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Presseinfos News: Susanne Hennig

Editorial   Magazin Magazin, Ausgabe 331, erschienen am 31.07.2005

Magazin  Ausgabe 331
Werner Popken
Editorials  Editorial

Hoax



Was ist ein Hoax? » LEO übersetzt es mit "Jux, Schabernack, Scherz, jmdm. einen Bären aufbinden, jmdm. etwas weismachen, foppen, narren, jmdn. zum Besten haben, jmdn. zum Besten halten".

Die Wikipedia-Link» Wikipedia ist etwas ausführlicher und arbeitet heraus, daß dieses englische Wort im Deutschen eine spezielle Bedeutung angenommen hat. Deshalb ist es als neuer Begriff in die deutsche Sprache aufgenommen worden, weil es etwas bezeichnet, was es in dieser Form früher nicht gegeben hat, weshalb ein neues Wort dafür geprägt werden mußte:

Ein Hoax (englisch für Jux, Scherz, Schabernack; auch Schwindel) bezeichnet im Deutschen eine Falschmeldung, die sich per E-Mail verbreitet, von vielen für wahr gehalten und daher an viele Freunde weitergeleitet wird. Das Wort kommt wahrscheinlich aus der Verkürzung von 'Hokus' aus 'Hokuspokus'. Ein Hoax kann auch als moderne Form der Zeitungsente betrachtet werden.

Ältestes Beispiel ist der sogenannte Good-Time-Virus, eine angebliche E-Mail, die beim Öffnen die Festplatte löscht. Die Warnung vor diesem "Virus" verbreitete sich 1994 millionenfach über E-Mail und wurde auch von vielen Zeitungen und Fachinstitutionen veröffentlicht. Die damals vermeintliche Gefahr durch Viren, die sich per E-Mail verbreiten, wurde allerdings erst Jahre später Wirklichkeit, beispielsweise durch Loveletter.

Bekannte Beispiele sind die angebliche Möglichkeit, Teile der Rundfunkgebühren von der GEZ zurückerstatten zu lassen, sowie die Bonsai-Katzen.

Auch Kettenbriefe, die per E-Mail weitergeleitet werden, können zu den Hoaxes gezählt werden, denn hier existiert selten ein realer Hintergrund, der die Verbreitung rechtfertigen würde.

Im erweiterten Sinn kann ein Hoax auch als Computervirus betrachtet werden, der sich durch Social Engineering fortpflanzt. Insbesondere gab es auch schon Hoaxes mit Schadroutinen, die den Benutzer aufforderten bestimmte Dateien zu löschen, da es sich um Viren handle, Beispiel SULFNBK.EXE und JDBMGR.exe (der Teddybärenvirus). Da es sich jedoch um eine notwendige Systemdatei unter Windows handelt, schädigt der Benutzer sein eigenes System.

Während ein Hoax meist nur erschrecken möchte, eignet sich sogenanntes Phishing zum Betrug.
Wikipedia-Link» Hoax



Leukämie

Warum ich damit mein Editorial in dieser Woche eröffne? Weil ich eine typische E-Mail von einer Person erhalten habe, die ich als sehr seriös einschätze:

Fw: Bitte wenigstens weitersenden (fwd)

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch wir möchten uns dem am Ende dieser Mail genannten Anliegen nicht verschließen und hoffen daher auf Ihre Billigung, dass wir auch an Sie diese Mail weiterleiten. Vielleicht findet sich so ein Spender mit der gewünschten Blutgruppe.

Nutzen wir hier einmal die positiven Aspekte der neuen Medien, um den Appell innerhalb kürzester Zeit möglichst vielen Menschen bekannt zu machen.

Mit den besten Wünschen für eine schöne Sommerwoche

Ich wende mich an Euch, weil ich ziemlich verzweifelt bin. Ich hoffe, Ihr
könnt mir und meiner Freundin helfen, und lest diesen Brief! Das Problem
ist, dass meine Freundin an Leukaemie erkrankt ist.. Es hat sich
herausgestellt, dass Sie nur noch wenige Wochen zu leben hat. Aus diesem
Grund seid Ihr meine letzte Chance ihr zu helfen. Wir benoetigen dringend
eine/n Spender/in mit der Blutgruppe "AB Rhesus negativ" !!!!, der/die
bereit waeren, ggf. Knochenmark zu spenden. Dies ist fuer Euch nur ein
kleiner ärztlicher Eingriff, kann aber meiner Freundin zu Leben verhelfen.
Wenn jemand diese Blutgruppe hat, möchte er/sie sich doch bitte mit mir in
Verbindung setzen. Alles weitere besprechen wir.

