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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 105, erschienen am 31.03.2001

Magazin  Ausgabe 105


Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Pferde in der Puszta
  2. Abschnitt  Szilvasvarad
  3. Abschnitt  Budapest
  4. Abschnitt  Gerebi
  5. Abschnitt  Porzellanmanufaktur
  6. Abschnitt  Balatonfenyves
  7. Abschnitt  Babolna
  8. Abschnitt  Rückreise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
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Pferde in der Puszta

Gruppenreise nach Ungarn

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von Autorenhinweise m_red  » Regina Steinkrauss


Nun sitzen wir den letzten Tag gemeinsam im Bus: Rückreise nach sechs Tagen Ungarn.

Ein Teil der Truppe wird uns heute abend in Passau verlassen; die Verbleibenden nächtigen dort und fahren morgen in den Norden. Endstation ist Neumünster (Schleswig-Holstein), wo wir am 3.10.2000 mit dem Reisedienst Möller gestartet sind.

Unvermeidbar fragen wir 39 Reisenden und Pferdefreunde uns, wo die Zeit geblieben ist – so viel gesehen, gehört, erlebt.

Am 5.10.00 trafen wir spät abends in Erlau ein, einem 70.000 Einwohner zählendem Städchen mit mittelalterlichem Stadtkern, Burgruine, großem Dom, kleinen Gassen, Barockhäusern. Am nächsten Morgen fuhren wir bei sommerlichen Temperaturen zum staatlichen Lippizaner-Gestüt in Szilvasvarad.

Szilvasvarad  oben 



Haltung und Präsentation der Tiere war enttäuschend, ein halbes Dutzend Hengste in Ständerhaltung.

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Mehr erwartete ich von der 75-köpfigen Stutenherde im Laufstall. Aber zu viele Muttertiere mit Nachwuchs drängten sich in dem Stall ohne angeschlossene Auslaufmöglichkeit. Wo sollen und können diese Pferdekinder ihr Bedürfnis nach Laufen, Luft und Licht stillen?

Auslauf gibt es laut Auskunft nachmittags nur für einige Stunden aufgrund fehlender Tränkemöglichkeiten auf der Weide.

Alle Hengste und Stuten müssen die Zuchtleistungsprüfung im Fahren bestehen. Dieser Lippizaner steht nicht im Quadratpferdetyp, wie wir es z.B. von den Barockpferden der Hohen Schule kennen, sondern im Rechtecktyp.

Die internationalen Erfolge im Vierspännerfahren sind beachtlich: 1984 wurde die WM in Szilvasvarad abgehalten: Ungarn belegte die Plätze 1 – 3 in der Einzelwertung und Platz 1 in der Mannschaftswertung. Wir nahmen unser Mittagessen an dem ehemaligen WM-Stadion ein. Rückfahrt nach Erlau mit Stadtbesichtigung und Freizeit zum Bummeln.

Budapest  oben 



Die beiden folgenden Tage verbrachten wir in und um Budapest: auf der Fischerbastei mit Panoramablick auf die Donau, nebenan die gotisch-barocke Matthiaskirche, Heldenplatz, eine Markthallenbesichtigung, Kaffeetrinken im wunderbaren Café New Yorker, Abendessen während einer Donauschiffahrt.

Außerdem ein Ausflug zum malerischen Künstlerstädtchen Szentendre (Museumsstadt) sowie nach Kalosca, wo wir einem beeindruckend tongewaltigem Orgelspiel eines ungarischen Virtuosen in der Kathedrale lauschen durften – ein zum Heulen schönes Konzert, das mich im Innersten anrührte.

Freundlich wurden wir von den Donauschwaben, einer einfach lebenden Volksgruppe, mit Musik, Wein und Flammkuchen empfangen. Wir besichtigten das Weindorf, wo jede Familie und Generation ein Haus für seinen Wein baut.

Drei auserwählte Reisende durften in einem Spiel ihre Weinkenntnisse beweisen und wurden anschließend zu Knappen des Weines gekürt, wodurch die Glücklichen fortan dem Genuß von schnödem Wasser entsagen durften. Anschließendes Gänsekeule-Essen örtlichem Lokal.

