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![]() Ein kleiner Teil der Herde im Schatten |
Das Nahrungsangebot auf unseren Wiesen war der Jahreszeit entsprechend knapp. Wobei das Feld nebenan Futter in Hülle und Fülle versprach. Seine Völlerei wurde ihm zum Verhängnis – Hufrehe. Im Schatten auf der Koppel baute ich dem armen, leidenden Wicht ein kleines Verlies. Zur Mühle, also zum Stall, wollte ich ihn nicht bringen, denn der Weg war zu weit. So stand er einige Tage bei Wasser und Heu in seinem Gefängnis – ein äußerst bedauernswertes Geschöpf, das aufgrund seiner eingeschränkten Bewegungsfähigkeit jegliche Ausbruchsversuche unterließ. Mit Hilfe eines homöopathischen Mittels und seiner strengen Diät gesundete er rasch. Wenige Tage nach seiner Einkerkerung ereignete sich folgendes: Ich mistete die Weiden ab, nur wenige Meter von Wicht entfernt. In meinem Kopf hörte ich eindringlich und vorwurfsvoll: "Mir geht's besser! Ich langweile mich!" Ich fühlte bohrende Shettyblicke in meinem Rücken. Wichtel fixierte mich wie ein Raubtier seine Beute. Er hatte mir etwas mitzuteilen, und das tat er dreimal hintereinander. Jedesmal hörte ich auf zu misten, wandte mich um und blickte in funkelnde Shettyaugen. Noch am selben Tag brachte ich ihn zur Mühle in den Stall. Er lief wie ein junger Gott neben mir her. Er fühlte sich tatsächlich besser. Einige Wochen später hatte ich den Eindruck, er rolle vorne rechts seinen Hof nicht richtig ab. Erste Anzeichen eines erneuten Redeschubes? Am folgenden Tag war Hufpflege-Termin. Ich holte ihn also mit unserem anderen Shetty, dem viel zu fetten Waschtie, schon morgens von der Weide und verordnete somit den beiden einen Tag Diät. Anfänglich fand das unser Wicht ganz lustig. Im Laufe des Tages gesellten sich noch zwei weitere Hufpflege-Pferde hinzu. Dann begannen wir mit der Maniküre. Wichtel man zeigte mittlerweile die ersten Anzeichen von Langeweile gepaart mit einer gehörigen Portion Unmut. Er randalierte am Wasserbottich. Ich wußte, daß er derart auf sich aufmerksam machen wollte. Unsere Hufpflegerin jedoch forderte mich auf, dieses bemitleidenswerte Geschöpf zu tränken. Gehorsam brachte ich dem "armen durstigen" Pony einen Eimer Wasser. Mit einem gezielten Huftritt flog dieses Wasser durch den Paddock. Derart randalierte er weiter, solange Hufpflege an anderen Pferden betrieben wurde. Nur daß er dabei immer lauter, vehementer und vor allem unmutiger wurde. Seine kleinen Wichtelaugen glitzerten bösartig. |
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Er signalisierte seine Vernachlässigung und darin begründete schlechte Laune, war mißmutig und unausstehlich. Selbst ein Blinder mit Krückstock hätte erkannt, daß aus dem einstmals knuddeligen kleinen Pony nunmehr ein böser Troll geworden war. So gestaltete sich seine Hufpflege zu einem einzigen Desaster. Das Shetty, respektive der Troll, mutierte zum Monster. Er stieg, wollte sich losreißen, zog den Huf vom Bock. Ein richtig ekliger kleiner dreister Kerl, der uns die Arbeit zur Hölle machte. Wichtelmann brachte uns alle zum Schwitzen und unterzog unsere Nerven einer Zerreißprobe. Es war eher eine Raubtierbändigung