Magazin  

 

 

Kunstgalerie   Magazin Magazin, Ausgabe 280, erschienen am 08.08.2004

Magazin  Ausgabe 280
Werner Popken


Abschnitte:
  1. Abschnitt  Polospieler
  2. Abschnitt  Der Sport
  3. Abschnitt  Das Bild
  4. Abschnitt  Quellen / Verweise
Kunstgalerie  Kunstbetrachtung

Polospieler


unbekannt, China
Polospieler, Ausschnitt
Anfang 16. Jahrhundert, Tusche und Farben auf Seide, keine Maßangaben
Victoria und Albert Museum, London ()


In der letzten Woche habe ich mich auf eine Abbildung im Lexikon der Malerei bezogen (). Dort finden sich natürlich sehr viele Beispiele von Pferden in der Kunst. Das Bild dieser Woche habe ich ebenfalls dem Lexikon entnommen, weil das Thema mich interessierte.

Vor zehn Tagen hatte ich geschäftlich in Hamburg zu tun. Der Inhaber der betreffenden Firma mußte das Bett hüten. Beim Polospiel war er gestürzt. So erfuhr ich, daß es in Hamburg einen Polo Club gibt. Das wunderte mich. Ich wußte, daß Polo in Argentinien gespielt wird und auch in Großbritannien – Prinz Charles ist begeisterter Polospieler – aber in Deutschland?

Man sagte mir, es gäbe drei Polo Clubs in Deutschland. Um dort Mitglied werden zu können, müsse man ziemlich vermögend sein. Auf die Frage eines Gesprächsteilnehmers, ob der Verletzte denn ein Pferd besitze, hieß es: "Der hat sogar einen eigenen Polotrainer!"

Unser Bild beweist, daß die Chinesen schon vor 500 Jahren Polo gespielt haben. Für mich ergab sich nun die Gelegenheit, meine Wissenslücken in Bezug auf Polo aufzufüllen.




Kommentar
Von m_red  » Werner Popken

Gesamtansicht
Polo, das älteste Spiel mit Stock und Ball zu Pferd, hat seinen Namen vom tibetischen Pulu – ein Ball. Moderne Spiele wie Hockey und anscheinend auch Golf und Cricket finden ihren Ursprung im Polo.

Vom persischen Dichter Firdausi ist verlässlich überliefert, dass Polo bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. gespielt wurde. Die Weltgeschichte des arabischen Historikers Tabari (838-923) schreibt es auch schon Alexander dem Großen zu.

Im Westen scheint sich Polo erst durch die Briten verbreitet zu haben, die das Spiel anläßlich eines Feldzugs in Hinterindien am Hofe eines Maharadschas kennengelernt haben. 1859 gründeten Mitglieder der Kolonialmacht ihren ersten Poloclub in Indien. Am 23.12.2000 habe ich meinen zweiten Galeriebeitrag veröffentlicht: . Es handelte sich um eine indische Malerei. Die Chronologie, auf die ich mich oben bezogen habe, verwendet ebenfalls ein indisches Gemälde als Illustration. Von Tibet aus mag das Spiel sowohl nach Süden (Indien) als auch nach Nordosten (China) gewandert sein.

Der Sport  oben 



Trainings-Holz-Pferd ()
Foto Splett, aus
Wußten Sie, daß Polo eine olympische Disziplin war? In der Zeit von 1900 bis 1936 nämlich, 1900 in Paris, 1908 in London, 1920 in Antwerpen, 1924 wieder in Paris, 1936 in Berlin. Die Spiele im Maifeld-Stadion hatten mehr Publikum als alle anderen Sportarten. Argentinien gewann vor England und Mexiko.

1938/39 wurden sämtliche Polovereine von den Nazis aufgelöst (). Eine Erklärung findet sich in der Geschichte des Frankfurter Polo Club e.V. Dieser war der erste deutsche Verein; er wurde 1902 gegründet, 1904 fand das erste offizielle Turnier statt.

Bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg war Frankfurt ein geographischer Mittelpunkt des Polosports, Funktionäre des Hitler-Regimes beobachteten diesen internationalen Kreis, der selbstverständlich auch über Informationen außerhalb ihres Machtbereiches verfügte, sehr skeptisch und verboten kurzerhand das Polospiel in Frankfurt. Der Verein wurde von Amts wegen am 09.10.1934 aus dem Vereinsregister gelöscht, und seitdem war Frankfurt am Main – obwohl Weltstadt – ein weißer Fleck auf der Polo- Landkarte.

