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Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 330, erschienen am 24.07.2005

Magazin  Ausgabe 330
Reitlehre

von Müseler, Wilhelm / von Ziegner, Kurd A.

176 Seiten, 2 sw-Abbildungen, 60 Farbabbildungen, 44 Zeichnungen, gebunden

Cham, 2005, 47. Auflage

Müller Rüschlikon

ISBN 9783275015139

EUR (D) 24, 90

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Rezension Rezension von

111
Autorenhinweise m_red  » Eberhard Hübener

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 330
vom 24.07.2005
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Reitlehre

Müselers Reitlehre aus dem Jahr 1933 gilt als zeitloser Klassiker. Sie trägt seit Jahrzehnten dazu bei, die Kunst des Reitens verständlich zu machen und wichtige Grundlagen zur Ausbildung von Reiter und Pferd zu vermitteln. Im Vordergrund steht für Müseler, dass Reiter ein Gefühl für das entwickeln, was sie auf dem Pferd tun. Die Erklärungen Müselers waren jedoch teilweise missverständlich und führten zu Diskussionen. In dieser überarbeiteten Neuauflage werden solche Aussagen aufgegriffen und in Fußnoten aus heutiger Sicht kommentiert. Das Buch ist optisch komplett modernisiert und mit neuem Bildmaterial ausgestattet.

Informationen zu Wilhelm Müseler:
Wilhelm Müseler, geboren 1887, erhielt eine militärische Reitausbildung und war als talentierter Springreiter für die Olympiade 1915 vorgesehen. Für ihn war die dressurmäßige Gymnastizierung des Pferdes Grundlage für alle weiteren Disziplinen, insbesondere für die Vielseitigkeit und für Jagden. Während des Ersten Weltkriegs gründete Müseler den Parforce Club Berlin. Er setzte sich sehr für den akademischen Reitsport ein.

Inhalt des Buches:

1. DIE AUSBILDUNG DES REITERS
Wie lernt der Reiter sitzen?
Die Balance
Die Losgelassenheit
- Wie lernt der Reiter in die Bewegung des Pferdes eingehen?
Der richtige Einsatz des Kreuzes
- Beiderseitiges Anziehen des Kreuzes (Vorschieben beider Gesäßknochen)
- Einseitiges Anziehen des Kreuzes (Vorschieben nur eines Gesäßknochens)
Wie lernt der Reiter fühlen?
Wie lernt der Reiter einwirken?
Die Einwirkungen mit den Schenkeln
- Die Schenkellage
- Bügelhaltung
- Lage des Knies
- Knieschluss
- Die Fußspitzen
Die Einwirkungen mit dem Gewicht
- Der Sitz im Gleichgewicht
- Das Gleichgewicht in der Bewegung vorwärts
- Einwirkungen mit dem Gewicht, vorwärts und rückwärts
- Das Gleichgewicht in der Bewegung seitwärts
- Einwirkungen mit dem Gewicht seitwärts
Die Einwirkungen mit den Zügeln
Die Einwirkungen mit dem Kreuz 4
Wie lernt der Reiter sein Pferd zu fördern?

2. DIE AUSBILDUNG DES PFERDES
Das Verhalten des Pferdes
Der Zweck der Ausbildung des Pferdes
Die Grundanschauungen über Dressur
Der Verlauf der Dressur
Das erste Stadium der Dressur
- Die Gewöhnung des ungerittenen Pferdes an das ungewohnte Reitergewicht
Das zweite Stadium der Dressur
- Das Pferd an die Hilfen stellen
- Was wird unter an die Hilfen stellen verstanden?
- Wie sieht ein Pferd aus, das an den Hilfen steht?
- Wie fühlt der Reiter, ob sein Pferd an den Hilfen steht?
- Wie fühlt der Reiter, ob sein Pferd völlig losgelassen ist?
- Wie fühlt der Reiter, ob sein Pferd an Schenkel und Kreuz steht?
- Wie fühlt der Reiter, ob sein Pferd am Zügel steht?
- Wie fühlt der Reiter, ob sein Pferd im Gleichgewicht geht?
- Wann ist das Pferd gerade gerichtet?
- Wie wird ein Pferd an die Hilfen gestellt?
- Das An-die-Hilfen-Stellen des gerittenen Pferdes
- Das An-die-Hilfen-Stellen des ungerittenen Pferdes
- Das An-die-Hilfen-Stellen des verrittenen Pferdes
- Scheuen
- Steigen 77
- Durchgehen
- An die Wand drücken
- Kleben
- Wie werden Untugenden korrigiert?
- Wie lehrt man ein verrittenes Pferd den treibenden Einwirkungen zu gehorchen?
- Weshalb und wie wird das verrittene Pferd in Stellung gearbeitet?
- Weshalb und wie wird dem verrittenen Pferd der Weg in die Tiefe gezeigt?
- Wie findet das verrittene Pferd den Zügel in der Tiefe?
- Hat das Pferd von sich aus den Zügel angenommen, wird es durch halbe Paraden aufgenommen
- Fragen, Zweifel und Fehler beim Korrigieren
- Was wird unter In-Haltung-Reiten verstanden?
- Der umgekehrte Fehler: Lange Hälse
Das dritte Stadium der Dressur
- Versammlung und Aufrichtung
- Gebrauchshaltung
- Dressurhaltung
- Selbsthaltung