Sendet bitte diesen Brief an alle, die Ihr kennt!!!
Fragt in eurem Bekanntenkreis nach!!!!!
Ich danke Euch fuer Eure Hilfe!!!




Guter Glaube

Mir war natürlich sofort klar, daß es sich um einen Hoax handelt – erstens habe ich so etwas früher schon bekommen und zweitens erkennt man diese Art Scherz schnell, wenn man erst einmal begriffen hat, daß die Welt der E-Mails genauso doppeldeutig und unergründlich ist wie die übrige Welt.

Einen kurzen Moment habe ich überlegt, ob ich aufklärend tätig werden soll, habe diesen Gedanken aber schnell verworfen, denn ich habe mir früher schon genug Ärger damit eingehandelt. Wer will schon gern belehrt werden, daß er reingelegt worden ist? Jemand anders hat diesen Liebesdienst erbracht; am nächsten Tag erhielt ich eine weitere E-Mail von derselben Person:

Übler Scherz – Kettenmail – Hoax

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider sind wir gestern einem üblen Scherz aufgesessen.

Zum Glück haben uns inzwischen einige der Empfänger darüber aufgeklärt, dass es sich hier um eine Kettenmail handelt, in welcher ein alter Aufruf mißbraucht wird (sog. Hoax).

Bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie damit behelligt haben. Wir waren guten Glaubens und haben nicht vermutet, dass auch mit solchen Aufrufen Mißbrauch getrieben wird.

Wenn Sie weitere Infos möchten und sich in Zukunft vor entsprechenden Mails schützen möchten bzw. sichergehen möchten, dass es sich nicht um eine mißbräuchliche Kettenmail handelt, dann schauen Sie unter dem u.g. Link nach, der uns freundlicherweise von Herrn Zimmer von Wer liefert was GmbH zur Verfügung gestellt wurde:

» www.tu-berlin.de

Wir werden künftig vor Weiterleitung irgendwelcher ähnlicher Mails hinreichend Information einholen, so dass Sie nicht befürchten müssen, in Zukunft von uns noch einmal eine solche Spam-Mail zu erhalten.


Members Support

Nobel! Ich war sehr beeindruckt! Das alles wäre aber höchstens eine Anekdote; leider wurde die Sache für mich ein bißchen unangenehmer. Ich weiß nicht, ob sonst noch jemand diese Art E-Mails bekommen hat, aber ich fand sie schon ziemlich perfide.

Members Support

Dear Pferdezeitung Member,

We have temporarily suspended your email account m_red  » redaktion@pferdezeitung.com.

This might be due to either of the following reasons:

1. A recent change in your personal information (i.e. change of address).
2. Submiting invalid information during the initial sign up process.
3. An innability to accurately verify your selected option of subscription due to an internal error within our processors.
See the details to reactivate your Pferdezeitung account.

Sincerely, The Pferdezeitung Support Team

+++ Attachment: No Virus (Clean)
+++ Pferdezeitung Antivirus –  www.pferdezeitung.com


No Virus (Clean)

Diese E-Mail ist komplett in englisch, also schon deshalb unglaubwürdig, zumindest wenn man weiß, daß die Pferdezeitung normalerweise nicht englisch publiziert und schon gar nicht auf englisch mit ihren Lesern kommuniziert. Immerhin ist das Englisch einigermaßen korrekt. Viele derartige E-Mails strotzen ja vor Fehlern. Aber trotzdem ist diese E-Mail beunruhigend. Hier versucht jemand als seriöser Ansprechpartner der Pferdezeitung aufzutreten. Um diesen Anspruch zu unterstreichen, wird am Schluß beteuert, diese E-Mail sei auf Viren geprüft und für einwandfrei befunden worden.

Als Absender ist "m_red  » service@pferdezeitung.com" angegeben worden, der Empfänger ist "m_red  » redaktion@pferdezeitung.com". Wer macht so etwas? Die E-Mails haben sogenannte Header, und in vielen E-Mailprogrammen kann man sich diese anzeigen lassen. Man kann aus den so erschlossenen Informationen unter Umständen schließen, welchen Weg diese E-Mail genommen hat. In diesem Fall kommt die E-Mail aus Frankreich, wie man an der Endung ".fr" erkennen kann:

Received: from pferdezeitung.com (i03m-212-195-219-83.d4.club-internet.fr [212.195.219.83])

Die Botschaft lautet: Man selbst habe irgend etwas Dummes getan und deshalb sei das E-Mail-Konto deaktiviert worden. Einzelheiten möge man bitte aus der Anlage entnehmen. So fängt man Dumme! Die Anlage ist natürlich irgend etwas, was einen in Schwierigkeiten bringt. Aber es kommt noch besser:


Passwort

Dear user redaktion,

You have successfully updated the password of your Pferdezeitung account.