Erst 1992 wurde der Polo Club Frankfurt neu gegründet und hat es in kurzer Zeit zu großen sportlichen Erfolgen gebracht. Es gab 1997 in der Bundesrepublik sage und schreibe 23 Poloclubs mit etwa 200 Mitgliedern.

Weltweit wird Polo auf 5 Kontinenten in über 50 Ländern gespielt. Der jährliche Höhepunkt steigt im November mit den Argentine Open in Palermo, Bezirk Buenos Aires, wo die besten Spieler und Teams der Welt aufeinander treffen.

1999 Das Frankfurter Team wurde zweifacher Deutscher Meister (Low und Medium Goal)

Die Regeln dieses Spiels ähneln Hockey und Fußball – es gibt allerdings nur vier Spieler pro Partei, die von 1 bis 4 durchnumeriert werden und sich wechselseitig decken, also der Stürmer 1 der einen Mannschaft wird durch den Verteidiger 4 der anderen bewacht und umgekehrt.

Ein Spiel dauert etwa eine Stunde und wird in Abschnitten von etwa 7 Minuten gespielt, die Chukker heißen; nach jedem Chukker wird das Pferd gewechselt, das Publikum betritt den Rasen und repariert die Löcher, die die Pferde in die Grasnarbe gerissen haben ().

Jeder Spieler verfügt über zwei bis drei Pferde und muß natürlich phantastisch reiten können. Es wird mit der rechten Hand geschlagen; Linkshänder müssen umlernen. Das Spiel ist sehr schnell – bei den meisten Fotos sind die Pferde in vollem Galopp. Normalerweise interessieren mich animierte Pferde nicht, aber im Falle eines Polospielers fand ich es schon interessant, den Bewegungsablauf analysieren zu können (). Ein Wunder, daß so etwas überhaupt möglich ist!

Bis 1909 züchtete man Polo Ponies in England, Irland und Australien, aber seit 1909 befindet sich die Züchtung argentinischer Pferde auf unerreicht hohem Niveau. Aus 100 % Vollblut mit Genen der einheimischen Rasse werden kleine Pferde zwischen den Stockmaßen 155-160 gezüchtet, wendig und temperamentvoll. Die Ausdauer und Härte dieser Ponies ist bei europäischen Reitpferden nicht zu finden.


Polo bietet den idealen Rahmen und ein attraktives Umfeld für Veranstaltungen mit hohem Anspruch. In der besonderen Atmosphäre von Polo-Events können Sie sich vom gängigen Angebot abheben, um Ihre Kunden, Gäste und VIPs zu unterhalten.

Mit Polo Veranstaltungen nutzen Sie die Faszination einmaliger Erlebnisse. Sie wird sich all denen vermitteln, die in neuen Ideen Ihre Herausforderungen suchen, und Polo dort popularisieren, wo es seiner Exklusivität nicht schadet.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten bietet Polo eine Philosophie von ausgeprägtem Lifestyle, eine Ambiance von Sehen und Gesehen werden, durchdrungen von hohen Ansprüchen und außergewöhnlichen Erwartungen an das eigene Leben. Ein Umfeld, das sich durch eine Atmosphäre der Exklusivität abgrenzt, spricht in erster Linie höhere Einkommensklassen an. Daher nutzen auch immer mehr Unternehmen der Luxusbranchen Polo-Veranstaltungen als Podium, um Ihre Produkte und Leistungen in Gesellschaft von Gästen, Kunden und VIPs darzustellen. Top-Turniere genießen gute Medien-Resonanz, von der neben den Organisatoren und Spielern vor allem auch die Sponsoren profitieren.



Das Bild  oben 



... reiten muß man können
zusammengebundene Schweife, Hinterzeug
es ist ein Hengst
Das Lexikon der Kunst hat unser Bild unter dem Stichwort "Chinesische Malerei" aufgeführt.

