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Editorial   Magazin Magazin, Ausgabe 330, erschienen am 24.07.2005

Magazin  Ausgabe 330
Werner Popken
Editorials  Editorial

Forum



Die Pferdezeitung ist ein Magazin  Magazin. Als Magazin ist sie vergleichbar mit den bekannten Printmagazinen. Sie erscheint regelmäßig, hat redaktionelle Beiträge und solche, die von außerhalb kommen, z. B. von Lesern oder Unternehmen, die sich den Lesern vorstellen möchten. Als Online-Magazin ist die Pferdezeitung noch ziemlich allein auf weiter Flur. Anfang 2004 hat » Tovero.de ein Monatsmagazin gestartet, das sich im wesentlichen ebenfalls an das bewährte Muster hält.

Pferdezeitung.com hat auch eine Messe. Messe und Magazin sind untrennbar verbunden, das eine profitiert von dem anderen. Diese Kombination ist bis jetzt einzigartig. Tovero kombiniert sein Magazin mit einer Suchmaschine. Das ist etwas vollkommen anderes. Es gibt auch eine ganze Reihe von Portalen, die zuweilen inhaltliche Beiträge veröffentlichen. Auch das kann man nicht mit dem Konzept von Pferdezahlung.com vergleichen.

Was ein Magazin ist, weiß eigentlich jeder, und wie ein Magazin im Internet aussehen sollte, ergibt sich daraus. Was eine Messe ist, weiß auch jeder, und wie eine Messe im Internet aussehen sollte bzw. wodurch sie sich auszeichnen könnte, vor allen Dingen warum man dringend eine Messe im Internet braucht und warum ein Portal keine Lösung für dieses Problem ist, habe ich an anderer Stelle ausführlich erläutert (Messe  Editorial).

Insofern ist der Ansatz klar. Übertrage zwei bewährte Konzepte aus der realen Welt auf das Internet und verknüpfen diese miteinander, so daß sie gegenseitig voneinander profitieren. Nun gibt es aber eine ganze Reihe von neuen Entwicklungen im Internet, die in der realen Welt kein Vorbild haben. Sollen diese Dinge auch noch integriert werden?

Vor Jahren habe ich einmal einen Ansatz gemacht, einen Chat zu implementieren; das Programm für ein Auktionshaus liegt ebenso lange in der Schublade. In beiden Fällen habe ich kurz vor Produktreife die Entwicklung eingestellt. Ein Wiki ist fertig geworden, war eine Weile im Betrieb und ist wieder in der Versenkung verschwunden. Ein Forum hat eine Weile funktioniert (immerhin 1000 Beträge), ist dann entfernt und vor kurzem wieder in Betrieb genommen worden. Soll man in diese Richtung weiterdenken?

Keine Ahnung. Die Pferdezeitung ist schon jetzt komplex genug. Man könnte zudem viele andere Dinge integrieren, die im Internet blühen. Blogs sind derzeit schwer in Mode. Vor ein paar Tagen wollte mir eine Firma die Idee nahebringen, ein fertiges Blog-Konzept zu lizensieren. So etwas käme natürlich nicht in Frage. Ich würde lieber die Software selber schreiben. Aber wäre das sinnvoll? Und selbst wenn, würde ich es richtig machen?

Bezüglich des Forum mußte ich mir die Frage stellen. Es hat nie richtig funktioniert, so wie andere Foren funktionieren, mit zehntausenden von Beiträgen. Und nach der Wiederinbetriebname dämmerte das Forum weiter vor sich hin. Deshalb habe ich in dieser Woche das Forum überarbeitet, im wesentlichen am Design gefummelt. Es sieht jetzt mehr aus wie ein Forum. Ob das hilft?

Vielleicht sollte ich diese Sache lieber den anderen überlassen. Muß man denn wirklich alles machen, was man machen kann? Wenn es gut funktionierende Foren gibt, braucht man dann noch ein weiteres? Will man sich überhaupt auf einer Seite wie der Pferdezeitung austauschen?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Ursprünglich hatte ich Bedenken bezüglich der möglichen Äußerungen der Teilnehmer. In vielen Foren ist das Niveau unter aller Kritik. Tatsächlich hatten wir auch Diskussionen, die eher unangenehm waren. Ich sah mich ungern in der Rolle eines Aufpassers (Moderators).

Aber diese Befürchtung erwies sich als weitgehend unbegründet. "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Damit will ich sagen: Durch die ständige Äußerung der Redaktion wird ein gewisses Niveau vorgegeben, das anscheinend die schlimmsten Auswüchse verhindert. Indirekt lese ich das auch an der Wertschätzung mancher Teilnehmer anderer Foren ab. Wer die Pferdezeitung nicht mag, den hätte ich in der Regel auch nicht gerne im Forum der Pferdezeitung. Und außerdem: Quantität ersetzt nicht Qualität. Lieber als Zehntausende von Beiträgen, die zu lesen Zeitverschwendung wäre, hätte ich wenige Beiträge, die eine echte Bereicherung darstellen.

Denn was heißt im Internet schon Forum? Wenn man sich darunter den Austausch interessierter, intelligenter, informierter Menschen vorstellt, so wird man in den meisten Fällen enttäuscht sein. Bei Chats ist das nach meiner Erfahrung noch viel schlimmer. Bis auf fest angesetzte Termine mit Prominenten habe ich bisher nur extrem groben Unfug erlebt, der mich nach wenigen Minuten die Flucht ergreifen ließ.

Natürlich ist meine Erfahrung beschränkt und Schlüsse daraus sind deshalb mit Sicherheit nicht generell gültig. Es wäre interessant zu sehen, ob man Gegenbeispiele entwickeln kann. Chats und Foren könnten ja zum Schluß verleiten, auf anonymer, freiwilliger Basis könne man keine wertvollen Inhalte produzieren. Das Gegenteil ist der Fall, wie die Wikipedia eindrucksvoll zeigt. Je länger die Wikipedia in der Welt ist, desto wertvoller sind die Inhalte. In ein paar Jahren wird man sich gar nicht mehr vorstellen können, wie man jemals ohne Wikipedia hat leben können.

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum das Wiki der Pferdezeitung und das Forum sich nicht gut entwickelt haben. Ein Grund könnte darin liegen, daß gerade die Magazinform mit den fertig gelieferten Beiträgen dazu verführt, die Pferdezeitung zu konsumieren und sich nicht zu einer Beteiligung herausgefordert zu fühlen. Die wenigen Vorstöße einzelner Leser, die diesen Zustand hätten ändern können, sind jedenfalls nicht auf Resonanz gestoßen und versandet.

Eins ist klar: So etwas kann man nicht erzwingen. Es passiert oder nicht.


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