denn eine Hufpflege. Drei ausgepowerte Menschen und ein wütendes Pony. Irgendwann hatten wir es dann doch geschafft. Wichtel durfte endlich auf die Koppel. Die wenigen Meter, die mich von der Mühle bis zum rettenden Koppeleingang trennten, waren eine einzige Herausforderung an mein Können als Raubtierbändiger. Am Koppeltor passierte es schließlich, der wütende und innerlich kochende Gnom riß sich los und galoppierte mit wehenden Fahnen zu seiner Pferdeherde, meinen Strick am Halfter mit sich führend. Wichtel war binnen Sekunden auf der großen, hügeligen Koppel nicht mehr zusehen. Ich war zu stolz, um ihm hinterherzulaufen. Wohl mancher Leser wird nun an meinem Sachverstand zweifeln. Vielfältige Gefahren lauern auf das arme Pony. Vor inneren Augen entstehen Bilder von einem gefesselten und schwer verletzten schwarzen Shetty, irgendwo auf den Weiten der Koppel. Diese Leser kann ich beruhigen. Sie kennen unseren Wicht nicht. Sich um Wichtelmann bezüglich des ihm anhaftenden Strickes irgendwelche Sorgen zu machen wäre müßig und unnötig. Unser Wicht ist der beste Entfesselungskünstler der Welt. Er ist sehr einfallsreich und kann eine stoische Ruhe und Beharrlichkeit im Verfolgen seiner Ziele an den Tag legen. Am Abend dann war er beleidigt. Er kann auch nicht zu mir, damit ich ihm von den Unannehmlichkeiten Halfter und Strick befreien konnte. Nein, ich mußte ihm hinterherdackeln und ihn förmlich darum bitten, ihm behilflich sein zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihm gleich die Beweggründe für mein Verhalten erklärt. Ich hielt ihm einen Vortrag über meine Hufrehe-Sorgen, beteuerte ihm meine Liebe und äußerte meinen innigsten Wunsch, gemeinsam mit ihm alt werden zu dürfen. Kurzum, ich heuchelte um Vergebung und Gnade. Mit Wichtelmanns Antwort auf meine Bemühungen um seine Gunst hätte ich so nicht gerechnet. Er sagte kurz und bündig: "Ihr seid alle dooooof!", wandte sich ab und ging. Ich starrte fassungslos auf das schwarze Shetty-Hinterteil und rief ihm erbost hinterher: "Wir sind überhaupt nicht doof!" Dann ging auch ich. Ich gebe zu, wir haben uns benommen wie zwei streitende Kinder. Doch am nächsten Tag war alles vergessen, denn wirkliche Kumpels sind nicht nachtragend. |
Dieses Unternehmen ist gescheitert. Bei meinen Erkundigungen erfuhr ich, daß sie vor dem Wagen durchgegangen war trotz angezogener Bremse, Gott sei Dank ohne Touristen. Beim nächsten Versuch, sie einzuspannen, muß sie dem Bauern wohl die Kutsche zu Kleinholz geschlagen haben. So stand sie denn als unnötiger Vielfresser im Stall und wurde dementsprechend behandelt. Mary war ein verkanntes Pferd mit gebrochenem Herzen. Es dauerte sehr lange, bis diese seelischen Wunden heilten. Sie war eines der Pferde, die regelrecht therapiert werden mußten. Ans Anspannen wagten wir nicht einmal zu denken. Es gäbe viel über ihren körperlichen und seelischen Genesungsprozeß zu berichten, vielleicht ein andermal. Der Spätsommer des Jahres 2003 war ein Wendepunkt in Marys (und damit auch unserem) Leben. Ich mistete die Pferdeweide, genauer gesagt den Schattenplatz. Viel, viel Holz lag überall herum: herabgebrochene Äste, kleine