Die Geschichte der Malerei im Reich der Mitte reicht zwar bis in die Zeit von etwa 1500 vor Christus zurück, doch haben sich bis zur Zeitenwende nur wenige Dokumente erhalten, obwohl in der chinesischen Literatur aus dieser Frühzeit sogar Namen einzelner Maler genannt werden. Der chinesische Maler ist im Gegensatz zum von Beginn seiner künstlerischen Entwicklung um Originalität und persönlichen Stil bemühten abendländischen Maler zunächst bestrebt, sich in eine Schultradition einzufügen, um oft erst im fortgeschrittenen Alter zu seinem eigenen Stil zu finden. [...]

Auch die Funktion eines solchen Bildes ist eine ganz andere. Wird in Europa ein Bild gerahmt und auf einen festen Platz an der Wand verwiesen, so sind chinesische Bilder auf Seiden- oder Papierrollen gemalt und werden nur zum Betrachten und Meditieren aus der Bildertruhe geholt.

Noch ein zweites Moment unterscheidet die chinesische Malerei von der des Westens: Der Malgrund, Papier oder Seide, ist so empfindlich, daß Korrekturen nicht möglich sind, zumal der Maler vor allem mit Tusche arbeitet. Das bedeutet, daß der Maler sein Bild zuerst im Geist schafft, und dem Bild erst wenn er es klar vor seinem inneren Auge hat, mit dem Tuschpinsel auch äußere Gestalt gibt.
Seite 132/133

So stellt sich ein Wissenschaftler die Malerei vor. Er redet über einen Zeitraum von über 3000 Jahren. In dieser Zeit hat sich die abendländische Malerei mehrfach grundlegend geändert. Das mitunter krampfhafte Bemühen um Originalität und persönlichen Stil ist ein modernes Phänomen, auf die Neuzeit beschränkt.

Wenn der Maler sein Bild erst im Geiste schaffen und dieses dann gewissermaßen nach der Vorlage abmalen würde, käme niemals die Spontanität zustande, die gerade den Reiz großer Kunst ausmacht. Es verhält sich anders. Der Maler beschäftigt sich solange mit seinen Gegenständen, bis diese frei aus ihm herausfließen.

Die entsprechende chinesische Anekdote ist ziemlich bekannt. Ein Kaiser verlangte von einem berühmten Maler, er möge ihm einen Hahn malen. Als der Kaiser jahrelang nichts vom Maler hörte, ließ er ihn kommen und stellte ihn zur Rede. Der Maler verlangte nach einem Blatt Papier, Tusche und Pinsel und warf ihm den Hahn im Bruchteil einer Sekunde auf das Blatt.

Der Kaiser war so verärgert, daß er den Maler augenblicklich köpfen ließ. Anschließend entdeckte man im Haus des Malers einen Raum, der bis an die Decke mit Skizzen von Hähnen gefüllt war. Er hatte also all die Jahre an diesem Thema gearbeitet und war deshalb in der Lage, den meisterhaften Hahn aus dem Stand aufs Papier zu werfen.

Im erwähnten Beitrag hatte ich daraufhingewiesen, daß das Pferd ein Hengst ist. Ein paar Wochen später war die Darstellung noch wesentlich deutlicher: . Im vorliegenden chinesischen Bild sind die Pferde recht realistisch dargestellt – man betrachte nur etwa die Sprunggelenke. Deshalb wunderte ich mich, daß das Geschlecht der Pferde gar nicht thematisiert wurde. Aber ich hatte nur nicht genau genug hingeschaut.

Im zweiten Abschnitt von habe ich ein Foto mit dem Titel "Indian polo team plays for Prince of Wales" (1876, Indisches Polo Team spielt für den Prinzen von Wales) gebracht. Die Inder wirken darauf sehr klein, die Polopferde aber geradezu winzig, eher wie Esel. Es sind sechs Männer dargestellt, aber nur zwei Pferde. Schade, daß man damals noch nicht filmen konnte.

Zum Abschluß ein Eindruck von den sportlichen Ereignissen dieser Tage:

29.03.2004: Die Daten der Winterpoloturniere in St. Moritz für die kommenden Jahre.

Wichtig für Ihren Terminkalender!
21st Cartier Polo World Cup on Snow: 27. bis 30. Januar 2005
22nd Cartier Polo World Cup on Snow: 26. bis 29. Januar 2006
23rd Cartier Polo World Cup on Snow: 25. bis 28. Januar 2007

25.01.2004: Über 24 000 Zuschauer liessen sich in St. Moritz begeistern

Europameister Hermès ringt den Schweizer Piero Dillier in der Overtime nieder / Larchmont, ein polnisch-argentinisches Team erstmals Sieger im World Cup on Snow.
Resultate siehe die Rubrik Events / Resultate.