If you did not authorize this change or if you need assistance with your account, please contact
Pferdezeitung customer service at: m_red  » administrator@pferdezeitung.com

Thank you for using Pferdezeitung!
The Pferdezeitung Support Team

+++ Attachment: No Virus (Clean)
+++ Pferdezeitung Antivirus –  www.pferdezeitung.com


Derselbe Absender versucht den gleichen Trick in einer leichten Abwandlung. In diesem Fall behauptete er, der Empfänger habe sein Passwort geändert. Falls dies nicht der Fall sei, möge er bitte nachfragen. Anlage: password.zip, eine komprimierte Datei, die glauben machen möchte, das darin das Passwort verborgen sei. Diese Art von E-Mails habe ich übrigens aus der Schweiz bekommen:

Received: from pferdezeitung.com (62.167.140.57) by mail-ms.sunrise.ch (7.0.043)
id 42534E69004FA371 for m_red  » nwp@pferdezeitung.com; Wed, 27 Jul 2005 23:18:26 +0200
Message-ID: <m_red  » 42534E69004FA371@mta-ms-be-03.sunrise.ch> (added by m_red  » postmaster@sunrise.ch)




Passwortänderung

Nun mußte ich leider in dieser Woche tatsächlich sämtliche Passwörter ändern; durch die Änderung konnte niemand mehr automatisch legitimiert werden, was allgemein von den Lesern der Pferdezeitung sehr geschätzt wird. Dadurch war abzusehen, daß eine Menge Leute verwirrt bis verärgert sein würden, auf jeden Fall würde viel Zeit und Energie verschwendet werden, und um das zu vermeiden und den Lesern Arbeit zu ersparen (denn sonst hätten sie das Passwort erst anfordern müssen), habe ich allen E-Mailadressen das neue Passwort zugeschickt.

Angesichts übler Scherze der geschilderten Art wundert es nicht, wenn jemand darauf zurück schreibt:

Pferdezeitung.com Status

Guten Morgen Herr Popken,

heute morgen erhielt ich eine E-Mail mit der Bitte mich neu bei der Pferdezeitung zu legitimieren.

Kommt diese E-Mail wirklich von Ihnen oder von einem Hacker, der nur meine Daten möchte?

Diese E-Mail kam wirklich nur von mir, sie enthielt keinerlei Anlagen, sondern nur Text, wie das bei Systemnachrichten der Pferdezeitung immer der Fall ist. Also garantiert keine Gefahr! Die E-Mail enthielt einen Link, der automatisch für das neue Passwort legitimierte. Man mußte das neue Passwort also gar nicht kennen. Diese Technik gefällt mir gut.


Schreibfehler

Noch eine E-Mail als Reaktion auf mein Schreiben:

Hallo Her Popken, mir ist gerade aufgefallen, dass die Deckanzeigen nicht mehr hochladen, und einige komische Schreibfehler auf der Seite sind pfeeeeeerde zum beispiel. ich hoffe sie bekommen das wider in Ordnung

Tja, da bekam ich einen roten Kopf:

Das ist ein kleiner Scherz von mir! Sie kennen doch sicherlich die Gooooooooogle-Anzeigen, und nach diesem Muster habe ich die Pfeeeeeeeeeeerde-Anzeigen gestaltet... der Streifen unterhalb der Anzeige war zunächst auch mit Google-Farben gestaltet, wodurch man den Link auf die Pfeeeeeeeeeeerde-Anzeigen nur schlecht gesehen hat. Gestern Abend habe ich diese Farben stark zurückgenommen, und dadurch kommt der Text zur Geltung – was ja meiner Absicht entsprach. Aber eigentlich ging es mir mehr darum, die knalligen Farben herauszunehmen. Das stört das Auge jetzt nicht mehr so.

Die Sache mit den Deckanzeigen war wieder mysteriös; ähnlich wie am Sonntag vor einer Woche funktionierte etwas im lebenden System nicht, was auf der Entwicklungsmaschine einwandfrei arbeitete. Da das lebende System eine Kopie eines funktionierenden Zustands auf der Entwicklungsmaschine ist, ist ein solches Phänomen unerklärlich. Aber natürlich hat es keinen Sinn, darüber lange zu rätseln; die Sache muß eingegrenzt und repariert werden. Verglichen mit den Problemen am vergangenen Sonntag war dieser Schaden minimal.


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