Stämme, große Stämme, mittlere Stämme, leichtes Holz, schweres Holz, Knüppelholz, Ästchen. Mein Gedankengang war in etwa folgender: "Na hier müßte dringend aufgeräumt werden. Ich könnte wesentlich besser misten, die Pferde hätten mehr Platz, und wir hätten jede Menge Brennholz für den Winter. Schön, wenn wir Mary anspannen könnten. Das wäre eine Aufgabe für sie. Wir müßten ganz, ganz langsam mit ihr anfangen. Erst leichte, größere Äste, die sie ohne Anstrengung ziehen kann. Ganz zart und sanft müßten wir mit ihr umgehen, damit sie nicht den Mut verliert und wieder Glauben an ihre Fähigkeiten als Zugpferd bekommt. Dann könnten wir langsam die Lasten steigern. Sie könnte immer schwerer und schwerer ziehen. Schön wäre das. Mary hätte endlich eine Aufgabe, die ihr angemessen ist. Gut möglich, daß ihre angeschwollenen und von knüppeligem Ausschlag bedeckten Beine gesunden würden. Große Ansprüche dürften wir anfänglich nicht an sie stellen. Dann käme die alte Angst wieder hoch, und alles wäre umsonst. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt wohl gekommen. Ich sollte mich nach einem gebrauchten Geschirr umsehen." Ich erhob mich aus meiner gebückten Pferdeäpfelabsammelhaltung, wandte mich um, um den vollen Misteimer zu entleeren und erblickte Mary, die mutterseelenallein die ganze Zeit in meiner Nähe gestanden hatte. Ich schaute Mary an. Mary schaute mich an. Und in diesem Augenblick erkannte ich, daß das alles kein Zufall war. Ich glaube, Mary hat mir ihre Bereitschaft zur Arbeit mitgeteilt. Mein Gehirn hat ihre Botschaft in Worte gekleidet, so, als wären es meine eigenen Gedanken. Doch es waren nicht meine eigenen Gedanken. |
So oft hatte ich schon an dieser Stelle gemistet! Niemals zuvor hatte ich mir dabei meinen Kopf zerbrochen über das herumliegende Holz. Ich jedenfalls bin überzeugt, daß Mary mir den beschriebenen Gedankengang eingegeben hat, nebst Anleitung, wie mit ihr umzugehen sei (zart, sanft) und inklusive Hinweis auf ihre Angst vor Überforderung (langsam steigern). Deswegen suchte und fand ich ein altes Geschirr der. Nichts Besonderes, aber ausreichend für die ersten Versuche. Das Geschirr wurde mir vor die Füße geworfen, begleitet von den Worten: "Das kann sie zerreißen!" Der Mann, der uns dieses Geschenk bereitete, ein ehemaliger Kaufinteressent von Mary, hielt unser Unterfangen schlichtweg für Wahnsinn. Das Ergebnis unserer nun folgenden Bemühungen? Mary hat fast unser gesamtes Brennholz ans Haus gezogen. Ich hielt mich an ihre Anweisungen. Aus den anfänglichen "Streichhölzern" sind zwischenzeitlich richtige Baumstämme geworden. Das ist für mich Beweis genug. Ebenfalls im Sommer 2003 versuchte ich auf telepathischem Weg ein großes Rätsel zu lösen. Marea ist eine Camargue-Stute, die ihr gesamtes Leben bei uns verbracht hat. Im Sommer leiden hier Mensch und Pferd unter einer wahrlichen Mückenarmada. Deswegen erhalten unserer Pferde am Morgen Halfter inklusive Mückenschutz. Sämtliche Mückenschutzteile, die nicht am Halfter befestigt werden, erwiesen sich bisher als unpraktikabel. Sie verschwanden im Laufe des Tages auf den mehrere Hektar großen Weiden auf Nimmerwiedersehen.