3. DIE LEKTIONEN
Lösende Übungen zur Förderung der Losgelassenheit
Versammelnde Übungen zur Förderung des Gehorsams
Die Hilfen zum Anreiten, Antraben und die Paraden
Rückwärtsrichten
Schritt und Trab
Stellung und Biegung
Die Wendungen auf der Stelle
- Die Wendungen auf der Vorhand
- Die Wendungen auf der Hinterhand
Die Wendungen im Gang
- Kurz-Kehrt-Wendung
- Zirkel verkleinern und Zirkel vergrößern
Angaloppieren
Der Galopp
Abbiegen und Abbrechen
Das Reiten auf zwei Hufschlägen

4. FORTBILDUNG VON REITER UND PFERD
Das Reiten in der Bahn
- Die Hufschlagfiguren
Das Reiten im Gelände
- Der leichte Sitz
- Das Bergauf- und Bergabreiten
Das Springen
- Die Ausbildung des Pferdes zum Springen
- Das Anreiten gegen das Hindernis
- Das Verhalten im Sprung selbst
- Fehler des Pferdes beim Sprung
- Der Rumpler
- Das Landen
Das Turnierreiten
Das Jagdreiten

5. AUSRÜSTUNG VON REITER UND PFERD
Ausrüstung des Reiters
Ausrüstung des Pferdes
- Sattel und Zäumung
- Hilfszügel
- Bandagen
- Beschlag
Hilfsmittel bei der Ausbildung
- Stimme
- Longe
- Bodenricks
- Bocken

Rückentext des Buches:

Wilhelm Müseler gilt als der Klassiker unter den deutschen Reitlehrern, und seine Reitlehre aus dem Jahr 1933 zählt zu den bekanntesten und meistgelesenen Pferde-Sachbüchern. Seit Jahrzehnten trägt sie dazu bei, die Kunst des Reitens und wichtige Grundlagen für die Ausbildung von Reiter und Pferd zu vermitteln. Auch heute noch haben Müselers Aussagen nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Das Bemerkenswerte an dieser Reitlehre ist, dass sie Regeln aufstellt, aber keine Dogmen setzt, denn »Ausprobieren« und »Üben« sind Wilhelm Müselers Maximen. Sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Reiter stellt sie die unerlässliche theoretische Voraussetzung dar.

Im Vordergrund steht für Müseler, dass Reiter ein Gefühl für das entwickeln, was sie auf dem Pferd tun, und dieses Gefühl lässt er seine Schüler immer wieder überprüfen. Bei dem Versuch, das Reitgefühl zu beschreiben, drückte Müseler sich in einigen Bereichen missverständlich aus. In dieser überarbeiteten Auflage werden deshalb einige solcher Aussagen, die missverstanden wurden, aufgegriffen und in Fußnoten aus heutiger Sicht kommentiert.

Die Reitlehre wurde optisch komplett modernisiert und mit neuem Bildmaterial ausgestattet.

» www.paul-pietsch-verlage.de




Kolumnen Rezension

Seine Methode war einfach, aber genial: Halt Dich an die
Grundlagen und arbeite ununterbrochen daran, bis Du sie
perfekt beherrschst. Ich habe diese Lektion nie vergessen.
John Grisham (in Der Coach)




Wiedergeburt eines deutschen Reitlehr-Klassikers?

