österreich zurechnen, 3 Spanien, und nur 2 Deutschland. Das muß einem Pferdeliebhaber, zumal einem deutschen, mißfallen, verzerrt es doch das Bild ganz erheblich und straft den Anspruch des Titels ("Pferde Europas") Lügen.

Wie ich in meiner Serie über die Zuchtziele des internationalen Sports dargelegt habe (Ausgaben EquiVoX-Link 304, EquiVoX-Link 305, EquiVoX-Link 306, EquiVoX-Link 307, EquiVoX-Link 308), sind deutsche Pferderassen international führend. Die beiden stellvertretend aufgezählten deutschen Rassen Oldenburger und Trakehner gehören noch nicht einmal zur engeren Spitzengruppe. Mit anderen Worten: Die sportlich gesehen wichtigsten Rassen fehlen in diesem Buch.

Gesamtwertung Stutbücher
 
Nr.NameVielseitigkeitDressurSpringenGesamt
1Verband Hannoverscher Pferdezüchter e.V. (HANN)5139
2Koninklijk Warmbloed Paardenstamboek Nederland (KWPN)112114
3Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V. (HOLST)87419
4Westfälisches Pferdestammbuch e.V. (WESTF)103821
5Studbook Francais du Cheval Selle Francais (SF)218222
6Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes e.V. (OLDBG)144523
7Swedish Warmblood Association (SWB)96924
8Belgisch Warmbloedpaard v.z.w. (BWP)1212630
9Verband der Züchter und Freunde des Ostpreussischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung e.V. (TRAK)382031
10Landesverband bayerischer Pferdezüchter e.V. (BAVAR)1691035

EquiVoX-Link Gesamtwertung

Kann man das als Vorwurf gelten lassen? Es kommt immer darauf an, was man von einem Buch erwartet, und was man mit dem Buch bezweckt. Amazon bringt eine wohlwollende Kritik von jemandem, der der "Faszination Pferd" erst durch dieses Buch erlegen ist (» Wunderbare Bilder, einfühlsame Texte). Immerhin hat auch dieser Rezensent erkannt, daß "die Rassen nur im Ausschnitt und damit unvollständig" dargestellt werden.

Immerhin vergibt er fünf Sterne. Er hebt hervor, daß letztendlich die Bilder den Reiz des Buches ausmachen; er habe selten so schöne Detail aufnahm und Charakterstudien gesehen. Das zeigt mir erneut, daß sich dieser Rezensent mit Pferden bisher noch nicht intensiv beschäftigt hat. Diese Bilder sind schön, zweifellos, aber nicht schöner als in vielen anderen Büchern auch. Weil ihm die Bilder so gut gefallen, meint er, der Fotograf habe einen "extra Preis" verdient. Wenn es denn ein Fotografenbuch wäre...

Das kennen wir nämlich: Bücher von Fotografen, genauso hervorragend aufgemacht, durch eigene oder fremde Texte illustriert. Oder Bücher eines Autors, der viel zu Pferden zu sagen hat, und seine Texte adäquat illustrieren läßt, falls nicht anders möglich, von mehreren Fotografen. Dann ist es aber das Buch des Autors, die Fotos spielen eine nebensächliche Rolle, sind Illustrationen zum Text.

Dieses Buch erscheint unter dem Namen des Autors, und ist von einer Vielzahl von Fotografen illustriert, dürfte demnach zur zweiten Sorte gehören. Der Rezensent Thorsten Wiedau, der zur Gruppe der "Top 10 Rezensent" gehört (432 Rezensionen, freier Journalist, rezensiert aus Leidenschaft gern), hebt die einfühlsamen Texte der Autorin hervor. (Meines Erachtens muß es sich um einen männlichen Autor handeln.)


Dieses Bild füllt die linke Seite


KRUPPE


   Kruppe ist ein altfränkisches Wort und bedeutet Hinterteil. Nur
Engherzige bescheren dieser edlen Körperkuppel ein Schattenda-
sein. Besser noch als die liebreizende Venus verleiht ihm das Pferd
eine Stattlichkeit, die jedem Wappenschild zur Ehre gereichte.

   Die Kruppe ist der hintere Teil des Pferdes von der Lende bis zum
Schweifansatz. Ich erinnere mich an die Kaltblüter meines Onkels
auf dem Land. Es waren Ardenner. Als Kind kamen sie mir riesig
vor. Und wenn er mich ein paar Augenblicke auf den Rücken dieser
ruhigen Tiere setzte, mit klopfendem Herzen und gespreizten Bei-
nen, die zarte Kinderhaut auf kratzigem Rosshaar, hütete ich mich,
seine Hand loszulassen. Ich fühlte mich nicht nur hoch oben wie
auf einem Heuwagen, sondern befürchtete, dass dieses bebende Mo-
nument sich in Bewegung setze und mich mitrisse, wie eine Welle.
Und als ich neben dem Onkel stehend auf dem leeren, noch Mist-
geruch ausdünstenden Karren zum Hof zurückfuhr, sah ich die
Kruppe vor mir, prall, breit und glänzend. In ihrer Mitte hüpfte
ein kleiner Stummelschwanz auf und ab wie eine Zirkustroddel.
Dieses Bild sehe ich bis heute vor mir.

   Da dachte ich, den Schwaden der Pferdeäpfel nachschnuppernd,
dem Geruch der Stute, im Ohr das Gerumpel des Wagens, das
Quietschen der Holzplanken und das Knirschen der großen eisen-
beschlagenen Räder, es könne nichts Schöneres auf der Welt geben
als eine solche Spazierfahrt.