Weiterfahrt und Übernachtung in Kecskemet. Am anderen Morgen eine kurze Stadtführung: hier hörten und erlebten wir ein beispielhaft friedliches Nebeneinander fünf verschiedener Konfessionen im Stadtzentrum!

Gerebi  oben 



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Weiterfahrt in die Puszta, wo wir im Herrenhaus Gerebi sehr freundlich mit Fladen und Getränken empfangen wurden. In dieser seit fünf Jahren in privater Hand befindlichen Anlage versucht man zweigleisig den Betrieb aufzubauen: mit Pferdetourismus und mit der Zucht.

Verschiedene ungarische Pferderassen wurden uns vor malerischer Parkkulisse vorgestellt. Anschließend verteilten wir uns auf vier Kutschen, die jeweils zweispännig von Kisberi-Pferden gezogen wurden. Wir genossen eine schöne Ausfahrt über sandige Wege durch waldreiches Gelände.

An diese Fahrt schloß sich sofort der nächste Höhepunkt an: ungarischen Hirten führten ihre Pferde in einer Gebrauchsreiterei vor, die von Vertrauen, Gehorsam und Geschwindigkeit geprägt war.

Die Pferde – alle übrigens ohne Sattel geritten – sind nicht nur Partner, sondern unverzichtbares Hilfsmittel des Viehhüters, um seinen Aufgaben in einer weiten, flachen Landschaft gerecht zu werden.

Peitscheknallend standen die Akteure auf ihrem flach liegenden Pferd. Dann standen sie auf der Kruppe – wie bei der Arbeit, um einen erhöhten Aussichtspunkt zu haben – die Pferde absolut unbeweglich.

Auch wurde gezeigt, wie Mensch und Tier aneinander liegend in der Puszta zusammen ausruhen. Daß diese Pferde aber keineswegs träge sind, zeigten sie in rasanten Galoppaden unter anderem bei einem "Reise nach Jerusalem Spiel".

Anschließend wurde uns demonstriert, daß dieselbe Gebrauchsdressur auch mit Eseln möglich ist.

Es folgten Vorführungen einer ungarischen Post im Koch-Fünfspänner geritten – wie nicht anders zu erwarten in rasantem Tempo. Es gab hier die Möglichkeit, diese Pferde einmal zu reiten oder einen Vierspänner zu lenken.

Beim Stallrundgang sahen wir hier einen Teil der Pferde in Ständerhaltung, allerdings mit einigermaßen Bewegungsfreiheit und Zugang zu Lecksteinen.

Eine nette Beobachtung war das Abschirren von zwei Schimmeln: die Pferde gingen in ihren Ständer, drehten sich auf ein kurzes Kommando um.

Dann wurde das erste Pferd abgeschirrt, auf Kommando drehte es sich um, so daß das Halfter angelegt werden konnte. Das andere Tier wartete inzwischen ohne sich zu rühren. Dann auch hier die gleiche Prozedur. Beeindruckend.

Mittagessen auf Holzbänken auf einem runden Platz umgeben von schattenspendenden Bäumen. Unter dem in der Mitte stehendem Baum brodelte ungarische Gulaschsuppe in einem Kessel über dem Feuer. Das Essen wurde von Zigeunermusik begleitet.

Im Hintergrund wurde ein Spanferkel gegrillt, das wir anschließend zerteilt zusammen mit Hühnchen und Gemüsesorten in einem Kellergewölbe serviert bekamen. Satt, zufrieden und voll beeindruckender Erlebnisse ging die Fahrt am Nachmittag an den Plattensee, wo wir endlich einmal für drei Nächte unsere Koffer entladen konnten.