Müller Rüschlikon hat "Den Müseler" in 47ster (!) Auflage neu auf den Markt gebracht.

Wilhelm Müselers "Reitlehre" war in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dank ihrer neuartigen Skizzen- und Fotofolgen eines der modernsten Sachbücher für reitende Jedermanns schlechthin, und geeignet für fast jede Altersgruppe. Auf die [Heeres-] Reitvorschrift gestützt, war sie auch fachlich fundiert. Für die Gebrauchsreiterei ist sicher nie eine bessere Reitlehre geschrieben worden. Den lobenden Geleitworten zweier Olympioniken für den Klassiker ist somit nichts hinzuzufügen. Auch ein renommierterer Bearbeiter des Werkes wäre wohl kaum denkbar.

Eine Buchbesprechung im eigentlichen Sinn erübrigt sich somit.

Drei Bemerkungen zur Gestaltung der Neuauflage scheinen nach erstem Durchblättern jedoch angezeigt:

(a) dürfte die Leser in unserem extrem zeitaufwendig gewordenen "Sport" empfindlich stören, daß ein für rasches (Wieder-) Nachschlagen erforderliches Namen- und Sachregister fehlt. (Frühere Auflagen besaßen ein sehr zuverlässiges mit rund vierhundert Stichworten!)

(b) werden Ausbilder, die jungen Reitern die Bedeutung ständiger Perfektionierung der Grundlagen als Voraussetzung für Reiten über Hindernisse in vollendeter Harmonie mit dem Pferd (und bei geringstmöglichem Unfall-Risiko!) zu vermitteln suchen, über die jetzige Foto-Auswahl fürs Parcoursspringen entsetzt sein. Mit solchen Bildern herausragender Individual-Artistik mit Olympia-Glamour werden junge Reiter sicher nicht für intensive Arbeit an sich selbst gewonnen.

(c) ist kein Autor allwissend, selbst Müseler war es nicht. Im Bemühen, dem Leser auch den Begriff "Kreuzanspannen" mit einer seiner überzeugenden Skizzenfolgen zu erklären, unterlief ihm ein verhängnisvoller Irrtum, der Generationen deutscher Reiter in die Irre führte, in eine Einbahnstraße, die sehr oft in "vorne knebeln, hinten bolzen" mündet:

Für die Autoren der [Heeres-] Reitvorschrift war "das Kreuz" die Wirbelsäule oben im Bereich des Schultergürtels. Dorthin lud man sich z. B. einen Sack Hafer, wenn man ihn vom Lager in die Futterkammer tragen wollte. In der Anatomie nennt man aber die vier am unteren Ende der Wirbelsäule fest zu einem Knochen verwachsenen Wirbel "Kreuzbein". So rutschte den deutschen Reitern das Kreuz in die Hose. Denn dort wollten Müselers Skizzenfolgen vom "Kreuzanspannen" die Position des Reiter-Beckenringes per Muskelkraft verändern und "feststellen".

Heute ist denkenden Reitern längst wieder klar, daß wir den Beckenring unter keinen Umständen je blockieren dürfen, daß wir im Gegenteil mit dem Beckenring allen Bewegungen des Pferderückens folgen müssen, um für Pferd und Reiter angenehm zu sitzen, um zu "fühlen", um einen Zeitgeber für die gesamte Hilfengebung zu finden, und um vom "selbsttätigen Schenkel" (nur bei Bedarf!) im allein sinnvollen Moment Gebrauch machen zu können.

Das "stärker angezogene Kreuz" entsteht nicht per Kraft und durch Nach-hinten-Neigen des Oberkörpers, sondern durch "Nach-oben-und-unten-Wachsen" und kurzes Schultern-Heben, Schulterblätter-Zusammenschieben und Schultern-wieder-Fallenlassen. Muskeln im beckennahen Bereich darf man dabei keineswegs einsetzen.

Die Kapitel über Sitz, Kreuzanziehen und Schenkelhilfen hätten vollkommen neu gefaßt werden müssen. Wilhelm Müseler hat nicht verdient, daß wir ihn weit über seinen Tod hinaus auf einen bedauerlichen, folgenschweren Irrtum festnageln.


Siehe auch EquiVoX-Link Bücher des Autors und seinen Diskussionsbeitrag EquiVoX-Link Treiben, aber wie? sowie seine Webseite » Reiten – Lesen Denken

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