24.01.2004: Agosti und Dochnal im Final; Hermès und Dillier spielen um Platz 3

Es zeichnete sich ab, Cartier brauchte nur noch ein Unentschieden, um sich für den Final vom Sonntag zu qualifizieren. Dieses Vorhaben gelang zielgenau, ein 4:4 nach 4 Chukkern brachte Agosti und seine chilenisch/englische Mannschaft in den Final (und ein Golden Goal von Diaz-Alberdi im Zusatzchukker dem Team Larchmont einen 5:4-Sieg um den Top Events of Switzerland Cup. Das Team Bank Hofmann von Piero Dillier rehabilitierte sich für den Absturz vom Vortag und schlug die punktelosen Argentinier rund um Europameister Mathias Hermès 6:3.

24.01.2004: Larchmont qualifiziert sich vorzeitig für den Final um die Cartier Trophy

Der Pole Marek Dochnal ist nicht nur erstmals in St. Moritz, er ist auch gleich erstmals im Finale des 20. Cartier Polo World Cup on Snow! Sein Team Larchmont spielte mit einem 10:2 das Team Bank Hofmann mit dem Schweizer Piero Dillier schwindlig.


Quellen / Verweise  oben 

  1. Lexikon der Malerei, Stuttgart 1993, ISBN 3-8122-3392-4, Seite 133
  2. Magazin  Bayeux, Galeriebeitrag Ausgabe EquiVoX-Link 279
  3. » Chronologie
  4. Magazin  Prinz und Prinzessin beim Polospiel, Galeriebeitrag Ausgabe EquiVoX-Link 92
  5. » Der Verein, Polo Club Landsberg
  6. Magazin  Polo in Argentinien, Bildschirmschoner zu Ausgabe EquiVoX-Link 92, Unter Gauchos
  7. » Frankfurter Polo Club · Die Geschichte
  8. » Der Polo Sport
  9. » St. Moritz Polo Club
  10. » Incentives, Competitions & Sponsoring
  11. Magazin  Indischer Prinz zu Pferde, Galeriebeitrag Ausgabe EquiVoX-Link 116


Fotos
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

_vorher  voriger Galeriebeitrag

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 280 vom 20.05.2012
Hauptartikel  ProblempferdekorrekturPferdemesse  Messe: NösenbergerEditorial  Editorial: Pferde-StärkenRezension  Rezension: Reiten lernen, ganz entspanntTip  Tip: Abschauen
Galerie  Galerie: PolospielerPoster  Poster: Männer aufs Pferd!Pferdemesse  Messe: UrbanLeserbriefe  Leserbriefe 2 Angebote der Woche
Pferdemesse  Messe: UelzenerGesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdeanzeigen  PferdeanzeigenPferdemesse  Messe: Westphalen
Termine  TerminePresseinfos  MitteilungenLinks  LinksGesamttext   Gesamttext 

_vorher  vorige Ausgabe

Impressum   home   Home   RSS   RSS   Nutzungsbedingungen  Nutzungsbedingungen   Kontaktformular  Kontaktformular   m_green   E-Mail an die Redaktion   Autorenhinweise  Autorenhinweise   Hilfe  HilfeTop   Top

Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken
tel 0049(0)5744-5115-74  fax -75  funk 0049(0)151-2327 3955
brief ISIS Messe & Pferdeverlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst
USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068
Die Adresse dieser Seite:
URL equivox.de/Magazin/280/Kunstgalerie
Diese Seite wurde generiert am 24.05.2012 00:17:16
pferdezeitung_favico  dasselbe auf Pferdezeitung.com

Copyright © Werner Popken, Hüllhorst 1999 - 2012

Home  EquiVoX - bekannt als  pferdezeitung_favico  Pferdezeitung

Messe Online-Messe für den Pferdemarkt.
Magazin Online-Magazin für Pferdefreunde.

Der Herausgeber ist weder verantwortlich für Leserbeiträge noch für Inhalte verlinkter externer Internetseiten.
EquiVoX übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Angemessenheit und Ungefährlichkeit der in den Artikeln beschriebenen Methoden.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (E-Mails) zu veröffentlichen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

@MEMBER OF PROJECT HONEY POT
Spam Harvester Protection Network
provided by Unspam