Porzellanmanufaktur  oben 



5. Tag in Ungarn: der Besuch der Porzellanmanufaktur Herend war nicht nur für weibliche Mitreisende ein Höhepunkt.

In dem geführtem Rundgang erhielten wir einen Einblick in die Herstellung von Gebrauchsgegenständen wie Tassen und Tellern (größtenteils mechanische Fertigung) sowie verschiedenen, handgeformten Ziergegenständen: Schalen in Durchbruchtechnik oder aus Spaghetti-Porzellanmasse gewunden sowie Blütendekorationen.

Figürliche Darstellungen werden stückchenweise in Gipsformen gegossen. Vor dem Brennen werden die Einzelteilen mit Porzellanschlicker sorgfältig zusammengesetzt. Auch die Dekoration des gebrannten Porzellans in Aufglasurtechnik in verschiedenen Stilrichtungen konnten wir bewundern.

Golddekorationen werden separat bei einer niedrigeren Temperatur gebrannt und deshalb zuletzt aufgetragen. Uns wurde eine wertvolle Vase gezeigt, die in zweiwöchiger Kleinarbeit bemalt worden ist.

Jeder Künstler hat sich hier auf ein Produkt / Arbeitsgang spezialisiert, so daß sich die Ergebnisse wie ein Ei dem anderen gleichen. Im separatem Porzellanmuseum konnten wir einzigartige Stücke bewundern. Die Zeit drängte, noch ein kurzer Blick in das Verkaufsgeschäft – schöne Geschirre, schöne Preise.

Balatonfenyves  oben 



Weiter ging es zum 1992 privatisiertem Gestüt Hubertus in Balatonfenyves, das sich, gestützt von ausländischen Geldgebern, auf Rindermast, Reittourismus, Sportpferdezucht und -ausbildung spezialisiert hat.

Aber zuerst aßen wir in einem mit Jagdtrophäen dekoriertem Saal Fasanenpastete und Wildschweinebraten. Dann ging es zur Besichtigung der Pferdeställe, nicht ohne daß wir zuvor – satt bis zum Kragen – mit Wein und leckerem Gebäck willkommen geheißen wurden (essenstechnisch mußten wir schon sehr leiden).

Dann sahen wir Kisberer-Halbblut-Pferde: Zuchtstuten, zutrauliche, hochbeinige Jährlinge (neugierig, frech, einfach ganz liebenswert) sowie den Auftrieb verschiedener Herden in die Laufstallungen (Jungstuten, Junghengste und Stuten mit Fohlen).

Als Deckhengste fungieren hier u.a. der Trakehner Hohenstein II und der von Michelangelo stammende, 1997 in Deutschland gezogene Hölderlin.

Wir taten einen Blick in die Reithalle, und die Vorführung etlicher drei- und vierjähriger Pferde an der Hand schloß die Gestütsbesichtigung. Rückfahrt zum Plattensee.

Nun wäre nicht zu glauben, daß wir nun Feierabend hätten – damit unser Busfahrer, der uns die insgesamt 4.300 km sicher durch auch manch brenzlige Situation (!) kutschierte, seine vorgeschriebenen Pausen- und Ruhezeiten einhalten konnte, war beschlossen worden, das Abschiedsessen nicht am letzten Tag abzuhalten, sondern einen Abend früher.

Es fand in den Kellergewölben einer Csarda (traditionelle ungarische Gaststätte) statt. Es gab Fisch und unbegrenzt Wein. Die gebotene Zigeunermusik, die wir diesen Abend hörten, war nicht so ganz mein Geschmack; mich störte auch die Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel wie Mikrofon und Verstärker.

Eventuell war unsere Tischgruppe aber auch nur müde und weiteren Eindrücken nicht mehr aufnahmefähig – an anderen Tischen kamen die Pferdefreunde heute hingegen so richtig in Fahrt.

Babolna  oben 



Am letzten Ungarnreisetag fuhren wir zum Staatsgestüt Babolna, östlich von Györ, wo der kräftige Shagya-Araber gezüchtet wird. Wir wurden erneut sehr freundlich auf der tadellos gepflegten Anlage empfangen.

Fahrer in ungarischer Galauniform präsentierten zwei Zweispänner und einen Fünfspänner (!) (wer ein bißchen vom Fahren versteht, fragt sich schon, wie das leinentechnisch zu realisieren ist) und luden zu einer Kurzfahrt ein.