Das Anlegen des Knotenhalfters verlief vollkommen unproblematisch, Halfter und Mückenschutz jedoch entwickelte sich zu kleineren und mittleren Katastrophen. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren. Ich wälzte das Problem hin und her – leider erfolglos. "Na ja", dachte ich mir, "einen Versuch ist die Telepathie ja wert. Mehr als schiefgehen kann's nicht." Gesagt, getan, ich stimmte mich auf Marea ein, stellte den Kontakt zu ihr her und fragte sie, warum sie sich das Halfter nicht anziehen lasse. Zur Antwort erhielt ich das "Bild"-Gefühl einer Kandarre. Damit konnte ich nun wirklich nichts anfangen. Schließlich hatte Maria in ihrem Leben noch niemals eine Kandarre getragen. "Schiefgegangen", dachte ich. Doch es ließ mir keine Ruhe. So kontaktierte ich eine Freundin, deren telepathische Bemühungen nicht erst in den Kinderschuhen stecken – so wie die meinen. Sie tat mir den Gefallen und "unterhielt" sich mit Marea. Marea erklärte ihr, das Halfter sei ihr zu unbequem, Ringe und Schnallen drückten ihr am Kopf, besonders hinter ihren Ohren und das ständige Gebämbel des Mückenschutz es vor den Augen würde sie annerven. Sie sei ja schließlich keine Haremsdame. Das Bild von der Kandarre habe sie mir gesandt, da ich die Kandarre als eine harte Aufzäumung empfinde. Also doch nicht daneben gelegen? Für den Rest des Sommers konnten Marea und ich uns die Prozedur des Halfteranlegens ersparen. |
Laura zuckte die Schultern. Sie glaubte, Gâvilan hätte "Freiheit" zu ihr gesagt aber sie sei sich nicht sicher, denn damit könne sie wirklich nichts anfangen. Also startete ich einen Versuch. Ich fragte Gâvilan, ob er mit Laura gesprochen habe.
Das war so in etwa das Gespräch, das Gâvilan und ich miteinander führten. Vollkommen verrückt? Abgehoben? Spinnert? Irre? Ich komme mir ganz normal vor und gar nicht abgehoben. Ich spreche manchmal mit meinen Pferden, wenn es mir gelingt. Das ist für mich nicht abwegig. Das habe ich mir immer gewünscht. Auch bin ich oft genug noch taub für das, was die Pferde mir sagen möchten. Meist höre ich wohl nicht hin, und auch wenn ich ganz bewußt hinhöre, kann ich nicht immer etwas davon hören. Na ja, das ganze Leben ist ein Lernprozeß, und ich bin noch jung. Aber ich bin wieder ein Stückchen mehr in die Pferdewelt vorgedrungen. Wieder im Sommer 2003 hielten wir ein dreitägiges Seminar über die Kommunikation mit Pferden. Es gab einen Therapie-Tag, das Pferd als Therapeut, die Sprache der Seele, einen Körpersprache-Tag, die Sprache des Körpers und ein Telepathie-Tag, die Sprache des Geistes. Die Seminarleitung des Telepathie-Tages hatte jene "Telepathie-Freundin", die mir auch bei Marea behilflich gewesen war. Es zeigten sich an diesem Tag erstaunliche Ergebnisse. Fast allen Teilnehmern war es gelungen, mit unseren Pferden zu sprechen. Es wurde von unterschiedlichen Menschen die gleichen Fragen an die gleichen Pferde gestellt. Die Aussagen waren beinahe deckungsgleich. Die Abweichungen waren gering und an die Form der Übermittlung gekoppelt. Es wurden Bilder, Gefühl und Worte gesendet, wohl die nach Veranlagung des Empfängers. Wenn ich nach allen meinen eigenen Erlebnissen noch immer nicht von der Existenz der Telepathie überzeugt gewesen wäre, so hätte dieser Tag jegliche Zweifel aus dem Weg geräumt. Warum gleich Telepathie? Warum nicht Telepathie? Für die Interessierten: Im Jahr 2004 werden wir den 3-Tage-Kommunikationskurs zweimal anbieten.
Jeweils der Samstag ist der Telepathie-Tag
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