   Als wir in den Hof einfuhren, stolz wie Spanier, lachten wir über
die auseinander stiebenden Hennen, den Hahn im Sonntagsstaat,
die Truthähne, schwarz wie Strafrichter, die unter ihrem bauschigen
Federkleid armselige kleine Bürzel verbargen – eine Art Cul-de-
Paris, kläglich im Vergleich zu den satten Rundungen der Kruppe.

   Die Kruppe, üppig, sinnlich, blühend. Eros konnte nicht umhin,
sich dieser prachtvollen Rundung anzunehmen. Zwar bleibt das un-
vergleichliche Körperteil dem Pferd eigen, aber es ist durchaus eh-
renvoll, auch das entsprechende Attribut der Frau mit diesem pral-
len Wort zu belegen. Und die Liebe geht damit durch, verzückt und
zügellos.


Seite 65

Ich fürchte, der Reiterfreund, dem wir dieses Buch schenken, wird diese Texte anders beurteilen. Sie sind vielleicht poetisch, sie mögen etwas über den Autor verraten, aber wen interessiert das? Die Texte sind ganz offensichtlich nicht eigenständig in dem Sinne, daß die Texte alleine das Buch ausmachen und durch die Fotos illustriert werden müßten. Eher ist es andersherum: Die Bilder stehen für sich, die Texte sind gelegentlich eingestreut, damit der Leser auch etwas zu lesen hat, aber eigentlich sind die Texte entbehrlich. Sie geben höchstens demjenigen etwas, der, wie der zitierte freie Journalist, mit Pferden nichts zu tun hat.

So ist dieses Buch also weder ein Fotografenbuch noch das Buch eines Pferdemannes, das besonders schön und opulent illustriert ist. Das Buch ist ein Verlegerbuch. Es ist geboren aus der Idee, daß man so etwas gut verkaufen kann. Und zwar nicht unbedingt an die Leute, die etwas von der Sache verstehen, sondern an Leute, die romantisch davon träumen.

Der Verleger hat also eine Idee, aber, obwohl es das auch gibt, im Regelfall ist der Verleger kein Autor und kein Fotograf. Aber davon gibt es ja genug, nicht wahr? Also stellt man schöne Fotos zusammen und beauftragt jemanden, dazu etwas zu schreiben, auf daß ein schönes Buch herauskomme, das möglichst viele Leute kaufen wollen. Kein Problem. Und weil dieses Konzept mit der Sache selbst gar nichts zu tun hat, kann man so etwas gleich in Serie produzieren.

Von diesem Autor findet man aus demselben Verlag noch das Buch » Bäume Europas und das Buch » Esel Europas, das allerdings erst noch erscheinen wird. Wenn ich Verleger wäre, würde ich bei entsprechendem Erfolg voll auf die Tube drücken und den Markt mit Titeln wie "Hunde Europas", "Katzen Europas", "Rosen Europas", " Schmetterlinge Europas" usw. überschwemmen. Aber auf die Idee kommt der Verleger von alleine.

Wenn dieses Buch auch für den Reiterfreund nicht ganz so interessant ist: Die Bilder sind natürlich allemal schön, das Buch repräsentativ, in dieser Hinsicht also ein viel würdigeres Geburtstagsgeschenk als EquiVoX-Link Reiter-Knigge, und der Preis ist absolut in Ordnung. Wenn das also kein Erfolg wird!

Pascal Commére hat ein langes Vorwort geschrieben, das als solches nicht recht erkennbar ist. Er soll zwanzig Bücher veröffentlicht haben, wird bei Amazon aber nicht geführt. Google weiß natürlich mehr: Er ist Schriftsteller. Sein Vater war Jockey, also hat er etwas mit Pferden zu tun.

Martin Plewa, der Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule e.V. in Münster, hat noch ein Vorwort beigesteuert, das auf das Buch nicht Bezug nimmt und wie folgt schließt:

Jedem Leser dieses Buches, jedem Betrachter der großartigen Bilder sei es gewünscht, sich dabei von dieser Faszination für das Pferd anstecken zu lassen.

Womit er wohl auch sagen will, daß diejenigen, die bereits angesteckt sind, auf dieses Buch verzichten können. Dem würde ich mich nicht anschließend wollen. Man kann gar nicht genug Bücher mit wunderbaren Pferdebildern besitzen. Jedes einzelne schult das Auge und beflügelt die Phantasie, weckt Gefühle, hilft das Verhältnis zum Pferd zu vertiefen und zu differenzieren. Es reicht ja nicht, mit dem Pferd umzugehen, man braucht auch ab und zu den Abstand und die Reflexion. Gerade für die dunklen Wintertage ist dieses Buch ein willkommener Anlaß, sich dem Thema Pferd über das Auge zu nähern. Vielleicht schenken Sie sich selbst ein Exemplar?
Lesermeinung

08.08.2005

[...]

Was das neue Buch anbelangt, so gebe ich dir Recht, allerdings möchte ich noch stärker hervorheben, wie schlimm ich diesen scheinbar poetischen Text bezüglich der Kruppe finde!

Wenn man wie ich erlebt hat, wie so perverse Schweine Stuten umbringen, indem sie sie mit irgendwelchen Gegenständen brutal vergewaltigen, dann kann ich an so einem Text nichts Poetisches und Schönes sondern nur etwas Abartiges erkennen. Ein, zwei diesbezügliche harmlose Sätze würde ich ja nicht tragisch nehmen, aber das ist ja schon ein richtiger Ansporn für perverse Pferdeschänder! Wie sich so manche Frau bei dem Vergleich fühlt, möchte ich ja gar nicht wissen, obwohl dies ein Punkt ist, der mich persönlich weniger stört, da man ja von den meisten Männern irgendwann mal als geile Stute bezeichnet wird und dies wohl als Kompliment werten sollte.

[...]



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