In den für die Pferde geräumigen Stallungen erfuhren wir, wie die Zucht des Shagyas mit Vollblut geplant wird, ohne daß zuviel Fremdblut einfließt.

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Anschließend erlebten wir die Vorführung von ein paar Hengsten in der großen, hohen und hellen Reithalle. Araberhengste in ihrer schönsten Selbstdarstellung – zu Recht "Trinker der Lüfte" genannt, keine Rasse kann es ihnen in Schönheit und in Grazie der Bewegungen gleichtun – dies war für manch einen Zuschauer DER Sternaugenblick der gesamten Reise.

Nach einem wie üblich üppigen und leckerem Mahl wurden wir durch das kleine Museum des Gestütes geführt.

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Anschließend konnten wir noch die Stallungen der Mutterstuten und die Herde selber auf in der Nähe gelegenen Weiden besuchen – es ergab sich dann einfach, daß wir durch die Zäune klettern durften und mitten durch die Herde spazierten.

Auch der Junghengst-herde auf einer anderen Weide wurde ein Besuch abgestattet. So endete der Besuch in Babolna und damit auch fast schon die Reise.

Rückreise  oben 



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Auch die beiden Rückreisetage, denen ich mit Unlust entgegensah, gestalteten sich durch die gute Atmosphäre der zusammengewachsenen Reisegruppe als ausgesprochen angenehm.

Obwohl bei einer Gruppenbusreise individuelle Wünsche kaum/nicht berücksichtigt werden können und die gesamte Gruppe nur gemäß dem Tempo des Langsamsten oder Letzten vorankommt, so bietet der Auftritt als Gruppe doch den Vorteil, ganz anders wahrgenommen und aufgenommen zu werden, und so wurden uns sicher schon ganz spezielle Eindrücke geboten.

Außerdem bot die Dauer der Rückreise die Möglichkeit, sich auf das Gewesene zu besinnen, Zeit zu haben, die vielen Eindrücke Revue passieren zu lassen. Mal nicht "zack, rein in den Flieger" und genauso zack, den Alltag zu erreichen.

Zum Beispiel war gerade die Puszta, dem einzigen Programmpunkt, von dem ich überhaupt eine Vorstellung gehabt hatte, so überhaupt nicht wie gedacht gewesen: keine endlose, karge Steppe mit einem Brunnen und darum herum einer galoppierenden Pferdeherde, sondern häufig leicht hügelige Felder, vielfach mit Mais bebaut – die Felder teilweise bis zum Horizont und häufig mit Laubbäumen begrenzt.

Überhaupt sehr viel Natur überall (bis auf Budapest natürlich). Pferde haben wir außerhalb der Gestüte kaum gesehen. Der in Deutschland boomende Breitensport um's Pferd steckt in Ungarn noch in den Kinderschuhen.

Ich will nicht leugnen, daß das viele und stundenlange Busfahren, das häufig zu reichliche und leckere Essen, die späten Abende und das frühe Aufstehen mich mit Müdigkeit erfüllten, aber da war auch diese Zufriedenheit, Zeit sinnvoll gelebt zu haben.

Im nächsten Jahr soll es wieder eine PM-Reise unter Planung und Durchführung von Herrn von Holleuffer nach Ungarn geben – trotz der manchmal nicht leichten Aufgabe, so viele Individuen mit schon manchmal putzigen Einfällen zu hüten.

Auf jeden Fall wurde schon Dagmar, unsere nette Reiseführerin in Ungarn, verpflichtet, dann wieder ihr Wissen um Land und Leute einzubringen.

Die guten und die anderen Erfahrungen dieser ersten Reise werden gewiß dazu beitragen, Programm und Unterbringung in noch besserer Form zu gestalten.

Fotos
Regina Steinkrauss
Rita Hoepke


Reiseinfo
Reisebüro Möller
Frau Möller
Tel. 04321-93770
Email info@moellers-reisedienst.de

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